Minnesota Timberwolves

Die besten Draft-Fits für die Wolves

Welche Spieler sind die besten Fits für die Minnesota Timberwolves im Draft 2020?

Welche Spieler sind die besten Fits für die Minnesota Timberwolves im Draft 2020?

Es ist eine merkwürdige Saison, die hinter den Minnesota Timberwolves liegt. Nachdem vor Beginn der Saison noch zarte Hoffnungen auf einen Platz in den Playoffs herrschten, musste sich das Team am Ende mit nur 19 Siegen aus 64 Spielen zufriedengeben. Geprägt wurde die Saison anstelle von Erfolgen durch die Verletzungsprobleme von Superstar Karl-Anthony Towns sowie einen kompletten Umbau des Kaders, der schließlich Wunschspieler D´Angelo Russell sowie Malik Beasley und Juancho Hernangomez nach Minnesota führte. Der Lichtblick hinter den katastrophalen Ergebnissen der Saison ist jedoch, dass sich die Lottery-Chancen der Timberwolves deutlich höher gestiegen sind, als man es erwarten hätten können. Dank des drittschlechtesten Records der ganzen Liga verfügen die Wolves über eine 14%-Chance auf den ersten Pick und eine 52.1%-Chance auf einen Top4-Pick. Zusätzlich besitzen die Timberwolves aus dem Covington-Trade auch noch über den Firstround-Pick der Nets, sollten diese in die Playoffs einziehen. Diese kann als sehr wahrscheinlich angenommen werden und verleiht den Timberwolves einen zweiten Pick in der Mitte der ersten Runde.

Das Grundgerüst steht (prinzipiell)

Mit diesen Picks möchte der im letzten Jahr neu eingestellte GM Gersson Rosas nun zu dem Gerüst hinzufügen, das er in der vergangenen Offseason und mit den Trades im Laufe der Saison aufgebaut hat. Nachdem in der vergangenen Offseason trotz zahlreicher Versuche kein Deal zustande gekommen war, konnten sich die Wolves zur Trade Deadline im Tausch für Andrew Wiggins und einen leicht geschützten Pick die Dienste von Point Guard D´Angelo Russell sichern. Gemeinsam mit seinem Freund Towns soll er das Team aus Minnesota wieder zurück in die Playoffs führen. Der Erwerb eines weiteren Shot Creators wurde dringend benötigt, da die Offense der Wolves in der vergangenen Saison keinen NBA-Standards mehr gerecht werden konnte, sobald Towns auf der Bank saß. Ein Offensivrating von 104.0 für alle Lineups ohne den Star der Wolves rankt nur im 10. Percentile und ist nicht ausreichend für ein Team, das defensiv zu den schlechteren der Liga gehört. Ob Russell allein dieses Problem beheben kann, ist fraglich, die ersten Anzeichen jedoch sind durchaus positiv. So konnte das Team mit D´Angelo Russell auf dem Feld in der kleinen Sample Size nach der Trade Deadline immerhin ein Offensivrating von 114.9 (87. Percentile) erzielen.

Der Kern der Minnesota Timberwolves nach Positionen

Dies lässt sich sicherlich auch damit begründen, dass zusätzlich zu Russell in Malik Beasley und Juancho Hernangomez noch einige weitere offensiv potente Spieler ihren Weg zur Trade Deadline zu den Timberwolves gefunden haben. Sie versorgten das Team mit den Shooting-Fähigkeiten und dem Spacing, an dem es für Ryan Saunders offensiven Spielstil lange gemangelt hatte. Es ist daher sicherlich eine Priorität des Front Office, die beiden Restricted Free Agents in der kommenden Offseason halten zu können. Vor dieser Offseason müssen sich die Wolves jedoch noch entscheiden, was sie mit ihren Picks im Draft machen wollen. Aufgrund der trade-intensiven Saison scheint es nicht ausgeschlossen, dass die Picks für das richtige Paket zur Verfügung stehen. Im Folgenden soll es jedoch nur darum gehen, was die Wolves machen können, wenn sie tatsächlich einen Spieler picken möchten.

Ein weiterer Creator mit dem Top-Pick?

LaMelo Ball

Sollten die Wolves in der Lottery Glück haben und einen der höchsten Picks im kommenden Draft erhalten, bieten sich einige interessante Optionen, um die noch fehlende Creation des Kaders auszugleichen und so den Weg zu einer Top-Offense zu ebnen. Der häufigste Name, der mit dem ersten Pick des Drafts in Verbindung gebracht wird, ist sicherlich der von LaMelo Ball. Mit seinen herausragenden Fähigkeiten im Playmaking stellt er eine gute Ergänzung für jede Offensive der NBA dar. Pick&Rolls oder Pick&Pops zwischen ihm und Towns könnten zu einer Waffe werden, die für andere Teams beinahe unmöglich zu verteidigen ist. Die Anwesenheit von Towns könnte ihm auch den notwendigen Platz verschaffen, sodass seine Schwächen im Scoring weniger stark zu Tage treten. Defensiv ist eine Backcourt-Kombi zwischen Ball und Russell aber bestenfalls unterdurchschnittlich, eher sogar katastrophal. Dass in Towns eine weitere defensive Schwachstelle dahinter agiert, ist dabei ebenso wenig hilfreich. LaMelo Ball ist mit Abstand am gefährlichsten mit dem Ball in der Hand, wenn er als Playmaker agieren kann und sein mangelndes Shooting ihn nicht derart stark handicapped wie off-ball. Somit müsste De´Angelo Russell jedoch deutlich mehr off-ball agieren. Eine Rolle, an der er in der vergangenen Saison bei den Golden State Warriors gescheitert ist. Der Fit zwischen Ball und dem bestehenden Kern der Wolves erscheint daher eher fraglich.

Defensiv könnte Killian Hayes einen deutlich besseren Fit darstellen. Der junge Franzose stellte in der vergangenen Saison in Ulm seine guten Teamdefense-Instinkte unter Beweis und könnte so zu mindestens einige der Fehler Russels ausgleichen. Offensiv verfügt er ebenfalls über ein starkes Playmaking, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau von LaMelo Ball. Auch für ihn wäre das zusätzliche Spacing eines der besten Shooting-Bigs aller Zeiten definitiv von Vorteil, um Schwächen im Finishing, insbesondere mit der rechten Hand, auszugleichen. Mit seinem über die Saison verbesserten Wurf könnte er irgendwann eine legitime Gefahr off-ball ausstrahlen, hat derzeit allerdings noch große Probleme mit seiner Wurfbewegung im Catch&Shoot. Zusätzlich sind seine Fähigkeiten mit seiner rechten Hand genauso stark unterentwickelt wie die von Russell, sodass sie beide gerne in exakt denselben Stellen auf dem Feld agieren möchten. Der Fit zu Russell ist daher auch nicht ideal, aber deutlich besser als der von Ball.

Anthony Edwards

Der dritte Kandidat für den Top-Pick ist Anthony Edwards. Mit seinen athletischen Tools könnten er auf dem nächsten Level das Spacing der Wolves ausnutzen, um nach Belieben am Ring scoren. Als Volumenscorer sollte er zudem in der Lage sein, die Offense der Wolves auf einem gewissen Niveau zu halten, auch wenn Towns sitzt. Mit seinem guten Cutting und einem gewissen Wurfpotenzial kann er zudem vermutlich auch besser off-ball agieren als die zuvor genannten Kandidaten. Weil es seinem College-Team in Georgia leider völlig an anderen Spielern gemangelt hat, die Würfe für ihn kreieren, konnte er diese Fähigkeiten jedoch nur in kleinen Ausschnitten unter Beweis stellen. Die großen Fragezeichen bei Edwards sind seine Shot Selection und allgemein ein mangelnder Basketball-IQ. Ein sehr Analytics-geprägtes Team wie die Timberwolves könnte ihm mit Ersterem vielleicht helfen, eine Sicherheit stellt das jedoch nicht dar. Defensiv verfügt Edwards über gewisse athletischen Tools, die ihn theoretisch zu einem guten on-ball Verteidiger machen könnten. Unter Beweis stellen konnte das der 19-Jährige am College allerdings überhaupt nicht. Stattdessen zählte er zu den schlechtesten Verteidigern aller Spieler, die beim Draft darauf hoffen können, ihren Namen zu hören. Mangelnde Aufmerksamkeit und Motivation gepaart mit schlechten defensiven Instinkten ist keine Kombination, die Beobachtern das Herz höherschlagen lässt. Es bleibt zu hoffen, dass einige dieser Aspekte der großen offensiven Rolle von Edwards in seinem Team geschuldet waren. Dass dem einen oder anderen Fan der Wolves nach dieser Beschreibung Parallelen zu Andrew Wiggins in den Sinn kommen, ist kein Zufall. Trotzdem stellt Edwards mit seinem Scoring-Upside vermutlich die beste Ergänzung für die Wolves da, sollten sie in den Top 3 picken.

Wenn den Timberwolves das Glück in der Lottery weniger hold ist und sie stattdessen mit einem Pick in der 5-7 Range enden, könnte sich der Blick der Entscheider eher auf gute Rollenspieler mit begrenztem Star-Upside wie Tyrese Haliburton, Deni Avdija oder Devin Vassell richten. Eine ähnliche Beschreibung trifft wohl auch auf den Spieler zu, den die Wolves mit ihrem zweiten Pick in diesem Draft noch erhalten können.

Ein Rollenspieler mit dem zweiten Pick?

Saddiq Bey

Am häufigsten mit dem zweiten Pick der Timberwolves in Verbindung gebracht wird Saddiq Bey. Der 6-8 große Wing von Villanova weist das Profil eines klassischen 3&D-Flügelspieler auf und konnte im College sowohl mit einer Dreierquote von über 45% bei solidem Volumen als auch einer gewissen Switchability in der Defense glänzen. Das ist ein Typus Spieler, der im System der Wolves und neben Towns und Russell dringend gebraucht werden könnte. Allerdings ist es höchst fraglich, ob die Ansätze von Selfcreation, die Bey in Villanova zeigen konnte, sich auf die NBA übertragen lässen und vor allem der Drive zum Korb lässt sehr zu Wünschen übrig. Damit ist das Potenzial des 21-Jährigen, mehr als nur ein Rollenspieler zu werden, sehr eingeschränkt. Da die Wolves wohl auf lange Sicht nicht mehr viele Versuche bekommen werden, um während KATs Vertragslaufzeit gute Partner für den Big zu finden, empfiehlt sich ein Pick mit etwas mehr Upside.

Der Spieler mit dem meisten Upside, der an Position 16 noch zur Verfügung stehen könnte, ist sicherlich Patrick Williams. Der 19-Jährige Forward ist einer der jüngsten Spieler im Draft und konnte bei den Florida State Seminoles an der Seite von Devin Vassell viele Scouts von sich überzeugen. Er zeigte dabei gelegentlich eine überragende Weakside-Rimprotection, die ihn defensiv zu einem perfekten Fit neben Karl-Anthony Towns machen würden. Eine Freiwurfquote von über 80% und Jumpshot-Quoten aus der Midrange im 76. Percentile machen Hoffnung, dass aus Williams ein sehr guter Shooter werden könnte, auch wenn seine 3er-Quote und -Volumen mit 32.0% bei 4.4 Versuchen pro 100 Possessions dieses Jahr noch wenig beeindruckend waren. Die Kombination aus Shooting und Weakside-Rimprotection bei einem 6-8 großen Spieler mit 6-11 Wingspan würden aus Williams im Minimum einen wertvollen Rollenspieler für das System der Timberwolves auf beiden Seiten des Feldes machen. Was ihm darüber hinaus jedoch einen Upside verleiht, den andere Kandidaten für den 16.Pick nicht haben, sind die von ihm gezeigten Ansätze im Pull-up-Shooting. Mit 0.86 Punkten pro Possessions rankt er im 70. Percentile in dieser Kategorie bei jedoch eher kleiner Sample Size. Gemeinsam mit seinem jungen Alter könnte ihn das zu einem interessanten Upside-Play für die Timberwolves machen, sofern er an 16 noch auf dem Board ist, was aber vermutlich eher zweifelhaft ist.

Deutlich besser stehen die Chancen, dass Josh Green noch für die Timberwolves zur Verfügung steht mit ihrem zweiten Pick. Der 19-Jährige Wing von den Arizona Wildcats weiß vor allem mit einer Defense zu überzeugen. Mit einer Größe von 6-6, einer Wingspan von über 6-10 und unglaublich schnellen Füßen und Reflexen bringt er athletische Vorteile mit, die ihn zu einem überragenden Verteidiger am Perimeter machen könnten. Insbesondere neben De´Angelo Russell wäre es von großem Vorteil, einen Spieler zu haben, der in jeder Nacht den besten kleinen Perimeter-Spieler des Gegners verteidigen kann. Offensiv ist das Spiel von Green noch relativ unausgereift, zeigt aber gute Ansätze im Slashing, auch wenn er ein grausamer Finisher auf dem College-Level war (8. Percentile im Halfcourt am Ring). Das liegt vor allem daran, dass Green eigentlich nur mit einer Hand überhaupt abschließen kann und ist hoffentlich korrigierbar, da es dem jungen Wing an Touch ansonsten eigentlich nicht mangelt. Dass er sich im 66. Percentile beim Abschluss per Runner befindet und eine Freiwurfquote von 78% vorweisen kann, machen Hoffnung, dass die 3er-Quote von 36% auf dem NBA-Niveau zu mindestens gehalten werden kann und sich dabei sein Volumen hoffentlich erhöht. Sein solides Passing und gutes Decision-Making könnten ihn zu einer wertvollen Ergänzung für Minnesota auf dem Flügel machen.

Andere potenzielle Kandidaten für Minnesota mit dem 16. Pick könnten zum Beispiel Aaron Nesmith oder Desmond Bane sein, wenn das Front Office um Gersson Rosas gerne auf mehr Shooting auf dem Flügel im Team bauen möchte. Auch die Addition eines weiteren Playmakers wie Grant Riller oder Tyrell Terry scheint nicht ausgeschlossen, sofern man diesen Need nicht bereits mit dem ersten Pick erfüllt.

Wen also sollten die Wolves picken?

Sollten die Wolves in der Lottery Glück haben, wäre mein Favorit für das Team definitiv Anthony Edwards, auch wenn er mit gewissen Risiken verbunden ist. Aber er könnte das eine Teil sein, das dem Kader aktuell noch dringend fehlt und sein Reifeprozess müsste hoffentlich fortgeschritten sein, bevor KATs letzte Vertragsjahre beginnen. Für den zweiten Pick stehen den Timberwolves einige interessante Alternativen zur Verfügung, je nachdem ob das Front Office eher nach einem soliden Rollenspieler sucht, der den Kern gut ergänzen kann oder nach etwas mehr Upside. Den besten Fit stellt vermutlich Patrick Williams dar. Sollte er schon vom Board sein, könnte sich der Blick der Wolves auf Josh Green oder Saddiq Bey richten.

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