Draftprofile 2020

Aleksej Pokusevski

Olympiacos Piräus
Quelle: Youtube

Datenblatt

 

 

Name: Aleksej Pokusevski

Geburtsdatum: 26.12.2001

Größe: 7’0” 

Gewicht: 200 lbs. 

Spannweite: 7’3”

Position: Wing/Big

Team: Olympiacos Piräus

Stärken

Schwächen

+ Shooting-Potential

+ Playmaking-Potential

+ Defensives Playmaking

+ Alter

 

– Frame

– Übersetzung des Spielertyps

 

ATHLETIK / INTANGIBLES:

+ Pokusevski bringt mit einer Kombination aus 7‘0‘‘ Körpergröße in Schuhen, 7‘3‘‘ Armspannweite und einer Standing Reach von 9‘1‘‘ besonders für die große Flügelspieler- aber sogar auch für die Bigman-Position elitäre Länge mit.

+ Sein wohl spannendstes körperliches Attribut ist seine Beweglichkeit in Relation zu dieser beschriebenen Länge. Nur wenige nominelle Sevenfooter besitzen durch ein hohes Koordinationslevel und elitäres Bewegungstalent die Fähigkeit auch schwierige Basketballmoves einfach und flüssig aussehen zu lassen. Pokusevski ist ein solcher Spieler, der oftmals dadurch wie ein Wing im Bigmankörper wirkt.

+ Dementsprechend ist er für seine Grundagilität, Fußarbeit und auch Geschwindigkeit zu loben, die ihm eine gute funktionale Athletik gaben.

+ Wird erst Ende Dezember diesen Jahres 19 Jahre alt und ist damit der jüngste Spieler dieser Draftclass.

* Konnte in seinen jungen Jahren schon einige wertvolle Basketballerfahrungen sammeln. Kam mit 13 Jahren nach Griechenland und unterschrieb einen Vertrag bei Olympiacos. Spielte auf Club-Level bei mehreren ANGT-Tunieren eine tragende Rolle und sammelte zudem erste Euroleague-Minuten. Zudem lief er bei der U17-WM und U18-EM für Serbien (hätte auch die Möglichkeit gehabt, für Griechenland zu spielen) auf und sorgte auf individueller Ebene für viel Furore.

* Sein Competition-Level daneben ist allerdings etwas zu hinterfragen. In der abgelaufenen Saison spielte er nur in der zweiten griechischen Liga. Warum er nicht mehr Minuten in der ersten Mannschaft von Piräus gesehen hat, ist nicht ganz klar. [Disclaimer auch an dieser Stelle: Videomaterial war dadurch rar gesät. Einschätzungen zu Pokusevski erfolgen weitestgehend auf Basis seines letzten internationalen Turniers im Sommer 2019. Diese Lücke ist gerade bei so jungen Spielern sehr problematisch.]

– Der Serbe ist mit nur knapp 200 Pfund Körpergewicht extrem leicht. Aktuell kann er noch sehr leicht umhergeschoben werden und hat durch fehlende Core-Strength Probleme mit physischem Spiel. Mehr Muskelmasse aufzutrainieren sollte deshalb absolute Priorität haben, um ihm mehr Stabilität geben zu können. Verhältnismäßig schmale Schultern scheinen allerdings seinem Frame natürliche Limitationen in Sachen Masseaufbau zu geben.

– Ihm fehlt es an Explosivität. Hat für einen Spieler seiner Größe und Fähigkeiten nur wenige Abschlüsse über Ringniveau, obwohl es ihm nicht unbedingt an Sprungkraft mangelt. Allerdings scheint die Aufladezeit für seine Sprünge (besonders Second-Jumps) recht lang zu sein.

 

OFFENSE:

+ Der herausstechende Offensivskill des Teenagers ist sein variantenreiches Playmaking, welches für seinen hohen Basketball IQ, tolle Vision und gute Passfähigkeiten spricht. Brachte zuletzt in der griechischen HEBA A2 starke 25 AST%.

+ Kann als Grab’n’Go-Option nach eigenem Rebound direkt das Spiel beschleunigen und durch sein solides Handling auch als Live-Dribbler seine Mitspieler im Fastbreak einsetzen.

+ Im Halbfeld ist er als Passer noch variabler. Teilweise kann er das Pick’n’Roll als Ballhandler laufen und den Rollman mit einfachen Pässen über die Verteidigung finden. Selbst als Screener aktiv, ist er ein interessanter Short-Roll-Playmaker, der gern Cutter oder Schützen findet. Aber auch aus dem Semi-Postup kann er Defenses bestrafen, indem er Weakside-Shooter bedient oder andere Mitspieler offenpasst.

+ Weiterhin verfügt Pokusevski über gehöriges Potential als Shooter. Seine Wurfbewegung wirkt sehr sauber. Sein Release ist hoch und schnell. Zudem zeigte er in unzähligen Situationen ungemeines Selbstvertrauen in seine eigenen Fähigkeiten als Werfer. Die RealGM-Zahlen aus allen Wettbewerben seit 2017/18 zeichnen ein Bild, das zuversichtlich stimmen sollte. In 35 Spielen brachte er 1,2 3PM/G bei 31,6 3P% und 69,7 FT%. Touch und funktionierende Bewegungsabläufe sind als starkes Fundament vorhanden.

+ Seinen Dreier wusste Pokusevski vor allem als Transition-Stepin anzubringen. Gleichzeitig kann er aber auch als Spotup-Schütze in Erscheinung treten und deutete jede Menge Pick’n’Pop-Potential an. Gegen gleichaltrige Spieler traf er teilweise sogar selbstkreierte Pullup- und Stepback-Dreier, die er durch seine Größe mit Leichtigkeit über seine Gegenspieler wirft. Als sehr beweglicher Spieler mit guten Balance- und Koordinations-Fähigkeiten, ist es sogar denkbar, dass der junge Serbe später einmal ein überdurchschnittlicher Movement-Shooter wird.

* Hat den Hang zum flashy Play und versucht bspw. teilweise komplizierte Behind-the-Back-Pässe, die zu Ballverlusten führen. Diese Aktionen sind natürlich mit einem negativen Outcome für sein Team behaftet, können aber gleichzeitig auch positiv hinsichtlich seiner Kreativität und Gedankenschnelle ausgelegt werden. Wir vermerken dennoch die Turnoveranfälligkeit seines risikoreichen Spielstils (In keiner Situation bisher unter 15 TOV%.)

* Kann durch gutes Handling den Ball ohne Probleme auch mal auf den Boden setzen und sich so eigene Drives vorbereiten. Ihm ist es möglich, Closeouts effektiv zu attackieren. Zeigt bei solchen Drives gute Fußarbeit und Touch. Allerdings nutzt er sein fast immer gegebenes Missmatch-Potential in dieser Hinsicht nicht konstant aus, sondern gibt sich zu oft mit dem Sprungwurf zufrieden.

– Viele seiner spannend aussehenden Floater- oder Turnaround-Abschlüsse entstehen aber nur durch seine Tendenz Kontakt auszuweichen. Zu diesem Zeitpunkt scheint Pokusevski Kontakt-Finishes um jeden Preis vermeiden zu wollen. Echte Rim-Abschlüsse oder Postups sind deshalb eine Seltenheit. Für einen Spieler mit seinen Ausmaßen ist dies ungewöhnlich und eher besorgniserregend. Nur 2,3 FTA pro Spiel über das oben schon beschriebene 35-Spiele-Sample sind unterdurchschnittlich für ein NBA-Talent mit so prominenter Rolle in seinen Teams.

 

DEFENSE:

+ Pokusevski verfügt über ein solides defensives Verständnis und sticht vor allem als Help-Side-Rimprotector hervor. Seine Mischung aus gutem Rotationsgefühl, überdurchschnittlichem Timing und toller Länge erlauben es ihm immer wieder Fehler der Mitspieler auszubügeln und den Ring zu beschützen (19/20: 8,5 BLK%).

+ Aufmerksamer Verteidiger abseits des Balles, der mit seinen langen Armen und guten Händen immer wieder für Deflections und Steals sorgen kann (3 STL%).

* Wirkt beweglich genug, um langfristig etwas Switchability und ausreichende Perimeter-Fähigkeiten haben zu können. Zumeist gegen andere Wings eingesetzt. Aktuell fällt aber seine schlechte Closeout-Technik auf. Der Serbe ist oft zu energisch und kann das eigene Momentum anschließend nicht mehr stoppen. Dies erlaubt Gegenspielern einfaches Vorbeiziehen. Es bleibt abzuwarten, inwiefern sich diese Schwächen korrigieren lassen.

* Ist in seiner Einstellung nicht konstant. Kommuniziert gut und freut sich über gelungene Aktionen, scheint aber nicht in jeder Possession den ultimativen Willen zum Stop zu besitzen.

– Ihm wird es aufgrund seiner Statur immer an Physis fehlen, um als guter Postup-Defender, elitärer Rebounder oder Full-Time-Rimprotector gelten zu können. Dies erhöht den Druck auf seine Fortschritte in der Perimeter -Verteidigung. Dies ist für nahezu Sevenfooter wie ihn sicherlich ungewöhnlich, da diese historisch immer im Herz der Defense zu verorten waren. Wenn Pokusevski sich aber ideal entwickelt, verteidigt er eher an der Dreierlinie.

 

Overall

Aleksej Pokusevski ist einer der spannendsten Spieler der aktuellen Klasse. Dieses Prädikat wird dem jüngsten Talent des Jahrgangs wegen dem vermeintlich größten Entwicklungspotential zumeist sowieso schon immer zu teil. Im Fall des Serben kommt allerdings auch der besondere Spielertyp hinzu, der je nach Fortschritten in wichtigen Facetten wie Wurf und Core-Strength viele mögliche Visionen ermöglicht. Dabei ist die Diskrepanz zwischen den vorstellbaren Outcomes enorm.

Entwickelt der junge Forward all seine bisherigen Skills weiter, fügt sie zu einem funktionierenden Paket zusammen und übertragt sie auch auf das nächste Level, ist er direkt ein sehr besonderer Spieler, für den nur sehr schwer sinnvolle Vergleiche gefunden werden können. Kollege Tobias Bühner nannte intern Danilo Gallinari mit mehr Playmaking als Comp und würde Pokusevski defensiv in einer Kevin Durant-GSW-Rolle sehen wollen. Eine (Light-)Version von Brandon Ingram scheint auch irgendwie zu passen, um die Mischung aus Länge, Wurf und Playmaking, aber auch Frame-Problemen abzubilden. Schafft es der Serbe in solche Sphären vorzustoßen, gibt es wenige Prospects, die in diesem Jahr die realistische Chance haben, zu besseren Spielern zu werden. Das macht ihn zu einem faszinierenden Upside-Gamble.

Andererseits ist es genauso vorstellbar, dass er ohne größeren Sprung in Sachen Wurf und Athletik nur wenig Impact liefern kann. Kann man Pokusevski offensiv nicht ohne gutes Gewissen den Ball in die Hände geben, wird er seiner großen Stärke Playmaking beschnitten und verkommt zu einem durchschnittlichen Stretch-Big. Defensiv werden seine Länge und sein solides Verständnis auch nur wenig bringen, wenn er nicht an seinen Füßen, Explosivität und mehr Physis in seinem Spiel arbeitet. Ein solcher Profi knackt nicht jede Rotation.

Video:

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