San Antonio Spurs

Die besten Draft-Fits für die Spurs

Welche Spieler sind die besten Fits für die Spurs im Draft 2020?

Welche Spieler sind die besten Fits für die Spurs im Draft 2020?

Vor einigen Wochen hatte ich in einem Artikel bereits mein persönliches Fazit über die Saison der San Antonio Spurs gezogen und den Blick dabei vor allem auf die Zukunft der Franchise aus Texas gelegt. Seitdem ist klar geworden, dass die Saison für die Spurs noch nicht vorbei ist, sondern sie stattdessen in Orlando eine Außenseiter-Chance erhalten werden, um die 22 Jahre andauernde Playoff-Streak am Leben zu erhalten. An der Zukunftsaussicht des Teams ändert dieser Fakt jedoch nur wenig. Es wird mehr als Zeit für die Spurs den Fokus auf junge Spieler und den Übergang zu dem nächsten großen Spurs-Team zu legen. Die einfachste Möglichkeit, um junge und vielsprechende Spieler zu finden, ist nach wie vor der Draft. Stand heute haben die Spurs voraussichtlich den 11. Pick im NBA Draft 2020 und diese Position sollte sich von besonderen Vorkommnissen in der Lottery abgesehen eigentlich maximal um einige wenige Stellen verändern. Wie ich in dem oben erwähnten Artikel bereits ausgeführt habe, glänzt der Draft 2020 an dieser Stelle nicht unbedingt mit Talenten, die den Unterschied für die Zukunftsprojektion einer NBA-Franchise ausmachen können. Jedoch gibt es einige Spieler, die durchaus ein wichtiger Bestandteil des zukünftigen Rosters sein könnten. Daher lohnt sich darauf zu blicken, wonach die Spurs eigentlich suchen sollte und welche Spieler für diese Anforderungen am besten in Frage kommen.

„Best Player Available“ oder Fit?

Killian Hayes

Da es sich im Falle der Spurs um ein Team handelt, dem es an Talenten mit wirklichem Star-Upside mangelt, scheint es logisch, dass man im Draft automatisch den Spieler zieht, den man diesen am ehesten zutraut und sich erst später Gedanken über den Fit mit dem existierenden jungen Kern macht. Und diese Logik trifft auch definitiv zu, sofern sich noch Spieler auf dem Board befinden, die die Franchise als deutlich bessere Prospects einstufen würde als alle anderen Spieler, die noch zur Verfügung stehen. Sollte beispielsweise Killian Hayes bis an 11 fallen, steht es außer Frage, dass die Spurs den Versuch wagen sollten und sich erst danach darum kümmern müssen, wie eine funktionierende Guard-Rotation aussehen kann.

Fakt ist jedoch auch, dass es nur wenige Talente im NBA-Draft 2020 gibt, denen eine wirklich hohe Upside nachgesagt werden kann und die allermeisten davon vermutlich an Position 11 bereits gezogen wurden. In den darauffolgenden Tiers werden die Abstände im Taltentierungsgrad zwischen einzelnen Spielern deutlich marginaler. Ob das Team mit dem bestehenden Kader in der Lage ist, dieses Talent zu maximieren und inwiefern das Hinzufügen des Spieler zu der Entwicklung des existierenden Kerns beiträgt, sind dann plötzlich doch entscheidende Kriterien bei der Auswahl. Wirft man einen Blick auf die Rollen der Spieler, die aktuell als Teil der Zukunft eingeplant werden, ergibt sich ein recht deutliches Bild.

Der junge Kern der Spurs nach Position

Während das Team in Dejounte Murray und Derrick White bereits über einige Guards verfügt, die als solider Starter projiziert werden können, besteht auf den anderen Positionen ein deutlich größerer Bedarf. Lonnie Walker ist bestenfalls ein kleiner Wing und es mangelt ihm ebenso wie Keldon Johnson an der passenden Größe, um große Flügelspieler des Gegners auf einer täglichen Basis zu verteidigen. Luka Samanic ist der einzige andere junge Spieler im Kader, der dafür potenziell in Frage käme und der 20-jährige Rookie konnte bis heute noch nicht wirklich nachweisen, dass er eine sichere Zukunft in der NBA hat. Ein Flügelspieler mit dem passenden offensiven und defensiven Skillset als Ergänzung zu den bestehenden Guards scheint daher die Priorität zu sein. Darauf lässt auch schließen, dass man im vergangenen Jahr sowohl den eben angesprochenen Samanic als auch in Johnson einen weiteren Wing in der ersten Runde gedraftet hat.

Onyeka Okongwu

Der einzige Big, der sich eine langfristige Zukunft bei den Spurs ausrechnen kann, ist Jakob Pöltl. Der 24-jährige Österreicher konnte in der vergangenen Saison einen großen defensiven und offensiven Sprung vorweisen, auch wenn seine Counting Stats nach wie vor eher unscheinbar ausfallen. Seine Performance spricht jedoch dafür, dass er langfristig ein solider Starter in der NBA sein könnte. Da die meisten smarten Teams es in der modernen NBA vermeiden, zu viele Ressourcen in Bigs zu investieren, dürfte es sich bei dieser Position demnach eher um eine nachgestellte Priorität handeln. Allerdings wird im Pöltl in der kommenden Offseason Restricted Free Agent. Auch wenn der Markt nicht unbedingt darauf hindeutet, dass Pöltl ein großes Offer Sheet erwarten kann, könnten die Spurs versuchen, das Risiko zu vermeiden, indem sie im Draft bereits einen Ersatz für die Rolle des 24-Jährigen ziehen. Onyeka Onkongwu scheint für diese Idee eine naheliegende Lösung zu sein, sollte er an 11 noch verfügbar sein. Davon abgesehen verdichten sich die Zeichen jedoch eher dahingehend, dass die Spurs nach einem weiteren Flügelspieler Ausschau halten und eventuell eher mit ihrem Second Round Pick noch einen weiteren Versuch mit einem Big starten, wie sie es in der Vergangenheit bereits mit Chimezie Metu gemacht haben.

Hoher Upside oder hoher Floor?

Devin Vassell

Die „Upside vs. Floor“-Diskussion rund um den NBA-Draft und Draftphiliosophien ist mindestens so alt wie NBA-Twitter selbst. In den meisten Konversationen halte ich diesen Gedanken ehrlicherweise für stark überschätzt. Nur die wenigsten Prospect sind die puren „Boom-oder-Bust“-Kandidaten oder haben einen hohen Floor und dafür keine Upside. Ein Name, der als Aushängeschild für den letzteren Typus Spieler im Rahmen des diesjährigen Drafts immer wieder aufkommt, ist der von Devin Vassell. Gesegnet mit der vermutlich besten Team-Defense des gesamten Draft sowie einem guten Wurf von außerhalb der Dreierlinie ist es tatsächlich schwierig sich vorzustellen, wie aus dem Flügelspieler der Florida State Seminoles kein solider NBA-Spieler werden soll. Gleichzeitig fehlt es ihm an der elitären Athletik oder einem überragenden Playmaking, welches ihm einen Upside als primäre offensive Option eines Contenders verleihen würde. Mit seinem enormen Shotmaking-Potenzial verfügt er jedoch über deutlich mehr offensives Wachstumspotenzial als viele Beobachter ihm zugestehen. Mit seinen unglaublich stark ausgeprägten Instinkten in der Team-Defense wäre er ein perfekter Fit zu den jungen Spieler der Spurs, von denen viele zwar starke Verteidiger sind, die meisten ihre Stärken aber eher in der On-Ball Defense haben.

Eher am anderen Ende des Spektrums dieser Diskussion kann man Aleksej Pokuševski verordnen. Der serbische Profi feiert erst am 26.12. diesen Jahres seinen 19. Geburtstag und ist damit einer der jüngsten Spieler im Draft. Er spielte in der vergangen Saison in der zweiten griechischen Liga und flog dementsprechend lange ein wenig unter dem Radar der breiten Mainstream-Öffentlichkeit. Als fast 7-foot großer Spieler ist er mit der Beweglichkeit eines Guards gesegnet, die es ihm ermöglicht, um Screens zu rennen und seinen natürlichen Shooting-Touch unter Beweis zu stellen. Zusätzlich verfügt er über ein sehr gutes Playmaking und solide Dribbling-Fähigkeiten. Das ist eine Skill-Kombination, die man bei Spielern seiner Größe selbst in der NBA nur sehr selten antrifft und ihm eines der höchsten Ceilings der gesamten Draft-Klasse beschert. Allerdings stellen sich Fragen dazu, wie gut sein Spiel und sein sehr dünner Frame sich auf die NBA übertragen lassen und das geringe Competition-Level der zweiten griechischen Liga lässt viele Beobachter an seinen tatsächlichen Fähigkeiten zweifeln. Für die Spurs, die verzweifelt auf der Suche nach echtem Star-Upside sind, könnte er an 11 eine verlockende Alternative darstellen. Zumal das Team aus der Texas in der Vergangenheit viele positive Erfahrungen mit Profis aus Europa gemacht hat und sich auf ein starkes Scouting-Netzwerk auf dem Kontinent verlassen können. Eine recht ähnliche Logik, die hinter einer Auswahl von Pokuševski stehen könnte, führt beispielsweise zum Draft von Luka Samanic im vergangenen Jahr.

Ebenfalls im europäischen Basketball aktiv, aber sehr wohl von Beginn der Saison an auf dem Radar jedes Draft-Experten ist Deni Avdija. Der 6-9 große Forward aus Israel ist spätestens seit seinem Treffen mit Coach Pop bei einem der „Basketball without Borders“-Trainingscamp der Favorit vieler Spurs Fans und wäre ein toller Fit für das junge Team. Es erscheint jedoch unwahrscheinlich, dass er an 11 noch verfügbar ist. Ähnliches gilt für Isaac Okoro, 19 jähriger Wing der Auburn Tigers und potenzieller All-NBA-Defense Kandidat, der jedoch aufgrund seines mangelnden Wurfes sowieso eher schlecht zu Dejounte Murray und Derrick White passt. Die Shooting-Lücke des Kaders könnte von Aaron Nesmith gefüllt werden, Position 11 scheint jedoch für einen Spieler mit derart limitierter Self-Creation ein wenig zu hoch.

Wen sollten die Spurs also picken?

Mit dem völligen Mangel an High-Level Talent im Kader der Spurs scheint es offensichtlich, dass das Team aus Texas am Ende einfach den auf ihren Board am höchsten gerankten Spieler nehmen wird. Auch wenn es am Ende der Lottery in diesem Jahr an wirklichen Top-Talenten eher mangelt, gibt es einige Spieler, die potenziell sehr interessant sein könnten. Eine Entscheidung zwischen Devin Vassell und Aleksej Pokuševski würde mich nicht überraschen und beide würden ein für die Spurs sehr interessantes Skillset mitbringen.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Schreibe einen Kommentar