Dallas Mavericks, NBA

Offseason Preview: Dallas Mavericks

Die Dallas Mavericks sind das Team mit der wahrscheinlich verheißungsvollsten Zukunft der gesamten NBA. Nach dem Durchbruch Luka Doncics in der vergangenen Saison steht dem Team eine erste Option auf MVP-Niveau noch für viele Jahre zur Verfügung. Es stellt sich nun die Frage, wie die Mavericks den nächsten Schritt vom interessanten jungen Team zum echten Contender machen können. Schon in dieser Offseason könnte die Franchise aus Texas dafür einige Weichen stellen.

Die Suche nach einem dritten Star

In seiner starken Sophomore-Saison, die mit dem vierten Platz im MVP-Voting belohnt wurde, hat Luka Doncic eindeutig unter Beweis gestellt, dass er offensiv bereits jetzt gut genug ist, um die erste Option eines Championship-Teams zu sein. Er trug in der vergangenen Saison eine beinahe unvorstellbar große Creation-Last (40.7% Usage) und war dennoch dazu fähig, sehr effizient zu agieren (116 Ortg). Diese Kombination ist in der Liga äußerst selten und bei einem 20-Jährigen de facto nie anzutreffen. Luka qualifiziert sich damit eindeutig als eines der wenigen franchiseverändernden Talente, um die herum ein Team mit dem passenden Supporting-Cast einen jahrelangen Status als Contender aufrechterhalten kann. Einen wichtiger Bestandteil dieses Supporting-Cast in dieser Saison und der Zukunft stellt Kristaps Porzingis dar, der in der vergangenen Saison zur Trade Deadline neu zum Team kam. Mit seiner Kombination aus Rim Protection und 3er-Shooting ist er nicht nur das beste Beispiel dieses in der Liga sehr gefragten Prototyps, sondern auch eine ideale Ergänzung als Komplementärspieler zu Luka. Mit seinem Mangel an Creation für sich selbst und vor allem für andere ist er jedoch eher die typische dritte Option eines Contenders als der zweitbeste Spieler. Trotz seiner guten Leistungen in dieser Saison ist er daher auch in Anbetracht der Verletzungsproblematiken, die ihn derzeit wieder einmal quälen, mit seinem Max-Deal tendenziell leicht überbezahlt. Da Luka nach wie vor auf seinem Rookie-Deal ist, ist das allerdings nicht weiter problematisch und das Team hat mehr als genug Möglichkeiten, um weiteres Star-Talent zum Kader hinzuzufügen.

Dieser dritte Star sollte im Idealfall ein sehr bestimmtes Skillset mitbringen. Einen Perimeter-Creator zu finden, der auf gutem Niveau für sich selbst und andere Würfe kreieren kann, um Luka zu entlasten, die Offense weniger ausrechenbar zu machen und übernehmen zu können, wenn der Superstar sitzt, ist an sich schon schwer genug. Der perfekte Kandidat für die Mavs muss darüber hinaus aber auch auf jeden Fall off-ball neben Luka funktionieren, da dieser weiterhin die erste Option der Offense darstellen wird. Idealerweise sollte er zusätzlich auch ein guter defensiver Spieler sein, der die besten Wings des Gegners verteidigen kann, auf jeden Fall sollte man jedoch ein zweites klares defensives Minus neben Luka am Perimeter vermeiden. Dieses Spieler-Profil klingt im ersten Moment erstmal sehr komplex. Da das Team jedoch keine Creation auf absolutem Superstar-Niveau braucht, kommen durchaus einige verfügbare Optionen in Frage.

Free Agency 2021 als beste und einzige Chance?

Die einfachste Möglichkeit, an einen solchen dritten Topspieler zu gelangen, bietet sicherlich die Free Agency 2021. Nicht nur werden in diesem Jahr etliche namhafte Spieler Unrestricted Free Agent, die zum Anpassungsprofil der Mavs passen, sondern das Team verfügt auch über den notwendigen Cap Space, um ein interessantes Angebot zu bieten. Nach aktueller Prognose befindet das Team aus Dallas zwar nur knapp 28 Millionen unter dem Salary Cap, diese Nummer könnte aber durch Trades mit den nicht unbedingt notwendigen Delon Wright, Dwight Powell oder Seth Curry leicht erhöht werden. Die Prognosen für die genaue Höhe des Salary Caps sind aufgrund der aktuellen Umstände noch sehr fraglich, aber es sollte auf jeden Fall einen Weg für Dallas geben, um die notwendige Zahl für einen Max-Slot zu erreichen. Gleichzeitig haben die Mavs im Gegensatz zu vielen anderen Teams einen starken Supporting Cast weiterhin unter Vertrag und könnten so für einen Free Agent, der sich Titelchancen ausrechnet, umso interessanter sein.

Salary Capsheet der Mavericks für die Saison 2020/21 und 2021/22

Die Mavericks müssen daher in dieser Offseason den Fokus darauflegen, möglichst wenige langfristige Verträge herauszugeben, die irgendwann negativen Wert darstellen könnten, um sich viel Flexibilität für die Free Agency 2021 zu erhalten. Könnte man dann beispielsweise Giannis Antetokounmpo nach Dallas locken, wäre mehrere Titel schon beinahe garantiert. Auf der anderen Seite muss das Front Office natürlich auch bedenken, nicht zu viel auf eine Karte zu setzen. Mit Lukas sehr wahrscheinlicher Max-Extension, die in der Offseason 2022 beginnt, verfügt das Team ab diesem Zeitpunkt vermutlich nicht mehr über die Flexibilität, um Max Capspace neben Luka und Porzingis zu schaffen. Da das Team außerdem über keinerlei Blue Chip Assets verfügt, die sie im Trade für einen Star automatisch zum höchsten Bieter machen würden und sogar einige Firstround-Picks für Porzingis bereits vertradet haben, wäre es so äußerst schwierig, Star-Talente unter Vertrag zu nehmen. Eine Wette einzig und allein auf eine einzige Free Agency ist immer extrem riskant und kann in einer großen Enttäuschung enden. Sollte sich daher in dieser Offseason irgendwie die Möglichkeit bieten, Star-Potenzial dem Kader hinzuzufügen, müssen die Mavericks diese Chance nutzen. Wenn das Team darüber hinaus zusätzlich noch flexibel für die nächste Offseason bleiben kann, wäre das allerdings ideal.

Warum ein Oladipo-Trade Sinn ergeben würde

Die Mavericks verfügen in dieser Offseason über keinerlei Cap Space und außer Anthony Davis, der beinahe sicher bei den Lakers bleibt, ist auch kein Spieler mit Star-Potenzial Free Agent. Es wären demnach nur Trade-Optionen denkbar, um den dritten Top-Spieler bereits in dieser Offseason zu erlangen.  Nach aktuellem Stand der Gerüchteküche der NBA kommen für die Mavericks voraussichtlich vor allem zwei Namen für einen solchen Trade in Frage: Jrue Holiday und Victor Oladipo. Holiday könnte bei den New Orleans Pelicans zum überflüssigen Luxus werden, wenn sich das Team mit dem neuen Coach Stan Van Gundy eher einem Retooling um Zion zuwendet. Mit seiner Guard-Defense auf All-Defense-Niveau, gutem sekundärem Playmaking und solidem Shooting wäre er der perfekte Partner im Backcourt für Luka Doncic. Zusätzlich läuft sein Vertrag 2021 aus, sodass die Mavericks viel Flexibilität bei der zukünftigen Roster-Gestaltung erhalten bliebe. Das Problem besteht lediglich darin, dass die Mavericks den Trade-Gegenwert, der für Holiday nötig wäre, voraussichtlich nicht aufbringen können. Nach dem 18. Pick in diesem Draft können die Mavericks erst wieder ihren Firstround-Pick im Jahr 2025 traden. Junge Talente mit Star-Upside befinden sich außer Luka nicht im Kader. Insbesondere für die Pelicans, die bereits über einige Firsts anderer Teams in ferner Zukunft verfügen, erscheint dieser Gegenwert wenig verlockend. Holiday könnte daher eher ein Ziel als Second Tier Free Agent Signing sein, sofern der 30-Jährige seine Form beibehalten kann.

Demnach verbleibt nur noch Victor Oladipo als realistisches Trade-Ziel. Berichte, zufolge derer der 28-Jährige die Indiana Pacers verlassen möchte, haben seinen Trade-Wert so stark gesenkt, dass er durchaus für ein Paket der Mavericks verfügbar sein könnte. Ein solcher Trade wäre für die Mavericks aber mit einem großen Risiko verbunden, da unklar ist, welche Leistungen der ehemalige Allstar aufs Feld bringen kann. Kann er an seine All-NBA-Saison 2017/18 anknüpfen, wäre er die perfekte Ergänzung für das Team aus Dallas. Oladipo zeigte damals nicht nur eine starke on-ball Creation, er traf darüber hinaus auch 37.1% seiner 8.5 Dreier pro 100 Possessions und wurde zurecht in das All-Defense First Team gewählt. Das Problem liegt jedoch darin, dass Oladipo schon vor seiner Knie-Verletzung im Januar 2019 nicht ganz an dieses Niveau anknüpfen konnte und nach seiner Rückkehr in dieser Saison sehr weit davon entfernt war. Es ist gut möglich, dass ein Trade die Mavericks lediglich wertvolle Assets kosten würde, sie aber keinen Schritt näher auf der Suche nach dem dritten Star bringt. Andererseits ist dieses Risiko durchaus überschaubar. Ein Trade-Paket aus Tim Hardaway Jr. (nachdem dieses seine Player Option gezogen hat), Dorian Finney-Smith und dem 18. Pick könnte bereits ausreichen, um Oladipo nach Texas zu bringen. Hardaway Jr. spielt in den langfristigen Planungen der Franchise voraussichtlich keine Rolle und Finney-Smith sowie der Spieler, den man an 18 bekommen könnte, sind lediglich Rollenspieler. Solide Rollenspieler, die man natürlich gerne in seinen Reihen hätte neben Luka Doncic, jedoch keine langfristigen Assets, deren Verlust man notfalls nicht verschmerzen könnte.

Entwurf eines potenziellen Trades der Mavericks für Victor Oladipo (erstellt mit Hilfe von tradenba.com)

Unter Umständen kann man Indiana sogar dazu überreden, Delon Wright und Seth Curry anstelle von Hardaway Jr. zu nehmen und könnte so zusätzlichen Spielraum unter dem Salary Cap für 2021 schaffen. Ein solcher Trade hätte den Vorteil, dass man mit einem fitten Oladipo vielleicht bereits dieses Jahr den nächsten Schritt auf dem Weg zum Contender machen könnte und zudem einen besseren Eindruck davon bekommt, wie gut der Fit zwischen Oladipo und Doncic wirklich ist. Ob sich Oladipo an eine Rolle als sekundärer Creator gewöhnen kann, nachdem er in Indiana jahrelang die erste Option war, wäre bei einem Free Agency Signing in 2021 beispielsweise unklar. Wenn der Fit funktioniert, könnte man Oladipo in 2021 über Bird Rights verlängern und so nicht nur einen größeren Teil des Supporting-Casts halten, sondern zudem als Team über den Cap auch die volle Mid-Level-Exception nutzen, um weiteres Talent hinzuzufügen. Erhält man das Zeichen von eine besseren Free Agent wie Giannis, kann man Oladipo jederzeit trotzdem ziehen lassen und stattdessen den besseren Spieler unter Vertrag nehmen. Geht das Experiment mit Oladipo nicht auf, kann man seinen Vertrag ebenfalls nicht verlängern und mit viel Capspace einen anderen Versuch mit einem Spieler wie dem zuvor besprochenen Holiday unternehmen ohne große Verluste hingenommen zu haben. Unter Abwägung der Risiken würde ich mich auf jeden Fall für einen solchen Trade aussprechen, wenn er möglich ist. Realistischer scheint jedoch, dass die Mavericks noch ein weiteres Jahr den aktuellen Kurs weitestmöglich beibehalten.

Kleinere Ergänzungen für den Kader

Dies ist relativ leicht möglich, da außer Tim Hardaway Jr. alle  wichtigen Spieler gesichert für mindestens ein weiteres Jahr unter Vertrag stehen. Wie bereits zuvor erwähnt, verfügt Hardaway selbst über eine Player Option von knapp 19 Millionen US-Dollar, die er voraussichtlich wahrnehmen wird. Es erscheint hingegen eher unwahrscheinlich, dass die Mavericks den anderen Spieler, der im Trade mit den Knicks zu ihnen kam, Courtney Lee, ebenfalls halten möchten. Er spielte in der vergangenen Saison in der Rotation von Coach Carlisle nur eine kleine Rolle und könnte auch selbst nach einer anderen Chance streben. Ohne seinen Vertrag sind die Mavericks selbst mit den Player Options für Hardaway und Willie Cauley-Stein sowie dem Cap Hold des Picks nur etwa 2.8 Millionen über dem voraussichtlichen Cap von 109 Millionen. Die Mavericks sogar versuchen als Cap Space Team zu agieren, indem sie die Verträge von Delon Wright oder Dwight Powell dumpen. Nur wenige Teams verfügen in dieser Offseason über Cap Space und die Mavericks wären sicherlich die sportlich interessanteste Destination unter diesen Teams. Wahrscheinlicher erscheint es jedoch aktuell, dass das Team knapp über den Cap agiert und so die volle MLE in der Höhe von beinahe 10 Millionen US-Dollar zur Verfügung hat. Ein weiterer 3&D-Wing wäre sicherlich eine sinnvolle Ergänzung für den bestehenden Kader. Mögliche Kandidaten auf dem Markt wären Maurice Harkless, um dem das Team sich gerüchteweise bereits zur Trade Deadline bemüht hatte, Wesley Matthews oder Derrick Jones Jr. Dabei sollte das Team darauf achten, möglichst nur kurze Verträge herauszugeben, um so die Bemühungen in der Free Agency 2021 nicht zu behindern.

Potenzieller Kader der Mavericks für die Saison 2020/21

Andererseits könnte man auch versuchen, diese Lücke im Kader mit einem Trade zu füllen, in dem man keine größeren Assets abgeben muss. Gordon Hayward von den Boston Celtics könnte als ergänzender Playmaker auf dem Flügel durchaus Sinn ergeben, sofern die Celtics im Tausch für seinen gigantischen Vertrag nicht mehr wollen als ein paar Spieler für die Banktiefe und Salary Relief. Da die Celtics jedoch selbst Contender-Aspirationen haben, scheint dies eher unwahrscheinlich. Generell gestaltet es sich sehr schwer, einen Trade zu finden, der die Mavs voranbringt und keine großen Kosten aufweist. Ein Füllen der Lücke auf dem Flügel mit Hilfe der Free Agency erscheint daher der logische Weg.

Tyrese Maxey

Außerdem könnten die Mavericks noch einen zweiten Shot Creator auf den Guard Positionen benötigen. Delon Wright, der in der letzten Offseason verpflichtet wurde, um diese Lücke zu füllen, zeigt bisher eher enttäuschende Leistungen. Der große Vorteil des Teams an dieser Stelle ist, dass sie über ihren Firstround Pick im Draft 2020 verfügen und dieser Draft eine große Tiefe an Guards aufweist, die perfekt als sekundäre Creator neben eine erste Option wie Luka passen würden. Nach aktuellen Mock Drafts erscheint es sehr wahrscheinlich, dass mindestens ein Spieler aus dem Trio Cole Anthony, Kira Lewis und Tyrese Maxey zu den Mavericks an 18 fällt. Jeder der drei wäre eine großartige Ergänzung zu Luka im Backcourt und insbesondere Maxey mit seinem defensiven Upside wäre der nahezu perfekte Fit für das Team.

Der letzte Schritt zum Contender

Nach der überraschend positiven Saison der Dallas Mavericks scheint das wahrscheinlichste Offseason-Szenario zu sein, dass nur kleine Änderungen am Kader vorgenommen werden. Die Konzentration des Teams liegt auf der Entwicklung der jungen Talente Doncic und Porzingis und der Free Agency 2021. Da die Free Agency 2021 voraussichtlich die letzte Chance ist auf eine große Akquisition, bevor Lukas Extension ein Jahr später beginnt, könnte sich das Front Office jedoch auch dazu gezwungen fühlen, ihre Chancen auf einen Treffer zu erhöhen und das Risiko mit einem Trade für einen Spieler wie Victor Oladipo einzugehen. Es bleibt spannend abzuwarten, wie Dallas den nächsten Schritt auf dem Weg zum Contender-Dasein gehen möchte.

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