3-on-1 Fastbreak, Brooklyn Nets, Golden State Warriors, Phoenix Suns

Die heimlichen Gewinner der NBA Offseason 2017

3-on-1 Fastbreak #15

Die NBA hat die heiße Phase der Offseason hinter sich, Zeit für einen Blick auf die Gewinner der letzten Wochen. Die Thunder (Paul George), Rockets (Chris Paul), Nuggets (Paul Millsap), Celtics (Gordon Hayward) und Timberwolves (Jimmy Butler) gehören dank ihrer neuen (Super-)Stars offensichtlich in diese Kategorie. Interessanter sind aber diejenigen Teams,  deren Moves etwas unter dem Radar flogen: die Brooklyn Nets, Golden State Warriors und Phoenix Suns konnten – auf sehr unterschiedliche Weise – mit klugen Entscheidungen überzeugen.

Brooklyn Nets

Julian Lage: Die Brooklyn Nets sind sicherlich immer noch nicht um ihre Situation zu beneiden – die letzten beiden Jahre gingen schon ungeschützte Top 3-Picks an die Celtics, 2018 darf auch nochmal Danny Ainge die Wahl treffen. Seit gut einem Jahr hat sich trotzdem Einiges verändert, vor allem im Mangement: In Sean Marks hat jetzt ein GM das Ruder in der Hand, der geduldig an einer Verbesserung der Position der Franchise arbeitet.

Nachdem letzte Offseason einige Free-Agency-Verpflichtungen wie Jeremy Lin und die berüchtigten Offer Sheets für Allen Crabbe und Tyler Johnson dem Rest der Liga signalisierten, dass jetzt wieder logisches Teambuilding von den Nets zu erwarten ist, konnte Marks 2018 endlich einige wirklich hilfreiche Transaktionen durchführen. Dazu trägt auch die veränderte Cap-Landschaft der NBA bei: Während in der letzten Offseason fast alle Teams Cap Space hatten und ihn teilweise zu großzügig ausgaben, sind jetzt viele Franchises wieder stärker auf ihre Payroll bedacht. Schon zur Deadline konnte Marks so für den auslaufenden Vertrag von Bojan Bogdanovic und das Aufnehmen des überbezahlten Andrew Nicholson einen Erstrundenpick aus Washington ergattern.

Die wirklich überzeugenden “Cap Space für Asset”-Trades gelangen aber erst in der Offseason. Zuerst musste Brook Lopez das Team verlassen, die Nets gaben ihn zusammen mit dem 28. Pick an die Lakers ab. Dafür bekamen sie einerseits Timofey Mozgov, auf den sie angesichts seiner verbleibenden 48 Millionen Dollar über drei Jahre hätten verzichten können. Da die Lakers aber andererseits D‘Angelo Russell mit nach Osten schickten, haben die Nets wieder so etwas wie einen Spieler mit echter Upside. Auch wenn Russell bei den Lakers nicht wie erhofft einschlug, ist er in Brooklyn nicht nur ein Argument für die Fans, sondern kann nach einigen Konflikten auch auf einen Neuanfang mit weniger direkter Konkurrenz hoffen.

Die guten Nachrichten für die Nets waren aber noch nicht vorbei: Zwar konnte wie im letzten Jahr auch Otto Porter nicht aus der Restricted Free Agency herausgelockt werden, Marks nutzte den Cap Space aber trotzdem sinnvoll: Die Raptors schickten den in den letzten Jahren oft verletzten DeMarre Carroll zusammen mit einem Erst- und einem Zweitrundenpick nach Brooklyn.

Hier profitierten die Nets von der veränderten Cap-Situation, die Toronto zu nah an die Tax brachte. Auch spielerisch passt Carroll als flexibler Forward mit Wurf genau in das von Marks und Coach Kenny Atkinson letzte Saison installierte System. Zudem kennt Atkinson ihn von seiner Zeit als Assistant Coach bei den Hawks. Im bestmöglichen Fall können die Nets also Carrolls ziemlich im Keller befindlichen Wert wieder aufpolieren – im schlechtesten haben sie immerhin einen Pick eingesammelt.

Ganz aktuell konnten die Nets auch noch den erst im Winter aufgenommenen Andrew Nicholson wieder loswerden. Dafür nahmen sie zwar noch mehr Gehalt auf – und zwar in Person von Allen Crabbe, den sie bereits vor einem Jahr verpflichten wollten. Durch den weniger stark angestiegenen Salary Cap war Crabbes Vertrag zwar klar schlechter als erwartet, da aber Nicholsons 19 Millionen Dollar jetzt aus den Büchern verschwinden, ist die Entscheidung absolut nachzuvollziehen.

Somit erreichen die Nets jetzt langsam aber sicher wieder den Punkt, an dem sie eine normale Franchise mit einigermaßen vielversprechender Zukunft sind. Im Roster stehen neben Russell mit Jarrett Allen (durch den Pick aus dem Wizards-Trade), Rondae Hollis-Jefferson und Caris LeVert einige interessante Spieler um die 20. Ab sofort steht auch in jedem Draft wieder ein Erstrundenpick zur Verfügung, auch wenn es 2018 nur der der Raptors ist. Damit hat man praktisch das Optimum erreicht, was für diese Offseason zu erhoffen war.

Golden State Warriors

Julian Wolf: Die Welt ist unfair. Die Golden State Warriors, das mit Abstand beste Team der vergangenen Saison, haben im Anschluss an ihren zweiten Titel in drei Jahren eine nahezu perfekte Offseason hingelegt. Blickt man nach Cleveland oder auf die Miami-Teams von vor einigen Jahren, sieht man, wie schwer es ist, ein Championship-Team zu verstärken. Meist ist die Franchise tief in der Luxury-Tax, die Rotationsspieler werden immer älter, Neu-Akquisitionen gibt es meist nur zum Veteranen-Minimum. Das höchste der Gefühle ist es, das Level einigermaßen zu halten. Bei den Warriors lief das anders: Sie wurden nach ihrer 73-Siege-Saison und dem Durant-Signing tatsächlich noch einmal besser!

Den Anfang machte ebenjener Durant, der für 2 Jahre und 50 Millionen Dollar verlängerte – deutlich weniger, als maximal möglich gewesen wäre. Danach verlängerte Steph Curry für 201 Millionen/5 Jahre, die Hausaufgaben waren erledigt. Der nächste Domino-Stein war die Verlängerung von Andre Iguodala (48/3), die durch Durants Discount-Tarif möglich gemacht wurde. Der Flügelspieler war in der Liga wohl heftig umworben und hat in der vergangenen Saison gezeigt, dass er unverändert der vielleicht beste und vielseitigste Bankspieler der Liga ist. Nach den billigen Verlängerungen von Shaun Livingston (24/3), David West (Minimum) und Zaza Pachulia (3,4/1) war klar, dass der Kern des Meister-Teams zusammen bleibt. Allein das hätte die Offseason zu einem Erfolg gemacht.

Aber die Warriors haben es tatsächlich geschafft, das Team noch einmal zu verstärken. Zunächst durch den unfassbaren Steal, Rookie Jordan Bell für Geld (!) von den Chicago Bulls zu bekommen. Deals wie dieser sind es, die die Warriors zu einer Dynastie machen: Hinter dem Kern um die Big-Four stehen starke und billige Talente wie Patrick McCaw oder Jordan Bell in den Startlöchern. Zusätzlich schaffte es Golden State noch, eine der wenigen Schwachstellen des Teams zu schließen – Shooting von der Bank. Nick Young (40,4% 3FG) passt als Backup einfach perfekt in dieses Team und verdient mit 5,4 Millionen pro Jahr einen äußerst schmalen Tarif. Ähnlich einzuordnen ist das Signing von Omri Casspi zum Minimum-Gehalt: Auch er trifft den Dreier (34,9% 3FG) und ist auf beiden Forward-Positionen variabel einsetzbar.

Das Team wird auch nächste Saison kaum Schwachstellen haben. Einzig auf der Center-Position könnte ein bisschen Athletik nicht schaden, falls Javale McGees Vertrag nicht verlängert wird. Dass er und Ian Clark die Franchise wahrscheinlich verlassen, ist ärgerlich, aber nicht zu ändern. Sollten die beiden doch noch verlängern, dürfte der Liga endgültig Angst und Bange werden. Insgesamt sieht so eine fast perfekte Offseason aus: Die Warriors haben zwei Hall-of-Famer und eine Handvoll guter Rollenspieler verlängert und zudem noch solide Verstärkungen geholt. Stand heute sind die Warriors auch in der nächsten Spielzeit das Nonplusultra der Liga. Das vielleicht beste Team aller Zeiten noch stärker zu machen – besser geht es nicht.

Phoenix Suns

Simon Haux: Die Phoenix Suns gemeinsam mit dem amtierenden Champion aus Oakland in die Gewinner-Schublade zu stecken, wirkt auf den ersten Blick beinahe blasphemisch. Die abgelaufene Saison beendeten die Suns mit der zweitschlechtesten Bilanz der NBA. Der wichtigste Free Agent, der daraufhin an Land gezogen wurde: niemand. Die Suns hielten sich komplett zurück, neben den beiden Rookies Josh Jackson (4. Pick) und Davon Reed (32. Pick) wurde lediglich der Vertrag mit Backup-Big Alan Williams verlängert (17 Millionen/3 Jahre), Mike James (ehemals Panathinaikos Athen) erhält einen Two-Way-Contract. Phoenix wird also auch 2017/18 wieder ganz weit unten in der Tabelle der Western Conference zu finden sein.

Trotz – oder gerade wegen – dieser Untätigkeit, kann die Offseason der Suns als Erfolg gewertet werden. Sie zeigt nämlich einen fundamentalen Kurswechsel, den die Franchise dringend nötig hatte. Besitzer Robert Sarver, der in den vergangenen Jahren bei der Jagd nach vermeintlichen Stars und Veteranen keinen Zweifel daran gelassen hatte, so schnell wie möglich zurück in die Playoffs zu wollen, zeigt sich plötzlich geduldig.

Der Erkenntnis, er habe “keine andere Wahl, als sich zu gedulden”, ließ Sarver Taten folgen und verlängerte den Vertrag von General Manager Ryan McDonough vorzeitig bis 2020. Und auch McDonough scheint dank dieses Vertrauensbeweises nach dem langjährigen Zickzack-Kurs endlich ein klares Ziel zu verfolgen. Der junge Kern um Devin Booker (20), Josh Jackson (20), Marquese Chriss (20), Dragan Bender (19), T.J. Warren (23) und Tyler Ulis (21) soll sich in Ruhe gemeinsam entwickeln.

Neue Veteranen, die den eigenen Talenten die Spielzeit streitig machen könnten, wurden nicht geholt, Leandro Barbosas auslaufender Kontrakt nicht verlängert. Die Verpflichtung eines teuren und – im Vergleich zum jungen Suns-Kader – alternden Stars wie LaMarcus Aldridge, Paul Millsap oder Kevin Love war trotz zahlreicher Gerüchte scheinbar nie ernsthaft im Gespräch – Denvers Angebot für Millsap hätte man andernfalls wohl deutlich übertreffen können. Auch Restricted Free Agent Alex Len wird wohl nicht überbezahlt werden.

Ob der zukünftige Star, der die Franchise in drei, vier oder fünf Jahren endlich wieder zu einem tiefen Playoff-Run führen kann, bereits im Team ist, muss sich natürlich erst zeigen. Booker hat ungeachtet seines Scoring-Talents, das er trotz ausbaufähiger Effizienz (103 ORtg, 53% TS, 36% 3FG) bereits andeuten konnte, noch gravierende Schwächen in der Defensive und im Playmaking auszumerzen, Jackson und Bender müssen ihr Potenzial in der NBA erst nachweisen. Rohes Talent ist jedoch reichlich vorhanden, ein weiterer Top-Pick (plus der Pick der Miami Heat, der lediglich für die Positionen 1 bis 7 geschützt ist) wird in der Draft 2018 wohl dazukommen.

Neben der Entwicklung des jungen Kerns bringt das Vertrauen in die eigenen Talente einen weiteren nicht zu unterschätzenden Vorteil mit sich. Die Suns sind eines der wenigen Teams, die mit reichlich Cap Space in die neue Saison gehen werden. Nach dem Trade der Brooklyn Nets für Allen Crabbe sind außer Phoenix wohl lediglich die Philadelphia 76ers in der Lage, im Laufe der Saison größere Verträge ohne finanziellen Gegenwert aufzunehmen und damit möglicherweise weitere Assets zu ergattern. Durch das Ende des steilen Cap-Anstiegs kann finanzieller Spielraum in den kommenden Monaten selbst zu einem wichtigen Trade-Chip werden.

Klar ist dennoch, dass der Franchise aus Arizona sportlich (mindestens) eine weitere harte Spielzeit bevorsteht. Wie wichtig geduldige Besitzer und ein kompetentes Front Office für den (langfristigen) Erfolg sind, bewiesen in diesem Sommer jedoch erneut diejenigen Teams, die genau das nicht vorweisen können. In Phoenix scheinen die Weichen nun endlich gestellt zu sein.

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