Los Angeles Lakers, NBA, Oklahoma City Thunder, Portland Trail Blazers, Salary Cap / CBA

Schlechte Verträge: Dieses Jahr wieder?

Warum die Situation letztes Jahr eine besondere war und was die GMs daraus lernen können
© Carol Munro, CC BY-NC 2.0

In wenigen Tagen wird in der NBA der im Juli ganz normale Transferwahnsinn wieder losgehen. Ab dem 1. Juli, 0 Uhr, dürfen Teams mit Free Agents und deren Agenten Kontakt aufnehmen, um neue Verträge zu verhandeln. Während im letzten Sommer aufgrund des Cap-Sprungs fast jedes Team Cap Space hatte und somit einige Verträge zustande kamen, die nicht wirklich gerechtfertigt erschienen, verfügen dieses Jahr nur wenige Teams über echten Spielraum, zumal der Salary-Cap anders als erwartet auf „nur“ 99 Millionen $ erhöht wird. Lediglich acht Teams können – Cap Holds mit eingerechnet – frei über Geld verfügen. Somit ist im Vergleich zum vorherigen Jahr deutlich weniger Geld zu verteilen. Dass andere Teams das nicht können, liegt bei einigen von ihnen an schlechten Entscheidungen im letzten Sommer und Herbst, als viele kommende Restriced Free Agents vorzeitig gebunden wurden. Am Beispiel der Los Angeles Lakers, der Oklahoma City Thunder und der Portland Trailblazers soll im Folgenden aufgezeigt werden, wie Entscheidungen schon nach weniger als einem Jahr für Teams belastend sein können oder sie sogar komplett handlungsunfähig machen.

Los Angeles Lakers – letztes Jahr miese Verträge, heute Trades

Schon im Januar hat unser Chefredakteur Dennis Spillmann festgestellt, dass die Lakers 2016 die schlechteste Offseason aller Teams hatten. Über die Verträge von Timofey Mozgov und Luol Deng müssen wir nicht mehr reden, über die Auswirkungen dieser gravierenden Fehlentscheidungen schon. Denn die Lakers sahen sich nun gezwungen, mit dem zweiten Draftpick 2015 D’Angelo Russell einen vielversprechenden jungen Spieler abzugeben, um den Vertrag Mozgovs gegen Brook Lopez eintauschen zu können. Lopez ist nicht nur der deutlich bessere Spieler als der russische Nationalcenter, sondern sein Vertrag endet auch schon im Jahr 2018. Letzteres war wohl die Hauptmotivation für den Trade.  

Besser wird die Situation in diesem Jahr damit für die Lakers jedoch auch nicht. Sie haben weiterhin keinen einzigen Cent Cap Space und können in der Free Agency somit kaum Spieler nach LA locken. Dabei wäre das dieses Jahr trotz der miesen sportlichen Situation viel einfacher geworden als noch im letzten Jahr, als mit Deng und Mozgov ja letztlich auch nur zwei maximal durchschnittliche Spieler zu überteuerten Preisen verpflichtet wurden. Wie schon erwähnt ist derzeit deutlich weniger Geld im Umlauf, viele Teams haben ihre Dollars in (sinnvollen) Verträgen investiert, viele gute Spieler wären jetzt gemäß Angebot und Nachfrage deutlich billiger zu haben als noch letztes Jahr. Dass die Lakers im letzten Jahr gewissermaßen ungeduldig waren, wird jetzt bestraft: erst mit dem erzwungenen Trade Russells, dann mit der Tatsache, dass die Lakers auch danach immer noch keine sinnvollen Investitionen tätigen können.

Oklahoma City Thunder – eingeschränkte Spielräume durch vorzeitige Verlängerungen

Etwas anders stellt sich die Situation in Oklahoma City dar. Zwar hatte die Franchise nach Kevin Durants Abgang ebenfalls Cap Space übrig, doch GM Sam Presti entschied sich, den Spielraum vorerst nur für die Vertragsverlängerung von Russell Westbrook und die Verpflichtung des Spaniers Alex Abrines zu sehr fairen Konditionen zu nutzen. Angesichts der Tatsache, dass nach dem 4. Juli kaum noch gute Spieler auf dem Markt waren, eine weise Entscheidung. Das, was Presti nun in seinem Handeln einschränkt, passierte dann im Oktober. Victor Oladipo und Steven Adams erhielten vorzeitige Vertragsverlängerungen über 84 Millionen bzw. 100 Millionen Dollar für je 4 Jahre. Zwei junge, vielversprechende Spieler langfristig binden: damals an sich eine richtige Entscheidung, die ich dementsprechend auch verteidigt habe. 

Zwar sind beide Spieler keine Schnäppchen, allerdings war im letzten Herbst anzunehmen, dass beide in diesem Sommer eher einen Maximalvertrag bekommen würden, der dann noch teurer gewesen wäre. Ob sich das bewahrheitet hätte, ist zu diesem Zeitpunkt zumindest fraglich. Denn sowohl Adams als auch Oladipo haben eher durchschnittliche Saisons gespielt und blieben hinter den Erwartungen zurück. Zudem ist nun eben deutlich weniger Geld auf dem Markt, was sich natürlich auch auf die Bereitschaft der Teams auswirkt, Spieler überzubezahlen. Darüber hinaus wurden die Cap Holds für Restricted Free Agents – anders als angenommen – nicht schon direkt mit Beginn des neuen CBA angehoben, sodass Presti bei einer Nicht-Verlängerung deutlich mehr Spielraum in diesem Sommer gehabt hätte. Demgegenüber steht die Sicherheit, die er jetzt stattdessen hat. Presti ist also im letzten Herbst eine Wette auf eine gute Entwicklung der Spieler eingegangen, die bisher noch nicht ganz aufgegangen ist. Gewinnen kann der GM der Thunder die Wette allerdings durchaus noch. Der Preis dafür ist allerdings ein eingeschränkter Spielraum in diesem Sommer: auch die Thunder haben keinen Cap Space und müssen, wenn sie Andre Roberson und Taj Gibson neue Verträge geben wollen, wohl oder übel in die gefürchtete Luxury-Tax gehen – oder aber Presti muss Enes Kanters Vertrag loswerden, um so gut 17 Millionen $ einzusparen. Große Sprünge in der Free Agency sind so oder so kaum drin. Das alles war dem GM natürlich auch schon im Oktober klar; die Thunder haben sich jedoch bewusst für dieses Modell entschieden.

Portland Trailblazers – zu viele schlechte Verträge auf einmal 

Die Blazers rund um GM Neil Olshey haben es geschafft, sowohl die Fehler der LA Lakers zu begehen, als auch wie die Thunder im Herbst noch eine teure vorzeitige Verlängerung eines restricted Free Agents oben drauf zu setzen. Zuerst wurde Evan Turner ein monströser Vertrag über 70 Millionen $ für 4 Jahre gegeben, dann die Arbeitspapiere von Mo Harkless (40 Millionen $/4 Jahre) und Meyers Leonard (41 Millionen $/4 Jahre) kostspielig verlängert. Auch mit dem Angebot der Brooklyn Nets an Allen Crabbe (74 Millionen $/4 Jahre) wurde gleichgezogen, obwohl es einen Trade-Kicker beinhaltete. Dazu kommen noch die bestehenden Verträge (allein Damian Lillard verdient gut 26 Millionen $ Dollar pro Jahr). Und dann unterbreitete Olshey Guard CJ McCollum die vorzeitige Verlängerung seines Vertrages, die ab der nächsten Saison 106 Millionen $ für vier Jahre kostet und die Payroll des Teams auf insgesamt über 140 Millionen $ für die kommende Saison anhebt.

Zur Erinnerung: Die Grenze für die Luxussteuer liegt bei 119 Millionen $. Und: Olshey wird vor allem die Verträge von Crabbe, Turner und Leonard in nächster Zeit nur schwer loswerden. Kaum ein Team kann es sich leisten oder ist gar freiwillig bereit, so viel Geld für schlechte Spieler auszugeben. Damit sind die Blazers in diesem Sommer de facto handlungsunfähig und können ihr Team weder über die Free Agency noch über Trades verbessern. Dass es offenbar nicht mal möglich war, einen der dicken Verträge mithilfe eines der drei Erstrundenpicks, die Portland im Draft letzte Woche besaß, loszuwerden, spricht Bände. Der ein oder andere miese Vertrag wäre dabei ja auch gar nicht das Problem; aber das Beispiel Portland zeigt, wie man sich jegliche Handlungsspielräume durch die Vergabe mehrerer schlechter Verträge verbauen kann.


„Schuld“ an den großen Verträgen, die im letzten Sommer und Herbst vergeben wurden, ist  der Capsprung von über 24 Millionen $ von der Saison 2015/16 zur Saison 2016/17. Das Geld war da und dann wurde es auch ausgegeben. Und als die großen Namen wie Kevin Durant oder Al Horford weg waren, dann wurde es eben für durchschnittliche Spieler, die damit viel mehr bekamen, als ihre Dienste auch unter den neuen Verhältnissen wert gewesen wären, ausgegeben. Julian Lage hat für GtG bereits im letzten Jahr überzeugend ausgeführt, dass es ein Fehler der NBA und der NBPA war, den Capsprung in dieser Form überhaupt zuzulassen. Profiteure der Situation sind somit die Spieler, die letztes Jahr einen neuen Vertrag bekamen; Verlierer alle anderen Spieler. Die großen Namen werden zwar immer noch ihren Maximalvertrag bekommen, alle anderen aber deutlich weniger Geld als sie noch im vorigen Jahr erhalten hätten. Die zum Teil schlechten Entscheidungen der Teams im letzten Jahr haben somit auch deutlich mehr Auswirkungen auf die diesjährige Free Agency als es ein durchschnittlicher NBA-Sommer auf den nächsten hat. Die Masse an zum Teil viel zu großen Verträgen für unterdurchschnittliche Spieler werden wir dieses Jahr nicht mehr sehen. Daneben wird es wahrscheinlich einige Trades geben, in denen Teams Assets investieren müssen, um ihre überbezahlten Spieler loszuwerden.

Dass schlechte Verträge Teams über mehrere Jahre belasten können, ist eine Binsenweisheit. Durch die Sondersituation des Capsprungs im letzten Jahr haben sich einige Teams jedoch auf besondere Weise selbst Ballast ans Bein gebunden. Es bleibt abzuwarten, ob die jeweiligen GMs es schaffen, ihre Teams dennoch weiter zu verbessern. Mit fast schon an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist jedoch anzunehmen, dass es wieder Teams geben wird, die zu viel Geld in die falschen Spieler investieren werden. Obwohl man gerade aus den Negativbeispielen der letzten Saison lernen könnte.

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6 comments

  1. D41

    Guter Artikel!

    Eines verstehe ich noch nicht ganz. Warum siehst Du es als Fehler an, dass die NBPA den großen Capsprung zugelassen hat? Hätte sie ihn künstlich zurückgehalten, wäre das gesamte Gehaltsgefüge niedriger und etwas fairer für 1-4 (?) Jahre. Da nehme ich als Spielergewerkschaft doch lieber direkt die Kohle und viele andere Spieler (MLE etc.) profitieren ja davon bereits früher.
    Was kann die NBPA dafür, dass wenige Organisationen extrem überbezahlen ohne nennenswerten Grund? Die NBPA kann ja nicht auf Geld verzichten, nur um die merkwürdigen Entscheidungen einiger Organisationen zu antizipieren und etwas fairer für alle Spieler zu sein :stupid:

  2. kdurant35

    Die Spieler hätten ja nicht verzichtet. Die Capsprünge wären halt nach und nach gekommen und Spieler verschiedener Free Agency Jahrgänge hätten davon profitiert. Verluste hätte es dadurch keine gegeben. Wir werden in den nächsten Jahren wohl sehen, dass deutlich bessere Spieler als die in 2016 mit kleineren Verträgen dastehen werden. Und da die Gewerkschaft sich im neuen CBA ja auf eine zukünftige Reglementierung eingelassen hat scheint das auch nicht uninteressant für sie zu sein.

    Ich vermute das der Zeitpunkt das Hauptproblem war. Man steckte ja mitten in den Verhandlungen zum neuen CBA. Da kommt man der Gegenseite meist nur entgegen wenns dafür auch was zurück gibt. Ob dies sinnvoll gewesen wäre ist oft nebensächlich

  3. Sebastian Hansen

    |Author

    kdurant35 hat das meiste schon gesagt. Für viele Spieler war das einfach ungerecht, dass alles auf einmal kam. Hätte man ein “Smoothing” gemacht, wäre am Ende genauso viel Geld ausgeschüttet worden, aber alle Spieler hätten davon profitiert. Ich zitiere dazu auch mal Julian Lage:

  4. D41

    Da liegt glaube ich das Verständnisproblem. Ich sehe es so, dass eben doch in den langsamen Steigerungen ein Verzicht für die Spieler unabdingbar ist. Dies wäre nicht so, wenn in den späteren Jahren der relative Anteil der Spieler größer ist als am Anfang und dies auch kompensiert wird. Dies würde aber die NBA nicht mitmachen, da der Maßstab am Ende auch der für den Folgevertrag ist. Das wäre psychologisch schwer zu verkaufen, den Anteil wieder zu senken.
    Eine andere Möglichkeit wäre im Vorfeld den Cap schon anzupassen bzw. Rückwirkend Gehälter anzupassen.

  5. kdurant35

    Ich kann deiner Logik nicht folgen. Der Gehaltsanteil der Spieler ist im CBA festgelegt. Es wird jährlich überprüft ob sie zu viel oder wenig bekommen haben. Durch Erhöhungen bzw. Senkungen des Caps wird dies reguliert. Wäre der Cap z.B. nur auf 85 Mio gestiegen und die Spieler hätten 2% zu wenig bekommen wäre dieser Fehlbetrag bei der Gestaltung des neuen Caps (oder je nach max. Steigerung in den folgenden Jahren) mit berücksichtigt worden. Der steigt dann mehr als die eigentlichen Einkünfte das zulassen. Das wird so lange fortgeführt bis das Defizit ausgeglichen ist. Andersum läuft das ebenso. Auf lange Sicht ist deshalb eine Benachrichtigung nicht zu erwarten.

  6. Julian Lage

    Es hätte eine ganz einfache Lösung gegeben, wenn man die real ausgezahlten Dollar vom Cap entkoppelt – also z.B. die Steigerung auf max 5 Mio/Jahr reduziert, und jeder Spieler bekommt dann (als fiktives, aber grob passendes Beispiel) das 1,5 von dem, was als Gehalt im Cap steht. Das würde im Prinzip ohnehin dem Ausgleichsmechanismus entsprechen, den kdurant35 hier angesprochen hat.

    Der Vorteil davon wäre nicht nur mehr Balance zwischen den Teams (siehe GSW) gewesen, sondern v.a. zwischen den Spielern. So ist der Unterschied je nach Jahr des Vertragsantritts enorm, ohne dass es irgendwelche objektiven Gründe dazu gibt.


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