And One, Los Angeles Lakers, NBA

Sind die Lakers das schlechteste Team im Westen?

And One Ausgabe #3

1-9. Katastrophal defensiv. Ohne Konzept offensiv. Ohne Aussicht auf Besserung? Die Los Angeles Lakers offenbaren bisher empfindliche Schwächen in der noch neuen Saison. Die Redaktion und ein externer Experte sprechen heute über die Frage:

andone3

Sebastian Hansen (NBAchef): Um die Definition „schlechtestes Team der Western Conference“ zu erfüllen, muss eigentlich nur eine einzige Bedingung erfüllt sein: Es muss 14 bessere Teams geben. Schaut man sich nun die restlichen Franchises an, die zwischen Pazifikküste und großen Seen beheimatet sind, kann man nur zu einem Schluss kommen: Ja, diese Lakers sind das schlechteste Team der Western Conference. Mit Abstand. Solange man Verletzungen außer Acht lässt, sollte es keine Diskussion darüber geben, dass die Spurs, Clippers, Thunder, Mavs, Rockets, Warriors, Pelicans, Kings, Blazers, Grizzlies und Suns besser sind. Bleiben noch die Jazz, Nuggets und Wolves.
Warum also sind die Lakers schlechter als die Teams dieser drei Franchises? Nun, da wäre zuerst einmal der Kader der Lakers zu nennen. Der besteht nämlich aus Kobe Bryant, abgehalfterten Ex-Stars (Boozer, Nash), drei mehr oder weniger brauchbaren Rollenspielern (Hill, Lin, Young) und Borderline-NBA-Spielern (der Rest). Das einzige vielversprechende Projekt, Julius Randle, brach sich gleich im ersten Spiel das Schienbein. Der Power Forward fällt nun für den Rest der Saison aus. Die Wolves und Nuggets dagegen haben eine Ansammlung von brauchbaren und erfahrenen Veteranen, von denen manchen sogar noch etwas mehr zugetraut wird, z.B. Ty Lawson oder Danilo Gallinari. Die Jazz auf der anderen Seite sind vergleichsweise jung. Doch ihr Team ist schon seit mehreren Jahren eingespielt, ein nicht zu unterschätzender Vorteil der Jazz gegenüber LA, deren Kader im Sommer zu großen Teilen über den Haufen geworfen wurde.

Der Zustand des Kaders der Lakers schlägt sich dann natürlich auch in den Ergebnissen und den Statistiken wieder. Während Bryant und z.T. Boozer und Lin offensiv sogar noch zu besseren Spielen in der Lage sind, wird am anderen Ende des Feldes das ganze Ausmaß der Schwäche des Kaders deutlich. Mit Ausnahme von Jordan Hill besitzen die Lila-Goldenen keinen wirklich guten Verteidiger. Folgerichtig belegen sie nach 9 Spielen Platz 30 des Defensivratings und Platz 29 bei der gegnerischen eFG% und den gegnerischen Punkten pro Spiel. Wenn dazu dann noch Kobe Bryant einen, auf die Effizienzwerte bezogen, extrem schwachen Start erwischt (ORtg 97 bei 37,3% USG%), kann das Ganze kaum etwas werden.

Zudem besitzen die Lakers kaum bis gar kein Potential nach oben. Von keinem der Spieler kann noch ein großartiger Leistungssprung erwartet werden. Das heißt, die Lakers werden wohl die ganze Saison mehr oder weniger so schlecht bleiben, wie sie es jetzt sind. Vor allem Utah aber auch die Timberwolves haben im Gegensatz dazu sehr viele bis viele junge Spieler im Kader, man denke nur an Namen wie Derrick Favors oder Andrew Wiggins. Diese sind kaum schlechter als die Scrubs der Lakers, können sich aber noch entwickeln. Bei Denver liegt der schlechte Start wahrscheinlich einfach an einer vorübergehenden Formschwäche. Normalerweise ist Denver kein Kandidat für einen der letzten drei Plätze. Zusammengefasst: Ja, die Lakers sind zurzeit das schlechteste Team im Westen. Und ja, das wird noch einige Zeit so bleiben.

Julian Lage: Die Lakers mit einem fitten Kobe Bryant auf dem letzten Tabellenplatz in ihrer Conference? Was vor einigen Jahren noch undenkbar und letzte Saison zumindest noch unwahrscheinlich erschien, ist zumindest zwischenzeitlich Realität. Selbst die letzten Optimisten unter den Lakers-Fans dürften die Playoff-Hoffnungen aufgegeben haben, und aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich an der Tabellenposition diese Saison nicht mehr allzu viel ändern: Ja, die Lakers sind das schlechtes Team im Westen.

Es ließen sich viele Gründe für den Abwärtstrend anführen, der mit einem Veto belegte Chris-Paul-Trade, die desaströse Saison mit Howard oder die Verletzungen von Steve Nash, Nick Young und Rookie Julius Randle. Den Tropfen zum Überlaufen gebracht hat aber schon das etwas orientierungslos wirkende Teambuilding in der letzten Offseason. Orientierungslos deswegen, weil nicht ganz klar ist, welche Ziele Jim Buss und Mitch Kupchak verfolgen – aber auch, weil manche Vertragsschlüsse in keinem Zusammenhang wirklich sinnvoll sind, da sie zu keiner der zwei naheliegenden Möglichkeiten passen: Die Lakers hätten einerseits auf jegliche Gewinnambitionen verzichten können und damit aller Wahrscheinlichkeit nach den Top 5-geschützten Pick behalten, der für Nash an die Suns ging. Andererseits konnten sie in den letzten Karrierejahren von Bryant noch mal auf Playoff-Erfolge zielen, wofür aber vermutlich Randle hätte abgegeben werden müssen. Wohl auch, weil mögliche Win-Now-Optionen wie Carmelo Anthony ausfielen, entstand ein Zwischending mit mieser Kurz- und ähnlich schlechter Langzeit-Perspektive.

Der Trade für Jeremy Lin – der einen Pick aus Houston einbrachte – und einige günstigere Verpflichtungen wie die von Ed Davis oder Ryan Kelly hätten gut zum Abschenken der Saison gepasst und wirken deswegen auch immer noch sinnvoll. Aber: Welche Perspektive verspricht beispielsweise die Langzeit-Verpflichtung von Nick Young? Der 1+1-Vertrag für Jordan Hill könnte als Trade-Chip interessant sein, er hat aber durch seine Early-Bird-Rights ein Veto-Recht für Trades. Besonders seltsam war jedoch der Amnesty Claim Carlos Boozer: Um den nötigen Capspace zu schaffen, mussten die Lakers Kendall Marshall entlassen. Statt einem jungen Spieler, der hervorragend in den Retool-Versuch gepasst hätte, steht jetzt ein alternder ehemaliger Allstar im Team, der aufgrund der Regelungen für die Amnesty Provision in der einen verbleibenden Saison seines Vertrags nicht getradet werden darf.

Anders gesagt: Die Lakers waren ohnehin schlecht aufgestellt, bestenfalls hätten sie einige der übrigen West-Teams ohne echte Playoff-Ambitionen hinter sich gelassen. Dieses ‚bestenfalls‘ gilt aber nur in Bezug auf die Bilanz und bezieht nicht den Pick an die Suns mit ein: Absolutes Worst-Case-Szenario für die Lakers wäre Platz 6 bis 10. Es ist also auf gewisse Weise ein Glücksfall, dass für das Team bisher wenig zusammenläuft. Wenn man dem Lakers-Front Office viel zutraut, könnte das Vorgehen allerdings auch geplant gewesen sein: Boozer und Co. verkaufen im Zweifel mehr Tickets, und zumindest den Anschein von Relevanz kann das Team so eher erwecken. Wenn das Management um Kupchak sicher genug war, auch so schlecht genug für einen Top 5-Pick zu sein, sind die Lakers auf dem richtigen Weg. In jedem Fall wird aber die Aussicht auf ein Top-Talent dafür sorgen, dass die Lakers nur bedingt Interesse verspüren, die Rote Laterne abzugeben.

Benjamin Mell: Ja, auf den ersten Blick scheint es so, als wenn die Lakers das mit Abstand schlechteste Team im Westen seien, doch es gibt da noch ein Team aus den Rocky Mountains, das ihnen diesen unrühmlichen Titel streitig machen könnte. Auch die Timberwolves bekleckern sich in ihrer anhaltenden Niederlagenserie nicht gerade mit Ruhm und es scheint so, als wenn Wiggins mit den Gedanken noch bei LeBron und den Cavaliers wäre. Allerdings bleiben wir mal bei den Lakers und Nuggets. 

Wenn man sich einfach nur die Kader der Lakers und Nuggets ansieht, sollten die Nuggets eigentlich besser aufgestellt sein. Ich kann allerdings kein Team ernst nehmen, in dem ein Kenneth Faried in den Medien als Franchise Player verkauft wird. Genau wie bei den Lakers fehlt mir in diesem Team die Struktur. Viel verändert hat sich nicht. Man versucht seit dem Anthony-Trade ein Team auf die Beine zu stellen, das tief und ausgewogen genug ist, um die anderen Teams im Western zu ärgern und somit zu überraschen. Genau wie letzte Saison wird das auch diese Saison wieder nicht funktionieren und es macht den Anschein, als wenn das Team noch schlechter geworden sei.
Die Lakers stehen zur Zeit noch schlechter da, ja, allerdings müssen sie sich auch an einen neuen Coach, die neuen Mitspieler und ein neues System gewöhnen. Zu allem Überfluss müssen sie auch wieder mit unvorhersehbaren Verletzungen kämpfen. Das gehört natürlich zum Sport dazu, aber anders als Denver-Fans können die Lakers-Fans noch darauf hoffen, dass Byron Scott es irgendwie schafft, zumindest ein sinniges (defensives?!) Spielkonzept in diesen zusammengewürfelten Haufen zu prügeln.
Außerdem gibt es noch drei Gründe, warum ich die Lakers noch nicht unbedingt schlechter als die Nuggets einordnen möchte.

#1: Kobe Bryant zeigt, dass er zumindest fit ist. Man merkt ihm die fehlende Spielpraxis an, aber das kann und sollte nur besser werden. Auch Nick Young stößt bald wieder zum Team und könnte Kobe zumindest teilweise entlasten – ja, es geht hier nur um den 14. bzw. 15. Platz und die Lakers, da macht ein Nick Young vielleicht den Unterschied.

#2: Obwohl die Lakers unmöglich zusammengestellt wurden, Kobe bisher mehr Backsteine als ein Maurer im Roid-Rage wirft und der Swag von Nick Young fehlt, stellen die Lakers eine leicht überdurchschnittliche Offensive (ORtg 106,7) und schlagen im Vergleich auch die Nuggets. Die Nuggets spielen eine höhere Pace und erzielen trotzdem weniger Punkte, spielen ineffizienter und holen weniger offensive Rebounds als das Team aus Los Angeles.

#3: Der vielleicht wichtigste Punkt. Die Lakers hatten bisher den weitaus schwierigeren und undankbareren Spielplan. Diese Saison ging es zum Beispiel erst ein Mal gegen ein Team aus dem Osten und das konnte dann auch prompt gewonnen werden. Andere Gegner waren bisher zum Beispiel die wesentlich stärkeren Warriors, Grizzlies, Clippers oder Rockets.

Am 23. November treffen die Lakers und Nuggets aufeinander, dieses Spiel könnte in Anbetracht der Situation beider Teams ziemlich interessant werden.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben