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NBAsics – Draftstrategien

Liebe Leser,

Willkommen zu einer weiteren Ausgabe von NBAsics. Die Fangemeinde soll beim Verständnis von komplexen, aber grundlegenden Themen, die die nordamerikanische Profiliga betreffen, unterstützt werden. Es sollen nicht nur neue Fans an wichtige Themen herangeführt werden – auch viele erfahrene NBA-Liebhaber werden einen Kenntnisgewinn aus dieser Artikelreihe ziehen. Ziel und Zweck wird sein, eine Plattform zu schaffen, auf die Fans zugreifen können, falls Unklarheiten zu bestimmten Ereignissen/Nachrichten/Diskussionen bestehen. Neben den Veröffentlichungen kann die „Fragen und Vorschläge“-Funktion jederzeit verwendet werden, auch stehen die einzelnen Autoren und die gesamte Redaktion von Go-to-Guys via Kommentarfunktion, aber auch über Facebook oder per Email für Fragen zur Verfügung.

Passend zur nächsten Woche stattfindenden NBA Draft wird an dieser Stelle die Komplexität der Draftstrategien erklärt. Alle Teams haben relativ ähnliche Kriterien, nach denen sie die Talente aus einem großen Pool auswählen. Durch viele Workouts, Videotapes und Interviews entscheiden die Offiziellen, wer schlussendlich das Team bereichern wird und somit ein wichtiger Bestandteil der Zukunft der Franchise sein soll.

Upside vs. NBA-ready

Die General Manager müssen sich vor allem die Frage stellen, was für einen Spielertyp sie genau haben wollen. Brauchen sie einen fertigen Spieler, der dem Team sofort helfen kann, da sich dieses gerade im Win-now Modus befindet oder hat man Zeit und Raum einen jungen, rohen, aber sehr talentierten Spieler langsam aufzubauen und an den Kader heranzuführen?

Die „fertigen“ Spieler haben zumeist schon mehrere Jahre auf dem College absolviert und sind 22 oder 23 Jahre alt. Sie haben vergleichsweise viel Erfahrung, jedoch wird von ihnen nicht mehr der große Sprung, eine enorme Leistungsexplosion, erwartet. Durch die langjährige College-Ausbildung besitzen sie gute Fundamentals, was es den Head Coaches in der NBA leichter macht, mit ihnen zu arbeiten. Die Entwicklung in den letzten Jahren der Draft deutete nicht daraufhin, dass eben dieser Spielertyp besonders beliebt ist. Viel mehr sieht man diese Akteure mehr und mehr am Ende der ersten oder sogar in der zweiten Runde. Auch in diesem Jahr haben wir mit Spielern wie Kyle Singler, Ben Hansbrough, Jimmer Fredette, E’twaun Moore oder auch Shelvin Mack einige davon, wobei zum Beispiel Fredette eine höhere Chance hat, bereits früher gezogen zu werden.

Der Begriff NBA-ready kann jedoch auch differenziert betrachtet werden. Dabei kommt es eher darauf an, dass ein Spieler physisch gut ausgebildet oder mental ausgeglichen und professionell ist. Dabei heißt es aber nicht, dass diese Talente spielerisch schon außergewöhnlich weit sind oder mit ihren Skills andere schlecht aussehen lassen. Beispiele in dieser Draft sind dabei Chris Singleton oder Marcus und Markieff Morris.

Akteure mit viel Upside, aber verhältnismäßig wenig Game bilden den entsprechenden Gegenpart dazu. Mit einer geringeren Erwartungshaltung der Teams haben die Talente mehr Zeit sich zu entwickeln, was aber nicht heißt, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt auch von ihnen Leistung erwartet wird. Eine häufige Eigenschaft sind die körperlichen Grundanlagen, die sie in frühen Jahren als sehr dominant erscheinen lassen. Auch eine übermäßig hohe Athletik hat sich über die Jahre zu einer physischen Eigenschaft herauskristallisiert. Es wäre aber fatal, bereits vor der Karriere Versprechen auf einen fulminanten Start zu machen. So gelten zum Beispiel Jonas Valanciunas, Bismack Biyombo, Tobias Harris oder Davis Bertans als noch sehr unfertige Spieler, welche in der Zukunft aber gute Chancen auf eine erfolgreiche NBA-Karriere haben.

Obwohl immer öfter junge Basketballer mit viel Upside in den höheren Regionen ausgewählt werden, können Ausnahmetalente wie John Wall oder Blake Griffin zu keiner der beiden Kategorien zugeordnet werden. Zwar gibt es in diesem Jahr keinen Ausnahmespieler dieser Kategorie, trotz alledem gibt es in dieser Draft mit Kyrie Irving und Derick Williams, vielleicht noch Enes Kanter, drei Spieler, die beiden Gruppen angehören. Sie sind bereit, sofort in der NBA Leistung zu bringen und haben zudem noch Entwicklungsspielraum.

Teamneed vs. Best Player Available

Bevor jedoch endgültig eine Entscheidung getroffen wird, muss ein weiterer Gedankengang vollzogen werden: Was benötigt das Team momentan an Verstärkungen? Sind genügend Teile vorhanden, sodass speziell auf bestimmten Positionen nachgeholfen werden kann oder wird ein Rebuild gestartet und der beste verbleibende Spieler gedraftet?

Jahr um Jahr stellen sich die General Manager der Franchises die Frage, ob nicht das Loch auf dem Flügel gestopft oder ein weiterer Point Guard verpflichtet werden soll, obwohl dort schon genügend Kandidaten um Spielzeit ringen. Es gibt keine Pauschalantwort auf diese Frage. Oftmals entscheidet das Gefühl in dieser Situation, was aber nicht immer in einem Erfolg für den Club endet.

Nach Teamneed zu draften kann sowohl bedeuten, dass eine schwach besetzte Position endlich verstärkt wird, um für mehr Tiefe und Klasse zu sorgen, allerdings kann es ebenfalls bedeuten, dass dem Team insbesondere eine Fähigkeit fehlt und dafür gesorgt wird, dass dort nachgeholfen wird. So könnten zum Beispiel die Raptors (31.6 %) oder auch die Bobcats (32.7 %) Shooter gebrauchen, die hochprozentig von Downtown abschließen. Durchgesetzt hat sich hierbei mittlerweile die Bildung von Tiers (in etwa dasselbe Schema, was wir in unserem Powerranking verwenden). Spieler mit demselben Talentlevel werden in ein Tier sortiert. Wenn die Franchise picken soll und im Tier noch mehrere Spieler vorhanden sind, wird dann nach Teamneed gedraftet.

Keinen Gegensatz, aber dennoch eine andere Strategie beschreibt die des Best Player Available. Es wird nicht auf den Kader oder vorhandene Skills geachtet. Die Scouts versuchen den besten Spieler auszumachen, der zu dem Zeitpunkt noch zu haben ist, und raten, diesen zu wählen, was schlussendlich auch vollzogen wird. Diese Taktik wird oft angewandt, wenn ein neuer Franchise-Player gesucht wird oder die benötigte Position in der Draft einfach zu schlecht besetzt ist und es somit keinen Sinn ergibt, ein deutlich schlechteres Prospect zu ziehen.

Die beiden Strategien lassen sich aber auch verbinden, wenn der letztgenannte Fall eintritt und der GM den für ihn besten Spieler auswählt, diesen jedoch im Gegenzug gleich für einen dringend benötigten Teamneed eintauscht. Dadurch profitieren gleich zwei Parteien und der Spieler kommt in ein Umfeld, wo er auch wirklich willkommen ist.

Letztes Update: 21.06.2011

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