Boston Celtics

Sophomore Scouting: Jayson Tatum

Screenshot: NBA League Pass

Jayson Tatum, Ben Simmons und Donovan Mitchell galten alle drei mehr oder weniger als Rookie of the Year Kandidaten im letzten Jahr. In der kommenden Videoreihe möchte ich mir anschauen, welche Entwicklung die Sophomores in dieser Saison bisher durchgemacht haben und in welchen Bereichen sich klare Stärken oder Schwächen feststellen lassen.

Jayson Tatum: Zu jung für die Verantwortung?

Den Anfang macht Jayson Tatum. Der 21-jährige Wing der Boston Celtics wurde nach seinen beachtlichen Playoff-Leistungen mit großen Erwartungen in die Saison geschickt, konnte diese jedoch nur teilweise erfüllen.

In der Offense zeigt Tatum nach wie vor ein breites Arsenal an Scoring-Fähigkeiten. Sein Finishing am Ring ist mittlerweile auf einem elitären Niveau bei einer Quote von 70%. Allerdings hat sich sein Spiel tendenziell etwas in die Mitteldistanz verlagert, ein Umstand der seiner Effizienz etwas schadet (111 → 107er Ortg / 58,5 → 55 TS%).

Es sind aber nicht zwangsläufig die langen Zweier, sondern eher Freiwurf-Jumper und Würfe aus Floater Range, die Tatum dieses Jahr in höherem Volumen versucht hat. So kann man wohl von einer leicht verschlechterten Wurfauswahl sprechen, das ist bei einem so jungen Spieler der sich an eine größere Rolle gewöhnen muss aber nicht allzu besorgniserregend (19,5 → 22 USG% / 10 → 13 FGA). Etwas ähnliches lässt sich auch bei seinem Dreier beobachten. Er nimmt mittlerweile einen Versuch mehr pro Spiel und trifft dabei nur noch 36%. Man kann vermuten, dass die 43% Trefferquote aus dem letzten Jahr wohl etwas fluky gewesen ist, dennoch nimmt Jayson mittlerweile auch etwas mehr Dreier aus dem Dribbling heraus (von 8% auf 15%).

Seine Creation für andere im Halbfeld ist allerdings nach wie vor begrenzt, auch wenn er in der Transition gelegentlich gutes Passverständnis aufblitzen lässt. Im egalitären System der Celtics ist er deswegen gut aufgehoben und kann die Playmaking-Verantwortung getrost Irving und Horford überlassen. Dafür ist Tatum recht vielseitig was das eigene Scoring angeht. Die meisten Abschlüsse nimmt er aus Spotup-Gelegenheiten (17,5% seiner Würfe), allerdings ist er auch als Pick n Roll Ballhandler eine unterschätzte Gefahr (15% seiner Würfe / er ist dabei effizienter als 73% der Liga). Er ist gut darin Mismatches zu attackieren und kann diese dank seiner guten Länge auch aufposten. Off-Ball bewegt er sich ebenfalls sehr gut und die Celtics Offense profitiert von seiner hohen Aktivität in Form von Cuts oder Off-Ball Screens. Nur in der Isolation hat er sich bisher schwer getan in diesem Jahr und gehört bei einem recht beachtlichen Volumen (13,5% seiner Würfe) zu den schlechtesten 20% der Liga. Gerade in diesen Situationen tendiert er zu Mitteldistanzwürfen und bevorzugt eher den Jumper als den Drive zum Korb.

Vielseitigkeit, an beiden Enden des Feldes?

In der Defense hat Tatum einen Schritt nach vorne gemacht. Er hat allgemein kaum Schwächen und konnte sich als Help Defender noch einmal verbessern. Außerdem ist er sehr diszipliniert und gamblet eher selten auf Steals oder lässt sich ablenken. On-Ball kann er dank seiner Länge auch gegen kleinere Gegenspieler bestehen und recovert gut, wenn er geschlagen wurde. In einem switchlastigen System der Celtics ist er somit sehr wertvoll und hat lediglich gegen sehr körperlich robuste Gegner Probleme. Er ist ein klares Plus in der Defense und kann vor allem im Teamverbund seine Stärken ausspielen. Seine Länge hilft ihm Würfe zu contesten und sein Basketball IQ ist wohl jetzt schon auf einem guten Niveau. Die Celtics Defense verteidigt mit Tatum auf einem sehr hohen Level (106,5er Drtg) und grade seine Switchability ist wesentlicher Bestandteil ihrer defensiven Identität.

Jayson Tatums Entwicklung ist in gewisser Weise charakteristisch für die Celtics in dieser Saison. Er hatte bisher leichte Probleme seine neue Rolle im Teamverbund zu finden und ist dennoch individuell keineswegs schlechter geworden. Man darf nach wie vor hohe Erwartungen an den 21-jährigen von Duke haben und es ist immer noch am wahrscheinlichsten, dass die Celtics einen zukünftigen All Star mit dem dritten Pick der Draft 2017 gezogen haben.

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