Alltimers, Los Angeles Lakers, Memphis Grizzlies

Ein Deal für die Ewigkeit

Kann ein einziger Trade dafür sorgen, dass sich die gesamte NBA-Landschaft ändert? Nicht wenige Basketball-Beobachter werden dieser Aussage zustimmen, wenn sie an den ersten Februar 2008 denken, als Pau Gasol zu den Los Angeles Lakers wechselte. Vor allem der Gegenwert, den die Memphis Grizzlies für Gasol erhielten, war für die meisten Experten nicht existent. Doch 32 Monate nach dem Deal kann dieser erst abschließend bewertet werden. Wie fällt das Fazit heute aus?

“What they did in Memphis is beyond comprehension. There should be a trade committee that can scratch all trades that make no sense. I just wish I had been on a trade committee that oversees NBA trades. I would have voted no to the L.A. trade.”

Diese charmante Einschätzung gab Gregg Popovich, seines Zeichen langjähriger Trainer der San Antonio Spurs, zu Protokoll, als er gefragt wurde, wie er den Pau Gasol-Trade bewerten würde. Die Verbitterung Popovichs ist verständlich. Aus sportlicher Sicht war der Trade unausgeglichen. Doch der Reihe nach – wie sah der Deal denn im Detail aus?

Der Aufbau des Trades zwischen Memphis und Los Angeles

Die Front Offices der Lakers und Grizzlies einigten sich im Grunde darauf, den Deal um zwei Spieler aufzubauen: Pau Gasol als Objekt der Begierde für die Lakers; Kwame Brown als größter auslaufender Vertrag für Gehaltseinsparungen für die Grizzlies. Da das Talentlevel der beiden Spieler nicht annähernd als gleich erschien, mussten die Los Angeles Lakers dem Deal noch weitere Spieler oder Draft- Picks hinzugeben. Das Angebot umfasste letztlich folgende Komponenten:

Los Angeles Lakers erhieltenMemphis Grizzlies erhielten
Pau GasolKwame Brown
2nd Rounder 2010 (Devin Ebanks)Javaris Crittenton
 Marc Gasol
 1st Rounder 2008 (Darrell Arthur)
 1st Rounder 2010 (Greivis Vazquez)
 Aaron McKie
 Cash
Photo: Truth about it (Lizenz)

Die Kritik an dem Trade wird relativ schnell ersichtlich: Obwohl die Los Angeles Lakers mit Lamar Odom und Andrew Bynum talentierte Spieler in ihren Reihen hatten, die zumindest annähernd das Talentlevel Pau Gasols erreichten, blieben diese unangetastet. Die Grizzlies erhielten zum auslaufenden Vertrag von Kwame Brown lediglich First Rounder Javaris Crittenton und die Draftrechte an Marc Gasol zurück. Die Draft-Picks würden erst in vier respektive 28 Monaten zum Team stoßen, Marc Gasol wäre auch erst nach der Saison verfügbar. Was ein wenig unter den Tisch gefallen ist, ist die Ersparnis von 2,6 Millionen Dollar, die der Deal per se einbrachte, sowie die Vergütung (hier wird angenommen, dass dies der maximal mögliche Wert von drei Millionen Dollar war), die einer kleinen Franchise – Jan Karon hatte die Ungleichheiten bereits aufgezeigt – wie Memphis sehr helfen würden. Dennoch wird dieser Deal, wie kaum ein anderer in der Geschichte der NBA, kritisiert. Die Kritiker sehen sich vor allem darin bestätigt, dass die Los Angeles Lakers das dominierende Team der nächsten Jahre wurden, und dabei zwei Meisterschaften und eine Finalsteilnahme vorweisen konnten. All dies soll zu großen Teilen an Pau Gasol gelegen haben. Dies ist auch nicht zu bestreiten. Schauen wir trotzdem einmal, in welchen Situationen sich die beiden Franchises zu diesem Zeitpunkt befanden.

Die damalige Perspektive in Los Angeles

Die Los Angeles Lakers gingen 2007/2008 in ihre wahrscheinlich schwerste Spielzeit seit einigen Jahren. Das Team war durchaus Playoff-Material, aber all dies war nebensächlich, weil Superstar Kobe Bryant in diesem Sommer massive Verstärkung oder – bei Ausbleiben dieser – einen Trade gefordert hatte. Bryant wollte nicht mehr alleine sein Team in die Playoffs hieven. Die Lakers hatten keine solide zweite Option, weil Lamar Odom in dieser Rolle nicht funktionierte. Hoffnung gab nur die Verpflichtung von Derek Fisher, der damit nach Smush Parker endlich wieder ein legitimer Starter auf der 1 sein sollte. Das Front Office saß den Ärger mit Bryant aus, und so ging man in eine Spielzeit, in der es vor allem eine Überraschung geben sollte: die Weiterentwicklung Andrew Bynums. Der Center erkämpfte sich nach neun Spielen den Job als Starter auf der 5 und überzeugte sowohl offensiv als auch defensiv. Er stellte unter Bewis, dass er zudem die dringend benötigte zweite Option sein konnte, so verbesserte er sich pro Monat von 11,4 über 13,9 bis hin zu 17,3 Punkten pro Spiel im Januar. Überhaupt waren die sechs Spiele im Januar sein absoluter Durchbruch. Er erzielte 17,3 Punkte, 12,2 Rebounds und 2,3 Blocks pro Spiel – bis er sich gegen (man ahnt es bereits) die Memphis Grizzlies verletzte. Zu diesem Zeitpunkt standen die Lakers bei 24-11 und waren Erster in der Western Conference.

Dieser Umstand wird heutzutage meist geflissentlich übersehen. Die Lakers hatten, bedingt durch die rasante Entwicklung Bynums, bereits ein Team, das auf einem Kurs zu 56 Siegen waren. Andrew Bynum und Derek Fisher hatten wichtige Schwachstellen (Lowpost-Präsenz, zweite Option, Dreipunktewurf)  geschlossen. Dass diese Zahlen Bynums kein zwischenzeitliches Hoch waren, kann man übrigens dadurch belegen, dass er zum Saisonstart 2009/2010 für neun Spiele ohne Pau Gasol auf dem Feld stand. Seine Zahlen: 20,3 Punkte, 11,7 Rebounds pro Spiel. Die Euphorie von 2008 verebbte aber durch die Verletzung Bynums, da nun ein zentraler Spieler des Systems fehlte.

In dieses Team, das eine legitime erste und zweite Option herausgebildet hatte, Floor-Spreading durch Fisher und Radmanovic besaß, und zudem ordentlich verteidigen konnte, kam dann Pau Gasol. Dieser hatte bisher den Ruf, ein wirklich gut ausgebildeter Big Man zu sein, der für seine Größe unglaublich gut passen konnte, aber auch als soft galt, als jemand, mit dem man als erster Option nichts gewinnen konnte. Gasol hatte die Grizzlies zwar drei Mal in die Playoffs geführt, dort aber nicht ein einziges Spiel gewinnen können. Er war unzufrieden mit seiner Situation in Memphis und wollte die Franchise schon im letzten Jahr verlassen.

Photo: Keith Allison (Lizenz)

Ein großer Grund, wieso dieser Deal auch heute noch als unfairster Deal der NBA-Geschichte betitelt wird, ist letztlich einem Umstand geschuldet, den viele übersehen: Gasol passte einfach hervorragend in dieses Gebilde. Er musste keine erste Option sein, das übernahm Kobe Bryant. Er war auch nicht der Defensivanker; diese Aufgabe wurde Andrew Bynum zuteil. Trotz des Ausfalls Bynums hatte man die Finals erreicht, wurde da aber vor allem defensiv dominiert. Die Frage, die man sich nach der Saison 07/08 stellen musste (und die wenige stellten), war, ob die Lakers mit einem gesunden Andrew Bynum und ohne Pau Gasol nicht eventuell genauso weit gekommen wären. Niemand möchte Pau Gasol seine Klasse absprechen; es geht eher um die andere Sichtweise: Hat Andrew Bynum nicht auch einen großen Anteil am Erfolg dieser Lakers?

Richtig ausgezahlt hatte sich der Trade aus Sicht der Lakers nämlich erst im nächsten Jahr, wo man auf die Dienste beider Big Men zurückgreifen konnte und somit letztlich auch die Meisterschaft gewann. Pau Gasol war natürlich ein großer Glücksgriff für die Lakers, aber dies gilt vor allem auch umgekehrt. Die Lakers kaschierten alle Schwächen Gasols, sodass dieser auf einmal von einigen Experten als bester Power Forward der Liga gehandelt wurde. Dieses Bild verselbstständigte sich und hält bis heute an. Die erfolglosen Jahre in Memphis, wo er als Franchise Player scheiterte, sind vergessen oder werden verdrängt.

Die Sicht der Memphis Grizzlies

Einen gescheiterten Franchise Player, der in den Playoffs kein Spiel gewinnen konnte, aber bezahlt wurde wie ein Superstar, genau so würden viele Grizzlies-Fans Pau Gasol beschreiben. Letztlich musste Chris Wallace, General Manager der Grizzlies, auch zu dieser Einsicht gekommen sein. Die Grizzlies hatten nach drei Erstrundenniederlagen im Jahr zuvor gar die Playoffs komplett verpasst und nur ein Viertel ihrer Spiele gewonnen. Mit einer Bilanz von 22-60 ging man in die Spielzeit 2007/2008. Bis zum Zeitpunkt des Trades stand man bei 13-33. Der Franchise Player Gasol hatte abermals nicht so funktioniert, wie die Verantwortlichen sich dies erhofft hatten, obwohl man mit Juan Carlos Navarro extra einen Freund Gasols verpflichtet hatte. Gasol selbst war unzufrieden und wollte Memphis unbedingt verlassen. Man entschloss sich, Gasol zu traden und radikal neu zu beginnen. Chris Wallace sprach nach dem Trade Gasols davon, dass man vier Erstrundenpicks erhalten hätte. Schließlich wäre Rookie Javaris Crittenton de facto einer gewesen und Marc Gasol spiele auf einem Niveau, dass er im Draft 2008 definitiv in der ersten Runde gezogen worden wäre. Dies klingt natürlich nach einer Rechtfertigung, aber es unterstützt den Gedanken des radikalen Umbruchs.

Die Memphis Grizzlies hätten – im Gegensatz zu den Lakers – nämlich niemals eine erste Option neben Pau Gasol aufstellen können. Dieser Illusion gab sich Wallace nicht hin. Also tradete er die zweite Option Gasol für Capspace, um in der Zukunft flexibel reagieren zu können. Viele Kritiker sehen genau hier das Problem: Man kann zwar einen überbezahlten Spieler für Capspace abgeben, aber das Talent Gasols ist in dieser Liga rar gesät. Allerdings sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass die Grizzlies Pau Gasols Talent niemals hätten abrufen können, weil dazu die Mitspieler fehlten. Die Grizzlies schlossen die Saison ohne Gasol ebenfalls wieder mit 22-60 ab und waren tief in der Lottery versunken.

Warum der Deal trotzdem für beide Seiten funktionierte

Über die Los Angeles Lakers muss man nicht viele Worte verlieren. Zwei Ringe reichen als Beweis eigentlich aus. Vielmehr muss man aber auch anerkennen, dass die Memphis Grizzlies von diesem Deal profitiert haben.

Zunächst wären da die massiven Gehaltseinsparungen für ein Team, das eh nicht gewonnen hat. Memphis ist ein kleiner Markt. Wenn Pau Gasol – trotz Maximalgehalt – wiederholt nur für 22 Siege sorgen kann, dann konnte er mittelfristig der Franchise nicht helfen. Die Grizzlies setzten also voll auf den Draft, erlangten OJ Mayo und Darrell Arthur, zudem wurde Marc Gasol unter Vertrag genommen – und sie gewannen in der Folgesaison immerhin zwei Spiele mehr als in den Vorjahren. Dies war natürlich kein sonderlich großer Grund, um zu jubeln, jedoch muss man bedenken, dass die Grizzlies mit weniger finanziellem Aufwand ungefähr denselben sportlichen Ertrag erzielte. Auch dies kann schon als Erfolg angesehen werden.

Die sportliche Verbesserung setzte erst ein, als man den durch den Trade Pau Gasols freigewordenen Capspace auch nutzte. Ohne diesen wäre es nicht möglich gewesen, Zach Randolph für einen Seconder Rounder von den Los Angeles Clippers zu erhalten. Was vor der Saison noch müde belächelt wurde, zahlte sich in der Saison 2009/2010 aus. Randolph konnte einen Platz im Team finden und brachte sich sehr gut ein. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Die Grizzlies gewannen 40 Spiele und kratzten eine Zeit lang an den Playoffrängen. Hätte man dazu im Vorjahr besser gedraftet und einen Spieler geholt, der mehr Input als Hasheem Thabeet hätte bieten können, wäre gar noch mehr für die Franchise aus Tennessee möglich gewesen.

Trotz einiger Fehlentscheidungen (der Draft Thabeets, das Signing Iversons, was komplett fehl schlug) sind die Grizzlies ein hoffnungsvolles, junges Team geworden, das mit weniger Gehalt mehr Erfolge zu verbuchen hatte.

Pau Gasol gab man über Umwegen also für Marc Gasol und Zach Randolph ab. Einen signifikant besseren Frontcourt können nur wenige NBA-Franchises vorweisen. Und was sagt Gregg Popovich zwei Jahre nach dem Deal?

“They gave up a great player but it helped them extend the franchise’s success into the future,” Popovich said. “It’s shown that they’ve done a good job. Whatever they were thinking a couple of iterations ahead at the time has paid off for them.”

Wenn der Großmeister der Spurs schon diese Zugeständnisse macht, muss dies ja auch seinen Grund haben. Vielleicht ist dieser auch darin zu manifestieren, dass dieser Deal die gesamte NBA verändert hat, nicht nur die Los Angeles Lakers.

Die Auswirkungen des Gasol-Deals

Die Konkurrenz reagierte auf den Gasol-Trade geschockt. Der Ausbruch Popovichs ist nur das prominenteste Beispiel. Als Reaktion darauf, versuchte die Konkurrenz selbst aufzurüsten. Die Trades der direkten Konkurrenz nach dem Gasol-Deal sahen so aus:

  • Phoenix tradet Shawn Marion und Marcus Banks nach Miami, um Shaquille O’Neal zu erhalten.
  • Die Mavericks angeln sich Jason Kidd, Antoine Wright und Malik Allen für Devin Harris, DeSagana Diop, Trenton Hassell, Maurice Ager, Keith van Horn und 2 First Rounder.
  • San Antonio erhält Kurt Thomas von den Seattle Supersonics für Francisco Elson, Brent Barry und einen First Rounder.

Alle drei Teams verstärkten sich – zumindest auf dem Papier. Ihr Problem in den Playoffs war ein anderes: die Dallas Mavericks warfen ihr gesamtes Spielsystem über Bord, weil man nun einen klassischen Point Guard im Team hatte; die Phoenix Suns hatten das erste Mal eine Low-Post-Präsenz, die nicht fürs Run & Gun geeignet war, im Team; einzig die Spurs machten einen guten Move, der sie aber nicht nahe genug an die Lakers heranführte. Die ersten beiden Trades werden später als Panik-Moves bezeichnet werden, da sie eine gesamte Team-Philosophie auf den Kopf stellten. Die Spurs hingegen machten bereits einen Deal, der ihnen den klar besten Spieler im Trade brachte, während sie selbst keine wichtigen Spieler ziehen lassen mussten. Folgerichtig erreichten sie relativ eingespielt auch die Western Conference Finals.

Warum der Deal der Lakers sofort funktionierte und es keine großen Probleme in der Integration gab, ist darauf zurückzuführen, dass Pau Gasol einfach den Platz des verletzten Andrew Bynum einnahm. Das Team hatte bereits 35 Spiele mit einem offensiv potenten Spieler verbracht und Gasol füllte die Rolle als zweite Scoring-Option auch sofort aus. So kam es zu keinem Bruch im System – es stellte sich sogleich Erfolg ein.

Allerdings sollte der Trade zwischen den Los Angeles Lakers und den Memphis Grizzlies nur ein Startschuss für viele dieser Trades sein. In den nächsten 30 Monaten nach diesem “skandalösen” Deal wurden eine Vielzahl von Trades durchgeführt, die dieselbe Intention hatten wie die Memphis Grizzlies: es sollte Gehalt eingespart werden. Eine Vielzahl kleiner Deals enthielt einfach einen Future Second Rounder, der gegen einen Bankspieler eingetauscht wurde.

Die prominentesten Deals dieser Kategorie seit dem Gasol-Deal waren jene:

  • Die Dallas Mavericks erhalten für Jerry Stackhouse, Antoine Wright und Devean George in einem Vier-Team-Trade Shawn Marion, Kris Humphries und Nathan Jawai.
  • Die Spurs erhalten Richard Jefferson für die auslaufenden Verträge von Kurt Thomas, Bruce Bowen und Fabricio Oberto.
  • Die Orlando Magic traden Tony Battie, Rafer Alston und Courtney Lee für Vince Carter.
  • Die Cleveland Cavaliers erhalten Shaqulle O’Neal für Ben Wallace und Sasha Pavlovic.
  • Wieder die Mavericks: für Caron Butler, Brendan Haywood und DeShawn Stevenson gibt das Team aus Texas Josh Howard, Drew Gooden, James Singleton und Quinton Ross ab.
  • Abermals dealen die Cavaliers; dieses Mal erhält man Antawn Jamison für einen First Rounder 2010 und Zydrunas Ilgauskas, der dann direkt aus seinem Vertrag herausgekauft wird und wieder bei den Cavs unterschreibt.

Vor allem zur letzten Trading Deadline nahmen solche Deals Überhand. Hier wurden teilweise Deals gänzlich ohne Talente oder Draft-Picks gemacht, wo es nur noch um die höchstmögliche Ersparnis ging und das Team, das sparte, überhaupt nichts davon hatte – außer weniger Kosten. Nicht zuletzt wurde behauptet, dass der Trade zwischen Cleveland und Washington weitaus schlimmer wäre als der Pau Gasol-Deal. Warum dies nun schon wieder in Vergessenheit geriet, hatte einen einfachen Grund: die Cavaliers vermochten es nicht, Jamison in ihr Team zu integrieren und damit den Titel zu erringen. Dieser Deal hätte weit größere Schlagzeilen gemacht, wenn die Cavaliers ihren Status als Team mit dem besten Record gerecht geworden wären. So ist weiter der Deal um Pau Gasol das vorherrschende Thema.

Konklusion

Der Trade zwischen den Los Angeles Lakers und den Memphis Grizzlies war sicherlich sportlich sehr einseitig, wenn man nur den Deal am Tag der Bekanntgabe betrachtet. Es wechselte eine sehr gute zweite Option nach Los Angeles, retour kamen nur Talente, Draft-Picks und auslaufende Verträge. Trotzdem hat der Deal den Memphis Grizzlies geholfen, die Franchise finanziell gut aufzustellen und darüber hinaus noch mehr Siege zu erlangen als mit Pau Gasol.

Nicht vergessen werden sollte, dass Pau Gasol nur so exzellent aufspielen kann, weil die Lakers ein Team sind, das seine Stärken betont und seine Schwächen verdeckt. Anzunehmen, dass Gasol ähnliche Leistungen bei Grizzlies als erste Option vollbracht hätte, ist nicht nur spekulativ, sondern wohl aufgrund der anderen Anforderungen als unwahrscheinlich anzunehmen. Die schärfsten Kritiker verstummten spätestens Ende April 2010, als die Grizzlies eine respaktble Saison beendeten.

Vielleicht hat Gregg Popovich ja auch deswegen seine Meinung geändert, weil auch sein Team mindestens einen Trade gemacht hat, den er selbst in seinem vorgeschlagenen Trade Komitee hätte ablehnen müssen. Aber erkennen wir lieber die Größe Popovichs an, zuerst eine Meinung standhaft zu vertreten, diese aber dann auch zu revidieren, wenn sie nicht mehr haltbar ist.

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4 comments

  1. Hassan Mohamed

    Hoffentlich lesen eine Menge Leute diesen Artikel. Der Punkt, dass die Lakers vor dem Deal bereits oben standen, wird nämlich gerne übersehen.

    Das zweite Zitat (der Schritt zurück) von Popovich kannte ich noch gar nicht.

  2. Sebastian Hagner

    Ich denke, dass viele Leute sich v.a. so über den Trade geärgert haben, weil es eben die Lakers waren, die zunächst einmal hauptsächlich davon profitierten. LA war halt gewissermaßen der Branchenprimus des vergangenen Jahrzehnts (rein von den Zahlen her waren das vielleicht sogar eher die Spurs, aber der Threepeat und das ewige Kobe-Shaq-Drama bleiben halt bei vielen mehr hängen als beispielsweise die Defensivschlacht zwischen San Antonio und Detroit 2005), und da neigt man dazu, besonders kritisch zu sein.
    Letztlich hätten die Grizzlies damals sicherlich auch einen anderen Deal bekommen können, der ihnen unmittelbar brauchbare Spieler gebracht hätte. Dass Marc Gasol so einschlagen würde, konnte man ja auch nicht sicher wissen.

    Aber du hast schön herausgearbeitet, wie dieser Trade die NBA-Landschaft nachhaltig verändert hat – auch wenn der Sparkurs vieler Franchises in den letzten ein, zwei Jahren zweifelsohne auch der allgemeinen wirtschaftlichen Situation geschuldet war.

  3. Ich glaube einfach, dass die meisten Kritiker die Schwächen Gasols nicht sehen. Er ist als 7-Footer kein Defensivanker, er ist auch keine erste Option, um die man ein Team aufbauen kann. All das muss er bei den Lakers auch nicht sein. Trotzdem wird er wie eine erste Option bezahlt.
    Zudem werden seine Stärken im System der Lakers so sehr hervorgehoben, wie beispielsweise die Fähigkeit, für einen Big Man so stark passen zu können. Schaut man sich beispielsweise die Suns der letzten Jahre dagegen an, wo Amaré Stoudemire nie passt, das System aber genau darauf ausgelegt ist, weil Nash den gesamten Spielaufbau übernimmt, dann wird erst deutlich, wie überschätzt Pau Gasol momentan auch einfach ist. Da wird ja von einigen Experten behauptet, er sei “locker Top 10” in der NBA. Und das, obwohl er kein herausragender Verteidiger, keine legitime erste Option und kein Team-Leader ist?

    Der Deal wirkt einfach so unfair, weil Gasol perfekt in das System der Lakers passt. Dazu kommt dann das nötige Glück (die Magic waren vor zwei Jahren ein dankbarer Finalsgegner; die Celtics schlägt man im letzten Jahr wirklich hauchdünn) und schon ist Pau Gasol der heimliche Team-MVP für viele. Dabei profitiert er so sehr davon, nicht der Fokus der Defense des Gegners zu sein, nicht jeden Abend unglaublich spielen und auch das Team nicht führen zu müssen.

  4. Sebastian Hagner

    Es stimmt alles, was du über Gasol als den perfect fit für die Lakers sagst, nur dürfte das ja für Memphis kein Ziel gewesen sein, dass der Spieler, den sie abgeben, gut in sein neues Team passt.
    Ein anderer Aspekt ist wohl, dass viele dachten, dass Jerry West hinter der ganzen Sache gesteckt hat, obwohl das ja anscheinend nicht stimmt.

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