Los Angeles Lakers, Minnesota Timberwolves, NBA, Philadelphia 76ers

Draft 2015 – Team Needs

Teil 1: Die Lottery-Gewinner

Wie schon letztes Jahr gibt es wieder unser Gegenstück zum Draft: Die Team Needs. Die Idee dahinter findet sich in der ersten Ausgabe:

 

Das Go-to-Guys Draft Powerranking unterscheidet sich von den üblichen Mockdrafts vor allem dadurch, dass die Spieler nur nach der prognostizierten Qualität gerankt sind. Um eine möglichst große Aussagekraft bezüglich der spielerischen Möglichkeiten der Prospects zu erhalten, sind Team Needs nicht Teil des Rankings. Dieser dreiteilige Artikel setzt hier an und stellt das Gegenstück dar, eine Darstellung der Voraussetzungen und Rebuild-Pläne der Teams ohne Betrachtung der Draft Class.

Das mag auf den ersten Blick sinnlos erscheinen: Wie kann man das Draftverhalten eines Teams ohne die Draftees beschreiben? Und tatsächlich gibt es Fälle wie etwa 2012 Anthony Davis, wo jede Franchise zugreifen muss – unabhängig vom bisherigen Kader, den Plänen für die kommenden Jahre oder anderen Faktoren. Oft ist das Talentlevel jedoch vergleichbar, wie auch die Kategorien des GtG-Rankings zeigen. Hier werden dann die Voraussetzungen und Ziele der Franchise interessanter, die Draftstrategien unabhängiger von den Spielern. Die Grundlagen sind bereits hier dargestellt, für diesen Artikel wird ein etwas ausgeweitetes System eingesetzt: Zu den Kategorien der Entwicklung des Spielers (Upside vs. NBA-Ready) tritt noch die Möglichkeit Trade (siehe auch hier).

 

 

Pick 1: Minnesota Timberwolves

Irgendwann Anfang Juli werden aller Wahrscheinlichkeit nach die ersten Picks der letzten drei Draftjahre im gleichen Team unter Vertrag stehen. Eigentlich wäre das schon überraschend genug, obwohl zum ersten Mal seit Jahren das Team mit der schlechtesten Bilanz gewonnen hat. Noch absurder erscheint diese Aussicht allerdings, wenn man bedenkt, dass das bisherige Team trotzdem keinerlei Einfluss auf die diesjährige Draftentscheidung haben sollte. Anthony Bennett, der bisher enttäuschende erste Pick der Cavs aus dem Jahr LeBronJamesvsAndrewWiggins2012/13, wird kaum die Entscheidung für einen ähnlichen Spielertypen verhindern. Der amtierende Rookie of the Year Andrew Wiggins ist dagegen gesetzt, verspricht aber ausreichend Flexibilität, um praktisch jeden beliebigen Spieler ins Team zu holen. Selbst ein weiterer Wing mit wackeligem Distanzwurf wäre vermutlich noch kein Ausschlusskriterium.

Für den Rest des Teams gilt, zumindest beim ersten Pick: Kein Spieler ist so wichtig, dass man vom Modus ‚Best Player Available‘ abweichen sollte. Ricky Rubio gilt seit Jahren als Spieler mit enormem Potential, seine Wurfschwäche und mehrere Verletzungen haben aber bisher den nächsten Schritt verhindert. Mit mittlerweile 24 Jahren und einer großzügigen Vertragsverlängerung über 4 Jahre und insgesamt 55 Millionen Dollar passt der Spanier aber nicht mehr wirklich zum kompletten Neuanfang, den die Wolves mit ihren beiden Top-Picks jetzt wagen sollten. Bei einem passenden Angebot dürfte Rubio wohl sofort gehen, genauso wie bei Dauerpatient Nikola Pekovic ist das Interesse aber vermutlich begrenzt. Von den übrigen Spielern könnte Kevin Martin noch recht unkompliziert einen späten Pick einbringen – was anders als der unnötige Philadelphia-Part des Love-Trades mit Thad Young ein Schritt in die richtige Richtung wäre.

Bessere Perspektiven in Minnesota haben noch einige der jüngeren Spieler, vor allem Gorgui Dieng und Zach LaVine. Beide profitierten mit vielen Minuten von den vielen Ausfällen in einem nicht mehr auf die Playoffs zugeschnittenen Team. Trotzdem sind beide weniger Schlüsselspieler als zusätzliche Bausteine: LaVine hat zwar seine Athletik bereits beim Dunk Contest vorführen können, Wurf und Spielmacher-Fähigkeiten stellten sich aber noch als unzuverlässig dar. Bei Dieng sehen die rohen Statistiken gut aus (knapp 10 Punkte und gut 8,3 Rebounds bei 50,6% Wurfquote), mit bereits 25 Jahren und einer nicht sonderlich ausgefeilten Spielweise sollte man jedoch nicht auf größere Sprünge hoffen.

Tendenz: Sehr viel deutlicher kann ein Plädoyer für den bestmöglichen Spieler, also das klassische ‚BPA‘, kaum ausfallen. Die Wolves haben die völlig freie Auswahl und sollten das auch nutzen.

 

Pick 2: Los Angeles Lakers

Die Kobe Bryant-Ära bei den Lakers neigt sich dem Ende zu – und trotz Bryants Verletzung sagt der 2. Pick viel über den Zustand des Teams. In die Saison gestartet waren die Lakers noch mit halbwegs ernsthaften Gewinnambitionen, wie die zahlreichen Kurzzeitverträge für Spieler wie Carlos Boozer oder Jordan Hill zeigen. Außer dem Glücksgriff Jordan Clarkson und dem langzeitverletzten Julius Randle sieht in LA wenig nach Rebuild aus. Schon gar nicht die Pick-Situation, so dass die vergangene Saison ein Spiel mit dem Feuer darstellte: Ab Pick 6 wäre das Draftrecht nach Phoenix beziehungsweise nach dem Brandon Knight/Michael Carter-Williams – Trade Philadelphia gegangen.

Draftposition Zwei war also gleich in doppelter Hinsicht glücklich. Einmal, dass der Pick überhaupt an der Westküste blieb, dann, dass die Lakers auch noch 2 Positionen gewonnen haben. Jetzt müssen Mitch Kupchak und Co. dieses Glück noch ausnutzen – und das könnte zum Problem werden. Die Franchise ist durch Bryants überdimensionierten Vertrag (24,5 Mio. Dollar in der nächsten Saison) massiv in der Handlungsfähigkeit eingeschränkt, aber gleichzeitig auf ein gewisses Maß sportlicher Ambitionen festgelegt. Außerdem: Nächste Saison müsste sie schon in der Top 3 landen, um den Pick zu behalten. Es könnte also attraktiv sein, nicht einfach den langfristig talentiertesten Spieler zu ziehen, sondern stattdessen eine Sofortlösung finden zu wollen: Entweder der Draft eines Win Now-Spielers oder ein Trade, vermutlich innerhalb der Top 10-Picks, vielleicht auch gleich für einen gestandenen Spieler.

Ein Blick zurück auf die 2. Picks zeigt, dass zu viele Gedanken eher keine gute Idee sind. Sam Bowie und Darko Milicic sind die bekanntesten Namen, aber auch in jüngeren Jahren finden sich diverse Busts. Einige Spieler wie Michael Beasley, Evan Turner oder Derrick Williams haben nie ihre Rolle gefunden, manchmal war wie bei Hasheem Thabeet das Talent wohl doch nicht so ausgeprägt wie angenommen. Deutlicher wird das Problem bei zwei anderen Fällen: Selbst LaMarcus Aldridge ist ein Beispiel dafür, wie der zweite Pick falsch eingesetzt werden kann. Die Bulls zogen den Big zwar, gaben ihn aber kurz darauf an die Blazers ab – für Tyrus Thomas und Victor Khryapa. Ein weiteres Beispiel ist Marvin Williams. Obwohl er im College nur als Sixth Man aufgelaufen war, zogen die Hawks ihn vor Chris Paul und Deron Williams. Diese Entscheidungen sind im Rückblick natürlich leicht zu kritisieren, die Häufung von Busts zeigt jedoch ein grundsätzliches Problem: An einen 2. Pick besteht einerseits die klare Erwartung, einen Franchise Player zu erhalten, andererseits ist die beste Chance darauf eben schon weg. Das sollte aber nicht zu Panikreaktionen verleiten oder die Situation im Team unnötig in den Vordergrund ziehen. Die Lakers sollten eher auf die beiden Positivbeispiele der letzten Jahre hoffen: Vielleicht begeht ja das Team vor ihnen wie die Cavs mit Anthony Bennett einen Fehler – oder man landet zufällig in einem Draft mit zwei klaren besten Spielern, von denen sie dann ohne großes Nachdenken den übrigen nehmen könnten. Die Thunder haben mit Durant gezeigt, dass der zweite Pick in diesem Szenario eine echte Chance darstellen kann.

Tendenz: Don’t overthink it – die Lakers sollten nicht auf die Idee kommen, unbedingt für Bryants letzte Jahre noch ein Risiko eingehen zu müssen. Kein anderer Spieler darf ein echtes Hindernis sein, also: BPA.

 

Pick 3: Philadelphia 76ers

Die 76ers landen trotz einer erneut als reines Tank-Team verschrienen Auswahl wieder nur auf Platz 3, was dieses Jahr sogar ihrer Platzierung entsprach. Man könnte es als Karma verstehen, oder auch als Zeichen dafür, dass die Lottery funktioniert. Der dritte Pick bedeutet einerseits natürlich einen erheblichen Verlust an Auswahl – andererseits kann man es an dieser Position eher erwägen, nach Team Need zu ziehen.

Das ist für die 76ers nach der laufenden Saison ein nicht zu unterschätzender Faktor: Die beiden Bigs Nerlens Noel und Joel Embiid sind die ersten beiden zentralen Bausteine. Noel hat diese Saison bereits seine defensiven Fähigkeiten unter Beweis stellen können und beispielsweise nur knapp die je 2 Blocks und Steals pro Spiel verpasst, die bisher erst David Robinson, Hakeem Olajuwon und Gerald Wallace gelangen. Auch dank des neuen Bigs erreichten die Sixers zum Ende der Saison noch Platz 12 in defensiver Effizienz.  Noel wurde wie Embiid vor seiner Verletzung als erster Pick gehandelt und in unserem Draft Powerranking 2013 bzw. 2014  auf die Spitzenposition gesetzt. Embiid setzte zwar die komplette Saison verletzt aus, wurde aber ebenfalls mit der Absicht gezogen, ihn danach zu entwickeln. Auch wenn die beiden Spieler nicht unbedingt optimal zusammenpassen: Ein dritter hoch gepickter Big ist kaum sinnvoll – zumal in Dario Saric noch ein weiterer hoch gehandelter Spieler in Europa darauf wartet, in einigen Jahren das Team zu verstärken. Ob Saric besser auf den Flügel oder als Stretch Big funktioniert, ist zwar noch zu klären. Aber auch als potentieller dritter Big Man wäre ein dritter Pick Verschwendung. Der Frontcourt der 76ers ist bereits so vielversprechend besetzt, dass in diesem Fall der Trade eines der der Spieler nötig würde.

Ganz anders sieht es im BackcourtMCWMichaelCarter-Williams aus, spätestens seit dem letzten Trade. Zur Deadline gaben die Sixers den amtierenden Rookie of the Year für einen relativ sicheren weiteren Lottery-Pick ab. Die Suns schickten im Trade mit Brandon Knight und den Bucks das Top 3-geschützte Wahlrecht der Lakers für die kommende Saison nach Osten. Obwohl der Trade nach Boxscore Stats äußerst fragwürdig aussieht und einige Vorurteile über die Sixers wieder verstärkte, war die Entscheidung nicht sonderlich fernliegend. Carter-Williams weist in Wurf und Effizienz erhebliche Schwächen auf, die gerade ein Team mit zwei echten Bigs schwer ausgleichen kann. Die übrigen guten Shooter wie Robert Covington und Hollis Thompson können das nicht voll ausgleichen und sind auch nicht unbedingt langfristige Bausteine. Entsprechend ergibt sich auch ein klares Profil des gesuchten Spielers: Ein Spielmacher oder Flügel, der zumindest einen soliden Dreipunktwurf mitbringt. In den übrigen Details sind die Sixers flexibler, da vermutlich erst nach der darauffolgenden Saison mit zwei weiteren guten Picks das Gerüst wirklich stehen muss.

Bleibt nur eine Frage, die sich Sam Hinkie und Co. stellen müssen: Was passiert, wenn ich eine grandiose Chance auf einen Big mit Franchise-Player-Kaliber habe? Falls die 76ers einen der drei anschließend abgeben wollten, würde durch den Handlungsdruck sofort der Tradewert sinken. Andererseits wären zu viele junge Spieler mit Ansprüchen auf Minuten der Stimmung abträglich. Eine Alternative wäre, vor dem Draft bereits Noel oder Embiid zu vertraden – was angesichts des Potentials der beiden auch wenig attraktiv klingt.

Tendenz: Gar nicht in die Verlegenheit zu kommen, sich zwischen dem talentiertesten Spieler und dem möglichen Team Fit entscheiden zu müssen: Das wäre wohl nicht die schlechteste Option für Philadelphia. Falls kein kleiner Spieler mit Wurf verfügbar ist, stehen die Sixers vor einem echten Dilemma.

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2 comments

  1. Poohdini

    Wie es bereits dem Forum zu entnehmen ist, sehe ich nur dann ein Dilemma, wenn Towns und Russell bereits an #3 weg sind.

    Ist dies nicht der Fall, wäre insbesondere Towns ein absoluter Wunschspieler, Russell ein toller “Trostpreis”.

  2. Julian Lage

    |Author

    Meine Aussage ist ja im Prinzip, dass es besser sein dürfte, wenn den 76ers ein nicht-Big in die Hände fällt und man sich gar nicht erst die Frage stellt, wie man da sonst mit Trades Sinn reinbringen könnte. Auch wenn sich andere Teams um Noel, Embiid und Towns bzw. Okafor (deutlich wahrscheinlicher) reißen würden, hätten die Sixers keine so gute Verhandlungsbasis. Es weiß jeder, dass sie etwas machen müssen, gleichzeitig gibt es im Prinzip keinen Spieler, der auf den vollen Gegenwert kommt. Das heißt, es würde dann auf Pakete wie z.B. Smart + eine handvoll schlechterer Erstrundenpicks oder so rauslaufen.


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