NBA

(Keine) Angst vor der Free Agency?

Wie das Verhältnis der GMs zu auslaufenden Verträgen die Trade Deadline prägte

Zumindest die Deadline selbst war diese Saison mal wieder eher unspektakulär: Zwar gaben die Teams anders als vor drei Jahren einige Erstrundenpicks ab, aber dabei ging es um Verstärkungen für die Bank oder die langfristige Perspektive des Teams. Ansonsten ergaben sich nur kleinere Transaktionen, teilweise aus rein finanziellen Gründen. Die beiden größten Deals waren aber ohnehin schon einige Tage zuvor über die Bühne gegangen: der Ibaka-Trade nach Toronto und der Cousins-Trade nach New Orleans. Wie schon ausführlich diskutiert, ist letzterer nicht nach normalen Maßstäben zu beurteilen – die Kings handeln schlicht nicht im Rahmen des in der NBA üblichen.

Die Trades der normal arbeitenden Teams in den letzten Wochen sowie viele der seriösen, aber nicht umgesetzten Gerüchte weisen jedoch eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit auf: Fast immer war ein entscheidender Spieler mit einem auslaufenden Vertrag involviert. Unabhängig von den Einzelfällen muss man daher mit der Überlegung beginnen, dass die verschiedenen General Manager und Franchises Expirings verschieden bewerten. Dabei darf die jeweilige Situation nicht ignoriert werden, schließlich bestehen große Unterschiede zwischen Restricted Free Agents und solchen, die sich ihr Team im Sommer frei aussuchen können; oder auch zwischen Contendern, normalen Playoff-Teams und klaren Lottery-Kandidaten. Die Warriors dürften sich beispielsweise kaum Sorgen um Steph Curry machen, andere Teams werden ihren jungen Spielern wie Otto Porter oder Kentavious Caldwell-Pope schlicht zahlen, was nötig ist. Einige Teams mit größeren Ambitionen in den Playoffs sahen sich schlicht gezwungen, das Risiko eines ersatzlosen Verlustes ihrer Stars in Kauf zu nehmen. Die Jazz würden logischerweise nicht den ersten Playoffeinzug seit Jahren durch einen Trade von Gordon Hayward riskieren. Auch Spekulationen um die Clippers mit den Free Agents Chris Paul und Blake Griffin entstanden eher aufgrund der Form- und Verletzungsprobleme des Teams als wegen realistischer Tradeoptionen. Umgekehrt kamen Trades für die noch länger unter Vertrag stehenden Jimmy Butler und Paul George überhaupt nur in Frage, weil die Celtics eine für ein Playoffteam absurde Menge an Assets aufweisen.

Die Beispiele

Auf welche Trades und Gerüchte trifft die Free Agency-Problematik also zu? Eindeutig ist der Fall bei Ibaka und Mason Plumlee – aber auch Bojan Bogdanovic, Nerlens Noel, Taj Gibson, Ersan Ilyasova und P.J. Tucker wurden wohl in erster Linie getradet, weil ihre bisherigen Teams den Blick schon auf die kommende Offseason warfen. Einige weitere Expirings wie Andrew Bogut, Tiago Splitter, Roy Hibbert, Jared Sullinger und Anthony Morrow fallen eher in die Kategorie ‚übliche Trade Filler‘. In Paul Millsap und Danilo Gallinari standen zudem zwei der besten Free Agents des kommenden Sommers zumindest zeitweise auf dem Trade Block. Zu guter Letzt entstanden auch um einige weitere Restricted Free Agents wie Nikola Mirotic und Andre Roberson intensive Gerüchte.

Besonders auffällig ist die relativ hohe Zahl zukünftiger Restricted Free Agents unter diesen Spielern. An sich sollte dieser Mechanismus den bisherigen Teams ja gerade Anreiz und Möglichkeit geben, ihre jungen Spieler zu halten. Die vergangene Offseason dürfte diesbezüglich allerdings für einige Ernüchterung gesorgt haben, insbesondere in Form der beiden Nets-Offer Sheets für Allen Crabbe und Tyler Johnson. Aber auch viele andere RFAs wurden im vergangenen Sommer überbezahlt, was sich ebenfalls auf die schwer einschätzbare Situation zurückführen lässt: Durch die Cap-Sprünge der letzten Jahre und jetzt das veränderte Collective Bargaining Agreement müssen die Teams ins Unbekannte hinein planen. Bei Restricted Free Agents führt das nicht überraschend teilweise zu ‚Spatz in der Hand‘-Entscheidungen.

Ins Detail: Noel, Plumlee und Bogdanovic

Der wohl auffälligste Trade eines kommenden Restricted Free Agents war der von Nerlens Noel nach Dallas. Nachdem in den Wochen zuvor vor allem Jahlil Okafor als der abzugebende Center bei den Sixers galt, muss die Entscheidung von Bryan Colangelo als größere Überraschung gelten. Wie in unserem Deadline-Pod ausführlich diskutiert, verringert der Gegenwert die Verwunderung nicht gerade: Realistisch gesehen werden die Sixers nur zwei Secondrounder in den 40ern sowie den Sophomore-Wing Justin Anderson erhalten. Dieses Paket lässt praktisch nur die Schlussfolgerung zu, dass die Sixers Noel aufgrund seines Vertragsstatus‘ als nicht mehr sonderlich wertvoll ansahen – spielerisch wäre er Okafor derzeit klar vorzuziehen. Allerdings ist es sehr wahrscheinlich, dass Noel im Sommer ein Angebot nahe am Maximum erhält. Ist es sinnvoll, dieses Geld für einen Backup in der ohnehin überbesetzten Big-Rotation mit Joel Embiid, Okafor und Richaun Holmes sowie Ben Simmons und Dario Saric auszugeben? Colangelos Antwort auf diese Frage kennen wir jetzt wohl, während die Mavs um Mark Cuban den doppelten Preis zu zahlen bereit sind: Erst müssen sie ein zumindest nicht zu vernachlässigendes Paket im Trade abgeben, um Noel dann ab dem Sommer seine 20 Millionen Dollar jährlich zu überweisen. Dass zumindest bis zu Nowitzkis Karriereende die Rotation ähnliche Probleme wie die der Sixers aufweist, ist ein zusätzlicher Wermutstropfen. Die letzten Spiele stand Nowitzki meist als einziger echter Big auf dem Parkett, was zudem Harrison Barnes erlaubte, seine optimale Rolle als Small Ball Four einzunehmen. Ob eine Noel/Nowitzki-Kombination besser funktioniert als die im letzten Jahr bei den Sixers ausprobierten Noel/Okafor-Lineups, darf aufgrund der Geschwindigkeit des 38-Jährigen auch bezweifelt werden. Trotz des relativ geringen Preises ist der Trade also nicht nur rosig zu sehen für die Mavs, was eine weitere Folgerung zulässt: Cuban und Co. scheinen die Restricted Free Agency Noels als geringeres Problem zu werten als die finanziell eigentlich flexibleren Sixers.

Beim Trade von Mason Plumlee für den noch ein Jahr länger mit einem Rookie-Vertrag gebundenen Jusuf Nurkic stand ebenfalls die finanzielle Situation eines der Teams im Mittelpunkt: Nach den erheblichen Ausgaben der Blazers im letzten Sommer näherten sie sich gefährlich der Luxussteuergrenze, ohne dafür annähernd einen Contender vorweisen zu können. Wie schon diskutiert, macht vor allem der zusätzliche Pick den Trade für die Blazers wirklich attraktiv. Aber die Vermeidung einer weiteren Situation wie bei Crabbe dürfte für GM Neil Olshey der Auslöser für die Suche nach einem Trade gewesen sein. Beachtenswert ist die auf den ersten Blick kaum sichtbare Verbindung zum Bogdanovic-Trade von Nets und Wizards: In Nets-GM Sean Marks hat der Verursacher des Crabbe-Offer Sheets ebenfalls einen RFA abgegeben. Auch hier war der erhaltene Pick sicher das entscheidende Argument für den Trade. Dass aber beide an der finanziell sehr fragwürdigen Crabbe-Transaktion beteiligten Teams jetzt anscheinend zusätzliche Schlussfolgerungen daraus ziehen, ist eine bemerkenswerte Pointe. Zudem beinhaltet der Bogdanovic-Trade in Andrew Nicholson eine der weiteren Fehlverpflichtungen des Sommers, der wie Mason Plumlees Bruder Miles (Anfang Februar von den Bucks zu den Hornets) innerhalb nicht einmal einer ganzen Saison weitergegeben wird.

Ibaka vs. Gallinari/Millsap – was ist anders?

Im Zusammenhang mit dem von schon intensiver diskutierten Ibaka-Trade ist insbesondere interessant, dass zwei von Alter und Vertragssituation her vergleichbare Spieler bei ihren bisherigen Teams verblieben. Danilo Gallinari und Paul Millsap sind auch vom Spielertyp her grob vergleichbar, wobei letzterer noch auf einem etwas höheren Level zu verorten ist. Die Gerüchte um Millsap sind schon etwas älter und endeten weitgehend mit öffentlichen Dementis der Hawks, seit sich das Team nach einer Siegesserie auf den Playoffrängen etablieren konnte. Nachdem Atlanta allerdings schon in der vergangenen Offseason Al Horford ohne Gegenwert verloren hatte, wurden diese Äußerungen mit etwas Skepsis aufgenommen. Ob letztendlich die Attraktivität der Playoffs oder interne Gespräche den Ausschlag gaben, lässt sich von außen nicht beurteilen. Allerdings wurden zur Deadline keine konkreten Gerüchte mehr bekannt, so dass Millsap wohl tatsächlich vom Markt genommen wurde.

Gallinari konnte nicht so beruhigt in die letzten Wochen gehen, genau wie für Wilson Chandler suchten die Nuggets wohl trotz realistischer Playoffchancen einen Tradepartner. Während bei Chandler durch die längere Vertragslaufzeit keine Eile besteht, könnte Gallinari die Nuggets im Sommer ebenfalls ersatzlos verlassen. Allerdings bauen die Nuggets wohl auf zwei Vorteile: Zum einen hat Gallinari schon mehrfach den Wunsch geäußert, über den Sommer hinaus in Denver zu bleiben. Zum anderen setzt die Vorgeschichte weniger das bisherige Team weniger unter Druck: Wenn Gallinari einfach geht, war es ein Abschied nach etwa sieben Jahren, nicht eine Saison nach einem extrem kostspieligen Trade. Angesichts des Pakets, das Rob Hennigan für Ibaka im letzten Sommer nach Oklahoma schickte (Victor Oladipo, Domantas Sabonis und Ersan Ilyasova), sind Ross und der späte Erstrundenpick zwar nur ein schwacher Trost. Aber durch die miserable Situation der Magic – derzeit Vorletzter im Osten – ging es wohl schlicht darum, zu retten, was zu retten ist.

Und sonst?

Die meisten der übrigen Trades lassen sich wie schon angedeutet schnell in zwei Kategorien zusammenfassen: Entweder ein Playoffteam ertradet von einem Lotteryteam noch einen brauchbaren Bankspieler für kleinere Assets, oder die Transaktion ist sportlich praktisch unbedeutend. In den meisten Fällen sind auch Expirings involviert, weil damit die wenigsten langfristigen Verpflichtungen einhergehen. Beispiele sind der Swap von Ilyasova für den dauerverletzten Tiago Splitter sowie der Trade von P.J. Tucker für den von Ibaka verdrängten Jared Sullinger, die jeweils durch Secondrounder möglich wurden. Keine dieser Entscheidungen wird die NBA-Landschaft entscheidend verändern, aber zumindest können zwei Playoffteams so noch auf etwas Verstärkung hoffen. Mike Scott nach Phoenix und Roy Hibbert nach Denver waren dagegen zwei ausschließlich finanziell motivierte Transaktionen, durch die zwei Teams unter dem Salary Floor Kosten einsparen können.

Die einzigen etwas aus der Reihe fallenden Trades sind der zwischen Chicago und OKC und die Rockets-Akquisition von Lou Williams. Letzeres ist auch ein klassischer Trade zwischen einem Playoffteam und einem Lotteryteam, allerdings steht Williams wie Corey Brewer noch eine weitere relativ günstige Saison unter Vertrag. Am auffälligsten dürfte die fast zeitgleiche Umbesetzung im Front Office der Lakers sein – Magic Johnson war noch keine 24 Stunden im Amt, als der Trade durchgeführt wurde. Auf der anderen Seite lässt das erste Spiel Williams‘  auch Fragen zum Team Fit verstummen, so dass ein klassischer Win Now-Move der Rockets zu verbuchen ist. Der Bulls-Trade ist dagegen, wie schon im Deadline-Pod besprochen, in kleinerem Maßstab ähnlich unverständlich wie der Cousins-Trade. Der geringe Gegenwert für Gibson lässt sich auch durch dessen wiederum auslaufenden Vertrag nicht wirklich erklären, zumal in Doug McDermott und einem Zweitrundenpick noch zwei weitere Assets der Bulls involviert waren. Dafür erhielten sie nur Cameron Payne, Joffrey Lauvergne und Anthony Morrow. Letzerer ist in erster Linie ein Füller, die ersten beiden gehen als junge Spieler mit Potential durch – aber nicht auf dem entsprechenden Level.

Fazit

Zur Deadline spielten Expirings und ihre unterschiedliche Bewertung allem Anschein nach eine große Rolle. Die in der letzten Offseason ausgegebenen Verträge insbesondere für Restricted Free Agents haben einige GMs dazu verleitet, Spieler mit auslaufenden Verträgen lieber abzugeben. Eine echte Einordnung dieser Transaktionen lässt sich somit frühestens im Sommer durchführen, denn die Höhe der neuen Verträge weist hier einen erheblichen Einfluss auf. Umgekehrt wird sich dann erneut die Frage stellen, ob einige der Teams ihre Dann-Free Agents zu Recht behielten.

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7 comments

  1. Coach K

    Guter Bericht der mal nur die finanzielle Situation bzw. Gründe der Teams beleuchtet.

    Kann ich nur jedem empfehlen zu lesen.

  2. kdurant35

    Kann mich dem Lob nur anschließen.

    Kevin Pelton hatte dam Deadline Abend eine ähnliche Schlussfolgerung aus dem letzten Sommer plus der fehlenden Caosteigerung in den kommenden Jahren gezogen.
    Zumindest interpretiere ich so seinen Tweet, dass Teams in den Tagen nicht Spieler sondern Verträge getradet haben.

  3. Simon

    Ich schließe mich auch an, guter Artikel :tup:

    Bei aller berechtigten Kritik an den Sixers und Magic hilft die finanzielle Seite zumindest etwas dabei zu verstehen, warum diese Deals gemacht wurden. Gerade mit Blick auf den stagnierenden (oder sogar leicht sinkenden) Cap in den nächsten ein, zwei oder sogar drei Jahren.

    In Hinblick auf die Sixers hilft es auch, den Noel-Trade ein mal “spiegelverkehrt” zu betrachten. Angenommen die Situation wäre schon vor der Deadline so gewesen: Philly hat den jetzigen Kader inkl. Anderson, Noel ist als werdender RFA in Dallas. Wäre es für die Sixers dann sinnvoll, Anderson und zwei Zweitrundenpicks abzugeben, um die Saison mit Noel zu Ende zu spielen und das Recht zu haben, ihn im Sommer als (wahrscheinlich) Backup zu halten? Ich denke nicht, dass ein solcher Trade positiv beurteilt werden würde. Selbst mit einer gewissen Angst um Embiids langfristige Gesundheit.

    Man würde einen jungen, preisgünstigen Spieler mit zumindest Rollenspieler-Potential abgeben (dessen Entwicklung aber natürlich ungewiss ist), auf dessen Position man Bedarf hat und der möglicherweise neben Simmons/Embiid, zumindest aber neben Saric von der Bank gut passen kann. Man würde außerdem noch zwei (nicht besonders wertvolle) Picks drauflegen, um einen Luxus-Backup bzw. eine Versicherung für eventuelle Embiid-Verletzungen zu bekommen. Im Sommer müsste man dann Angst haben, hohes Startergehalt für diesen Luxus-Backup zahlen oder ihn nach 25 Spielen ohne Gegenwert wieder abgeben zu müssen.

    Interessant finde ich dabei z.B. einen Vergleich mit Denver und Detroit/Washington. Die Nuggets haben genau diesen Deal gemacht. Sie haben einen jungen, billigen Backup mit evtl. großem, aber unsicheren Potential für einen Luxus-Backup hinter ihrem Franchise-Center abgegeben und noch einen späten Erstrundenpick draufgelegt (dafür einen Zweitrundenpick bekommen).

    Für mich persönlich sind die Nuggets eindeutig der Verlierer dieses Trades. Es ist natürlich nicht komplett vergleichbar, Noel hat deutlich mehr Potential als Plumlee und Jokic ist vermutlich weniger verletzungsanfällig als Embiid. Das macht es für die Sixers sinnvoller, Noel zu halten. Aber: die wichtigsten/einzigen Argumente, die den Plumlee-Trade für Denver rechtfertigten, waren: man will a) sofort besser werden und unbedingt diese Saison in die Playoffs und hofft b) darauf, dass man Plumlee im Sommer evtl. für hohes Bank- oder sehr niedriges Startergehalt halten kann. Beides trifft auf die Sixers überhaupt nicht zu. Die Playoffs sind außer Reichweite und man tut gut daran, die eigenen Lottery-Chancen zu verbessern. Und die Hoffnung, Noel im Sommer für weniger als 17-18 Millionen pro Jahr zu halten, sind nahezu bei Null.

    Der andere nützliche Vergleich ist der mit Teams, die ihre RFA nicht abgegeben haben und im Sommer unbedingt halten wollen: Washington (Porter) und Detroit (Caldwell-Pope). Für beide Teams sind diese Spieler zentrale Säulen der Mannschaft, die eine riesige Lücke hinterlassen würden. Beide haben keinen Ersatz im Kader, die Spieler sind unangefochtene Starter und mindestens die drittbesten Spieler der Mannschaft. Außerdem haben sie nur geringe Chancen auf Ersatz in der Free Agency. Diese Situation entspricht eher der der Mavs: Sie brauchen dringend einen Center und Noel kann langfristig eine der Säulen dieser Mannschaft sein (neben Barnes/X a.k.a. Drummond/Jackson, Wall/Beal).

    Die Sixers dagegen haben einen potentiellen bzw. beinahe-schon-Superstar auf seiner Positionen, neben den er nicht optimal passt (und selbst wenn: auch auf der Position neben Embiid hat man schon einen potentiellen Star und einen potentiellen sechsten Mann). Darüber hinaus haben sie in Holmes schon einen preisgünstigen Backup, selbst wenn man die Hoffnung auf Okafor (berechtigterweise) schon komplett aufgegeben hat.

    Für mich bleiben also nur zwei Argumente übrig: wenn Embiid sich so schwer verletzt, dass man praktisch nicht mehr mit ihm planen kann, haben die Sixers ein Problem. Und: vielleicht hätte man für Noel nach einer Vertragsverlängerung mehr Gegenwert bekommen.

    Letzteres kann man einfach nicht wissen. Aber (ich glaube kdurant hat hier schon so argumentiert) die Wahrscheinlichkeit halte ich für eher gering. Der Cap stagniert, nur wenige Teams haben Capspace, der Markt für Center ist schlecht (was sich auf einen zukünftigen Trade eines 80+/4-Vertrages noch stärker auswirken könnte als auf diese Deadline und die RFA-Angebote diesen Sommer). Auch wenn ein Defensivanker wie Noel noch begehrter ist als die Monroes und Kanters dieser Welt, er ist nun mal ein reiner Center, der nur als einziger echter Big Man einsetzbar ist. Genau das macht ja den Center-Markt so schwierig, dass jedes Team davon nur noch einen (plus einen Backup) braucht, nicht mehr wie früher 2 + 2. Und Noel ist kein “Combo-Big” wie Porzingis, Horford, Towns, Davis.

    Bleibt also: wenn Embiid sagen wir mal durchschnittlich 60+ Spiele à ca. 30 Minuten machen kann, hat man für Noel keine Verwendung. Wenn nicht, müssten die Sixers um Simmons “neu aufbauen” und hätten dazu wahrscheinlich 5 Top10-Picks in den Drafts 2017/18/19. Dieses Risiko kann man mit einem Talent wie Embiid denke ich eingehen. Muss man aber natürlich nicht. Ich kann den Deal aber inzwischen – im Gegensatz zu praktisch allen anderen Aktivitäten des neuen Sixers-FO – irgendwie verstehen und akzeptieren. Abgesehen natürlich von der absolut dreisten und peinlichen Kommunikation rund um den angeblich ertradeten “Firstrounder” :roll:

    Puh, das war jetzt ausführlich, sorry. Aber ich fand es interessant, noch einmal genauer darüber nachzudenken.

  4. Julian Lage

    |Author

    Danke für eure positiven Kommentare. Den hier finde ich besonders interessant:

    In Hinblick auf die Sixers hilft es auch, den Noel-Trade ein mal “spiegelverkehrt” zu betrachten. Angenommen die Situation wäre schon vor der Deadline so gewesen: Philly hat den jetzigen Kader inkl. Anderson, Noel ist als werdender RFA in Dallas. Wäre es für die Sixers dann sinnvoll, Anderson und zwei Zweitrundenpicks abzugeben, um die Saison mit Noel zu Ende zu spielen und das Recht zu haben, ihn im Sommer als (wahrscheinlich) Backup zu halten? Ich denke nicht, dass ein solcher Trade positiv beurteilt werden würde. Selbst mit einer gewissen Angst um Embiids langfristige Gesundheit.

    Die Überlegung finde ich wirklich hilfreich für die Bewertung von Trades. Letztendlich würde ich zum Noel-Trade auch mit dieser Idee sagen, dass die Idee eines Noel-Trades an sich absolut naheliegend ist. Das Problem bleibt aber, dass die Sixers zu wenig gekriegt haben.
    Meine erste Reaktion war ja deswegen recht kritisch aus Mavs-Sicht, weil ich mit einem langfristig Top 18-geschützten Pick gerechnet hatte. Das wäre normalerweise die schlechteste weitere Protection gewesen, stattdessen wäre ja auch Top 18, Top 10, Top 3 oder so möglich. So ist das aber nur ein Pseudo-First, mit dem BC vielleicht ein paar Casual Fans davon überzeugen kann, er hätte nen guten Trade gemacht…

  5. Poohdini

    In Hinblick auf die Sixers hilft es auch, den Noel-Trade ein mal “spiegelverkehrt” zu betrachten. Angenommen die Situation wäre schon vor der Deadline so gewesen: Philly hat den jetzigen Kader inkl. Anderson, Noel ist als werdender RFA in Dallas. Wäre es für die Sixers dann sinnvoll, Anderson und zwei Zweitrundenpicks abzugeben, um die Saison mit Noel zu Ende zu spielen und das Recht zu haben, ihn im Sommer als (wahrscheinlich) Backup zu halten? Ich denke nicht, dass ein solcher Trade positiv beurteilt werden würde. Selbst mit einer gewissen Angst um Embiids langfristige Gesundheit.

    Die Überlegung finde ich wirklich hilfreich für die Bewertung von Trades.

    Finde ich überhaupt nicht. Für einen Spieler zu traden, den man nicht unbedingt braucht ist einfach eine komplett andere Sache, als diesen Spieler bereits im Team zu haben.

    Es geht bei Trades auch immer um Value, sei es isoliert oder in Kontext. Gerade der isolierte Gegenwert des Trades ist so beschissen, dass man die Sixers nur als klaren Verlierer, die Mavs als klaren Gewinner sehen muss.

    Wie es bei den Mavs im Kontext aussieht, weiß ich nicht genau, das können andere besser beurteilen. Für die Sixers ist es aber auch hier schlecht.

  6. Julian Lage

    |Author

    Finde ich überhaupt nicht. Für einen Spieler zu traden, den man nicht unbedingt braucht ist einfach eine komplett andere Sache, als diesen Spieler bereits im Team zu haben.

    Es geht bei Trades auch immer um Value, sei es isoliert oder in Kontext. Gerade der isolierte Gegenwert des Trades ist so beschissen, dass man die Sixers nur als klaren Verlierer, die Mavs als klaren Gewinner sehen muss.

    Wie es bei den Mavs im Kontext aussieht, weiß ich nicht genau, das können andere besser beurteilen. Für die Sixers ist es aber auch hier schlecht.

    Dass der Value mit der lächerlichen Protection isoliert und im Kontext schlecht ist, brauchen wir nicht zu diskutieren. Aber machen wir mal theoretisch aus dem Top 18, dann nichts Top 18, dann Top3. Das war so das Horrorszenario für die Mavs, das ich nach den ersten Gerüchten befürchtet hatte. Das würde ich rein isoliert für einen vom Wert her hervorragenden Trade für die Sixers sehen.
    Für die Free Agency und die aktuelle Rotation würde es aber erst mal keinen allzu großen Unterschied machen. Simons Idee gefällt mir gut, um da die eigenen Denkmuster zu hinterfragen, was den Team Fit usw. betrifft. Du siehst zur Zeit alles schlecht, was Colangelo macht, aber der Trade mindestens eines Bigs musste kommen. Ja, es war der falsche, aber die Teamsituation ist höchstens ein untergeordneter Punkt.

  7. Poohdini

    Die Frage ist doch eher: kann man einem Front Office vertrauen, das innerhalb des ersten Jahres schon so viel Mist gebaut hat, in der Zukunft die richtigen Moves zu machen?


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