Cleveland Cavaliers, Golden State Warriors, NBA, Playoffs 2015

Arising of the Cavaliers

Wie der Finals-Underdog über sich hinauswächst

Nach Game 3 der 2015  NBA Finals führen die Cleveland Cavaliers nun mit 2-1 gegen den eigentlichen Titelfavoriten, die Golden State Warriors, und haben das Momentum der Serie jetzt auf ihrer Seite. Alle drei Spiele waren spannend bis zum Schluss: Während in Oakland noch jedes Team ein Spiel nach Overtime für sich entschied, konnten sich die Warriors in Spiel 3 in Cleveland bis zum Schluss noch auf 5 Punkte herankämpfen. Dabei waren die Erwartungen an die Serie vor Beginn noch ganz andere, denn nachdem Kevin Love schon in Runde 1 für den Rest der Playoffs ausfiel und Kyrie Irving sichtlich angeschlagen in die Finals gehen musste, sahen die Cleveland Cavaliers eigentlich wie der klare Underdog aus. Wieso sind diese Finals also jetzt so unheimlich ausgeglichen? Wieso können die dezimierten Cavaliers dem Titelfavoriten unerwartet auf Augenhöhe begegnen?

Sind sie zu stark, bist du zu schwach

Was einem beim Blick auf die Statistiken der ersten drei Spiele sofort ins Auge fällt, ist die schlechte Dreierquote der Warriors, die gegenüber dem Rest der Playoffs (38% 3pt) in den Finals um fast 7% auf 31,3% gesunken ist. Wenn der Dreier nicht gut genug fällt, ist es klar, dass die Offense des von Außen aktivsten Playoffteams, das in den Finals mittlerweile fast 37% seiner Würfe von Downtown nimmt, ins Stocken gerät. Aber woran liegt das? Sind die Warriors in einem Formtief oder ist es die Cavs-Defense, die den Unterschied ausmacht? Wenn man die Leistungen der Schützen der Warriors durchgeht, muss man diese Frage mit sowohl als auch beantworten.

Draymond Green z. B. traf seine offenen Dreier (Closest Defender: 6+ Feet – Wide Open), von denen er in der Regular Season immerhin noch jeden Dritten traf und in den Playoffs bis zu den Finals noch in 29% der Fälle, in den letzten 3 Spielen nur noch zu 12,5% und ist derzeit sogar so verunsichert, dass er die meisten offenen Dreier schlichtweg verweigert. Auch Harrison Barnes’ Dreierquote bei offenen Dreiern hat nach 41% in der Regular Season und 35,5% in den ersten drei Playoffrunden mit 33,3% in den Finals nun einen Saisontiefpunkt erreicht.

Den Cavs kommt das sehr gelegen, denn solange die schlechteren Schützen der Warriors nicht mal ihre offenen Dreier zuverlässig treffen, können sie sich ohne Probleme auf die Splash Brothers konzentrieren, sie zum Großteil sogar doppeln und damit eine entscheidende Schwächung der Warriors-Offense erreichen. Besonders Steph Curry muss in den Finals mit entscheidend weniger Platz zurechtkommen, denn bisher waren seine Verteidiger bis zu den Finals nur in 45% der Fälle näher als 4 Feet an ihm dran beim Wurf, und in den Finals ist das nun schon zu 62% der Fall. Diese zunehmende Nähe schmeckt Curry gar nicht, weil er schon die ganzen Playoffs über erheblich schlechter trifft, wenn sein Verteidiger näher an ihm dran ist und in Gegenwart von Matthew Dellavedova scheint dies jetzt besonders schlimm zu sein. 

So schießen auch die Splash Brothers beide nur 32% von Downtown in den Finals und der Einzige, der diesen intensiven defensiven Fokus auf die Beiden effektiv ausnutzen kann, ist Andre Iguodala, der jetzt ein paar offene Dreier mehr pro Spiel sieht und sie auch etwas besser trifft. Doch das reicht nicht, denn trotz aggressiver Defense am Perimeter geht auch direkt am Korb für die Warriors weniger als in den vorherigen Playoffrunden (57,1% < 63,2%). Dafür sorgt vor allem Timofey Mozgov, der in den Playoffs zu einem der besten Ringbeschützer mutiert ist und in seiner Anwesenheit nur 39% am Ring zulässt. 

Die Cavs-Defense sprudelt gerade so vor Intensität und konnte so bisher mit ein bisschen Hilfe der zittrigen Händchen von einigen der jungen Warriors-Schützen die Offense von Golden State bei 99.3 Pkt pro 100 Possessions halten, was ganze 8 Pkt unter dem bisherigen Playoffschnitt der Warriors liegt. The Cavs-Defense gets it done! Das Defensivkonzept des Coaching-Teams der Cavaliers und dessen Ausführung der Spieler weiß bisher mehr als nur zu überzeugen.

Effort und Leadership – Die wahren Trümpfe des Königs

Die Offense der Cavaliers liegt derweil weit unter ihrem Playoffschnitt (ORTG: 94.3 < 108.6). Ein Rückgang der offensiven Effizienz in den Finals war ohnehin zu erwarten, nachdem Kyrie Irving ganz ausfiel und der Gegner das beste Defensivteam der Regular Season war. Doch in der Regular Season haben die bisherigen Playoff-Gegner der Cavaliers eigentlich im Schnitt nur 3 bis 4 Pkt mehr pro 100 Possessions zugelassen als die Warriors. Und mit Kyrie Irving haben die Cavaliers bisher in den Playoffs nur 5.3 Pkt pro 100 Possessions mehr erzielt als ohne ihn. Wieso sind die Cavaliers also gleich um 14 Punkte schlechter als sonst und nicht nur um circa 9 Punkte?

Das Verbleiben von LeBron James als einzigem hochgefährlichen Onball-Scorer macht der Cavaliers-Offense wohl mehr zu schaffen als man von einer Offense mit dem Auserwählten erwarten würde. Der King hat schon die ganzen Playoffs über Probleme in erhöhten Usage-Sphären effizient zu scoren (vor den Finals: TS% 49.2 bei USG% 36.4). Vor allem seine Isolation-Werte (0.68 PPP) sind unter den 20 meistgenutzten Isolation-Playern die qualitativ schlechtesten. Nach dem Ausfall von Irving ist seine Effizienz nicht noch schlechter geworden, aber auch nicht besser (Finals: TS% 49.4 bei USG% 42.4). Seine 30 PPG-Scoring-Performance in den Playoffs mit denen eines anderen Großen wie Michael Jordan zu vergleichen, der eine Usage von über 35% stets mit einem TS% von mindestens 55% verband, wäre in den diesjährigen Playoffs ein unangebrachter Vergleich. 

LeBron hat in diesen Finals aber auch keine Gelegenheit dazu an historischen Effizienzleistungen zu arbeiten. Er braucht seinen kompletten Fokus, um die unglaubliche hohe defensive Intensität seines Teams mitzugehen und auch vorzuleben und um die Cavs-Offense überhaupt am Leben zu erhalten, sie vor dem Kollaps zu bewahren, und das schafft er vor allem durch eine qualitativ hochwertige Einbindung seiner Teammates in die Offense. In den Finals verteilt er 8,3 Assists pro Spiel und seine Mitspieler können nach seinen Pässen generell hochprozentig abschließen (57,5 2pt% und 39,3 3pt%). 

Live for the King and Die for the King

Sein unglaublicher Effort, den er 47,4 Minuten pro Spiel in den Finals abreißt, und sein Leadership sind die wahren Köngisleistungen, die man ihm nicht hoch genug anrechnen kann und mit denen er seine Teammates ansteckt und motiviert. Seine “Untertanen” wachsen reihenweise besonders defensiv über sich hinaus, so wurden insbesondere Dellavedova, Mozgov und Thompson zu Spielern, die bisher defensiv den Unterschied ausmachten. Und auch offensiv kann LeBron seine Mitspieler durch seine intensiven Einbindungsversuche pushen. So konnten in Spiel 1 und 2 Mozgov mit 16 und 17 Punkten und in Spiel 3 Dellavedova mit 20 Punkten entscheidende offensive Beiträge leisten.

LeBron weiß, dass er gute Leistungen seiner Teammates braucht, um zu gewinnen und diese spüren, dass sie gebraucht werden. Die Wertschätzung, Einbindung und Motivation des ganzen Teams ist das, was die Führungsqualitäten des Kings auszeichnen und was die Leistungssteigerung seines Teams wesentlich mit vorantreibt. 

Mentality wins 2015 Championship?

Während sich die Cavaliers mit einer unglaublichen Arbeitsleistung und zwei Siegen mental in einen berauschenden Zustand gespielt haben, der sie scheinbar über ihr Leistungslimit hinaus pusht, ist bei den Warriors nach Spiel 3 die Unsicherheit immer noch weit verbreitet. Nun bleibt abzuwarten, ob dieser psychische Vorteil serienentscheidend ist und die Cavaliers dieses Arbeitspensum auch bis zum Schluss durchhalten oder ob die Warriors noch ihre Sicherheit zurückerlangen und einen taktischen oder spielerischen Bounceback erleben, mit dem sie die Oberhand in dieser Serie wieder zurückerlangen. Eins steht auf jeden Fall fest: We have a hell of a series!

*Alle Statistiken wurden NBA.com entnommen.

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