Cleveland Cavaliers, Draft, Milwaukee Bucks, NBA, Philadelphia 76ers, Salary Cap / CBA

Draft 2014 – Team Needs

Teil 1: Die Lottery-Gewinner

Das Go-to-Guys Draft Powerranking unterscheidet sich von den üblichen Mockdrafts vor allem dadurch, dass die Spieler nur nach der prognostizierten Qualität gerankt sind. Um eine möglichst große Aussagekraft bezüglich der spielerischen Möglichkeiten der Prospects zu erhalten, sind Team Needs nicht Teil des Rankings. Dieser dreiteilige Artikel setzt hier an und stellt das Gegenstück dar, eine Darstellung der Voraussetzungen und Rebuild-Pläne der Teams ohne Betrachtung der Draft Class.

Das mag auf den ersten Blick sinnlos erscheinen: Wie kann man das Draftverhalten eines Teams ohne die Draftees beschreiben? Und tatsächlich gibt es Fälle wie etwa 2012 Anthony Davis, wo jede Franchise zugreifen muss – unabhängig vom bisherigen Kader, den Plänen für die kommenden Jahre oder anderen Faktoren. Oft ist das Talentlevel jedoch vergleichbar, wie auch die Kategorien des GtG-Rankings zeigen. Hier werden dann die Voraussetzungen und Ziele der Franchise interessanter, die Draftstrategien unabhängiger von den Spielern. Die Grundlagen sind bereits hier dargestellt, für diesen Artikel wird ein etwas ausgeweitetes System eingesetzt: Zu den Kategorien der Entwicklung des Spielers (Upside vs. NBA-Ready) tritt noch die Möglichkeit Trade (siehe auch hier).

Aufgenommen werden hier alle Teams, die sich vom diesjährigen Draft einen erheblichen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Franchise erhoffen können. Da die Celtics, Suns und Bulls zwischen 17 und 19 zum jeweils zweiten Mal ziehen dürfen, bietet sich diese Grenze an – für die Playoff-Teams mit nur einem Pick in den 20ern sollte sich die Bedeutung des Drafts in Grenzen halten, falls sie nicht einen höheren Pick ertraden.

Das Draftverhalten einer Franchise sollte im Normalfall an den gesamten Teambuilding-Plan angepasst sein. Entsprechend schwer ist es, die Situation knapp darzustellen und zu beurteilen. Für die Teams mit den höchsten Picks sind die Texte deshalb im ersten Teil etwas länger, in den nächsten Tagen folgt knapper der Rest.

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Cleveland Cavaliers

Picks: 1 (+33)

Geht man mit dem erklärten Ziel Playoffs in die Saison, unterstreicht das durch mehrere Trades, und landet schließlich doch den ersten Pick, spricht das nicht unbedingt für das Management einer Franchise. Die Lottery beschert den Cleveland Cavaliers den dritten Spitzenpick in vier Jahren, so dass insgesamt 5 Top 4-Picks aus diesem Zeitraum im Kader stehen werden. Auf der anderen Seite gab das Team für die halbjährige Anwesenheit von Luol Deng und Spencer Hawes einige Assets ab und zahlt für weitere erfahrene Spieler wie Jarrett Jack stolze Gehälter.

Wie schon Anthony Bennett in der letzten Saison unfreiwillig demonstrierte, ist das keine allzu angenehme Situation für einen jungen Spieler, der mit dem Druck des ersten Picks in seine Rookie-Saison geht. Die wenig beeindruckende Drafthistorie der Cavs macht das noch unangenehmer: Kyrie Irving ist zwar einer der jungen Stars der NBA, verdankt das jedoch zu einem nicht zu kleinen Teil seiner Draftposition und den Uncle Drew-Werbespots. Bisher konnte auch keiner der übrigen Draftees die Erwartungen erfüllen. Mit anderen Worten: David Griffin, der gerade seinen Interimsstatus abgeben durfte, kann sich bei dieser ‚geschenkten‘ zusätzlichen Chance keinen Fehlschlag erlauben.

Auch in einer weiteren Hinsicht ist Bennett ein Beispiel, wie es nicht geht: Mit dem ersten Pick ist es keine gute Idee, nicht den besten verfügbaren Spieler zu ziehen. In den meisten Fällen sollte sich das weitere Teambuilding an dem an der Spitzenposition gezogenen Spieler ausrichten, nicht umgekehrt. Entsprechend sollten die Cavs ihre Prioritäten nicht auf ein sofortiges Erreichen der Playoffs richten, sondern den ihrer Meinung nach vielversprechendsten Spieler unabhängig von der derzeitigen Teamsituation draften. Nur bei zu großen Überschneidungen mit Irving wäre über andere Möglichkeiten nachzudenken. Die überraschende Alternative wäre ein Trade, falls sich eine extrem gute Möglichkeit ergeben sollte. Nur mit einer B-Lösung dürfen sich die Cavs nicht (nochmal) zufrieden geben.

Tendenz: BPA, eventuell Trade. Den Cavs ist allerdings, wie das letzte Jahr zeigt, viel zuzutrauen.

Milwaukee Bucks

Picks: 2 (+ 31, 36, 48)

Geht man mit dem erklärten Ziel Playoffs in die Saison, unterstreicht das durch diverse Trades, und landet schließlich doch auf dem letzten Platz, spricht das nicht unbedingt für das Management einer Franchise. Ja, das klingt wie ein Déjà-vu. Ist es auch. Wenn noch weitere Teams ihre Ambitionen in der letzten Saison nicht annähernd erfüllen konnten – bei keinem Team war die Wirklichkeit so weit weg vom Anspruch wie bei den Bucks. Verpflichtungen wie OJ Mayo und Zaza Pachulia, die Verlängerung für Larry Sanders und der Trade für Caron Butler sollten die Franchise nach dem Abschied von Monta Ellis und Brandon Jennings neu positionieren.

Das Scheitern dieses Planes scheint fast zwangsläufig auf einen Komplett-Rebuild hinzuführen. Auch interessante Talente wie Giannis Antetokounmpo, John Henson und Brandon Knight sprechen für diesen Weg. Die Bucks müssten also nicht komplett bei null anfangen und könnten in den Jahren, bis die überteuerten Verträge von Mayo und Co auslaufen das Team neu aufbauen. Dies ist die wahrscheinlichste Route für die Franchise, zumal die neuen Besitzer vermutlich gerne ihren Stempel hinterlassen würden. Dass in diesem Fall der Spieler mit am meisten Upside gedraftet werden sollte, versteht sich fast von selbst. Da die jungen Spieler noch nicht zwingend auf eine Position festgelegt sind, besteht zusätzliche Flexibilität.

Auch wenn es nicht unbedingt ratsam wäre, könnte das Gerüst des Teams aber auch schlicht mit nur einem relativ NBA-fertigen Spieler aufgefüllt werden. Falls Sanders wieder in die Spur zurückfindet, der Rest des Teams etwas besser aufeinander abgestimmt wird und einige der jüngeren Spieler die in sie gesetzten Hoffnungen bestätigen, könnten die Bucks sich sofort wieder die Playoffs zum Ziel setzen. Wie auch im Fall der Cavs sollte der zweite Pick zu gut für dieses Vorgehen sein – aber die Möglichkeit besteht grundsätzlich.

Tendenz: BPA und Upside, die Bucks brauchen einfach Qualität.

Philadelphia 76ers

Picks: 3, 10 (+32, 39, 47, 52, 54)

Geht man mit dem Ziel in die Saison, nur im Draft der Erste zu sein, unterstreicht das mit ansonsten wenig sinnvollen Trades und zieht dann doch nur an dritter Position, … mag der neutrale NBA-Fan vielleicht doch wieder an Basketball-Karma glauben. Der Radikalumbruch der vergangenen Saison bedeutet, dass derzeit in Michael Carter-Williams und Nerlens Noel nur zwei Spieler mit langfristiger Perspektive im Team stehen. Thad Young ist zwar erst 25, für Sixers-Verhältnisse aber damit anscheinend schon zu alt, er dürfte wohl ebenfalls bei einem halbwegs brauchbaren Angebot gehen.

Damit zeigt sich klar die Grundtendenz des Rebuilds – GM Sam Hinkie sucht in erster Linie nach Spielern mit möglichst viel Potential. Verstärkt wird diese Tendenz dadurch, dass die 76ers in den nächsten Jahren noch zwei (stark geschützte) Erstrundenpicks abgeben müssen. Falls das Team schlecht genug bleibt, werden stattdessen nur Zweitrundenpicks fällig. Bis einschließlich 2018 werden die 76ers allerdings nicht in den Tiefen der Lottery bleiben wollen, so dass ein guter Übergang gelingen muss.

Das Draften nach Upside weist allerdings ein Problem auf: Mit MCW und Noel stehen bereits zwei in ihren Rollen eher eingeschränkte Spieler im Kader. Ein weiterer balldominanter Guard könnte zu Problemen führen, obwohl Carter-Williams‘ Größe von 6’6” die Positionszuweisungen flexibler macht. Umgekehrt sollte Noel die
Geschwindigkeit aufweisen, um nicht nur als reiner Center aufzulaufen – aber seine Stärken im Shotblocking sowie seine offensiven Schwächen könnte die Kombination mit einem ähnlichen Big erschweren. Kurz gesagt stellt sich also die Frage, in wie weit sich die 76ers von den bereits vorhandenen Spielern beeinflussen lassen sollten. Für den 10. Pick dürften die qualitativen Unterschiede zwischen den möglichen Draftees klein genug sein, sich guten Gewissens für den passenderen Spieler zu entscheiden – an Position 3 ist das nicht sicher. Wie unser letztjähriges Ranking zeigt, sollten aber auch Noel und Carter-Williams ihre Chance bekommen, nicht durch die Rookies Spielanteile zu verlieren.

Tendenz: Die richtige Mischung aus Upside und Team-Fit. Eventuell bedeutet das auch einen Trade, insbesondere beim 10. Pick.

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