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NCAA-Bracket-Guide

Auf welche Teams muss man im März setzen?

Für jeden Basketball-Fan sollte es ein fester Bestandteil des Sportjahres sein – das Ausfüllen eines NCAA-Tournament-Brackets. Ob im Office-Pool mit den Kollegen, den Teammates im eigenen Verein oder in der jährlichen Go-to-Guys-Challenge auf ESPN, das Bracketing ist ein toller Weg mit dem eigenen Basketballwissen/-glück anzugeben und fügt dem sowieso schon spektakulären Treiben im März noch eine ganz neue, spannende Note hinzu. Spätestens seit der für ein perfektes Bracket ausgelobten Milliarde Dollar von Dan Gilbert und Warren Buffet, sollte jeder Zettel und Stift oder wenigstens die Maus zur Hand nehmen und die Spiele des NCAA Tournaments durchtippen. Doch was gilt es dabei zu beachten? Dieser Artikel soll als Hilfestellung dienen.

Basics

64 Teams aufgeteilt auf vier Regionen, komische College-Namen mit teilweise noch komischeren Maskottchen – die Orientierung fällt dem kompletten Neuling sicher nicht leicht.

Dabei gilt es eigentlich nur in den insgesamt sechs Tournament-Runden von der Round of 64 bis hin zum Titelspiel jeden Sieger jeder Ansetzung vorherzusagen. Ohne großes Wissen zum Collegebasketball zu haben, können schon diese einfachen Tipps für gute Resultate sorgen:

1.      Hände weg von der #16

Noch nie konnte eine #16 eine #1 aus dem Turnier werfen (0-116). Natürlich ist es verlockend der Erste zu sein, der diese absolute Neuheit der Tournamentgeschichte vorhersagt. Allerdings ist von einem Folgen dieses Rufes strengstens abzuraten.

2.      #15, #14 und #13 können vernachlässigt werden

Auf der Suche nach sogenannten Upsets (ein Team mit einer niedrigeren Seed-Nummer verliert) sollten in dieser Seedspanne höchstens zwei Überraschungsniederlagen getippt werden. Nur 14% der an #15, #14 oder #13 gesetzten Teams konnten eine Erstrundenpartie für sich entscheiden (49-299).

3.      #12, #11 und #10 sind einen Blick wert

An dieser Stelle darf gern etwas mutiger getippt werden. Die #5, #6 und #7 Teams gewannen über die Jahre nur knapp 64% ihrer Spiele und ließen den höheren Seeds immerhin eine Ein-Drittel-Chance auf ein Weiterkommen (126-223). Besonders die #12 Seeds bieten sich historisch betrachtet auch als Longshot für ein Sweet Sixteen (zwei Tournament-Siege) an. Von den 41 als #12 gestarteten Erstrundensiegern erreichten starke 50% auch die Runde der letzten 16.

4.      #9 über #8

Bei diesen nominell fast gleichstarken Teams verschätzt sich das NCAA-Selection-Committee regelmäßig. In der seit 1985 (in diesem Jahr wurde das Feld auf 64 Teams erweitert) laufenden Serie liegen die #8 Seeds tatsächlich mit 56:60 (nur 48% Siegquote) hinten. Mehr #9 Seeds im Bracket weiterzutippen, könnte sich also lohnen.

5.      Seed-Performances

Zusätzlich zu diesem Wissen kann diese Tabelle vom Bracketing-Experten Peter Tiernan als Kontrollwerkzeug durchaus behilflich sein. Diese gibt an wieviele Spiele die einzelnen Seeds über die Jahre durchschnittlich gewonnen haben. Während eine #1 also nahezu automatisch ein Elite Eight erreichen sollte, gibt es für eine #13 im Sweet Sixteen nahezu keine mathematische Unterstützung:

Peter Tiernan cbs

6.       Die magische 13 

Die Summe der Seednummern der Final Four Teams im Bracket sollte 13 nicht übersteigen. Dies hat einen ganz einfachen Grund: Es setzen sich zumeist die besten Teams durch. In den letzten 10 Jahren passte die Regel nur 2006 (#11 George Mason), 2011 (#8 Butler, #11 VCU) und 2013 (#9 Wichita State) wegen mehr oder weniger überraschender Cinderella-Runs nicht. Seit 1985 gab es nur ein Final Four, in dem kein #1 oder #2 Seed spielte. Die Ausnahme war auch hierbei wieder das verrückte Jahr 2011 mit #3 Connecticut, #4 Kentucky, #8 Butler und #11 VCU unter den letzten vier Mannschaften.

7.      Niemals nur #1 Seeds in das Final Four

Auch wenn es verlockend ist, einfach die nominell besten Teams direkt in das Halbfinale durchzutippen, zeigt dazu die Historie, dass dies eher unklug wäre. In der 28-jährigen Geschichte des heutigen Tournament-Formates mit 64 Mannschaften gelang es nur einmal allen #1 Seeds unbeschadet die nötigen vier Siege für ein Final Four einzufahren. 2008 schafften die Memphis, UCLA, Kansas und UNC.

8.      Verletzungen beachten

Im College-März ist es wie in den NBA-Playoffs, die Rotationen werden kleiner und Starspieler entscheiden die Spiele. Fallen wichtige Leute zu diesem Zeitpunkt der Saison aus, ist dies gerade durch das Do-or-Die-Format des Turniers für keine Mannschaft zu kompensieren.

9.      Fan-Brille beim Ausfüllen absetzten

Jeder hat Mannschaften, mit denen er symphatisiert, und Teams, denen er ein möglichst schnelles Aus wünscht. Dies ist auch gut so, aber sollte beim Tippen der Spiele möglichst ausgeblendet werden. Wegen des Nicht-Weitertippens der Hass-Mannschaft die Bracket-Challenge zu verlieren, würde sich doch doppelt schlecht anfühlen, oder?

10. Nicht zu lange über Entscheidungen brüten

Ein recht schnelles Ausfüllen eines Brackets mit ein, zwei Überarbeitungsrunden nach dem Lesen der Go-to-Guys-Tournament-Previews ist ideal, da es eine gute Mischung aus Bauchgefühl und Fachwissen bildet. Kurz vor der Deadline hingegen auf Teufel komm raus noch einen neuen Sleeper in das eigene Werk einbauen zu wollen, hilft zumeist nicht.

Advanced

Für alle, die sich noch etwas mehr mit der Materie beschäftigen (möchten), gibt es noch weitere Indikatoren, deren Beachten für ein erfolgreiches Bracket sorgen kann. Hierzu lohnt es sich, mit Blick auf die Titelgewinner aus der Vergangenheit, anzusehen, welche Faktoren ein Championship-Team bzw. dann in Abstufungen eine Elite-Eight- oder Final Four-Mannschaft ausmachen.

1.      Das Seeding

In den ersten Runden sind viele kleinere Spielereien mit den Seeds der einzelnen Teams möglich. Schaut man sich allerdings an, welche Teams fünf Tournament-Runden überleben und danach in der Lage sind ein Championship-Spiel zu gewinnen, so wird eines klar: Eine der potentiell besten 12 Mannschaften schafft es irgendwie immer! Seit 1985 gab es nur drei Champs, die nicht wenigstens einen #3 Seed hatten – die Ed Pickney-Villanova Wildcats (’85 als #8), die Danny Manning-Kansas Jayhawks (’88 als  #6) und die Mike Bibby – Arizona Wildcats (’97 als #4).

2.      Die Conference

Auch wenn viele Anhänger des Collegebasketball besonders nach den beiden Final Four-Runs von Butler mittlerweile an die alte Berti Vogts Fußballweisheit  „Es gibt keine Kleinen mehr.“ glauben, so muss man sie (noch) enttäuschen. Mit UNLV 1990 schaffte es in der Neuzeit des Sportes nur ein Team den Titel zu gewinnen, das nicht in einer der Major-Conferences (ACC, Big 12, Big East, Big Ten, PAC-12,  SEC) sein Zuhause hatte und damit als Mid-Major gelten kann.

3.      Die Spieler

Gern würden man an dieser Stelle mit Blick auf Champs aus der Vergangenheit (z. B. Kentucky ’12 mit Anthony Davis und Michael Kidd-Gilchrist, Florida ’07 mit Joakim Noah und Al Horford) sagen, dass es X spätere NBA-Spieler benötigt, um einen Titel zu gewinnen. Allerdings ist eine solche Aussage schwierig. Zum einen ist nachgewiesen, dass Spieler von College-Champs von NBA-Teams in der Draft gern etwas überbewertet werden und so als spätere Reaches enden oder sich über ihren Titel erst einen ernstzunehmenden NBA-Draft-Stock erspielen (’07 Corey Brewer an #7, ’05 Marvin Williams an #2 und Sean May an #13). Zum anderen gab es Mannschaften, die mit aus NBA-Sicht „minderwertigem Talent“ Titel holten (’10 Duke mit Kyle Singler und Nolan Smith, ’02 Maryland mit Chris Wilcox und Steve Blake). Fest steht allerdings, dass es unter den Spielern Erfahrung und/oder ein absolutes Top-Level auf NCAA-Niveau braucht. Die letzten 13 Champs waren alle entweder im Vorjahr schon beim NCAA-Tournament dabei oder aber hatten in ihrem Meisterjahr einen All American in ihren Reihen. Allerdings ist hierbei, besonders seit der Einführung der One-and-Done-Rule spielerisches Talent klar ausschlaggebender als eine Truppe, die nur aus Seniors und Juniors besteht:

 experience

4.      Der Coach

In einem College-Programm können dadurch, dass spätestens alle vier Jahre komplett neue Spieler auf dem Parkett stehen, nur gute Trainer und Recruiter für qualitative Kontinuität und langfristigen Erfolg im eigenen Basketballprogramm sorgen. Auch für Postseason-Erfolg scheint besonders Erfahrung im Coaching-Stab eine große Rolle zu spielen. Alle Übungsleiter der Titelträger der letzten Dekade hatten vor ihrer Championship entweder schon fünfmal das NCAA Tournament erreicht oder zumindest einen Elite Eight-Run hinter sich.

5.      Der Spielstil

Das alte Mantra „Defense wins Championships“ kennt wohl jeder Basketball-Fan. Ob dies auch im Collegebasketball so ist, offenbart diese Grafik, die die durchschnittliche Offensive bzw. Defensive Efficiency der Mannschaften in den verschiedenen Tournament-Runden angibt:

2014_OE_vs_DE

Es lässt sich ablesen, dass eine gute Defense eine wichtige Basis für Turniererfolg ist. Allerdings scheint eine gute Offensive wichtiger zu sein. Der Unterschied zwischen einer Championship-Offense zu einer Round of 64-Offense ist größer als der zwischen den jeweiligen Verteidigungen. Eine Erklärung hierfür kann das Format des Big Dance sein. In dem Do-or-Die-Turnier ist es wichtiger über sechs Spiele keine Off-Night im Angriff zu haben als über eine zermürbende Defense theoretisch in jedem Spiel zu verfügen. Am Ende des Tages reicht schon eine verrückte Shooting-Performance eines heißlaufenden Teams aus, um die eigene Saison zu beenden. Für diesen Fall muss man selbst offensiv Antworten parat haben.

Ein Blick auf die einzelnen Team zeigt, dass es eine Art Effizienz-Korridor gibt, in den man nicht fallen darf, wenn man eine Chance auf den Titel haben möchte:

efficiency

Wer sich die Sache etwas einfacher machen möchte, der muss sich nur die Zahlen 73 merken. Die letzten 13 Titelträger haben im Schnitt mehr als 73 Punkte erzielt und weniger als 73 Punkte kassiert. Zudem scheint der Average Scoring Margin und damit ein unterstellter Wille zur Dominanz als Charaktermerkmal eines Teams Ausschlag zu geben. Diese 13 Champs haben ihre Spiele mit durchschnittlich sieben oder mehr Punkten Unterschied gewonnen.

6.      Die Teamzusammensetzung

Um erfolgreichen Collegebasketball spielen zu können, wird oftmals angebracht, dass man vor allem eins bräuchte – gute, scorende Guards. Die Theorie ist einfach. Diese Spieler halten den Ball am meisten in den Händen und können enge Spiele dadurch am einfachsten entscheiden. Dazu entwickelten sich die Regeln, ähnlich wie in der NBA, eher zugunsten der Perimeter Spieler (Dreierlinie, Handchecking etc.). Eine Entwicklung in diese Richtung lässt sich recht leicht nachweisen:

 guardproduction

Allerdings zeigen die Zahlen auch, dass noch immer die guten Postspieler den Unterschied ausmachen:

guard outcome

Auch hier fällt die Erklärung leicht. Gute Guards kann mittlerweile fast jedes College rekrutieren, da es im Basketballland USA unzählige davon gibt. Beispiele wie Gordon Hayward (Butler), Damian Lillard (Weber State) oder Stephen Curry (Davidson) als Weltklasse-Athleten von kleinen Colleges sollten jedem ein Begriff sein. Einen der seltenen, talentierten 6’10”/6’11”- Guys  und damit eine wirkliche Gegenwehr gegen starke, gegnerische Postspieler haben nur wenige Teams. Die klugen Coaches wissen dies und nutzen deswegen ihre wandelnden Mismatches, sofern sie im Frontcourt zur Verfügung stehen, gerade im März nur zu gern aus.

7.      Der Saisonverlauf

Zum Abschluss sollen noch eine Aussage stehen. Ein Champion muss während des Jahres getestet worden sein. Im Collegebasketball gibt es wie in der NBA die Metric SOS (Strength of Schedule), die im NCAA Basics Artikel zur March Madness genauer erklärt wurde:

SOS_Rank_PASE

Diese Statistik, die die Qualität der gespielten Gegner während der laufenden Spielzeit bewertet, verknüpft mit dem zu erwartenden Tournamenterfolg, zeigt auf, dass Teams, die es in der Saison haben ruhiger angehen lassen, eher unterperformen. Die letzten 13 Titelträger hatten einen der stärksten 75 Schedules in ihrem jeweiligen Jahr.

Schlusswort

Auch wenn selbst nach Beachten all dieser Tipps und Regeln höchstwahrscheinlich ein Überraschungsteam das eigene Bracket aufmischen wird, hilft dieser Guide hoffentlich trotzdem ein wenig und regt vor all allem diejenigen, die noch nicht Anhänger des Collegebasketballs sind, dazu an an einer Bracketing-Challenge teilzunehmen. Einen verrückten März noch!

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