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NCAA Basics: March Madness

Über den Selection Sundy, Bracketology, Bubble Teams, Snubs und Surprises

In wenigen Tagen ist es wieder so weit und die March Madness wird mit dem Selection Sunday eingeleitet. Der Bracket ist dabei das zentrale Stück des Tournaments. Dabei stellt sich vielen Teams die Frage, wer überhaupt teilnehmen darf. Denn das Auswahlverfahren gestaltet sich nicht immer als leicht.  

Die hohe Kunst der Bracketology

Allgemein setzt sich das 68 Teams umfassende Teilnehmerfeld aus autobid- und at-large-teams zusammen. Bei den autobid-teams handelt es sich um die jeweiligen Sieger des Conference Tournaments. Ausnahme bildet hier die Ivy-League, die kein Turnier ausspielt, deren Regular Season Meister sich aber für das Turnier qualifiziert. Jede der 32 Division I-Conferences hat also einen Startplatz sicher. Über die restlichen 36 at-large-teams entscheidet anschließend ein Selection Komitee, wobei hier egal ist, wie viele Teams aus welcher Conference ausgewählt werden. Daher ist es auch wenig verwunderlich, dass die großen Conferences, wie z. B. die Big Ten, in der Regel gleich mehrere Teams (im Jahr 2013 sieben) stellen, während die vielen kleineren Conferences gar kein at-large-team stellen.

NCAA_Basic

Mit diesen 68 Teams wird nun ein Turnierbaum erstellt, der in die vier Regionen unterteilt wird. Die Setzliste reicht dabei in jeder Region von 1 bis 16, es gibt also jeweils vier an Nummer eins, zwei, drei, usw. gesetzte Teams. Da so aber nur 64 Plätze verteilt werden können, stellt sich die Frage: Wie kommt man auf 68 Teilnehmer? Die Lösung dieser Frage liegt in der Runde der First Four. Hier spielen jeweils die vier am schwächsten eingeschätzten at-large- bzw. autobid-teams gegeneinander um ihren Startplatz.

Im nun entstandenen 64er-Feld werden die Regionalmeister ausgespielt, die dann am Final Four Wochenende aufeinander treffen, um dort den Meister auszuspielen.  

Neben der Auswahl der Teams hat das Komitee, welches sich aus verschiedenen Offiziellen der NCAA-Teams oder Conferences zusammensetzt, die Aufgaben, die Teams nach ihrer Stärke zu sortieren und sie in die entsprechenden geografischen Regionen einzuteilen. Dies geschieht anhand der sogenannten S-Curve.

Hier wurden als Beispiel die ersten 6 Seeds der jeweiligen Regionen des Jahres 2013 genommen und entsprechend eingeordnet. Wobei diese Version dann doch eine vereinfachte ist, da es aufgrund von komplizierten Regeln dazu kommen kann, dass die Regionen innerhalb ihres Seed-Ranges getauscht werden. Diese Darstellung dient also lediglich der Veranschaulichung dieses S-Curve-Formates.

 MidwestSouthEastWest
1.Seed1.Louisville2.Kansas3.Indiana4.Gonzaga
2.Seed8.Duke7.Georgetown6.Miami5.Ohio State
3.Seed9.Michigan State10.Florida11.Marquette12.New Mexico
4.Seed16.St.Louis15.Michigan14.Syracuse13.Kansas State
5.Seed17.Oklahoma State18.VCU19.UNLV20.Wisconsin
6.Seed24.Memphis23.UCLA22.Butler21.Arizona

Wie man sieht, werden hier die Teams der Stärke nach von 1 bis 24 geordnet. Von links nach rechts findet man so in der ersten Reihe die Teams, welche insgesamt vom Komitee an eins, zwei, drei und vier eingestuft werden. Diese Colleges bilden die No.1 Seeds der jeweiligen Region. In der zweiten Reihe werden dann den Top gesetzten Teams von links nach rechts die insgesamt an acht, sieben, sechs und fünf gesetzten Teams zugeordnet. Die dritte Reihe beginnt dann wieder mit dem „stärksten“ Team unter den No.3 Seeds, auf der linken Seite, und endet mit dem „schwächsten“ rechts. Grafisch entsteht so ein S, welches das gesamte Feld der Stärke nach sortiert und für die Einteilung in die Regionen verantwortlich ist.  Führt man dies nun bis zu Platz 64 durch, so erhält man die entsprechende Einteilung der Regionen für alle Teams im Tournament.

Nach welchen Kriterien werden die Teams ausgewählt?

Die Kriterien für diese Einschätzung der Teams gestalten sich dabei vielfältig. Zunächst wird natürlich die Bilanz berücksichtigt. Hier wird gerne zwischen Conference- und Non Conference-, sowie der Auswärtsbilanz unterschieden. Die Bilanz alleine reicht allerdings nicht aus. Vielmehr wird die Bilanz aufgrund verschiedenster Indizes klassifiziert. So ist ein 22-7 in einer schwächeren Conference anders einzuordnen, als dieselbe Bilanz in einer Major Conference.

SOS= (2*GP+ GGP)/3

Beliebt sind hier z. B. der Strength of schedule (SOS), welcher durch die doppelte Bilanz der direkten Gegner in Prozent (GP) und der Bilanz der Gegner dieser Gegner in Prozent (GGP) geteilt durch drei, errechnet werden kann. Das Ergebnis erzeugt eine fiktive Winpercentage, mit der die Stärke der gespielten Gegner aufgezeigt werden soll.

RPI= (WP* 0.25) + (GP*0.5) + (GGP*0.25)

Auch beliebt ist der Rating Percentage Index (RPI). Der RPI bildet eine Weiterentwicklung des SOS und berücksichtigt nun auch die eigene Winpercentage (WP). Das Verhältnis von 2:1 bei der GP und der GGP bleibt dabei erhalten und addiert dabei den WP Faktor mal 0.25. Also wird die eigene Bilanz im selben Maß gewichtet wie die prozentuale Bilanz der Gegner seiner Gegner.

Gerne wird mit dem RPI Ranking auch eine Klassifizierung von guten und schlechten Gegnern vorgenommen. Teams in den Top 50 des RPI werden als gute Teams angesehen. Bis 100 sind die Teams noch solide. Zudem kann man bei RPI 100+ schon fast von “Must-wins” sprechen. Auch die Bilanzen gegen solche RPI-Top 50/100 Mannschaften, sowie auch vermeidbare Niederlagen gegen die RPI 100+ werden gerne zur Einschätzung eines Teams herangezogen.

Daneben gibt es noch weitere Indizes, wie z. B. den Basketball Power Index (BPI) oder den Kenpom Index, in dem auch weitere Faktoren berücksichtigt werden. Die beliebtesten Indizes bleiben jedoch RPI und SOS, auch wenn andere immer mehr an Bedeutung zu gewinnen scheinen.

Zudem spielt die Frage nach dem “wie unangenehm ist ein Gegner?” eine Rolle. So kann es durchaus vorkommen, dass ein Team nach der Verletzung ihres Starspielers an Positionen verliert. Jüngstes Beispiel hierfür ist Joel Embiid, nach dessen Verletzung das Komitee sich noch einmal ernsthaft mit den Jayhawks auseinandersetzten wird.

Man sieht also, dass es insgesamt ein mühsames Prozedere ist, ein Bracket aufzustellen. Zudem sind die Einschätzungen der Teams auch nur subjektiv, heißt also, es gibt kein Schema, nach dem Brackets gebaut werden.

Hier entsteht auch das Dilemma für die Wackelkandidaten. Denn es wird durch diese Kriterien nicht nur entschieden, wo ein Team landet, sondern auch welches Team überhaupt dabei ist. So ist oft bis zuletzt für viele Teams nicht klar, ob sie einen Tournament Platz ergattern können oder der Traum von einer Teilnahme wie eine Seifenblase zerplatzt.  

Snubs and Surprises

Genau aufgrund dieser Subjektivität gibt es Jahr für Jahr immer wieder Teams, die nicht berücksichtigt werden und eben solche, die auf überraschende Weise ins Teilnehmerfeld kommen. Dabei scheint das Komitee nicht einmal vor großen Namen zurückzuschrecken und schloss im letzten Jahr mit Kentucky den amtierenden Meister aus. Auf den ersten Blick mag dies durchaus als Snub angesehen werden, ein Vergleich mit anderen Tournament Teams schafft hier aber Klarheit. Sinnvoll ist dabei ein Vergleich mit einem Team aus der Runde der First Four, wie z. B. den Saint Mary’s Geals. RPI (Kentucky auf Platz 57. und Saint Mary’s auf 25) spricht schon einmal deutlich gegen den Meister, während die SOS bei beiden Teams nahezu gleich sind (69 zu 73).  

Bei der Bilanz scheint Saint Mary’s mit 26-6 und 11-3 außerhalb des Conference Play ebenfalls sehr gut aufgestellt. Zudem hat man sich „nur“ zwei Niederlagen gegen Teams außerhalb der RPI Top 100 geleistet. Bei Kentucky sind es ganze vier Niederlagen gegen RPI 100+ Teams. Auch die Bilanz ist mit 21-11 und 9-4 Non-Conference schlechter.

Man sieht also auch, dass viele dieser recht subjektiv erscheinenden Kriterien für objektiv begründete Ergebnisse sorgen. Dennoch gibt es jedes Jahr aufs Neue wieder Teams, welche sich außen vor gelassen fühlen.   

Bubble Teams im Vergleich

Was an dem Beispiel Kentucky und Saint Mary’s doch relativ eindeutig war, kann sich jedoch deutlich komplizierter darstellen. Beispielhaft hierfür sollen die Bubble Teams aus Pittsburgh und Minnesota einmal näher betrachtet werden (Quelle der Grafiken: warrennolan.com).

Overall steht das ACC Team aus Pittsburgh mit 23-8 deutlich besser dar als das Big Ten Team aus Minnesota (18-12). Die Golden Gophers haben dabei vor allem eine Schwäche auf neutralem und fremdem Boden. Hier stehen sie mit 3-9 deutlich schlechter da als die Panthers (10-3). 

Was den RPI angeht, nehmen sich die beiden Teams nicht viel. Pittsburgh steht auf Rang 45 und Minnesota auf 51. Den großen Unterschied macht hier der SOS-Wert. Hier haben die Gophers, die auf Rang 7 liegen, einen deutlichen Vorsprung vor den Panthers.

Dies liegt vor allem daran, dass die Gophers deutlich mehr Gegnern gegenüberstanden, die sich im oberen Bereich des RPI befinden (11 Partien gegen RPI Top 50 Teams gegenüber nur 7 bei Pittsburgh). Auch was die Siege angeht, haben die Gophers die Nase vorne (3 Siege zu einem Sieg). Allerdings ist auch die Anzahl der Niederlagen gegen schlechtere Teams (im RPI Bereich 100+) bei Minnesota höher, was einen negativen Effekt auf das Resumee der Golphers hat. Die Panthers haben sich derweil keine Niederlage gegen solche Teams erlaubt.  

Eine klare Entscheidung für ein Team fällt demnach nicht ganz so leicht. Jedes Team hat seine Vorzüge und Nachteile. Ob Minnesotas hoher SOS und die bessere Bilanz gegen RPI Top 50 Teams, oder Pittsburghs bessere Bilanz insgesamt, sowie geringere Anzahl an vermeidbaren Niederlagen gegen RPI 100+ Teams, als besser eingestuft wird, muss letztendlich das Komitee entscheiden.  

In der aktuellen Version (vom 10. März) des wohl renommiertesten Bracketologists, Joe Lunardi von ESPN, liegen die Gophers dabei in den First Four out, verpassen also die erste Runde nur knapp, während die Panthers zu den letzten vier Teams gehören, welche ohne die Runde der First Four im Teilnehmerfeld sind. Natürlich ist Lunardis Bracket nicht bindend, dient aber zumindest als gute Orientierung. Auch die Tendenz des Komitees Bubble Teams vor allem auch aufgrund ihrer Bilanz gegen schlechte RPI Teams zu bewerten, deutet auf eine bessere Ausgangslage für Pittsburgh hin. Auf der sicheren Seite kann das Team sich aber dennoch nicht sehen.

Ein Bracket zu bauen, gestaltet sich also tatsächlich als ernste Herausforderung und vor allem als undankbare Aufgabe. Denn bei aller objektiver Begründung wird es immer Teams geben, die sich außen vor gelassen fühlen. Man darf sich also auf Sonntag freuen, wenn das Selection Komitee endlich seine Entscheidung bekannt gibt. 

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