Gedanken, NBA, Off-Court

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NBA-Irrtümer, Teil 2

Jeder NBA-Fan kennt bestimmt die folgende Situation: Man spricht mit seinen Freunden über Basketball und dann passiert es: Dein bester Freund benutzt einen Ausdruck, den man als Basketball-Purist überhaupt nicht im Kontext NBA hören möchte. Doch was macht man in dieser Situation? Den Freund zurechtweisen? Eine epische Debatte starten, an dessen Ende höchstwahrscheinlich wieder die Aussage „Allen Iverson ist trotzdem der beste NBA-Spieler, der je gespielt hat, weil er das größte Herz aller Sportler hat!“ steht? Oder sich doch entspannt zurücklehnen, Handy, Tablet oder Laptop holen und auf diesen Artikel verweisen?

In diesem Gedanken geht es in der Tat um Begriffe oder Umstände, die es zwar im Basketball gibt, sie aber häufig falsch genutzt werden. Der zweite Teil der NBA-Irrtümer zeigt drei dieser Begrifflichkeiten.

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1. Ein NBA-Team ist kein Verein.

Auch wenn der Ausdruck „Verein“ in deutschen Medien immer wieder auftaucht und damit suggeriert, dass er seine Daseinsberechtigung hat, gehört das Wort in keinen NBA-Kontext. Es ist schlicht falsch gewählt, weil ein Verein etwas ganz anderes darstellt als eine Franchise.
Was aus dem Fußball so bekannt und auch durchaus richtig sein kann, gilt für die NBA-Franchise nicht. Ein eingetragener Verein ist ein freiwilliger Zusammenschluss mit eigener Satzung und gewähltem Präsidium. Es unterscheidet sich komplett von einem Franchise-Unternehmen. Franchise-Nehmer (also die Besitzer der NBA-Teams) unterstehen dem Franchise-Geber (also der NBA) und werden als Besitzer nicht gewählt, sondern kaufen sich in das (Sub-)Unternehmen ein. Es gibt keine Vorstandswahlen, es gibt kein Misstrauensvotum und als Besitzer ist man gezwungen, sich den verabschiedeten Statuten des Franchise-Gebers zu unterwerfen.
Ihr habt euch schon immer gefragt, wann das Bosman-Urteil bzgl. der freien Arbeitswahl innerhalb der NBA kommt, wann Rookies endlich einfach die Franchises auswählen können und wann dieser Salary Cap endlich gekippt wird? Die Antwort ist recht einfach: gar nicht. Denn die NBA-Franchises sind keine Vereine, die sich den Gegebenheiten des freien Marktes unterwerfen, sondern eine eigene Satzung haben. Erst wenn die Mehrheit der NBA sich dazu entscheidet, das CBA zu ändern, wird es Entwicklungen geben. Die reale Marktwirtschaft hat keinerlei Einfluss auf das in sich geschlossene System NBA.

Deswegen ist die Bezeichnung „Verein“ lediglich eine missglückte Analogie aus dem europäischen Sportsystem, aber beschreibt das Verhältnis von NBA-Team zum Franchise-Nehmer nur unzulänglich.

2. Effektivität ist nicht gleich Effizienz.

Zugegeben: beide Worte klingen fast gleich und beschreiben zumindest ähnliche Statistikelemente. Dennoch ist der Unterschied der beiden Worte so elementar, dass sie einfach nicht synonym genutzt werden dürfen, da sie völlig andere Intentionen verfolgen.

Die Unterscheidung von Effizienz und Effektivität ist dabei doch so einfach. Ein effizienter Spieler benötigt die wenigste Anstrengung, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Zum Beispiel erreicht man 12 Punkte am effizientesten mit drei 4-Punkte-Plays. Man erzielt also dann vier Punkte pro Angriff.
evanturnerphillyEin effektiver Spieler erzielt in einem vorgegebenen Zeitraum die meistmöglichen Punkte. Dabei kommt es nicht auf Wurfquoten oder Ähnliches an, sondern nur auf die tatsächliche Produktion. Achtet man nur auf die Effektivität, kann es sein, dass man übersieht, dass sich einige Spieler ihre Punkte mit zu vielen Ballbesitzen erkaufen müssen und es ihnen an Effizienz fehlt. Ein Paradebeispiel ist dabei die Saison von Evan Turner, der bei den 76ers für 17,4 Punkte 15,4 Würfe, 4,2 Freiwürfe und 2,9 Turnover benötigte. Dementsprechend agierte er sehr ineffizient.
Verlässt man sich bei der Bewertung aber nur auf die Effizienz, lässt man zumeist das Volumen aus den Augen. Eine Lineup aus George Hill – Wes Matthews – Kyle Singler – Nick Collison – Robin Lopez wäre in dieser Saison eine der effizientesten, es fehlt aber das Volumen. Fünf effiziente Rollenspieler bedeuten nicht zugleich, dass man ein erfolgreiches Team aufgebaut hat.

Man findet in der NBA viele Spieler, die entweder effektiv oder effizient sind. Die Superstars der NBA sind aber deshalb so begehrt und selten, weil sie Effektivität und Effizienz vereinen.

3. Die „beste Defense“ kann man nicht an zugelassenen Punkten ablesen

Jeder erinnert sich wahrscheinlich noch an die furiosen Phoenix Suns um Steve Nash und Amar’e Stoudemire, die mit Coach Mike D’Antoni erfrischenden Offensivbasketball spielten. Zwei Assoziationen kommen dem geneigten Fan, wenn er an dieses Team denkt: die Suns spielten die beste Offense und gleichzeitig eine schlechte Defense.
mikedantoniDabei sind beide Annahmen grundsätzlich verkehrt, auch wenn die Suns – in diesem konkreten Fall – eine Top 3 Offense spielten. Der Gedanke hinter den Assoziationen ist der, dass hohe erzielte oder zugelassene Punkte gleichzeitig ein Spiegelbild für die offensiven oder defensiven Leistungen des Teams sind. Diese Annahme ist falsch. Tatsächlich haben die Suns in der Steve Nash-Ära im Schnitt eine durchschnittliche Defense gespielt. Dadurch, dass sie bestrebt waren, ihre Angriffe in weniger als sieben Sekunden abzuschließen, ermöglichten sie den gegnerischen Teams auch dementsprechend mehr Angriffe durchzuführen.  Dass dann total mehr gegnerische Punkte hingenommen wurden, bedeutete jedoch nicht, dass die Suns nicht verteidigen konnten. Im Gegenteil: Unter Mike D’Antoni stellten die Suns immer eine Defense, die Ligamittelmaß bedeutete und sich um Platz 13-17 einfand.

Genau deswegen sind die Indiana Pacers auch nicht das beste Defensivteam in dieser Saison, weil sie im Schnitt nur 92 Punkte pro Spiel kassieren. Sie sind das beste Defensivteam, weil sie pro Angriff nur 0,98 Punkte zulassen. Besonders auffällig ist der Vergleich zwischen den Golden State Warriors und den Brooklyn Nets. Beide Teams lassen fast identische Punkte zu (98,7 bzw. 98,9), aber während die Warrior seien Top 3 Verteidigung stellen, verteidigen die Nets gerade mal durchschnittlich.

Wichtig für eine gute Defense sind nicht die zugelassenen Punkte in einem Spiel, sondern die zugelassenen Punkte pro Angriff, die ein Team kassiert.

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