Alltimers, Gedanken, San Antonio Spurs

Tim Duncan ist kein Power Forward

NBA-Irrtümer, Teil 1
Spurs at Wizards 2/5/14

Vergangene Woche musste man es wieder bei den Kollegen zweier deutschsprachiger Basketballwebseiten lesen: Tim Duncan, der Power Forward. Seitdem Tim Duncan 1997 von den San Antonio Spurs gedraftet wurde, hält sich dieses Gerücht hartnäckig am Leben. 14 Jahre und sicherlich wird man es auch nach Duncans Karriereende noch oftmals lesen – vermutlich oft im Zusammenhang mit den Worten “bester” und “aller Zeiten”.

Der Ursprung allen Übels – Es geht zurück bis in die NBA-Saison 1996/97. Zu diesem Zeitpunkt spielte Tim Duncan seine letzte Saison in der NCAA an der University of Wake Forest – als Center selbstverständlich. Vor besagter Saison erlitt der damalige Franchise-Player der Spurs David Robinson eine Verletzung am Rücken. Der Most Valuable Player des Jahres 1994/95 mit dem steinharten Bizeps konnte als Folge (neben anderen Verletzungen) nur sechs der 82 Spiele absolvieren. Oder durfte er vielleicht nicht mehr Spiele absolvieren? Die “Verschwörungstheoretiker” sind sich einig: Nachdem die Spurs ohne Robinson zu Beginn der Saison bereits viele Spiele verloren, entschieden sich die Verantwortlichen der Mannschaft, Robinson kaltzustellen, obwohl Robinson spielfähig gewesen sein soll. Des Weiteren spielte auch der All Star der vorhergehenden Saison, Sean Elliott, nur die halbe Saison. Der Grund war einfach: Immerhin sollte sich ein “sure thing” – ein Spitzentalent, das sich ohne Wenn und Aber durchsetzen wird – in der NBA Draft 1997 befinden. Der Rest ist Geschichte – die Spurs sicherten sich die Rechte an Tim Duncan in der Draftnacht 1997.

Was dies mit Duncans Position zu tun hat? Nun…

Flexibel wie ein Metallrohr –  So sind die Positionseinteilungen in der NBA. Der Admiral, wie Robinson aufgrund seiner Ausbildung bei der US-Navy genannt wird, kam 1989 nach Texas (wobei er bereits 1987 gedraftet wurde). Mit seinen 215 Zentimeter und seinem Spiel war er ein lupenreiner Center. Auf dieser Position verbrachte er fast die kompletten Neunziger und lieferte sich Duelle mit anderen Center-Größen wie Hakeem Olajuwon und Patrick Ewing. Acht Jahre nach Robinsons Ankunft stieß mit Duncan ein weiterer Center zu der Mannschaft. Die Positionen in der NBA sind aber festgelegt. Es spielen ein Center, ein Power Forward, ein Small Forward, ein Shooting Guard und ein Point Guard in der Startaufstellung. Da man Robinson natürlich nicht seine Position wegnehmen und es auch offiziell keine zwei Center in der Starting-Five zu geben hatte, bekam der Rookie eine neue Positionsbezeichnung. Power Forward.

Ungeachtet dessen, dass – wenn man schon einen der beiden Center zwingend zum Power Forward machen muss – Robinson dieses Etikett verdient hätte. Auf dem Parkett mimte Duncan viel eher den Center. Ist der Ruf erst ruiniert – auch nach Robinsons Rücktritt blieb Duncan für (zu) viele Fans ein Vierer. Wäre Duncan von einer Mannschaft ohne einen Elite-Center gedraftet worden, gäbe es diesen Artikel heute nicht.

Eigentlich ist die Sache doch ziemlich klar…

Verblüffende Ähnlichkeit – Wenn wir uns die Center und Power Forwards der letzten 20 Jahre in den Sinn rufen, fallen uns zuerst folgende Namen ein: Center – Shaquille O’Neal, Hakeem Olajuwon, Patrick Ewing, Alonzo Mourning, David Robinson, Dikembe Mutombo, Yao Ming, Dwight Howard; Power Forwards – Karl Malone, Charles Barkley, Kevin Garnett, Shawn Kemp, Chris Webber, Dirk Nowitzki.

Bei Betrachtung all dieser Spieler bezüglich ihrer Spielweise und ähnlichen Aspekten, welcher Gruppe würde man Duncan intuitiv hinzufügen? In die zweite Gruppe mit den Spielern, die in erster Linie mit dem Gesicht zum Korb spielen bzw. gespielt haben oder zu ersteren Spielern – die, die ihr Spiel grundsätzlich mit dem Rücken zum Korb aufziehen/aufzogen (was nicht heißen muss, dass sie über kein “Face-Up”-Spiel verfüg(t)en und einsetzen bzw. eingesetzt haben). Ich sehe einfach keinen wesentlichen Unterschied zwischen Duncan und Olajuwon/Robinson – bei denen spricht niemand von Power Forwards. Im Vergleich zu den oben genannten Power Forwards sehe ich vergleichsweise größere Unterschiede. ‘The Big Fundamental’ ist ein Center, und zwar einer der besten Center aller Zeiten.

Von cent(e)raler Bedeutung –  Natürlich nicht. Es geht ja bloß um eine Positonsbezeichnung. Dennoch: Es ist falsch, dass Duncan als Power Forward bezeichnet und gesehen wird. Jetzt steht der Gedanken niedergeschrieben, sodass  wir uns nun wieder den wichtigen Themen der NBA zu wenden können.

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0 comments

  1. Matthias Drecoll

    Hm ist denke ich ähnlich auch bei Gasol so, Center oder Power Forward?

  2. Michael Stuhldreier

    Stimme deinem Artikel komplett zu. Einen Aspekt hast du noch vergessen: Die NBA hatte nie das Interesse Duncan als Center zu führen. In den Hochzeiten der Spurs Anfang/Mitte des Jahrzehnts, waren es die Duelle gegen die Lakers, die polarisierten. Da natürlich das Duell Shaq gegen Duncan – und die wollte man auch beide im Allstarteam repräsentiert haben. Deshalb hat man es irgendwie immer dabei belasssen Duncan als PF zu führen.

  3. Christian Neumann

    Das All-Star-Team ist auch wegen Yao Ming, der Tim Duncan beim Voting jahrelang im Weg gestanden haben würde, wenn man Duncan nicht als Power Forward geführt hätte, ein wichtiger Faktor. Zudem hat Duncan auch immer wieder darauf bestanden, nicht als “Center” bezeichnet zu werden, da dieser Begriff seiner Meinung nach für ein begrenztes technisches Spielvermögen steht. Ähnliches gilt für “Seven-Footer” und die berüchtigten 2,13m, die Duncan wohl unbedingt vermeiden will.

    Spielerisch ist er jedoch ein glasklarer Center. Jeder mit Sachverstand erkennt das, wenn er auch nur ein Spiel von ihm gesehen hat. Im Übrigen haben auch andere Center, die als solche gelten, neben Centern gespielt, ohne deshalb gleich als Power Forwards bezeichnet zu werden: David Robinson neben Duncan, Hakeem Olajuwon neben Ralph Sampson, selbst Shaquille O’Neal neben Stanley Roberts. Wenn Duncan also ein Power Forward ist, dann sicher auch Robinson und Olajuwon, die ihm spielerisch so ähnlich sind.

    Was Pau Gasol betrifft, ist es eine Frage der Rolle, die er ausfüllt. Als er in die NBA kam, war er ein klarer Power Forward, ja sogar eher ein Small Forward als ein Center. Allerdings ist er im Laufe der Jahre immer mehr zum Lowpost-Spieler mutiert. Entscheidend ist letztenendes, welche Qualitäten ihn spielerisch auszeichnen und in welcher Rolle er die meiste Zeit verbringt. Deshalb ist Gasol, der primär im Lowpost zu finden ist, inzwischen ein Center, genau wie sein Bruder Marc.


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