Detroit Pistons, Gedanken

Pistons akquirieren José Calderon

Mit Tayshaun Prince verlässt nun auch das letzte und vermutlich unterbewerteste Mitglied des hochgelobten 2004 Titelteams aus Detroit die Franchise. Prince, einst an 24. Stelle von Joe Dumars im 2002 NBA Draft ausgewählt, spielte in seiner kompletten Karriere für das Team aus Michigan. Immer wieder war Prince in den vergangenen Jahren Teil der Tradegrüchte in der Liga, nun wechselt der mittlerweile 32-jährige zusammen mit dem ehemaligen Erstrundenpick Austin Daye zu den Memphis Grizzlies, während im Gegenzug der spanische Point Guard Jose Calderon die Mannschaft in der Autostadt verstärken soll.

Ein Schritt in die richtige Richtung?

Welche Absichten hegte Dumars mit diesem Deal? Hierbei muss man sich als Erstes die aktuelle Kaderstruktur der Pistons ansehen. Tayshaun Prince war über viele Jahre eine wichtige Stütze auf den Flügelpositionen, spielte unauffällig, aber effektiv seine Rolle:

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Flügelspieler auf dieser Position (SG/SF) sind im Kader jedoch in einer Überzahl vorhanden. So spielt Rookie Kyle Singler eine überraschend gute Saison; mit Kim English und Khris Middleton stehen zwei weitere Talente im Hintergrund bereit. Selbst Veteran Corey Maggette kann diese Position ausfüllen und auch Jonas Jerebko sah teilweise dort Minuten. Die Tiefe auf dieser Position ist so enorm, dass sich Jerebko vor kurzer Zeit sogar über zu wenig Spielzeit beklagte. Den genannten Spielern, natürlich mit der Ausnahme von Maggette, soll die Zukunft gehören bzw. genug Möglichkeiten geboten werden, um sich zu entwickeln. Das Team befindet sich in einer Phase des „rebuilds“, wo Trainer und General Manager entscheiden müssen, welche Spieler zum späteren Kern einer neuen Mannschaft gehören könnten und Tayshaun Prince zählte anscheinend nicht dazu. Die aktuellen, leichten Leistungsabfälle des Spielers dürfen hierbei allerdings auch nicht komplett aus den Augen verloren werden. In seiner Blütezeit noch einer der prominentesten Tayshaun_PrinceFlügelverteidiger der Liga (seine Leistungen in den 2004 Finals gegen Kobe Bryant und die Los Angeles Lakers, sowie sein unglaublicher Block gegen Reggie Miller in den Eastern Conference Finals sollten unvergessen sein) musste der Amerikaner in diese Rubrik in den vergangenen Jahren Abstriche verzeichnen. Niemals wurde er als Scorer bekannt, doch trotzdem erzielt Prince in der aktuellen Saison die wenigsten Punkte im Schnitt seit seiner Sophomore Saison. Einst einer der verletzungsunanfälligsten Spieler der Liga, konnte der 32-jährige seit 2009 keine verletzungsfreie Saison mehr verzeichnen. Hinzu kommt, dass Princes designierte Fähigkeiten als „Leader“ in Frage gestellt werden können, nachdem es 2011 zu mehreren Zwischenfällen mit dem damaligen Coach John Kuester kam, die darin gipfelte, dass Prince und einige weitere Akteure den Dienst verweigerten.

Die finanzielle Situation

Des Weiteren muss man sich die aktuellen Vertragsgegebenheiten der beteiligten Spieler vor Augen halten. Prince, welcher im Dezember 2011 einen Vertrag über $28 Millionen über vier Jahre unterschrieben hatte, wäre noch bis 2015 an die Franchise gebunden gewesen. Austin Daye sollte hierbei mit seinem auslaufenden Vertrag (und seinen gezeigten Leistungen) außer Acht gelassen werden, da man sich von ihm im Sommer problemlos hätte trennen können. Jose Calderon befindet sich am Ende seines 2008 unterschriebenen Vertrages, der ihm im aktuellen Jahr noch ungefähr $11 Millionen garantieren wird. Detroits Gehaltsliste wird sich damit im kommenden Sommer auf rund $35 Millionen belaufen, wobei beachtet werden muss, dass nur 50% von Rodney Stuckeys Vertrag garantiert sind und das Team immer noch die Option der berüchtigten „amnesty clause“ hält, womit man den Vertrag von Charlie Villanueva von den Büchern streichen und bis zu $40 Millionen Cap Space generieren könnte:

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Finanzieller oder sportlicher Trade?

Doch dieser ganze Trade sollte keinesfalls als reiner „salary dump“ eines alternden Spielers mit langfristigem Vertrag gewertet werden. Ein Spieler von Calderons Format bringt gewisse spielerische Qualitäten mit, die der Mannschaft aktuell helfen können. Lange Zeit hatte Detroit keinen klassischen Spielmacher im Kader und die Breite an qualitativen Schützen vom Perimeter fehlte. Der Spanier bringt Beides mit, so verzeichnet er in der aktuellen Saison 7,4 apg, in der vorherigen Saison waren es bei mehr Spielzeit sogar bis zu 9 apg. Calderon ist Mitglied des prominenten „50-40-90“ Clubs, konnte also bereits in einer Saison 50% seiner Würfe aus dem Feld, 40% von der Dreierlinie und 90% von der Freiwurflinie erzielen. Auch momentan hält sich der Spielmacher mit einer FG% von 47% und einer 3-FG% von 43% in einem mehr als respektablen Bereich. Seine Akquisition wird es Brandon Knight, aber auch Rodney Stucker erlauben, Zeit auf der Position des Shooting Guards zu verbringen, die athletischen Big Men Andre Drummond und Jason Maxiell können von einem Zusammenspiel mit Calderon nur profitieren. Greg Monroe bekommt endlich einen passenden Mitspieler, der das „pick&roll“ laufen kann. Der auslaufende Vertrag bietet, wie bereits vorher schon erwähnt, finanziellen Spielraum im Sommer, aber auch die Möglichkeit, den Spanier zu einem günstigen Vertrag zu halten, sollte man mit seinen Leistungen zufrieden sein. Weiterhin bleibt außerdem die Möglichkeit eines Trades zur „trading-deadline“ bestehen, da unter anderem die Teams aus Boston oder Dallas Interesse am 31-Jährigen gezeigt haben. Finanzielle, aber auch sportliche Flexibilität ist also sowohl in den kommenden zwei Wochen, als auch in der anstehenden Offseason garantiert.

War der Trade die richtige Entscheidung?

Es ist immer schwierig, sich von einer langjährigen Stütze und einem Spieler zu trennen, der sich über viele Jahre für die Francise verdient gemacht hat, doch für das Team, welches sich nun seit dem Abgang von Chauncey Billups 2008 in einer „rebuilding“ Phase befindet, ist die Trennung von ihrem langjährigen Small Forward, betrachtet man die genannten Faktoren, die absolut richtige Entscheidung und auch Prince bekommt die Möglichkeit, sich noch einmal bei einem semi-Titelanwärter als wichtige Hilfe zu beweisen.

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