Draft

NBA Draft Resümee 2011

Liebe Leser,

die Redaktion von Go-to-Guys möchte mit diesem Artikel  die Draftclass von 2011 insoweit abschließen, als dass wir mit diesem Resümee die Draft im Allgemeinen abhandeln wollen. Nicht auszuschließen sind weitere punktuelle Artikel oder Gedanken zu einzelnen Rookies oder Teams.

Letztlich soll dieser Artikel eine Auseinandersetzung mit unserem Powerranking darstellen, anhand dessen im letzten Teil die Teams hervorgehoben werden, die aus unserer Sicht besonders clever agiert haben. Zunächst wollen wir aber erklären, welche Spieler zu früh oder zu spät gedraftet wurden.

Wenn man sich das Draft Powerranking von Go-to-Guys ansieht, finden sich dort drei Kategorien, in denen Rookies gelistet wurden. Der letzte Spieler, der in unserem Powerranking auftauchte und ausgewählt wurde, war Josh Selby an Position 49. An Position 35 ging mit Tyler Honeycutt der 25. von 26 von uns prognostizierten NBA-Talenten über die Drafttheke. Beide Spieler stellen damit so genannte Steals dar. Sie wurden – aus unserer Sicht – zu spät gedraftet, da wir ihnen mehr Talent oder Potential zuschreiben als denjenigen Spielern, die vor ihnen gezogen wurden, aber entweder gar nicht oder hinter ihnen in unserem Ranking auftauchten.
Das Gegenteil von einem Steal ist ein Reach. Hier wurde ein Spieler viel zu früh ausgewählt, obwohl – wiederum aus unserer Einschätzung – bessere Spieler noch verfügbar waren. Dies gilt aber beispielsweise nicht beim Draftpick der Minnesota Timberwolves, die Derrick Williams an #2 wählten (wir hatten Williams #3 zugeordnet). Williams war in derselben Kategorie wie Enes Kanter und der beste Small Forward, der verfügbar war, sodass hier kein Reach vorlag. Ebenso trifft dies auf Tristan Thompson zu. Viele Draftseiten hatten Jonas Valanciunas als bestmöglichen Pick vorausgesagt (auch bei uns ist Valanciunas vor Thompson gesetzt worden), allerdings ist Thompson in derselben Kategorie wie Valanciunas zu finden und der beste verfügbare Power Forward. Reaches gab es dennoch in dieser Draft.

Reaches

Der erste Reach dieses Drafts ist wohl Jimmer Fredette. Nachdem die Allstar-Kategorie leer gedraftet wurde (Irving, Williams und Kanter wurden an #1-#3 gewählt), wurden aus der Starter-Klasse die ersten neun Spieler ebenfalls ausgewählt, bis an #10 die Sacramento Kings ihren Rookie draften sollten. Über das Tradeverhalten der Kings hatte Fabian Thewes ja bereits zeitnah  genug ausgeführt. Dementsprechend ist die Erwähnung von Jimmer Fredette auch nicht ungewöhnlich. Sicherlich erhält man an #10 den besten verfügbaren Point Guard, wenn man Josh Selby aufgrund seiner red flags (schlechte NCAA-Saison und Unreife ) unbeachtet lässt, aber wenn man unbedingt einen Point Guard draften wollen würde, hätte man an #7 außer Irving die volle Auswahl gehabt. Brandon Knight und Kemba Walker werden wahrscheinliche bessere Karrieren absolvieren als Fredette. Zudem sollte nach Walker an #9 lange, lange Zeit kein Point Guard mehr gedraftet werden, weil  für alle anderen Positionen (Center außen vor gelassen) Spieler zur Verfügung standen, die einen größeren Impact vorweisen können. Zumal Sacramento mit Evans und Cousins gerade mal zwei Bausteine hat und diese notfalls flexibel in ihren Positionen auf dem Feld sind. Evans kann notfalls die Eins bekleiden, weil er den Ball dominieren muss, um effektiv zu sein, Cousins ist auf Power Forward oder Center einsetzbar. Wenn man sich also gegen Donatas Motiejunas entscheidet, wären trotzdem noch zehn weitere Spieler in unserem Powerranking, die vor Jimmer Fredette platziert waren.

Der zweite Reach ist bereits einen Platz hinter Fredette zu finden. Die Golden State Warriors wählten Klay Thompson aus, der ein guter Shooter und dadurch auch ein akzeptabler Rollenspieler wird (unter anderem wird er im weiterhin schnellen Warriors-Spiel schöne Stats auflegen), aber die Warriors haben andere Probleme im Kader und Thompson war an #11 auch nicht der Best Player Available. Thompson müsste als Spot-Up-Shooter agieren, der für das Spacing für Monta Ellis sorgt, wenn dieser nicht getradet wird. Fraglich ist dabei, wieso man nicht einen Komplement-Spieler zu Dorrell Wright in Kawhi Leonard gezogen hat oder auf die Dienste von Jordan Hamilton verzichtete. Marshon Brooks ist der wahrscheinlich bessere NBA-Scorer. Selbst Alec Burks war an #11 noch zu haben.  Die Frage, welches Potential man nun in Klay Thompson sieht, was die anderen Spieler nicht für die Warriors bieten konnten, ist schwer zu beantworten.

Nikola Vucevic ist der höchstgedraftete Spieler der Draftclass, der überhaupt nicht in unserem Ranking auftaucht. Man  könnte hier an #16 von einem Reach reden, aber das ist hier nicht der Fall, weil Vucevic ein legitimer Center ist und wir keinen weiteren Center in unserem Rookieranking hatten. An #16 ist es völlig normal, dass man nach Teamneed draftet – und die Sixers brauchten unbedingt einen Center.

Reach Nummer drei dürfte Iman Shumpert sein, der es bei uns nicht ins Ranking geschafft hat, aber von den New York Knicks an #17 gezogen wurde. Er soll deshalb von den Knickerbockers ausgewählt worden sein, weil er angeblich Derrick Rose, Dwyane Wade oder Lebron James verteidigen soll, auf die man in den Playoffs treffen kann. Wenn es aber um die defensive Präsenz gegangen wäre, hätten die Knicks Chris Singleton draften sollen. Singleton kann auch auf dem NBA-Level von der Position 1-4 alles verteidigen – wie Shawn Marion in seinen Phoenix Suns-Tagen. Shumpert hat natürlich die physischen Voraussetzungen, um ein guter Verteidiger in der NBA zu werden, dennoch haben die Knicks hier mal wieder einen Spieler zu hoch gewählt. Wie Shumpert zudem in die Offense der Knicks passen soll, da er am College den Ball dominierte, schlechte Würfe nahm und diese nicht traf, bleibt ein weiteres Fragezeichen. Chris Singletons Dreierwerte sind jedenfalls vielversprechender (er traf 36% bei 3,6 Versuchen pro Spiel; Shumpert 27,8% bei 4,9 Versuchen), auch dürfte Landry Fields off-the-ball-Spiel viel besser zu Anthony und Stoudemire passen.

Neben diesen drei größeren Diskrepanzen zwischen der Drafttaktik der NBA-Teams und unserem Powerranking gab es noch kleinere Abweichungen. Fraglich waren beispielsweise die beiden Picks der Morris-Twins, obwohl mit Hamilton, Leonard  und Faried Spieler auf den angedachten Positionen der Twins zur Verfügung standen, die höher eingeschätzt wurden. Marcus Morris wird in Houston aufgrund des überladenen Kaders auf den Positionen des Power Forwards und Centers wohl als Small Forward eingeplant. Hier wären Hamilton und Leonard mit ziemlicher Sicherheit die bessere Wahl gewesen, weil dies ihre angestammte Position ist, bzw. Hamilton ein Wing ist, der auf beiden Positionen funktioniert. Bei Marcus Morris ist unklar, ob er wirklich auf der Drei spielen kann.
Phoenix hat mit Markieff Morris den wohl untalentierteren der beiden Zwillinge gepickt, der aber ein klarer Power Forward ist. Die Suns haben ja bereits Erfahrung mit Brüdern. Sowohl Taylor Griffin als auch Robin Lopez landeten im Kader des Teams aus Arizona. Beide Brüder erwiesen sich bisher als die schwächeren im Vergleich zu Brook Lopez und Blake Griffin. Einen größeren Einfluss als Marcus wird Markieff Morris schätzungsweise auch nicht haben.

Ebenso könnte man bei Nolan Smith hinterfragen, ob die Blazers hier nicht viel zu früh den Comboguard von der Duke University auswählten. Vor dem Hintergrund, dass man sich mit Raymond Felton auf der 1 verjüngte, Armon Johnson hoffentlich wieder fit zu den Blazers stößt und man auf der Zwei mit Wesley Matthews und Brandon Roy eigentlich eine volle Rotation hat, darf schon hinterfragt werden, warum die Blazers hier keinen Big Man gewählt haben. Kenneth Faried wäre genau der Typ Arbeiter gewesen, den man neben LaMarcus Aldridge gebrauchen könnte, wenn man small ball spielt. In der Big Men Rotation fehlt selbst mit einem weiterverpflichteten Greg Oden ein Mann. Faried wäre hier der wichtigere Pick gewesen. (ds)

Steals

Als ersten Steal der Draft kann man wohl Power Forward Kenneth Faried anführen. Wie unser Ranking zeigt, prophezeien wir dem Bigman eine Karriere als wertvoller Rollenspieler, da er dieses von uns erstellte Tier anführt. Wie schon in unserem Spielerprofil beschrieben machen der gute Charakter, das Feuer, mit dem Faried auf dem Spielfeld agiert, und vor allem auch sein außergewöhnlich gutes Reboundverhalten ihn zu einem Spieler, der als “sure thing” zu sehen ist. Hinzu kam nach den Vermessungen vor der Draft noch die Gewissheit für die Teams, dass Faried mit einer Wingspan von 213cm und einem Standing Reach von knapp 274cm „größer” spielen kann als er eigentlich ist. Dies sollte ihn schon in seiner Rookiesaison zu einem Spieler mit sofortigem Impact à la Dejuan Blair machen. Diese Art von Ergänzung hätten eventuell schon die Warriors an #11 gebrauchen können, aber ganz sicher hätten ihn wohl entweder die Sixers an #16 oder die Knicks an Position #17 draften sollen. Wie Faried bis zu den Nuggets mit dem 22ten Pick in der ersten Runde rutschen konnte, ist unverständlich.

Jordan Hamilton könnte sich als nächster Steal in dieser Draft mausern. Bis zu Position #26 musste sich der Flügel gedulden, um endlich ein Team zu finden, das ihn auswählte. Wir sehen Hamilton als potentiell besten Rollenspieler in dieser Draft. Somit war es ein echter Glücksfall, dass der Ex- Longhorns-Spieler so spät in der ersten Runde noch zu haben war. Dass die Mavericks nur mit diesem Pick den gestandenen Spieler Rudy Fernandez ertraden konnten, unterstreicht diese Beobachtung. Hamilton ist ein Lotterytalent mit NBA-Körper, welches nur durch den aufgeschraubten “D-League Kopf” behindert wird. Trotzdem war er Topscorer eines Topteams aus einer der College Power Conferences. Dass sich solche Talente mit fragwürdiger Wurfauswahl und Einstellung dennoch durchsetzen können, konnte ein anderer Mavericks-Pick in den hohen Zwanzigern der ersten Draftrunde beweisen. 2003 holte Dallas mit dem 29ten Pick Josh Howard in das Team. Entwickelt sich Hamilton ähnlich, werden sich die Teams noch ärgern, die unter anderem Alec Burks, Klay Thompson oder Tobias Harris vor ihm gezogen haben.

Auch der an #35 gepickte Tyler Honeycutt kann als Steal eingestuft werden, sagen wir dem Forward doch eine Karriere als solider Rollenspieler voraus. Kann man diese in der zweiten Runde der Draft noch holen, ist dies ein Glücksfall. Auch Basketball Analyst Greg Anthony scheint große Stücke auf den Flügelspieler zu halten, der durch seine grundsolide Spielweise sofort die Rotation der Kings knacken sollte. Das System von UCLA-Coach Ben Howland scheint Spieler besonders gut auf die Profiliga NBA vorzubereiten. Beispiele wie Jrue Holiday, Russell Westbrook, Darren Collison oder Arron Afflalo können hierfür angeführt werden. Alle diese Spieler liefen in der Vergangenheit für die UCLA Bruins auf und konnten mit ihren Zahlen am College nicht restlos überzeugen. Die entscheidende Entwicklung ihres Spiels durchlebten alle erst, nachdem sie gedraftet wurden. Sollte Honeycutt ein ähnlicher Sprung gelingen, werden sich die Heat (#31 Bojan Bogdanovic), Bulls (#30 Jimmy Butler) und Pistons (#33 Kyle Singler) noch fragen, warum sie den jungen Flügelspieler aus Kalifornien haben durchrutschen lassen.

Abschließend ist wohl der größte potentielle Steal der Draft anzuführen. Ex-Jayhawk Josh Selby musste sich bis zum Ende der Zweiten Runde gedulden, ehe es Gewissheit über sein neues Team gab. Die Grizzlies wählten ihn an der Position #49 aus. Erschreckend, wenn man bedenkt dass wir Selby als ziemlich sicheren Rollenspieler sehen und vom Upside her beispielsweise über den Morris Twins (gedraftet an #13 und #14) einordnen. Sicher spielte der junge Guard alles andere als eine überzeugende Collegesaison. Allerdings hatte dies auch seine Gründe. Zum einen wäre, der aus ärmlichen Verhältnissen stammende, Selby wohl am liebsten sofort in die NBA gewechselt, um die finanziellen Probleme seiner Familie zu lösen. Die letzte Motivation für die Saison mit den Jayhawks fehlte also. Außerdem musste sich Selby mit Sperren, Verletzungen und mit einem Kampf um Minuten in einem Veteranteam auseinandersetzen, welches eigentlich wenig Platz für den Freshman hatte. Dass er dieser Situation nicht gewachsen war, spricht natürlich nicht unbedingt für ihn. Dennoch ändert es nichts daran, dass der Guard als High Schooler ein 5-Sterne-Recruit war und vor der Collegekarriere von bekannten Basketballseiten teilweise sogar vor Konkurrenten wie Kyrie Irving, Harrison Barnes oder aber Jared Sullinger gehandelt wurde. Selby ist eine Wundertüte, könnte aber für Memphis zu einem wunderbaren „Low risk – High reward“-Pick werden. Sollte es so kommen, wird man sich noch fragen, warum Spieler wie Davis Bertans (#42), Charles Jenkins (#44) oder Andrew Goudelock (#46) vor ihm verpflichtet wurden. (tb)

Die Draftsieger

Nachfolgend die Teams, die sich – nach unserer Einschätzung – allesamt gut in der Draftnacht anstellten und ihre Teams verbesserten.

Utah Jazz

Es herrscht wieder Hoffnung im Mormonenstaat. Nach den Abgängen von Coaching-Legende Jerry Sloan und Franchise-Player Deron Williams soll ein neues Duo den Jazz helfen, frohen Mutes in die Zukunft schauen zu können: Enes Kanter (3. Pick) und Alec Burks (12. Pick). Kanter wird Paul Millsap, Al Jefferson, Derrick Favors und dem bald wieder genesenen Mehmet Okur als fünter Big Man in der Rotation unterstützen. Dabei sticht vor allem heraus, dass Favors und der dritte Pick der Draft ein junges, dynamisches Duo bilden, welches der Kern für eine erfolgreiche Zukunft sein soll. Wie die Rolle aller fünf Akteure nächstes Jahr aussehen wird, kann momentan noch niemand genau sagen, dennoch könnten sowohl Millsap, als auch Jefferson oder Okur für wertvolle Spieler auf anderen Positionen getradet werden.

Der Top-Athlet Favors deutete in seiner Rookie-Saison nur teilweise an, was in ihm steckt (6.8 PPG und 5.3 RPG), mit mehr Spielzeit und Kanter als Frontcourt-Partner sollte sich seine Situation jedoch deutlich verbessern. Gerade die Verbindung zwischen diesen beiden sehr talentierten Spielern lässt den Pick als plausibel erscheinen, da die Fähigkeiten zueinander passen und aufeinander abgestimmt zu sein scheinen. Während Favors mehr zum Korb zieht, noch sehr roh in seinen Bewegungen ist und defensive Aufgaben übernimmt, hat Kanter ein beeindruckendes Skill-Set vorzuweisen, was ihn im Post, aber auch aus dem Mid-Range als Gefahr darstellt. Mit diesem Schachzug haben sich die Jazz in eine sehr komfortable Situation gebracht, wobei sie, selbst wenn sie keine weiteren Transaktionen tätigen, einen beeindruckenden Frontcourt vorzuweisen haben.

Die Verpflichtung von Shooting Guard Alec Burks sollte man jedoch etwas kritischer sehen. Es wurde sicherlich nach Teamneed gedraftet und somit war Burks der „Best player available“, doch dabei kommt die Frage auf, inwiefern der 19-Jährige zu Devin Harris passt. Nachdem eben kein Point Guard gewählt wurde, sollte Harris seinen Job als Starter der Jazz behalten, und wie bekannt ist, lebt er vom Drive zum Zylinder. Sein Wurf ist ebenso wacklig wie der von Burks. Keiner der beiden wird jemals ein großartiger Shooter werden, allerdings verstehen sie es, sich durchzusetzen und auch als eher schmächtige Guards bis tief in die Zone vorzustoßen. In einer Aufstellung mit Harris und Burks im Backcourt existiert so gut wie kein Spacing. Einzig und allein C.J. Miles kann als Small Forward noch für die nötige Ablenkung von Downtown sorgen. Kirilenko ist dazu nicht in der Lage und eventuell in der nächsten Saison nicht mehr im Kader und trotz sehr guter Wurfquoten muss Gordon Hayward (47.3 3P%) erst noch beweisen, dass er diese auch konstant bringen kann. Wenn es der ehemalige Butler Bulldog schafft, sein Spiel auf das nächste Level zu hieven, kann er den Jazz damit zu einem Quantensprung verhelfen. Davon würden auch und vor allem die beiden Guards Harris und Burks profitieren.

Charlotte Bobcats

Zwei Gewinnertypen, ein Team. Es scheint, als ob Michael Jordan endlich mal etwas getan hat, um wirklich zu gewinnen, denn der sechsmalige NBA-Champion hat College-Champion Kemba Walker mit dem neunten Pick verpflichtet. Als weitere Verstärkung wählten die Bobcats Bismack Biyombo bereits an siebter Stelle. Doch für eine rein positive Argumentation reichen diese beiden Akquisitionen auch nicht aus.

Doch zuerst ein Blick auf die Aussichten für den Point Guard und seinen neuen Teamkollegen aus dem Kongo. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der ehemalige Connecticut Huskie viele Freiheiten bekommen wird. Obwohl mit D.J. Augustin der vermeintlich beste Akteur auf seiner Position spielt, wäre es höchst verwirrend, wenn Walker keinen Freiraum für Selbstverwirklichung erhalten würde. Eine Situation, die dieser spielerisch und entwicklungstechnisch (fast) jeder anderen vorziehen sollte. Außerdem spielt der 21-Jährige von nun an in einem eher unterdurchschnittlich besetztem Team. Mit Stephen Jackson (Go-to-Guys berichtete) und Gerald Wallace (wir analysierten ebenfalls) wurden in der vergangenen Zeit die besten Spieler abgegeben, dementsprechend sieht auch das neue Bild des Kaders aus. In der Saison 2010/11 punktete genau ein Spieler aus dem jetzigen Team mehr als 11.3 Punkte pro Spiel (D.J. Augustin mit 14.4 PPG). Eine Situation wie geschaffen für den „Superscorer“ Kemba Walker. Doch es lastet eine enorme Verantwortung auf ihm, denn wenn dieser Versuch, Erfolg zu haben, scheitert, sieht es zappenduster aus in North Carolina. Der gebürtige New Yorker kann praktisch nur verlieren, es gilt aber gut dabei auszusehen. Gelingt ihm das, so wird seine Zukunft um einiges angenehmer sein.
Theoretisch lassen sich die Umstände sehr leicht mit seinem letzten College-Jahr assoziieren. Eine Mannschaft mit wenig Talent und Kemba als Lichtgestalt. Nur wird diese Transformation in die NBA nicht ohne Weiteres von statten gehen. Als Held von der Uni gekommen, wird er eine Menge lernen müssen, dennoch kann Walker nicht nur aufgrund seiner Kämpfer-Natur zu einem legitimen Starter (in Charlotte) werden, sondern auch seine spielerischen Attribute können ihm dazu verhelfen.

Wenn man sich den bereits vorhandenen Frontcourt der Bobcats anschaut, ist zu erkennen, dass mit Tyrus Thomas, D.J. White und Dante Cunningham bereits drei junge, aber noch sehr unerfahrene Forwards im eigenen Kader stehen. Die Draft brachte nun zusätzlich den Rohdiamanten Bismack Biyombo, der noch deutlich weniger Erfahrung hat als seine drei Teamkameraden. Trotz alledem sollte er eine Menge Spielzeit abgreifen können. Dass White und Cunningham keine Entwicklung zum Starter nehmen werden, ist bekannt und neben Thomas sollte genug Spielzeit für ihn abfallen. Außerdem kann Biyombo als Center spielen, wobei er, gerade zu Beginn, defensiv seine Vorteile ausspielen kann. Sein Standing Reach von über 9’3” ist selbst für einen Center überdurchschnittlich.

Washington Wizards

Es lässt sich sicherlich streiten, wer die beste Draftnacht in diesem Jahr hatte. Fest steht aber, dass die Wizards ganz vorne mit dabei waren. Sie wählten zwei Forwards aus, welche nicht unbedingt die typischen Scoring-Maschinen sind, dennoch aber eine Verstärkung für das Team darstellen werden.

Mit dem Tschechen Jan Vesely bekommen die Zauberer einen 2.11 Meter großen Forward, der den Court rauf und runter rennt und dessen Stärke es ist, über alles und jeden zu dunken. Diese Beschreibung wird speziell John Wall (Foto) gefallen, denn der wird im nächsten Jahr Fastbreaks mit Javale McGee auf der einen Seite und Jan Vesely auf der anderen Seite laufen. Aber natürlich beschränkt sich Vesely nicht nur darauf. Er überzeugt mit einer überaus hohen Energie und einer überzeugenden Feldwurfquote. Eine logische Konsequenz ist es da nur, dass viele gezogene Freiwürfe auf sein Konto gehen, die Vesely bisher aber kläglich vergibt. Durch seine Größe ist es ihm möglich, kleinere Kontrahenten im Post-Up zu schlagen, jedoch sollte er sein Post-Game noch verbessern. Der Schuss gehört zwar nicht zu den absoluten Stärken Veselys, frei stehen lassen sollte man ihn dennoch nicht. Um endgültig zu einem vielseitigen Spieler zu werden, muss der 21-Jährige an seinem Ballhandling und seinen Freiwürfen arbeiten und versuchen auch defensiv ein Faktor zu sein. Dies wird ihm zwar aufgrund seiner Größe und seines Einsatzes nur teilweise gelingen, in der NBA wird er jedoch des Öfteren auf sehr starke und physisch kräftige Gegenspieler treffen.

Genau das wird den Wizards mit Chris Singleton nicht passieren. Der ehemalige Florida State Seminole ist ein Defensiv-Spezialist, der bis zu vier Positionen verteidigen kann. Er ist mit großer Sicherheit als NBA-ready einzustufen, wobei man nur einen Blick auf seine Statur werfen muss. Somit bildet der 21-Jährige einen Gegenpart zu Vesely, was den Kader variantenreicher macht. In der Offense kann Singleton zwar den freien Wurf treffen, sollte dies aber nicht forcieren. Im Post-Up beschränkte er sich zumeist darauf, seine Gegener zu „überpowern“, dies wird in der NBA aber nur sehr selten der Fall sein. Auch das Ballhandling ist ein Risiko, da seine Turnover-Rate extrem hoch war (in 14.2 Prozent seiner Possesions). Jedoch kann der Forward – genau wie Vesely – den Fastbreak laufen und hochprozentig abschließen, somit wird John Wall auch hier eine Anspielstation mehr haben.

Die Wizards erhalten den besten Verteidiger der Draft und einen sehr talentierten Forward, der den oft trägen und unmotivierten Wizards ordentlich Energie bringen wird. Der Kader beinhaltet nun viele junge, interessante Akteure, genug Scoring-Power und Länge im Frontcourt. Aspekte, auf die man aufbauen kann. Die Hauptstädter sollten zufrieden sein und können mit einem positiven Gefühl in den Sommer gehen.(jb)

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2 comments

  1. Sebastian Hagner

    Eine Anmerkung zu Fredette:
    Er wurde wohl zumindest zum Teil auch wegen seiner Attraktivität hinsichtlich des Marketings gedraftet. Das kommt z. B. in folgendem Artikel heraus: http://www.sacbee.com/2011/06/26/3727942/ailene-voisin-jimmermania-to-test.html
    Und es scheint auch geklappt zu haben: http://www.insidehoops.com/blog/?p=7898 (da steht natürlich nicht drin, inwieweit das mit Fredette zu erklären ist, aber ein Zusammenhang dürfte mit Sicherheit bestehen). Je länger der Lockout dauert, desto mehr wird dieser Effekt freilich verpuffen …

  2. Arne Cas

    Interessant so einen Artikel nach all den Jahren nochmals zu lesen. Man sieht, dass eine Bewertung direkt nach dem Draft eigetlich nur Kaffeesatzleserei ist 😀

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