Gedanken, Los Angeles Lakers

Zur Strafe in die Playoffs?

Warum die Lakers in der Lottery landen sollten

Die abermalige Verletzung Kobe Bryants versetzte die Fans, die Mitspieler, das Front Office, eigentlich die ganze Liga in Schockstarre. Nachdem diese überwunden wurde, war die einzige Frage, die gestellt wurde, ob man nun die Saison abschenken solle. Wäre das tatsächlich die beste Lösung?

Tanking?  No! Winning? No!

„Die Lakers sollen jetzt tanken, Pau Gasol traden, nur noch verlieren!“ ist eine der verbreitetsten Thesen, die nun durch die Fancommunites geistern, wenn es um die unmittelbare Zukunft der Los Angeles Lakers geht. Dabei werden die Lakers nicht tanken, genau so wenig wie alle anderen Franchises in der NBA dies auch nicht tun. Tanking würde bedeuten, dass man absichtlich verlieren würde, obwohl man die Spiele eigentlich gewinnen könnte. Bei der derzeitigen Personalsituation der Los Angeles Lakers (Bryant, Nash, Blake, Farmar verletzt, Gasol angeschlagen) kann man also keinesfalls von absichtlichem Verlieren reden. Die Lakers haben keinen Aufbau und dieses Problem sogar adressiert: man verpflichtete Kendall Marshall, um überhaupt einen spielbereiten Point Guard im Kader zu haben.

Was für die Lakers gilt, trifft auf die anderen Franchises ebenfalls zu: kein Spieler, kein Team betritt das Parkett in dem festen Vorsatz, das nun stattfindende Spiel zu verlieren. NBA ist Competition und hierbei macht kein Team eine Ausnahme. Also auch wenn die Lakers nun die nächsten zehn Spiele verlieren sollten, dann haben sie nicht getankt. Sie haben lediglich nicht genügend Talent, um diese Spiele für sich zu entscheiden.

lakersschriftzug

Was die Lakers jedoch nicht machen sollten, ist, nun gewaltsam für überbezahlte Veteranen zu traden, um sich trotz aller Widrigkeiten in die Playoffs zu hieven. Das könnte zum einen dazu führen, dass man seine Flexibilität aufgibt, indem man Pau Gasol und weitere auslaufende Rollenspieler tradet, um langjährige Verträge aufzunehmen. Schlimmstenfalls würden die Lakers noch eigene Picks involvieren, nur um in dieser Saison einige Spiele mehr zu gewinnen. Die Lakers befinden sich momentan in der Situation, dass man bis auf Kobe Bryants neue Extension und Steve Nash keine Verbindlichkeiten für die nächste Saison auf dem Salary Cap hat. Diese Flexibilität sollte eine Franchise im Umbruch nicht gefährden. Warum nicht? Weil die Lakers sich in einer besonderen Situation befinden.

Talentlevel

Wie ein Damoklesschwert schwebt die gleichzeitige Vertragsverlängerung und erneute Verletzung Kobe Bryants über der Franchise. Dadurch, dass niemand weiß, zu welchen Leistungen die Black Mamba noch im Stande ist, weiß das Front Office auch nicht, in welche Richtung die Franchise steuert. Bryant sah in den ersten Spielen sehr rostig aus und war kein NBA-Spieler (ORtg von 85), was aufgrund der Länge des Ausfalls aber auch nicht verwunderlich war. Dennoch ist die Franchise quasi handlungsunfähig, weil nicht abzusehen ist, ob Bryant wieder eine erste oder zweite Scoringoption sein kann. Deshalb ist die Evaluation Bryants momentan die mit Abstand wichtigste Aufgabe der Franchise. Gleichzeitig ist es deshalb auch nicht unbedingt notwendig, Pau Gasol zu traden. Der Vertrag des Big Man läuft aus und durch die bisher durchwachsenen Leistungen sollte Gasol auch kein großartiges Asset sein, um vielleicht Picks oder gute Talente zurückzubekommen.

Draftpicks

Soweit nichts Neues. Einzigartig wird die Situation aber, wenn man sich die nächsten Jahre ansieht. Die Lakers haben mit diesem Core keine Chance auf einen tiefen Playoff-Run, es muss also irgendwoher ein Spieler kommen, der bestenfalls Kobe Bryant in zwei Jahren als Franchise Player ablösen kann und dann das Gesicht der Los Angeles Lakers wird.  Eine Möglichkeit hält die Franchise sich offen, weil man Capspace in der Offseason hätte: einen Star über die Free Agency akquirieren. Dies wird – auch wieder wegen Bryants Gesundheitszustand – weitgehend ausgeschlossen. Bliebe noch eine andere Variante:  Talent über die Draft ins Team holen. Dabei sieht die Zukunft der Lakers aus Pick-Sicht nicht gerade verlockend aus:

  • der Zweitrundenpick 2014 geht über Umwege nach Milwaukee,
  • 2015 hat man gar keine Picks (Firstrounder nach Phoenix, Secondrounder nach Orlando),
  • 2017 geht der Erstrundenpick auch nach Orlando.

Heißt im Klartext: Wenn die Lakers ein junges, viel versprechendes Talent in ihr Team holen wollen, dann haben sie in den nächsten zwei Jahren genau einen Versuch – in diesem Jahr in der ersten Runde picken. Weitere Chancen über die Draft wird es sonst nicht geben. Dazu kommt noch die sensationelle Draftclass in diesem Jahr.

Draftposition

Dazu haben die Lakers eine Eigenschaft, die nur die Hälfte aller Franchises in der NBA teilen: Sie gehören der Western Conference an. Wie Fabian Thewes in seinem Artikel eindrucksvoll herausstellte, ist dies ein ziemlich großer Nachteil für die mediocren Teams im Westen, weil auch die Lakers mit ihrer momentanen Bilanz im Osten in den Playoffs stehen würden, im Westen bedeutet dieselbe Siegbilanz nur Platz 10. Was für ambitionierte Teams eine ziemliche Hürde darstellt, kann für Lotteryteams ziemlich günstig sein. Schauen wir uns die Verteilung an, wenn die Lakers die Playoffs verpassen würden, was momentan der Fall ist:

lakerslottery

Die Lakers hätten momentan (ohne Lotterie) den 12. oder 13. Pick, da sie dieselbe Bilanz wie die Timberwolves vorweisen können.  Außerdem hätten die Lakers an Position 13 minimalste Chancen auf einen Top 3-Pick (jeweils knapp unter 1% pro Pick). Bei normalem Saisonverlauf könnte sich der Pick auch noch verbessern, weil die Timberwolves und Grizzlies eigentlich mehr Qualität im Kader haben sollten. Ein Lottery-Talent wäre den Lakers sicher. Wenn man überlegt, dass der letzte Lottery-Pick, den die Lakers in den Top 10 hatten, Andrew Bynum wurde, schienen auch die Draft-Scouts einen gut Job gemacht zu haben.

Was wäre die Alternative? Was passiert mit den Lakers, wenn sie knapp in die Playoffs kämen?  Wohl Pick 15 oder 16? Mitnichten. Hierzu werden der Einfachheit halber die Positionen der Lakers und der Denver Nuggets getauscht. Was man in der ersten Grafik schon erahnen konnte, wäre hier Gewissheit:

lakersplayoffs

Die Lakers rutschen nicht nur eine oder zwei Positionen nach unten, obwohl vor ihnen momentan nur die Warriors und Nuggets stehen, sondern sieben (!). Das liegt daran, dass nicht nur die beiden Westteams an den Lakers vorbeiziehen, sondern außerhalb der Lottery wieder die Bilanz zählt. Durch den miserablen Osten rücken gleich fünf Ostteams vor die Lakers. Diese würden erst an Position 20 picken. Und das mit dem einzigen Pick in den nächsten zwei Jahren.

Fazit

Die Zukunft bei den Lakers ist ungewiss. Genau diese Ungewissheit sollte ausgenutzt werden, um die besonnensten Moves zu tätigen, die das Front Office zur Verfügung hat: Kobe Bryant genug Ruhe zugestehen, um vollständig zu heilen; und dann Bryant beobachten und sehen, was er noch leisten kann. Auf Basis der Bryant-Beobachtungen entscheidet man sich für das weitere Vorgehen.

Nach Bryant sollte der Pick in der Draft von besonderer Aufmerksamkeit sein. Dafür sollten die Lakers unbedingt ihre Chancen in der diesjährigen Draft maximieren. Toll wäre es, wenn man in den Top 10 draften könnte.

Erst danach kann man eine Frage klären, die einige Fans viel früher beantworten wollen: Lohnt es sich, bei Bryant und dem Rookie Pau Gasol noch zu halten? Wenn ja, wird man sicherlich einen Deal finden, der beide Parteien befriedigt. Diese Einschätzung ist aber erst möglich, wenn man weiß, was der Pick wurde. Ein Gasol-Trade zu diesem Zeitpunkt scheint nicht erfolgsversprechend zu sein. Der Gegenwert dürfte nicht besonders groß sein. Die Flexibilität (finanziell auf der einen; sportlich auf der anderen Seite) sollten die Lakers sich erhalten. Zudem sollte man auch evaluieren, ob Gasol nicht nur durch kleinere Verletzungen so underperformt oder dies wirklich der Leistungsstand des Spaniers ist. Sollte Gasol bessere Leistungen abliefern können, dürfte er der spielerisch beste Baustein in einem Trade sein. Ein Talentdowngrade wäre wohl genau der falsche Schritt für die Lakers.

Die Los Angeles Lakers werden nicht tanken. Sie werden jedes Spiel gewinnen wollen und dafür alles tun; nur das Talent wird ihnen fehlen, um erfolgreich zu sein. Das Front Office sollte nur nicht dafür sorgen, dass man für ein kurzfristiges Erstrundenaus seine mittelfristige Zukunft total verbaut.  Das wäre beispielsweise der Fall, wenn man Gasol für Veterans abgibt, die nicht das Talentlevel des Spaniers haben, aber das Team besser machen würden. So werden die Lakers sicherlich nicht wieder ein Team aufbauen, das im Idealfall um die Conference Finals spielen kann. Und genau das wünschen sich doch alle Fans der Franchise.

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4 comments

  1. Julian Lage

    Auch wenn es nicht deine Kernfragestellung/-aussage betrifft…

    Dabei werden die Lakers nicht tanken, genau so wenig wie alle anderen Franchises in der NBA dies auch nicht tun. Tanking würde bedeuten, dass man absichtlich verlieren würde, obwohl man die Spiele eigentlich gewinnen könnte.

    Glaubst du wirklich, dass niemand tankt? Mag sein, dass kein Spieler absichtlich einen Game-Winner daneben wirft, d.h. im Spiel schlechter spielt als möglich. Aber ich sehe eine ziemlich weit verbreitete Bereitschaft, im Zweifel mal ein paar Spiele mehr zu verlieren als unbedingt sein müsste.
    Um das mal trennscharf zu machen: Trades wie den der Jazz für Biedrins und Jefferson halte ich für absolut legitim, dafür gab es Gegenwert und mehr Spielzeit für junge Spieler (als bei der Verpflichtung besserer FAs). Alle Aktionen, die auch ohne eine Lottery halbwegs sinnvoll aussähen, würde ich schlicht unter ‘Rebuild’ verbuchen.
    Aber: Die Häufung von kleineren Verletzungen oder überraschend lange Genesungszeiten sind doch ein auffälliges Merkmal von Teams, die gerne mehr Kugeln im Rennen um den 1. Pick wollen. Da ist dann der leicht geprellte kleine Zeh, der normalerweise nicht mal vom Training abhalten würde, Grund genug für 5 Dnps. Die Warriors nach dem Ellis-Bogut-Trade kamen mir da z.B. sehr auffällig vor, was ja auch gerade noch zu Barnes gereicht hat… Wer keine Chancen auf die Playoffs mehr sieht, hat in der NBA selten allzu viel Interesse an mehr Siegen.

  2. Dennis Spillmann

    |Author

    Ich glaube, dass das Front Office das Team in Situationen bringt, wo man nur wenige Spiele gewinnen kann. Wenn das Spiel aber beginnt, tut man schon alles, um zu gewinnen, auch wenn das Warriors-Beispiel mir auch zuerst in den Kopf kam. Aber ich glaube, dass das Risiko zu groß ist, dass ein absichtliches Verlieren irgendwann über die Medien kommuniziert wird und dann drastische Strafen drohen.
    Man kann natürlich Spieler schonen, aber ob da eine Systematik hintersteckt, glaube ich nicht. Wenn Bryant bspw. erst im Januar aufgelaufen wäre, hätte ich das – nach den furchtbaren Auftritten – auch für okay befunden. Dass man wirklich komplett fitte Leistungsträger über Wochen krank schreibt, glaube ich nicht. Jedenfalls nicht im Social-Media-Zeitalter.

  3. Julian Lage

    Also, Angst vor Strafen ist schon mal was anderes als Sportsgeist oder Ähnliches… Ich denke auch nicht, dass da in großem Stil Verletzungen vorgetäuscht werden, aber irgendwelche Kleinigkeiten finden sich ja irgendwie fast immer. Es wäre mal interessant, wie viele Verletzungen die Top-Teams verglichen mit den Lottery-Teams haben (wobei da die Kausalität natürlich erst mal in die andere Richtung geht).
    Anders gesagt: Tanken definiert sich meiner Meinung nach durch Maßnahmen, die abgesehen von einem besseren Pick keinen Sinn haben. Das gibt es nicht zu selten, denke ich, ist aber nicht unbedingt mit absichtlich verlieren gleichzusetzen.

  4. Hassan Mohamed

    Es gibt aber schon einzelne Spiele, die ganz offensichtlich absichtlich verloren werden.

    Beweisstück A (bitte einen Blick auf die Dancing Queen werfen):

    Image

    :mrgreen:

    Mindestens drei Dreier in der zweiten Verlängerung; es ging um einen Draft-Pick, der ansonsten weg gewesen wäre…


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