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O(ver)Rating a player’s offense?

Wieso das Offensive Rating ein guter Indikator für die offensive Effizienz ist.

Irgendwann einmal kommt jeder interessierte Basketballfan an den Punkt, dass er erkennt, dass er einen Spieler nicht mehr nur mit dem Augentest bewerten kann. Er sucht dann nach Hilfsmitteln und landet fast immer bei Statistiken, die objektiv beobachten, was ein Spieler auf dem Feld leistet. Doch welche Statistiken sollte man heranziehen, um einen Spieler beurteilen zu können? Nachdem das PER dafür ausscheidet, bietet sich zumindest für den offensiven Output eine Statistik an, die verspricht, dass sie die offensive Effizienz abbildet: das Offensive Rating (ORtg) von Dean Oliver. In welcher Weise kann das ORtg für einen Basketballbeobachter hilfreich sein?

ortg

Grundzüge des Offensive Ratings

Zunächst sollte zumindest in groben Zügen erläutert werden, was sich Oliver bei seinem Rating gedacht hat, wie es funktionieren soll und wie man es lesen soll und muss. Oliver beobachtet die Offense eines Spielers und wertet sie in folgender Hinsicht:

  • Der Spieler wirft auf den Korb (trifft, trifft einen Dreier, trifft nicht),
  • der Spieler wird gefoult und geht an die Freiwurflinie (trifft ein Mal, trifft zwei Mal, trifft drei Mal, trifft nicht),
  • der Spieler verliert den Ball (Turnover),
  • der Spieler spielt einen Assist (Assist zu einem Field Goal, Assist zu einem Dreier),
  • der Spieler holt einen offensiven Rebound oder
  • der Spieler ist nicht am Abschluss des Teams beteiligt (geht nicht in die Bewertung ein).

Man sieht hier schon recht genau, was das Offensive Rating tut: es schaut auf den Abschluss einer Possession (oder im Fall des Offensivrebounds auf die Verlängerung derselben). Das Rating berechnet aus all diesen Ereignissen eine Zahl, die angibt, für wie viele Punkte pro 100 Possessions der Spieler verantwortlich ist. Ein konkretes Beispiel: Ein Spieler kommt in der Garbage Time aufs Feld, trifft einen Dreier und ist sonst an keinem Abschluss beteiligt. Es wird dann auf diese eine Possession geschaut. Dort hat er drei Punkte erzielt. Hochgerechnet auf 100 Possessions ergibt dies demzufolge ein ORtg von 300. Trifft der Spieler bei drei Würfen nur einen Dreier, ergeben sich drei Punkte aus drei Possessions, also 100 Punkte auf 100 Possessions. Die groben Mechanismen des Offensive Ratings sollten deutlich geworden sein. Wer sich intensiv mit der Formel auseinandersetzen möchte, schaue in Neil Paines Beitrag auf basketball-reference.com.

Grenzen des Offensive Ratings

Das ORtg gibt ziemlich exakt darüber Auskunft, wie effizient ein Spieler einen Angriff abschließt. Dennoch sollte man nicht den Fehler machen und damit versuchen, die gesamte Offensive eines Spielers bewerten zu wollen. Alle Aktionen vor einem Abschluss (Movement, Screens, Spacing) sind nicht messbar und werden nicht abgebildet. Wenn ein Big einen harten Screen setzt und dafür sorgt, dass sein Guard ungehindert zum Korb gelangt und dort abschließt, erhält der Big dafür keinen Vermerk beim ORtg. Genau so kann das ORtg auch nicht erfassen, dass der Big am Korb genug Raum hat, weil die Wings alle über einen Distanzwurf verfügen und somit ihre Gegenspieler binden. Aber das will das Offensive Rating auch gar nicht. Es misst nur die Abschlüsse einer Possession und gibt die produzierten Punkte aus.

Problematisch wird das Offensive Rating erst, wenn man die Zahlen unreflektiert übernimmt und daraus Interpretationen ableiten will. Ein Blick auf die Ligaführenden gibt schon einen Hinweis darauf, dass man die Zahlen interpretieren können muss, um Schlüsse daraus ziehen zu können – nicht wie beim PER, das vorgibt, dass die Zahlen ohne weiteres Hinterfragen als Vergleich taugen.

  
RkPlayerSeasonTmORtg
1Tyson Chandler2012-13NYK134
2Chris Paul2012-13LAC127
3Steve Novak2012-13NYK126
4Jose Calderon2012-13TOT124
5Nick Collison2012-13OKC124
6LeBron James2012-13MIA124
7Kosta Koufos2012-13DEN124
8Shane Battier2012-13MIA122
9Kevin Durant2012-13OKC122
10Jimmy Butler2012-13CHI121
Provided by Basketball-Reference.com: View Original Table
Generated 4/1/2013.

Chandler, Novak, Calderon, Collison, Koufos, Battier und Jimmy Butler hätte man in einer Statistik, die sich mit der Offensive beschäftigt, wohl nicht unter den Top 10 erwartet. Gleichzeitig legt dies nahe, dass man die Zahlen nicht einfach isoliert betrachten kann und Aussagen wie „Tyson Chandler ist effizienter als LeBron James“ sind zwar auf Grundlage der Zahlen richtig, aber eben nicht aussagekräftig. Das wichtigste statistische Hilfsmittel, was man zur Interpretation hinzuziehen sollte, ist die Usage Rate (USG%). Die Usage Rate bildet ab, wie viele Abschlüsse ein Spieler tätigt, wenn er auf dem Feld steht. Mithilfe der USG% erklärt sich so langsam, wieso auch viele Rollenspieler beim ORtg vorne stehen:

   
RkPlayerSeasonTmUSG%ORtg
1Tyson Chandler2012-13NYK13.1134
2Chris Paul2012-13LAC22.5127
3Steve Novak2012-13NYK13.1126
4Jose Calderon2012-13TOT17.1124
5Nick Collison2012-13OKC11.7124
6LeBron James2012-13MIA30.2124
7Kosta Koufos2012-13DEN14.5124
8Shane Battier2012-13MIA11.0122
9Kevin Durant2012-13OKC29.9122
10Jimmy Butler2012-13CHI14.4121
Provided by Basketball-Reference.com: View Original Table
Generated 4/1/2013.

Chandler schließt also nur jeden achten Angriff ab, in dem er auf dem Feld steht, James jeden dritten. Das bedeutet natürlich, dass James hier viel öfter gefordert ist und sich nicht nur die besten Würfe aussuchen kann, wie Chandlers begrenztes Offensivspiel dies gar erfordert. Gleichzeitig zeigt sich bei Paul, James und Durant auch, was für unglaublich effiziente Spieler diese sind: Sie stehen in den Top 10 aller NBA-Spieler, obwohl sie zu großen Teilen die Offensive ihrer Teams tragen. Gerade deswegen sind sie auch legitime Superstars und Franchise Player in der NBA. Sie sind trotz des großen Volumens hocheffizient und sorgen deshalb auch für die entscheidenden Vorteile ihrer Franchises.

Mit der Kombination aus ORtg und USG% kann man also vortrefflich vergleichen, wie gleiche Spielertypen offensiv agieren. Besonders geeignet sind dafür Spieler, die für verschiedene Franchises dieselbe Rolle ausfüllen. Zuvor jedoch noch einige Kennzahlen: alle NBA-Teams erzielen im Durchschnitt ein Offensive Rating von 105,8. Spieler, die unter diesem Wert bleiben, schaden damit normalerweise ihrer Franchise, es sei denn, dass der teaminterne Schnitt unter 105 liegt. Das Team mit der schlechtesten Offense sind die Washington Wizards mit einem ORtg von 100. Das bedeutet, dass das schlechteste Team pro Angriff einen Punkt erzielt. Diese Kennziffer ist deshalb wichtig, weil Spieler mit einem ORtg von unter 100 mit ihrer momentanen Spielweise nicht einmal der schlechtesten Franchise der NBA helfen könnten.
Noch ein Hinweis: Im Weiteren wird auf die USG-Formel von ESPN zurückgegriffen. Basketball-reference ist eine tolle Seite, aber in der oben genutzten Datenbasis wird das USG% ohne Assists berechnet. Wenn sich also im Folgenden leicht abweichende USG-Werte finden, liegt dies an der exakteren Auswertung seitens ESPN.
Dazu sollte bei der Usage Rate die Grenze zum Starspieler bei ungefähr einem Viertel liegen. Das bedeutet, dass der Spieler jeden vierten Angriff abschließt, den er auch auf dem Feld verbringt. Momentan fallen 36 Spieler darunter, was auch andeutet, dass jede erste Option einer Franchise hier auftaucht. Im Folgenden werden mal einige Vergleiche vorgestellt, die zeigen, wie sehr einen die Augen täuschen können, wenn es um offensive Effizienz geht:

Jrue Holiday vs. Kemba Walker

Holiday: 18,4 PPG, 8,5 APG, 44% FG, 37,5% 3P, 74,4% FT, 26,3% USG
Walker: 17,5 PPG, 5,7 APG, 42% FG, 32,6% 3P, 78,9% FT, 24,6% USG

Das sieht nach einer klaren Sache für Holiday aus, er führt bis auf die Freiwurfquote in allen Kategorien, erzielt bei besseren Quoten mehr Punkte. Klarer Fall: Holiday müsste der effizientere Spieler sein und demzufolge besser als Kemba Walker. Das Offensive Rating Walkers: 105; Holidays: 100!

bobcatslogowalkerTatsächlich ist also Kemba Walker der effizientere Point Guard, doch wie kommt es zu der Zahl? Maßgeblich sind hierfür zwei Werte, die in der obigen Statistikliste nicht aufgeführt wurden. Zu einem kleineren Teil ist dies die Verteilung von FG/3P/FT. Kemba Walker kommt einfach öfter an die Linie und trifft dort noch besser. Dazu sollte auch klar sein, dass Freiwürfe eine absolut effiziente Art des Punkteerzielens sind. 78% getroffener Freiwürfe bei Kemba Walker bedeutet, dass er pro Trip an die Linie 1,56 Punkte erzielt (also ein ORtg von 156!). Es sollte also tunlichst jeder halbwegs guter Freiwurfschütze versuchen, so viele Freiwürfe wie möglich zu erarbeiten. Welcher Spieler sonst trifft zu knapp 80% aus dem Feld?
Zum anderen sind dies vor allem die Turnover, die Holiday ineffizient machen. Holiday verliert noch immer knapp vier Mal pro Spiel den Ball, Walker tut dies bei vergleichbarer Usage Rate nur 2,3 Mal. Gerade deswegen ist das Offensive Rating auch so dankbar zur Evaluation von Spielern: Es setzt alle Abschlüsse im Angriff in Beziehung und beachtet alle maßgeblichen Faktoren. Bei Holiday werden die Schwächen immer kaschiert, obwohl Effizienz das Wichtigste im Basketball ist. Wer zu oft den Ball verliert und zudem nicht an die Linie kommt, der schadet seinem Team.

Tatsächlich muss man also sagen, dass Kemba Walker eine bessere Saison als der All-Star aus Philadelphia spielt, wenn es um die Offense geht. Walker scort effizienter, weil er sich seine Punkte nicht durch viele Würfe erkauft, sondern auf den Ball aufpasst und den Weg zum Korb sucht. Generell sollte man natürlich noch schauen, in welcher Situation sich die Franchise befindet, aber dass man Walker nun einen besseren Supporting Cast zuspricht, scheidet wohl aus. Der Playmaker des schlechtesten Teams der Liga ist einfach effizienter als All-Star Jrue Holiday.

Dasselbe Phänomen lässt sich übrigens auch bei Greivis Vasquez und Goran Dragic im Vergleich sehen. Dragic ist bei FG% leicht besser und erzielt einen halben Punkt mehr. Vasquez ist besser an der Linie, wirft den Dreier konstanter und spielt mehr Assists, sodass er im MIP-Rennen recht weit vorne auftaucht. Effizienter ist trotzdem Dragic (ORtg 108), weil er doppelt so oft wie Vazquez (ORtg 105) an der Freiwurflinie steht und Turnover vermeidet.

Josh Smith vs. David West

Smith: 17,5 PPG, 4,2 APG, 46% FG, 30,5% 3P, 52,6% FT, 24,7% USG
West: 17,1 PPG, 3,0 APG, 49% FG, 22,2% 3P, 76% FT, 23,2% USG

Um es kurz zu machen: Es ist nicht mal im Ansatz eng, wer hier der weit, weit effizientere Spieler ist: David West. West kommt auf ein gutes ORtg von 109, der angebliche All-Star-Snub Smith auf beschämende 96. West macht als erste Offensivoption der Pacers (noch vor Paul George; George hat nur eine USG% von 22,6) einige Dinge richtig, an denen Josh Smith jämmerlich scheitert.
Zum Beispiel ist dies die Wurfauswahl: West hat bisher 18 Dreier in der Saison genommen, Smith 187. West weiß also, wann er von wo einen Wurf nehmen kann, Smith ist recht ahnungslos und nimmt jeden Wurf, den er für gut befindet. Heraus kommt eine völlige indiskutable Wurfauswahl, also ineffiziente Abschlüsse. Smiths Rolle in Atlanta ist um Welten zu groß. In keinem Winning Team darf Smith eine USG% von mehr als 23 haben. Smith stört dies aber wohl nicht oder ihm ist nicht bewusst, wie er seinem Team mit seiner Spielweise schadet. Um zu verdeutlichen, wie ineffizient Josh Smith ist: Seine Freiwurfquote von 52% verbessert (!) sein ORtg. Smith hat Basketball in der Offensive absolut nicht verstanden und sollte deshalb auch nie für eine All-Star-Nominierung infrage kommen. Er ist – wie Rudy Gay übrigens auch; ebenfalls ein ORtg von 96 – einer der größeren Blender in der NBA, was den offensiven Output angeht.

Draft Busts: Michael Beasley & Evan Turner

Das Offensive Rating hilft unter anderem auch bei der Evaluation, wieso bestimmte gedraftete Spieler nie in  der NBA ankommen oder sich nicht durchsetzen.
Was für Josh Smith galt, gilt um die Potenz von 10 für Michael Beasley. Während Smith zumindest defensiv noch Impact hat und so seinem Team helfen kann, galt für Beasley von der Draft an, dass er vor allem ein Scorer ist und defensiv so seine Probleme haben wird. Was Beasley in neuem Umfeld in Phoenix jedoch bisher abliefert, spottet jeder Beschreibung. Beasley nimmt Würfe wie ein Franchise Player (USG% von 25,2 ist in den Top 20 der NBA!), aber trifft sie wie ein Borderline-NBA-Spieler. Heraus kommt ein absoluter Katastrophenwert im ORtg: 87. Die Rolle ist viel zu groß, die Beasley ausfüllt, wobei bezweifelt werden dürfte, ob er überhaupt noch eine Rolle finden wird, die zu ihm passt und nicht „ineffizienter Chucker“ heißt. Beasley hat momentan keine Daseinsberechtigung in der NBA. Es ist symbolisch, dass er trotzdem noch jeden Wurf nimmt, den er bekommen kann.

evanturnerphillyAnders sieht das bei Evan Turner aus. Der andere #2-Pick in der Draft wurde seit jeher als verheißungsvoll eingeschätzt, weil er ein Allrounder ist, der den Spielaufbau übernehmen kann, ein guter Rebounder ist und in den ersten beiden Saisons nur von Coach Collins oder Andre Iguodala ausgebremst wurde. Dies ist jedenfalls die Meinung der Fans zu Turner. Fakt ist, dass der mittlerweile 24-Jährige nie auch nur ansatzweise eine offensive Identität gefunden hat, weil Turner einfach zu große Probleme in seinem Offensivspiel hat. Er hat keine große Stärke, trifft den Dreier in dieser Saison zwar akzeptabel, aber mit ansteigendem Volumen ging die Quote auch herunter. Wie fast alle ineffizienten Guards hat Turner massive Probleme, sich Freiwürfe zu erarbeiten. Für hochprozentige Würfe bräuchte er zumindest einen schnellen ersten Schritt, um den Gegner im Dribbling zu schlagen, aber auch dies gelingt nicht. Turner kommt weder neben Iguodala noch ohne ihn zurecht, was eindrucksvoll sein ORtg zeigt: In seiner Rookiesaison kam er neben Iguodala auf ein ORtg von 99; mit gestiegener Verantwortung ohne Iguodala in dieser Saison sind es nur noch 96. Das ist dasselbe Rating wie bei Josh Smith und Rudy Gay – jedoch kann man bei diesen beiden hoffen, dass eine reduziertere Rolle diesen helfen könnte. Wenn man Turners Rolle weiter reduziert, ist er ein reiner Rollenspieler als dritte oder vierte Option. Immerhin könnte Turner aber als defensiver Rollenspieler halbwegs zu gebrauchen sein. In seiner jetzigen Rolle ist er jedenfalls überfordert. Nimmt man noch hinzu, wie Jrue Holiday offensiv agiert, erklärt sich auch, wieso die Sixers solch große Probleme haben, Spiele zu gewinnen.

Fazit

Das Offensive Rating ist eine reine Effizienzstatistik. Ohne sie mit anderen Statistiken zu kombinieren, kann sie schnell zu falschen Interpretationen führen. Weiß man aber, wie sie nutzbar gemacht werden kann, ist sie ein verlässliches Instrument, um sehen zu können, was Spieler in der Offensive leisten, wenn sie für den Abschluss eines Angriffs genutzt werden. Wichtig ist dieses Instrument vor allem deswegen, weil sie die sonst eher spärlich betrachteten Turnover als wesentlicher Bestandteil der Offensive mit berechnet werden. Für reine Wurfleistungen gibt es mit eFG% und TS% ja bereits verlässliche Statistiken. Das Offensive Rating kann jedoch die Wurfleistung schlüssig um Turnover, Assists und Offensivrebounds erweitern, um ein besseres Bild der Offensivleistungen von Spielern zu bekommen. Es sollte bei der Evaluation von Spielern immer beachtet werden, wenn es um mehr als eindimensionale Attribute (wenn ein Team nur einen Dreierschützen sucht, benötigt man das ORtg nicht unbedingt, auch wenn es nicht schadet) geht.

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19 comments

  1. Alexander Aust

    Wahnsinns-Artikel!
    Hat wirklich Spaß gemacht diesen zu lesen, Dennis! 100 Pkt von mir dafür :-)

    Hast mich mit deinen Beispielen so ziemlich vollständig überzeugt. Bin zwar immer noch der Meinung, dass es keine Statistik gibt die alle Postionen gerecht bewertet, jedoch finde ich diese Offensive-Rating-Statistik ziemlich vernünftig.
    Hast es ja schon erwähnt, dass der Einfluss von Centern wie M./P. Gasol, Noah, Sanders oder ähnliche mit ihren unzähligen und lebenswichtigen Screens für Spieler wie Rose, Ellis etc. auf Papier nicht aussagekräftig genug dargestellt werden kann, aber für Spieler die ordentlich werfen können ist diese Statistik wirklich klasse.

    Was mich noch interessieren würde. Finde dieses ORating auf ESPN gerade nicht, aber gibt es das auch noch für die Saisons um das Jahr 2000 rum? Ich würde diese Statistik gerne mal am Beispiel Shaquille O´Neal sehen. Freiwürfe waren ja nicht sein Ding, deshalb frage ich mich gerade ob er seinem Team auch geschadet hat, was ja absolut nicht sein kann wie wir alle wissen.

  2. Dennis Spillmann

    |Author

    Was mich noch interessieren würde. Finde dieses ORating auf ESPN gerade nicht, aber gibt es das auch noch für die Saisons um das Jahr 2000 rum? Ich würde diese Statistik gerne mal am Beispiel Shaquille O´Neal sehen. Freiwürfe waren ja nicht sein Ding, deshalb frage ich mich gerade ob er seinem Team auch geschadet hat, was ja absolut nicht sein kann wie wir alle wissen.

    Wie so oft ist hier die Lösung auch wieder Basketball-reference.com.

  3. Hassan Mohamed

    Guter Artikel, Dennis.

    Nicht besonders gerne nutze ich das ORtg bei Playmakern, vor allem wenn es darum geht, darauf abzuzielen, wie gut der Spieler insgesamt (auf die Offense bezogen) ist. Das ORtg fängt ja nur die eigene Effizienz ein und nicht zusätzlich die der Mitspieler, auch wenn der Playmaker durch seine Spielweise für eine höhere Effizenz der Mitspieler verantwortlich ist (nur teilweise durch den gutgeschriebenen Assist). Da hab’ ich am Ende des Tages lieber einen Playmaker, der einen Ballverlust mehr auf dem Konto hat (auch wenn Turnover natürlich kein guter Verlust einer Possession sind), aber dafür über das ganze Spiel Räume schafft und seinen Mitspielern bessere Optionen ermöglicht, als einen, der zu risikoscheu agiert, und dadurch hohe Effizienzwerte erzielt.

    Als Extrembeispiel könnte man den 2002er Jason Kidd nehmen, der einen ORtg-Wert hatte, der unterhalb des Teamwertes der New Jersey Nets lag. Den hohen Nutzen Kidds wird aber sicherlich niemand in Abrede stellen wollen.

  4. Dennis Spillmann

    |Author

    Ich verstehe, in welche Richtung du argumentierst – und ja, es ist natürlich schwieriger als Point Guard Turnover zu vermeiden.
    Ein wenig komisch ist es nur, dass du ausgerechnet Kidds Saison auswählst, wo er sein drittschlechtestes TS% seiner Karriere bei überdurchschnittlicher USG auflegt. Ich glaube, da müssen wir nicht über das ORtg diskutieren, wenn der Point Guard seine Würfe nicht trifft. Sobald bei Kidd die USG runter geht (bei bbref werden keine Assists eingerechnet, also ist das ein guter Wurfindikator), spielt er effizienter. Das heißt nur, dass die Shooting-Rolle für Kidd zu hoch war, mehr nicht. Und das schadet seinem Team zu Teilen, richtig.

  5. Avatar

    bartek

    göttlich !! :D
    das ich sowas in deutschen Medien noch erlebe. Es lebe GtG :D

    mehr davon und ihr könntet Merchandise betreiben ;)

    -> RAT: NBA Rating :?:

  6. Hassan Mohamed

    Ein wenig komisch ist es nur, dass du ausgerechnet Kidds Saison auswählst, wo er sein drittschlechtestes TS% seiner Karriere bei überdurchschnittlicher USG auflegt.

    Ich habe diese Saison gewählt, weil sie als eine der besten Saisons von Jason Kidd gilt, obwohl er selbst keine besondere Effizienz aufweisen konnte (die Zahlen suggieren ja eher das Gegenteil). Aus diesem Grund auch der Zusatz ‘Extrembeispiel’.

    Eigentlich wäre es bei Spielgestaltern wesentlich nützlicher zu sehen, welchen Einfluss sie auf die ORtg der Mitspieler haben, wenn sie auf dem Parkett stehen (ohne zwingende direkte Beteilung durch Verteilung eines Assists). Ich finde einfach, dass das ORtg bei Playmakern wesentlich trügerischer sein kann als bei bspw. einem Forward, dessen Job es ist, effizient Punkte zu erzielen. Ein Jose Calderon bspw. hat immer tolle Werte, aber für meinen Geschmack ist seine Spielweise zu zurückhaltend, um ein wirklich besonderer Playmaker zu sein.

  7. Dennis Spillmann

    |Author

    Ich glaube, du verstehst immer noch etwas anderes unter dem ORtg als das, was es ausdrücken soll: den Abschluss einer Possession. Was du in dem Rating haben willst, sind die Aktionen davor, aber dafür ist es gar nicht ausgelegt.
    Zudem untersucht das Rating auch wirklich nur die Effizienz. Es ist auch “schädlich” für das Rating, wenn man normale Zweier oder nur Assists spielt, weil die nicht die Höchstpunktzahl von 300 bescheren. Betrachte das Rating bitte nicht als Zahl für die gesamte Offensive, sondern für den offensiven Abschluss. Mehr kann es nicht leisten. Es ist ein erweitertes TS%, aber kein Abbild der kompletten Offensive eines Spielers. Außer bei Michael Beasley. ;)

  8. Hassan Mohamed

    Betrachte das Rating bitte nicht als Zahl für die gesamte Offensive, sondern für den offensiven Abschluss.

    Exakt auf diesen Punkt wollte ich doch hinaus. ;)

    Ich finde einfach, dass das ORtg bei Playmakern wesentlich trügerischer sein kann als bei bspw. einem Forward, dessen Job es ist, effizient Punkte zu erzielen.

    Bei einem Scorer lässt sich die Qualität seines Spiel bzw. sein offensiver Beitrag viel besser durch das ORtg einfangen (als Indikator), als bei einem Playmaker. Ich wollte durch mein Posting deinen Artikel nur ergänzen und die Leser darauf hinweisen, dass sich bei der Evaluierung eines Spielers das ORtg bei Spielmachern nicht genauso (gut) nutzen lässt wie bei anderen Positionen.

    Wenn man einen Forward, der kein besonderer Playmaker oder Defensivspezialist ist, ein schlechtes ORtg vorweist, kann man relativ sicher schlussfolgern, dass er kein besonders guten Job erledigt. Bei einem Playmaker, der ein schlechtes ORtg hat, müsste man mit der Schlussfolgerung wesentlich vorsichtiger sein. Das war mein Punkt, daher auch mein Beispiel mit Jason Kidd.

  9. Dennis Spillmann

    |Author

    Wenn man einen Forward, der kein besonderer Playmaker oder Defensivspezialist ist, ein schlechtes ORtg vorweist, kann man relativ sicher schlussfolgern, dass er kein besonders guten Job erledigt. Bei einem Playmaker, der ein schlechtes ORtg hat, müsste man mit der Schlussfolgerung wesentlich vorsichtiger sein. Das war mein Punkt, daher auch mein Beispiel mit Jason Kidd.

    Und der Punkt ist aus meiner Sicht weiter invalide, weil du das Offensive Rating als Bewertungsgrundlage für die komplette Offense eines Spielers heranziehst. Das Offensive Rating ist aber – wie gesagt – ein Possession-Abschluss-Rating. Und ja, da machte Kidd 2002/2003 einen schlechten Job. Das heißt nicht, dass seine übrige Offense (Initiator der Offense, Plays callen und lesen, Pass vor dem Assist spielen, Drives zum Korb usw.) schlecht war, nur dass die offensive Rolle im Hinblick auf den Abschluss zu groß geraten ist. Er war ineffizient im Abschluss, das belegt ja nicht nur das ORtg.
    Im Übrigen war New Jersey auch nur 18. im Team-ORtg mit einem nahezu identischen ORtg wie Kidd es hatte. So toll war die Offense allgemein wohl auch nicht. Und ja, wenn man sich das Spielermaterial anschaut, ist das weiterhin eine gute Leistung Kidds.

  10. Hassan Mohamed

    Wenn man einen Forward, der kein besonderer Playmaker oder Defensivspezialist ist, ein schlechtes ORtg vorweist, kann man relativ sicher schlussfolgern, dass er kein besonders guten Job erledigt. Bei einem Playmaker, der ein schlechtes ORtg hat, müsste man mit der Schlussfolgerung wesentlich vorsichtiger sein. Das war mein Punkt, daher auch mein Beispiel mit Jason Kidd.

    Und der Punkt ist aus meiner Sicht weiter invalide, weil du das Offensive Rating als Bewertungsgrundlage für die komplette Offense eines Spielers heranziehst.

    Ich sage, dass das ORtg bei Spielern, deren Hauptaufgabe das Punkten ist, ein wesentlich besserer Indikator für die Offensive ist als bei Playmakern (weil bei diesen wesentlich mehr in die Offense einfließt). Ich verstehe nicht, wieso Du der Meinung bist, das sei invalide. Vor allem, da ich der Meinung bin, dass wir exakt dasselbe schreiben. Das Beispiel mit Michael Beasley spiegelt es doch genau wider.

  11. Dennis Spillmann

    |Author

    Ich sage, dass das ORtg bei Spielern, deren Hauptaufgabe das Punkten ist, ein wesentlich besserer Indikator für die Offensive ist als bei Playmakern (weil bei diesen wesentlich mehr in die Offense einfließt). Ich verstehe nicht, wieso Du der Meinung bist, das sei invalide. Vor allem, da ich der Meinung bin, dass wir exakt dasselbe schreiben. Das Beispiel mit Michael Beasley spiegelt es doch genau wider.

    Du meinst, dass das ORtg für einen reinen Scorer eher die komplette Offense abbildet als bei einem Playmaker und das ORtg für den Scorer auch eher als “komplette Offense-Rating” verallgemeinerbar wäre? Dann sind wir tatsächlich einer Meinung.

  12. Hassan Mohamed

    Du meinst, dass das ORtg für einen reinen Scorer eher die komplette Offense abbildet als bei einem Playmaker und das ORtg für den Scorer auch eher als “komplette Offense-Rating” verallgemeinerbar wäre? Dann sind wir tatsächlich einer Meinung.

    Da haben wir es doch.

    Die Botschaft, die ich den Lesern mit meinen Kommentaren vermitteln wollte, war exakt dieselbe Botschaft, die Du mir mit Deinen Antworten vermitteln wolltest. Da haben wir aneinander vorbei gesprochen. Ich wollte die Leser davon abhalten, vom ORtg direkt auf den offensiven Gesamteinfluss eines Playmakers schließen zu wollen (auch wenn in der Berechnung die Assists vorkommen). Bei Scorern wäre diese Vorgehensweise bei der Evaluierung viel eher vertretbar.

  13. Alexander Aust

    Ich sage, dass das ORtg bei Spielern, deren Hauptaufgabe das Punkten ist, ein wesentlich besserer Indikator für die Offensive ist als bei Playmakern (weil bei diesen wesentlich mehr in die Offense einfließt).

    Hassan, ich finde, dass das ORtg schon auch bei Playmakern ein guter Indikator für ihre Offense ist. Ich stimme da mit Dennis´ Meinung überein, dass Kidd´s Rolle 2002 offensiv für seine Shooting-Qualitäten einfach zu groß war. Wenn man als Vergleich Chris Paul und José Calderon aus diesem Jahr nimmt, ist es meiner Meinung nach deutlich zu erkennen, dass Playmaker durchaus ein beeindruckendes ORtg haben können, ohne dabei groß zu scoren – wenn sie dies effizient tun.

    http://www.basketball-reference.com/play-index/pcm_finder.cgi?request=1&sum=0&p1=kiddja01&y1=2002&p2=paulch01&y2=2013&p3=caldejo01&y3=2013

  14. Hassan Mohamed

    Hassan, ich finde, dass das ORtg schon auch bei Playmakern ein guter Indikator für ihre Offense ist.

    Ein guter Indikator für deren Scoring, aber die Offense bzw. der offensive Einfluss eines Playmakers geht meiner Ansicht nach weit darüber hinaus. Man muss zwischen Scoring und Offense unterscheiden, ersteres ist nur ein Teil vom letzteren.

  15. Jonathan Walker

    Wenn man als Vergleich Chris Paul und José Calderon aus diesem Jahr nimmt, ist es meiner Meinung nach deutlich zu erkennen, dass Playmaker durchaus ein beeindruckendes ORtg haben können, ohne dabei groß zu scoren – wenn sie dies effizient tun.

    Ja, aber gerade das Beispiel mit Calderon zeigt doch, dass es im Endeffekt relativ nichtssagend sein kann. Denn Kidd 2002 >>> Calderon 2013 (oder sonstwann).

    Ein guter Indikator für deren Scoring, aber die Offense bzw. der offensive Einfluss eines Playmakers geht meiner Ansicht nach weit darüber hinaus. Man muss zwischen Scoring und Offense unterscheiden, ersteres ist nur ein Teil vom letzteren.

    Genau das.

  16. Avatar

    abcd12

    Schöner erhellender Artikel! Wie jede Effizienzkennzahl ist auch hier zu beobachten, dass Schauspieler mit starkem Freiwurf, Dreierschützen und Resteverwerter ganz weit vorne liegen. Ein weiteres “Problem”, was ich sehe ist, dass sich alle fortgeschrittenen statistischen Kennzahlen auf einige wenige Boxscore Ergebnisse stützen und die dann in irgendwelchen Modellen verwursteln. Dies kann und wird niemals eine vollständige Beschreibung der Leistungsfähigkeit eines Spielers liefern und das kam ja auch sehr schön in dem Artikel heraus.

  17. Smido83

    Hmmm… ich hätte gerne einen Statistik die die Effizienz eines Spielers beim eigenen Abschluss (TS%), gewichtet nach Usage-Rate und Passquoten (u.A. AST/TO) bestimmt und in welcher weiterhin erfasst wird wie sich die Wurfquoten der jehweiligen Mitspieler neben diesem Spieler, gepaart mit deren Usage Rate verhalten!

    Weiterhin muss diese Zahl das generelle ORtg des Teams und DRtg des Gegners während der Spielminuten, sowie das jehweilige Reboundverhältniss in diese Statistik mit eingebunden werden. Nicht zu vergessen, dass man die Isolations, Screens, Blocks, und Cuts gewichtet, sowie eben auch das jehweilige Defensivverhalten des Gegners in diesen Situationen.

    Dennis? Ich gebe dir nen Monat, dann will ich diese Zahl für jeden NBA Spieler der letzten 10 Jahre berechnet haben! :D :twisted:

  18. Dennis Spillmann

    |Author

    Geben wir SportsVU mal noch ein paar Jahre und dann gibt es die Zahlen für aufgezeichnete Spiele mit Sicherheit bald. ;)

    Mal halbernst: Ich würde so eine Zahl nicht interpretieren wollen. Das ist wie das PER: einfach alles, was man findet, reinmischen, und dann zum Schluss sagen, dass man den Stein der Weisen gefunden hat.
    Am Ende kommt man doch wieder zu dem Schluss, dass die Zahl alles und nichts aussagt, eben weil sie zu sehr generalisiert. Dann zählen drei Screens so viel wie ein getroffener Dreier usw. Man sollte davon weggehen, alles in ein Rating zu werfen, weil man letztlich nichts mehr damit abbildet.
    Das Offensive Rating ist für mich schon das Äußerste an advanced stat. Es erweitert das TS% um Turnover (das aus meiner Sicht wichtigste), Assists und offensive Rebounds. Weiter würde ich nicht gehen wollen. Das sind alles Aktionen, die zum Abschluss (oder der Erhaltung) einer Possession führen. Mehr sollte es dann eigentlich nicht sein.


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