Advanced Stats, Alltimers, NBA

Der Siegeszug der Drei-Punkte-Linie

Zwischenfazit eines Langzeitprojekts

Eine neue NBA-Saison hat begonnen. Der Meister aus Miami besiegt problemlos die Chicago Bulls um Comebacker Derrick Rose, die Los Angeles Lakers gewinnen überraschend gegen den Stadtkonkurrenten und beim Spiel zwischen den Indiana Pacers und Orlando Magic trifft Lance Stephenson den ersten Dreier der NBA-Saison. Wieso ist der letzte Punkt so wichtig? Weil der Umstand, dass die Pacers mit ihrer zweiten Possession in einem NBA-Spiel auf einen Drei-Punkte-Wurf gehen, ein Trend ist, der in der NBA erst seit 6-7 Saisons Einzug hielt: das vollkommene Vertrauen in den Drei-Punkte-Wurf.

Chris Ford traf am 12. Oktober 1979 den ersten Drei-Punkt-Wurf der NBA-Geschichte. Es sollte ein wegweisendes Ereignis für die beste Basketballliga der Welt sein. Die Linie, die zwischen 6,75 und 7,24m den Unterschied zwischen zwei und drei Punkten zieht, ist so einflussreich wie sonst kaum eine Veränderung in der NBA-Welt. Die vollkommene Akzeptanz des Drei-Punkte-Wurfs vollzog sich jedoch erst seit einigen Jahren. Was waren die Gründe dafür?

Die Historie der Dreierlinie

Zunächst müsste man jedoch anschauen, wie sich der Drei-Punkte-Wurf innerhalb der Liga etablierte. Die Saison 2013/14 wird die 35. Spielzeit, in der die NBA die Dreierlinie einsetzen wird – wenn auch nicht immer aus derselben Distanz.

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Auffällig sind gleich drei Entwicklungen auf der Grafik:

1. Offensichtlich ist das immer größere Wurfvolumen des Dreipunktewurfs mit gleichzeitigem Anstieg der Quote.
2. Ein Ausreißer ist klar zu beziffern. In den Saisons 95-97 stiegen sowohl Wurfversuche als auch Quote dramatisch an. Der Grund dafür war die Verlegung der Linie auf einheitliche 22ft (also 6,7m). Die Folge waren vermehrte Drei-Punkte-Versuche, sodass die Liga handelte und zur Saison 97/98 die altbekannten Abstände wieder einführte. Wurfversuche und Quote brachen wieder ein.
3. Aus der heutigen Sicht konnte man zwar die Fabelquoten des berüchtigen Drei-Jahres-Ausreißers nicht ganz erreichen (2009 hatte man die Höchstquote aber beinahe egalisiert), aber das Wurfvolumen wird seit sieben Jahren übertroffen.

Zwei Fragen drängen sich nahezu auf: Warum wurde bis in die 90er hinein der Drei-Punktewurf nicht so forciert wie in den letzten Jahren? Und: Warum ist der Drei-Punktewurf überhaupt so beliebt in der NBA? Widmen wir uns zunächst der ersten Frage.

Keine Anerkennung des Drei-Punkte-Wurfs

Gerade für die 80er galt es im besonderen Maße, dass dieses Experiment absolutes Neuland für die Akteure bedeutete. Niemand hatte diesen Wurf je geübt oder sich gar darauf spezialisiert. Warum auch? Es gab im Prinzip nur das Low-Post- und das Midrange-Game, weil jeder Treffer dasselbe Ergebnis bescherte: zwei Punkte. Egal ob direkt unter dem Korb, aus der Mitteldistanz oder vom eigenen Korb erzielt. Die Drei-Punkte-Linie wurde nur als exotisches Gimmick betrachtet. So beschreibt es unter anderem auch Len Elmore:

“It took a while for players to understand time and score situations, when to take it,” said Len Elmore, the CEO of iHoops who played in both the ABA and NBA. “You also recognize that players who hadn’t been accustomed to playing with a 3-point line really had to work to develop the range.”

Es gab also kaum geübte Schützen, die davon profitieren konnten; dazu kam die Wahrnehmung der Spieler, dass sie keine Ahnung hatten, wie sie mit der neuen Regel umgehen sollten. Ebenfalls zu beachten war, dass die Einführung 1979 nicht bedeutete, dass die Linie für immer ein Bestandteil des Regelwerks sein sollte. Wieso sollte man sich für einen so weit entfernten Wurf entscheiden und diesen auch noch gezielt trainieren? Erst ab einer gewissen Trefferquote war es sinnvoll, diesen Wurf in sein Repertoire aufzunehmen. Nachdem man in der Debütsaison noch drei versuche nahm und knapp einen Dreier traf, erkannten die Teams recht schnell, dass der Wurf zu ineffezient für ihr vorhandenes Spielermaterial war. Die Folge: in den Jahren danach sanken sowohl Versuche, Treffer als auch die Quote. Die Dreierlinie stand kurz vor dem Aus.

Es dauerte die gesamte Dekade, bis endlich Spielermaterial zur Verfügung stand, das etwas mit der Exotenlinie anfangen konnte. Das berühmteste Beispiel ist wohl Reggie Miller, obwohl Michael Adams und Danny Ainge die ersten richtigen Volumenschützen waren. 87/88 durchbrachen beide und Dale Ellis zum ersten Mal die 100 ‘Drei-Punkte-Korberfolge pro Saison’-Marke. Die erzielten 33,1% sollten 89/90 auch zum ersten Mal den Nutzen der Dreipunktelinie aufzeigen. Aber im vergleich zur heutigen NBA ist das Wurfvolumen immer noch niedrig (1994 halb so groß wie 2013). Woran liegt das? Die Nützlichkeit müsste doch so langsam erwiesen sein. Antwort gibt stellvetretend für eine ganze Generation Michael Jordan:

Erkannt hatte man sehr wohl, dass der Drei-Punkte-Wurf eine Waffe im Repertoire sein könnte – jedoch machte man sich Sorgen, dass man andere Facetten des eigenen Spiels vernachlässigen könnte. Jordans Begründung setzt genau hier ein:

“My three point shooting is something that I don’t want to excel at because it takes away from all facets of my game. My game is fake, drive to the hole, penetrate, dish off, dunk whatever.”

– Michael Jordan

Interessanterweise sind die Ausführungen Jordans auch für die heutige NBA noch gültig, denn was der sechsfache Champion beschreibt, ist weiterhin der effizienteste Wurf im Basketball: der Abschluss direkt am Ring. 2013 traf ein durchschnittlicher NBA-Spieler 60,4% seiner Abschlüsse am Ring; von der Drei-Punkte-Linie fanden knapp 36% der Würfe ihr Ziel. Durch die unterschiedliche Gewichtung muss man für eine valide Aussage errechnen, wie viele Punkte die NBA durch Abschlüsse am Ring oder von der Dreierlinie erzielte. 2013 waren das 1,2 Punkte direkt unterm Korb und 1,07 Punkte pro Drei-Punkte-Wurf. Effizienter ist dort nur der Freiwurf. Pro Trip an die Freiwurflinie erzielte ein NBA-Spieler im Schnitt 1,5 Punkte. Jordan war selbst in seiner Karriere kein durchschnittlicher Dreier-Schütze, weshalb es als richtig angesehen werden kann, dass er den Wurf in der restricted area vorzog.

Wieso wäre es aber auch für Michael Jordan besser gewesen, öfter auf den Drei-Punkte-Wurf zurückzugreifen?

Die Unverhältnismäßigkeit von Zwei- und Dreipunktewurf

Es ist absolut richtig, dass es auch heute noch gilt, dass der Wurf, Floater, Lay-up oder Dunk direkt am Ring der effizienteste Wurf in der Liga ist, ihn zu suchen, sollte immer die erste Devise sein. Deshalb versucht mittlerweile auch jeder NBA-Coach dies zu verhindern. Wie Zach Lowe in seinem Artikel “Packing the paint” eindrucksvoll beschreibt, suchen Offensiv-Coaches nun nach einer Möglichkeit, diesen Umstand zu umgehen.

“Getting to the hole is getting harder and harder”

– Carlos Boozer

Für den Offensiv-Spieler bedeutet dies, dass er sein Spiel entweder anpassen muss oder die Coaches einen Weg finden, doch zum Ring zu kommen. Sollten die Coaches keine effiziente Möglichkeit finden, müssen die Würfe eben außerhalb der restricted area genommen werden. Und genau hier setzt die Bedeutung der Drei-Punkte-Linie ein. Denn sobald der Wurf nicht mehr in der restricted area genommen wird, ist der effizienteste Wurf auf dem Feld: der Drei-Punkte-Wurf; genauer: der Dreier aus der Ecke. 2013 fielen knapp 39% aller Eckendreier. Das entspricht 1,16 Punkten pro Wurf und ist damit fast so effizient wie ein Ringabschluss.

Erstaunlich sind auch die Zahlen für die anderen Distanzen. Selbst die reine Prozentzahl des Eckendreiers (ohne Umrechnung auf die Punkte pro Wurf) hält mit allen anderen Zonen auf dem Feld mit. Alles, was “in the paint” passiert, die restricted area natürlich ausgespart, ist ineffizienter als der Wurf aus der Ecke. 38,45% der Würfe sind dort nur erfolgreich, aus der Mitteldistanz kommt man auf ähnliche Werte: 39,2%. Das Problem dieser Würfe ist aber offensichtlich: sie geben nur zwei Punkte, der Corner-Three logischerweise drei. Das bedeutet, dass die Effizienz aus den Zonen innerhalb der Drei-Punkte-Linie rapide abfällt (in the paint: 0,76 Punkte pro Wurf; Midrange: 0,78). Sogar der schwierigste Dreier in der NBA (überhalb des Bogens, wo die Distanz zum Korb noch zunimmt) erzielt weit bessere Ergebnisse: 35,1% aller Würfe fallen, dies entspricht 1,05 Punkten pro Wurf.

Eine Auswirkung des Experiments Drei-Punkte-Linie ist jedoch schon klar ersichtlich: die recht logische Entscheidung, für einen Wurf hinter der Linie drei Punkte zu vergeben, erweist sich nach all den Jahren vielleicht als Fehlentscheidung. Die Attraktivität, einen Drei-Punkte-Wurf zu nehmen, ist mittlerweile so hoch, dass sich ganze Teams darauf ausgerichtet haben. Wir würden eine gänzlich andere NBA sehen, wenn der Dreier nicht 50% mehr Punkte gäbe als ein Zweier.
chrisboshMit der Einführung der advanced stats kristallisierte sich immer mehr heraus, wie wertvoll der Drei-Punkte-Wurf überhaupt ist, auch wenn jeder Siebtklässler errechnen kann, dass der Abstand von 2 zu 3 Punkten prozentual viel zu hoch ist. Für die momentane Trefferquote außerhalb der Linie müssten die Würfe außerhalb der restricted area zu mindestens 53,9% getroffen werden, um den Dreier unattraktiver erscheinen zu lassen. Das ist jedoch utopisch. Genau genommen traf kein einziger NBA-Spieler aus der Mitteldistanz (und mindestens zwei Würfen pro Spiel) so hochprozentig. Einzig Chris Bosh mit 53% kommt an den angestrebten Wert heran. Kevin Durant hat zumindest das Zonenspiel gemeistert und trifft für über 54% von 3-15ft. Dennoch ist das nichts gegen gleich 95 Spieler (mindestens 100 Dreierversuche), die den Dreier mit mindestens 35,9% treffen.

Die Frage, die im Raum bleibt, ist, ob die NBA diese Entwicklung gut heißt oder ob sie Veränderungen vornehmen möchte. In der Vergangenheit vergrößerte die Liga den Abstand, doch eine weitere Ausdehnung ist eigentlich unwahrscheinlich. Blieben noch unwahrscheinlichere Möglichkeit wie die komplette Umadressierung der Punkteverteilung: Beispielsweise könnte man 4 Punkte pro erzieltem Korb vergeben, 2 pro Freiwurf, der dann ehemalige Dreier wäre 5 Punkte wert. Zur Folge hätte das, dass der Wurf aus der Mitteldistanz 1,53 Punkte pro Wurf geben würde, der Wurf außerhalb der Linie nur noch 1,79 Punkte. Die Attraktivität würde sinken, allerdings sind diese Gedankenspiele nur eben solche. Eine Umsetzung wird nicht erfolgen.

Die NBA hat sich nachhaltig verändert, seit es eine genügend große Anzahl an Drei-Punkte-Schützen gibt. Welche Verschiebungen innerhalb von Taktiken, Spieleranforderungen oder dem generellen Spielverständnis sind direkt mit der Einführung der Dreierlinie zu verbinden?

Die Veränderung der NBA durch die Drei-Punkte-Linie

Die Entwicklung der NBA dominiert seit Jahren LeBron James – allerdings zu oft abseits des Feldes. Die Medienlandschaft hat aber ebenfalls erkannt, was die Heat mit ihrer “positionless” Offense meinen: vermehrt agiert James auf dem Power Forward-Spot. Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern eine Erkenntnis, die direkt mit der Drei-Punkte-Linie korreliert.

Zum einen haben die Heat erkannt, dass James ein überdurchschnittlicher Finisher am Ring ist. Deshalb haben sie mit Chalmers, Ray Allen, Battier, Mike Miller und Rashard Lewis genügend Schützen um James versammelt, damit James zum Korb ziehen oder im Low Post operieren kann.

Zum anderen hat James selbst für sich entdeckt, dass er noch effizienter agieren kann, wenn er den Dreier wieder in sein Repertoire nimmt. Damit ist James einer der Vorreiter für einen Forward-Hybriden, der das Zeug hat, die Liga zu dominieren: Offensiv ist James ein Perimeterspieler, der durch Drives oder den Drei-Punkte-Wurf zu seinem Erfolg kommt – oder sich im Low-Post zu hochprozentigen Würfen in Brettnähe powert, wenn er nicht gerade als Facilitator die Offense ins Laufen bringt. Der größte Vorteil James’ auf dem Big Spot ist jedoch seine Fähigkeit, nahezu jeden Power Forward des Gegners zu verteidigen: Er hat die Masse und die Schnelligkeit, sodass Miami ihn problemlos als zweiten Big einsetzen kann und damit das erfüllt, was nun seit einigen Jahren (spätestens seit dem Mavs-Run 2011) die Zauberformel für Erfolg zu sein scheint: Spacing.
James dominiert die Liga auch deswegen, weil er der Idealtypus dieses Hybriden ist. Kevin Durant und Carmelo Anthony sind die anderen beiden prominenten Vertreter, haben aber defensiv mehr (Anthony) oder weniger große (Durant) Probleme oder bevorzugen defensiv lieber die Arbeit am Perimeter. Die Besetzung des “Spacing”-Bigs ist momentan die wichtigste Position im modernen Basketball, da es schwierig ist, einen Spieler zu finden, der offensiv Spacing bietet und defensiv gegen Power Forwards verteidigen kann. Kann man diese Position jedoch besetzen, ist das Spacing sehr viel wichtiger als ein weiterer klassischer Big. Möglich macht diese Entwicklung aber die Drei-Punkte-Linie als effiziente Scoringoption.

Dies kann man auch daran sehen, dass der Drei-Punkte-Wurf immer wichtiger für die Liga wurde. 2013 war jeder vierte Wurf ein Dreier:

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Während in den ersten 15 Jahren nach der Einführung der Linie jeder 30. bis 10. Wurf ein Dreier war, stieg die Nutzung der Drei-Punkte-Linie kontinuierlich an – ausgenommen die drei Jahre der Verkürzung der Linie. Das Spiel hat sich immer weiter zum Perimeter orientiert, weil man entdeckte, dass es effizienter war, als einen Mitteldistanzwurf zu nehmen. Zwei Beispiele in den letzten Jahren sind wegweisend für die Entwicklung, die die NBA nimmt: Es wird auf das klassische In-and-out gesetzt, meist mit einer Präsenz in der Mitte und Schützen darum. Das klassischste Beispiel sind die Orlando Magic 2009, die um Dwight Howard nur noch Schützen versammelten und bis in die Finals marschierten. Noch einen Schritt weiter gingen die Dallas Mavericks 2011, die zwar mit Nowitzki eher einen Schützen als Dreh- und Angelpunkt hatten, dieser aber auch im Low-Post agierte, auch wenn er keine klassischen Postmoves beherrscht. Auch um Nowitzki gesellten sich Schützen und mit Tyson Chandler ein Defensivanker.

Es stellt sich letztlich die Frage, wieso erst in den letzten Jahren so vermehrt auf den Dreier gesetzt wurde. Zum einen gab es das Spielermaterial schlichtweg in dieser Breite nicht. Das liegt auch daran, dass die Ausbildung klassisch war – Bigs übten maximal den Mitteldistanzwurf, um etwas Spacing zu schaffen. Da es die Linie offiziell erst ab 1980 gab, wurde also dieser Wurf auch erst ab diesem Zeitpunkt eingeübt. Wer 1980 geboren wurde und mit dem Basketball begann, lernte als erste Generation in der High School und auf dem College den Drei-Punkte-Wurf und wäre heute: 33. Erst in dieser Generation ist es also ersichtlich, wie routiniert und effizient Spieler sein können, wenn sie ihr Leben lang mit dem Dreier aufgewachsen sind. Da ist es auch kein Wunder, dass jüngere Spieler wie Stephen Curry den Wurf als ihre primäre Waffe ansehen, wenn er gut genug ausgeprägt ist. Von einer Reduzierung in puncto Trefferquote und Wurfvolumen sollte also vorerst nicht ausgegangen werden, vielmehr erkennt so langsam jeder Coach, dass der Wurf sehr effizient ist, sodass dieser breitflächig trainiert wird.

Zur Folge hat dies natürlich auch, dass andere Facetten des Sports in den Hintergrund treten. Dies ist am deutlichsten im Post-Spiel zu erkennen, wenn es um Fußarbeit und Bewegungen geht. Das Spiel entwickelt sich auch immer mehr vom klassischen Low-Post-Spieler weg, weil der neue Siegesschlüssel eben Spacing heißt. Und Spacing bedingt vor allem Drives. Der neuartige “Post-Spieler” ist ein Guard, der in die Zone und zum Ring penetriert, weil die Bigs Räume schaffen können. Somit ersetzt der Guard mit Zug zum Korb den Center mit Low-Post-Moves. Es sind neue Fähigkeiten nötig, um in der NBA zur Elite zu gehören, gerade auch für Guards ändert sich einiges.

Der Prototyp des neuen Offensivspielers in der NBA

Das Role-Model für den (zumindest offensiven) Superstar in den nächsten Jahren auf den Guardpositionen bekommt so langsam ganz klare Konturen: Der Guard muss den Drei-Punkte-Wurf beherrschen, muss genug Ballhandling besitzen, um damit in die Zone zu penetrieren und dort hochprozentig abzuschließen – oder den Kontakt suchen, um an die Freiwurflinie zu kommen. Am besten wird der Mitteldistanzwurf komplett ausgespart, weil er nicht so viel Erfolg verspricht. Wenn man die jüngeren Stars in der Liga anschaut, sticht vor allem ein Spieler hervor, der all diese Attribute zu erfüllen scheint:

Auffällig bei Harden sind gleich drei Ereignisse: Er trifft von nahezu jeder Position den Dreier, wichtiger ist aber noch, dass er den schwierigen above-the-arc-Dreier nimmt und gut trifft. Zudem ist er ein exzellenter Finisher am Ring. Nicht nur, dass Harden eine gute Quote am Ring hat: er zieht auch noch sehr viele Freiwürfe dort. Als drittes sieht man die Leerstellen, die Harden lässt: kein Midrange-Game. Heraus kommt die effizienteste Offense einer ersten Option aller Guards in der letzten Saison. Auf Harden sollte vor allem deswegen geachtet werden, weil er nun mit Howard eben diese In-and-Out-Option im Post hat und gerade mal in das zweite Jahr als primärer Ballhandler geht.

Fazit

Die NBA hat nach ihrem Versuch, das Spiel attraktiver zu machen und für mehr Punkte pro Spiel zu sorgen, im Jahr 1997 die Drei-Punkte-Distanz wieder erweitert, um den Drei-Punkte-Wurf wieder einzudämmen. Vergleicht man die Zahlen jedoch mit den letzten Jahren, sind die Schützen nochmals besser geworden und treffen bei höherem Volumen auf vergleichbarem Niveau. Zumindest im Schnitt wird effizienter agiert, weil die erhöhte Nutzung des Drei-Punkte-Wurfs dazu führt, dass insgesamt mehr Punkte pro Wurf erzielt werden.

Die NBA steht nun an einem Scheideweg, denn sie hatte in den 90ern bereits entschieden, dass man das so perimeterlastige Spiel nicht forcieren wollte. Nun steht sie aber in aller Konsequenz vor derselben Entscheidung, denn die neue Art NBA-Spieler könnte zwar weiterhin auf den Spitznamen “Three & D” hören, meint aber die offensiven Facetten: Drei-Punkte-Wurf und Drive direkt zum Korb. Das Midrange-Game wird weiterhin in letzter Konsequenz vernachlässigt, weil es nicht effizient genug ist.

Ob das Experiment mit der Linie und dem zusätzlichen Punkt als erfolgreich bezeichnet werden kann, hängt vom Betrachter ab. Fakt ist, dass keine Änderung in den letzten 35 Jahren so einschneidend war wie eben diese Einführung. Die Drei-Punkte-Linie hat das gesamte Basketballspiel revolutioniert und dem Sport viele neue Facetten gegeben. Und die Entwicklung scheint noch immer nicht abgeschlossen zu sein.

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