Tournament 2014

NCAA Tournament-Preview ’14-Part I

Regionen und Seeding

Ein weiteres grandioses Collegebasketball-Jahr steht vor seinem Höhepunkt. Nachdem am Sonntag das Bracket ausgelost wurde, stehen heute und morgen schon die Playin-Games der ersten Runde an, ehe am Donnerstag dann das NCAA Tournament mit der Round of 64 richtig durchstartet. Wie in jedem Jahr möchte euch die Collegebasketball-Redaktion von Go-to-Guys.de bis zum Beginn der March Madness mit allen wichtigen Informationen versorgen, die ihr braucht, um das Turnier in vollen Zügen genießen zu können. Heute soll es darum gehen einen Überblick über die vier Regionen zu bekommen und sich das Seeding des Selection Committees genauer zu betrachten.

Das Tournament 2014 – ein Überblick

Welche Art von Turnier uns in diesem Jahr erwartet? Diese Frage ist recht einfach zu beantworten: Ein spannendes und vor allem offenes Tournament steht bevor! 2013/14 war bisher ein sehr ereignisreiches Collegebasketball-Jahr. Die Superfreshmen Andrew Wiggins, Julius Randle, Jabari Parker, Noah Vonleh und Aaron Gordon zogen erfolgreich ihre Runden. Nach wenigen Spielen in der Saison stiegen auch Joel Embiid und Tyler Ennis in diesen erlauchten Kreis der NBA-Top-Prospects auf und heizten Diskussionen über Individualleistungen und Draftstocks weiter an. Der nun schon fast Legendenstatus besitzende Senior-Forward Doug McDermott schenkte in der neuen Big East nahezu jedem Team Punkte nach Belieben ein. Er überholte so während des Jahres nacheinander die Hall-of-Famer Larry Bird, Elvin Hayes und Oscar Robertson in der All-Time Scoring-List und steht nach einer faszinierenden Karriere auf Platz 5 eben dieser! Beachtliche Leistung für einen Spieler, dem nichtmal der eigene Vater zugetraut hatte für ein Major-College eine große Rolle spielen zu können. Guard Travis Bader brach in seinem vierten Jahr für die Oakland Golden Grizzlies den Rekord für getroffene Dreier vom ehemaligen Blue Devil JJ Redick und verewigte sich mit seinen 504 3PM auf ewig in den Geschichtsbüchern der NCAA. Was allerdings fehlte, waren wirklich dominante Teams, die das gesamte Jahr über keinen Zweifel an ihrer Teilnahme an einem Final Four ließen – die Davis/Kidd-Gilchrist-Kentuckys, die Hansbrough/Lawson-UNCs oder zumindest Dieng/Smith/Siva-Cardinals dieser Welt.

Durch fehlende Konstanz und Dominanz aller Mannschaften tat sich an der Spitze der AP Polls über das Jahr hinweg einiges. Keines der gewohnten Power Houses konnte vollends überzeugen. Die beiden Vorjahres-Finalisten Michigan und Louisville verloren jeweils früh in der Saison ihren wichtigsten Bigman und mussten sich so über den Restspielplan hinweg als Mannschaften jeweils neu erfinden. Die zu Beginn der Saison als 40-0 Team gefeierten Kentucky Wildcats mit der „besten Recruiting-Class aller Zeiten“ enttäuschten schnell. Jugend und Unerfahrenheit sorgten das ganze Jahr über für viele unnötige Niederlagen. Duke und UNC hatten beide ihre Fehltritte und konnten beide trotz letztlich guter Spielzeiten weder den Regular Season Title noch das Conference Tournament der ACC gewinnen. Kansas spielte mit seinen zwei potentiellen Top 3-Picks Wiggins und Embiid teilweise sehr überzeugend, aber muss wohl in den ersten beiden Turnier-Partien auf seinen Top-Center aus Kamerun verzichten. Dies macht es schwer der jungen Bill Self- Truppe zu vertrauen. Syracuse riss zu bis zur Woche 16 25 Siege in Folge ab, ehe es danach einbrach und unerklärliche Niederlagen sammelte. Arizona galt lange als dominante Mannschaft, aber verlor zur Saisonmitte seinen Starting-Power Forward Brandon Ashley und kämpft nun als ohnehin schon nicht so tief geltendes Team mit einer noch kürzeren Bank. Michigan State, die wir vor der Saison als Final Four Favoriten ausgemacht hatten, war unter der Saison nie gesund. (Nur zwei Rotationsspieler nahmen an allen Partien der Saison teil.) So gilt vor dem Tournament wohl das Florida Gators-Team von Coach Donovan als Turnier-Favorit. Eine Mannschaft, die zwar seit 26 Spielen ungeschlagen ist, allerdings auch von der wohl schwächsten SEC aller Zeiten profitierte und am Sonntag gegen ein sonst eher enttäuschendes Kentucky im Conference Tournament-Finale gehörig ins Straucheln geriet. Ohne aussichtsreiches NBA-Talent macht sich diese Mannschaft auf sechs Spiele in drei Wochen zu gewinnen, um danach die Netze abzuschneiden. Eine klare Garantie für Erfolg, kann für keine dieser Truppen ausgesprochen werden. Dies macht 2014 den Charme des Turniers aus. Es kann und wird viel passieren!

 (Ein Aufschrei aufmerksamer Fans ist an dieser Stelle erlaubt. Mit Wichita State gab es in dieser Saison ein Team, das seine Spielzeit ohne Niederlage überstehen konnte. Eine Leistung die gewürdigt werden muss, da eine 34-0 Bilanz zuletzt 1991 von UNLV erreicht werden konnte. Ein Blick auf den Strength of Schedule (Platz 98) verrät allerdings auch, dass die Shocker wirklich guten Team durch die eigene sehr schwache Liga Missouri Valley weitestgehend aus dem Weg gehen konnten. Der Final-Four-Teilnehmer aus 2013 hat wieder ein großartiges Team beisammen, aber ist auch keine Übermannschaft.)

South – Road to Memphis

Die Region des Overall-#1 Seeds Florida hat es in sich. Sie gehört gemeinsam mit dem Midwest-Teil zu den am härtesten umkämpften Turnier-Zweigen 2014. Im oberen Teil befinden sich mit dem diesjährigen Pac-12 Champ UCLA und den durch ihre Havoc-Defense immer extrem unangenehm zu spielenden VCU Rams gleich zwei potentielle Stolpersteine im Weg der Gators zu einem potentiellen Elite Eight. Auch die in den Advanced Metrics sehr gut platzierten #8 Pittsburgh Panthers (#18 in Kenpom und laut BPI eigentlich ein #4 Seed) sind kein einfaches Los.

 

Auch der untere Part des Südens ist stark. Kansas, die nach bisherigen Informationen ihren Defensivanker Embiid erst in einem Sweet Sixteen zurückerhalten würden, bekommen es in der zweiten Runde mit dem wohl stärksten #7 Seed des gesamten Feldes zu tun. Zur Einordnung: Die Lobos aus New Mexico schlugen ihren großen Liga-Rivalen aus der Mountain West Conference San Diego State in zwei von drei Spielen dieses Jahr und heimsten dabei am Samstag durch einen Win gegen die Aztecs den diesjährigen MWC-Titel ein. SDSU bekam einen #4 Seed. Wenn das nicht mal nach underseeded Sleeper klingt. Dazu tauchen in diesem Teil der Region mit Ohio State und Syracuse zusätzlich zwei Mannschaften auf, die jeweils Trainer besitzen, die wissen wie man im März gewinnt. Die Orange erreichen mit Michael Carter-Williams im vergangenen Jahr ihr viertes Final Four unter Jim Boeheim. Die Buckeyes von Thad Matta, mit der vierteffizientesten Defense des Landes ausgestattet, erreichten in den vergangenen vier Jahren immer das Sweet Sixteen.

East – Road to New York

tomizzoDer Osten ist eine sehr ausbalancierte, aber eher schwächere Region, in der viele spannende Partien zu erwarten sind. Der obere Teil wird von #1 Seed Virginia kontrolliert. Die Cavaliers müssen als eines der Überraschungsteams dieser Spielzeit gelten. Sowohl in der regulären Saison als auch im Conference Tournament überzeugte man voll und konnte mit einem disziplinierten und defensiv orientieren Team jeweils die ACC von Größen wie Duke und Syracuse gewinnen. An #5 stehen die Cincinnatti  Bearcats, die via Münzwurf wegen gleicher Bilanz mit Louisville die AAC gewannen und mit ihrem Senior Guard Kilpatrick immer ein tougher Gegner sind. Allerdings könnte deren März auch recht schnell vorbei sein, da Ivy-League Champ Harvard auch als zu schlecht eingestuftes Team gelten muss. Die #12 Crimson sind laut BPI ein #9 Seed. Hinzu gesellt sich eine der größten Seeding-Überraschungen des Sonntags. Der Big Ten-Tournament-Champ Michigan State geht als #4 ins Rennen, obwohl es sogar möglich gewesen wäre für einen #2 Seed der Spartans zu argumentieren. Tom Izzo wird es egal sein.

 

Der untere Teil ist auch schwer vorherzusagen. UNC erhielt nach einer der komischsten Saisonverläufe aller Zeiten einen wohl angemessenen #6 Seed und ist damit weiterhin eine schwer auszurechnende Wildcard, wenn man sich ihre höchsten Hochs (Siege gegen Duke, Michigan State, Louisville) und tiefsten Tiefs ( Niederlagen gegen UAB, Belmont) ins Gedächtnis ruft. Es wird spannend zu sehen, welche Version des Tar Heels-Teams sich präsentiert. Iowa State muss mit seinen großen Drei Niang/Kane/Ejim und vor allem dem sehr kreativen Coach Fred Hoiberg als eines der vielseitigsten Offensiv-Teams des gesamten Feldes gelten. Die Cyclones sind schwer zu schlagen, wenn sie ihre Leistungen aus dem Big 12-Turnier (Sieg gegen Kansas, Title-Game-Win gegen Baylor) konservieren können. Die UConn Huskies schaffen es zum ersten Mal nach letztjähriger Tournament-Sperre in der Kevin Ollie-Ära in den Big Dance. Sie gehen als #7 in das Turnier und könnten mit ihrem starken Backcourt den an #2 gesetzten Villanova Wildcats, in einem Retro-Big East-Matchup große Probleme bereiten.

West – Road to Anaheim

Der Westen ist die klar schwächste Ansammlung von Tournament-Teams. Als Kopf der Region sind die Wildcats von Coach Sean Miller gesetzt. Der #1 Seed Arizona scheinen einen recht einfachen Weg in das Elite Eight zu haben. Die potentiellen Gegner im Sweet Sixteen #5 Oklahoma oder #4 San Diego State sind als eher schwach gemessen an ihrem Seed einzustufen und sollten der besten Verteidigung des Landes keine Probleme bereiten. Allerdings hatte das Team aus Tucson mit der Auslosung seines voraussichtlichen Gegners in der Runde der letzten 32 unheimliches Pech. Hier wartet einer der besten #9 Seeds aller Zeiten auf eine weitere Chance sich zu beweisen. Marcus Smart und seine Oklahoma State Cowboys machten in diesem Jahr einiges durch. Verletzungen Suspendierungen und Niederlagen-Serien setzten dem Team immens zu. Allerdings riss man sich gegen Ende der Saison zusammen und spielte wieder wie die Mannschaft vom Spielzeitbeginn, die lange in der Top 10 der AP Polls zu finden war. Grandios unterbewertet, hätten die Cowboys mit ihrem BPI rein nach den Zahlen sogar einen #5 Seed verdient gehabt. Für solche Spiele kehrte Smart zurück ans College. Nach dem letztjährigen Aus nach einem Spiel, wird er darauf brennen dieses Mal das zweite Wochenende der Madness zu erleben.

 

Die größte Schlagzeile im unteren Teil der Region bildet sicher Doug McDermott mit seinen an #3 gesetzten Creighton Bluejays, die angeführt von ihm die effizienteste Offensive des Landes besitzen. Erreicht der Forward ein Final Four, so wäre noch ein Sprung auf Platz vier der Scoring-Bestenliste möglich. Einfach wird dies aber nicht. Schon in Spiel Eins trifft er auf die Ragin‘ Cajuns, die mit Elfrid Payton einen Point Guard mit NBA-Potential haben. Es folgen #6 Baylor oder #11 Nebraska, beides Teams, die gegen Ende ihrer Conference Games extrem überzeugenden Basketball spielten. Danach drohen die talentierten Ducks aus Oregon, die schon im letzten Jahr als #12 Seed das Sweet Sixteen erreichten oder aber Bo Ryan’s wohl bestes Wisconsin-Team aller Zeiten. Die an #2 gesetzten Badgers sind in dieser Saison ebenso wie die Bluejays eine gut funktionierende Angriffsmaschinerie (#5 Offensive in Kenpom), die zu jeder Zeit einen Dreier werfenden Sevenfooter mit vier anderen Schützen kombinieren kann -ein für keinen Gegner leicht zu verteidigendes Matchup.

Midwest – Road to Indianapolis

In einem Fußball-WM-Jahr kann man in diesem Fall wohl locker von einer „Todesgruppe“ sprechen. Der Mittlere Westen, als schwierigste Region des diesjährigen Turniers, ist brutal stark. Funfact: Gleich drei der letztjährigen Final Four-Teams sind hier zu finden. Im oberen Teil stehen die Wichita Shockers nach ihrer ungeschlagenen Saison verdient an #1. Was sie allerdings nicht verdient haben, ist das potentielle Round of 32-Matchup, das ihnen droht. Sprachen wir noch im Zusammenhang mit Oklahoma State vom besten #9 Seed der Neuzeit, so muss Kentucky wohl als talentierteste #8 aller Zeiten gelten. Auch wenn sie in diesem Jahr nicht funktioniert haben, so stehen noch immer 6 potentielle NBA-Firstrounder in ihrem Roster. Die Größe der Wildcats dürfte Wichita State alles abverlangen, sofern die Truppe von Calipari nicht wieder einbricht und gegen die solide #9 Kansas State verliert. Auch die Wichita State potentiell bevorstehende #4 Louisville hat es in sich. Ähnlich wie Michigan State müssen auch die Cardinals als klar underseeded gelten. Ihr schwacher Non-Conference-Schedule in allen Ehren, aber die Vorstellungen, die der amtierende Champ in den letzten Spielen ablieferte hätten auch in ihrem Fall mindestens einen #2 Seed gerechtfertigt. Die Mannschaft von Rick Pitino gewann das AAC Tournament mehr als souverän und schickte ihre letzten vier Gegner mit durchschnittlich 33,2 Punkten Unterschied nach Hause. Ein dritter Final Four-Runs in Folge scheint möglich.

 

In der unteren Hälfte der Region warten zwei weitere Hochkaräter auf. #2 Michigan, diesjähriger Big Ten Champ, hat sich vom Ausfall von Bigman Mitch McGary erholt und rannte im Conference-Play alles nieder. Dabei installierte Coach Beilein um seinen Star Nik Stauskas ein Angriffssystem, das in diesem Jahr sogar noch effizienter war als die letztjährige Offensive mit Trey Burke und Tim Hardaway Jr. Auf sie wartet in der Runde der letzten 32 entweder mit Jahii Carson furchtloser Scorer mit NBA-Talent, der Spiele im Alleingang entscheiden kann, oder aber ein Texas-Team, welches mit seinem sehr physischen Frontcourt in diesem Jahr sogar schon gegen Kansas mit Embiid gewinnen konnte. Zu guter Letzt hofft Coach K mit seinen an #3 gesetzten Duke Blue Devils auf sein zwölftes Final Four. Mit Jabari Parker/Rodney Hood steht ihm die wohl beste Spielerkombo der Region zur Verfügung. Parker, der oft mit Carmelo Anthony verglichen wird, könnte mit sechs Tournament-Siegen dem ehemaligen Spieler von Syracuse noch ein Stück näher rücken. Anthony gewann vor seinem Sprung in die NBA 2003 als College-Freshman die Meisterschaft für seine Orange.

In den nächsten beiden Tagen werden Informationen zu Final Four Kandidaten, den im Tournament vertretenden NBA-Prospects sowie besonders interessanten Matchups dieser Ansetzungen folgen.

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