NCAA Previews 11/12

College Preview: Alabama Crimson Tide

Liebe Leser,

in wenigen Tagen startet die College-Basketball-Saison. Am 7.11. wird mit vier Partien die kommende Spielzeit eröffnet. Unter anderem geben sich dort mit den Arizona Wildcats und den St John’s Red Storm schon zwei Tournamentteams aus dem letzten Jahr die Ehre. Richtig startet man dann aber erst vier Tage später in das neue (Basketball-)Jahr. Der 11.11. wird mit seinen 125 angesetzten Partien zum wahren Übertragungsmarathon und sollte jedes orangene Herz höher schlagen lassen. Dieses Datum wird 2011 auch für jeden Nicht-Karnevalisten ein Freudenfest. Endlich flimmert wieder amerikanischer Basketball über die Mattscheibe respektive den Bildschirm. Viele potentielle NBA Prospects wie Jared Sullinger, Harrison Barnes und Perry Jones, entschieden sich auf Grund des bevorstehenden Lockouts dazu, an ihr jeweiliges College zurückzukehren. Diese vielen talentierten Rückkehrer sollten die diesjährige Spielzeit zu einer der spannensten und qualitativ besten der letzten Jahre werden lassen.

Go-to-Guys wird euch die Zeit bis dahin mit ausführlichen Previews zu den aus unserer Sicht besten Teams der kommenden Saison versüßen. Zu diesem Zwecke werden wir in den kommenden zwei Wochen ein von uns erstelltes fiktives Bracket füllen. (Man kennt diese Art der Auflistung aus dem März.) Unser imaginärer Turnierbaum wird mit der Runde der letzten 16, also dem Sweet Sixteen, starten und die vorgestellten Teams in drei Tiers einteilen. Es soll gezeigt werden, welchen Teams wir das Achtelfinale, das Elite Eight oder gar das diesjährige Final Four in New Orleans zutrauen. Es geht hierbei um Talentlevel, Teamzusammenstellung, Coaching und andere Bewertungskriterien. Eine genauere Einteilung ist nicht möglich. Zu viele unvorhergesehene Geschehnisse und Überraschungen lassen die lange Saison, die große Anzahl von Teams und vor allem auch der KO-Modus des die Saison abschließenden Turniers zu. Wir entschieden uns dazu, innerhalb der Tiers auch keine genaue Reihenfolge festzulegen. Deshalb werden die Mannschaften einfach in alphabetischer Reihenfolge vorgestellt. Wie immer bei solchen Ranglisten war es auf den hinteren Plätzen sehr eng. Knapp am Cut gescheitert sind unter anderem die Teams Xavier, Michigan, Texas A&M oder auch UCLA. Sogar Gonzaga konnte in Erwägung gezogen werden. Die Bulldogs werden, hoffentlich von einem starken Elias Harris angeführt, eine ordentliche Spielzeit hinlegen. Für unsere Liste reichte es trotzdem nicht.

Nun aber auch genug der vielen Worte. Wir wünschen euch viel Spaß beim lesen der Previews, die euch einen Überblick über Zu- und Abgänge, Stärken und Schwächen sowie die Perspektive der einzelnen Teams geben werden.

Albama Crimson Tide, SEC

2010/11: 25-12; National Invitation Tournament: Finale.
Es war ein bitteres Ende einer eigentlich sehr guten Saison für die Crimson Tide. Die sehr Football-lastige Schule konnte sich nach mehreren Jahren der NCAA Tournament-Abstinenz endlich wieder Hoffnung auf eine Teilnahme machen. Doch aufgrund der schwachen Anfangsphase, in der man gegen Unis wie St. Peter’s und Iowa verlor, entschied sich das Komitee gegen das Team von Head Coach Anthony Grant, der erst sein zweites Jahr in Alabama absolvierte. Mit einer Bilanz von 25 – 12 und dem Gewinn der SEC – West war allerdings ein solider Grundstein für die Zukunft gelegt.

Das NIT war als Abschluss der Saison dann doch noch recht erfolgreich. Die Tide kämpften sich bis ins Finale, verloren dort aber knapp gegen ein sehr erfahrenes Team der Wichita State Shockers.

Wer ging?

Mit Charvez Davis, Senario Hillman, Chris Hines, Andrew Steele und Kendall Durant verließen fünf Seniors das Team. Auch wenn der individuelle Impact der Akteure nicht von großer Bedeutung war, kamen sie zusammen immerhin auf 27 Punkte. Diese müssen erst einmal ersetzt werden.

Insbesondere der Verlust der Starter Davis und Hines tut den Crimson Tide weh. Davis trat als wichtiger Schütze in Erscheinung und traf über die Saison verteilt 71 Würfe von Downtown bei einer Quote von 34.6 Prozent. Big Man Hines sorgte eher für wichtige Rebounds (6.1) und defensive Qualitäten.

Hillman und Steele gehörten ebenfalls kontinuierlich zur Rotation und waren wichtige Bestandteile der Mannschaft.

Wer kam?

Die hervorragende Recruiting-Class der Crimson Tide ist sehr stark auf Guard-Positionen fokussiert. Levi Randolph und Trevor Lacey sind die neuen Hoffnungsträger im Backcourt und sollen die Abgänge vergessen machen.

Erstgenannter ist an Nummer neun der Shooting Guards in der ESPNU Top 100 gesetzt. Es ist ihm möglich, auf dem Flügel, aber auch als Point Guard zu agieren. Sein Perimeter-Game ist gut ausgebildet, wobei der Sprungwurf mehr als solide ist. Des Weiteren kann sein Ballhandling auf einem sehr hohen Level eingestuft werden, was wiederum seine Vielseitigkeit untermauert. In den letzten Jahren entwickelte sich der 1.98 Meter große Akteur physisch enorm weiter. All das wird ihm helfen, eine wichtige Rolle im Team von Anthony Grant einzunehmen.

Kentucky, Uconn und Kansas. Diese drei Big-Time Programme standen auf der Liste von Trevor Lacey. Letztendlich entschied sich der Lokalmatador für seine Heimat Alabama. Rivals.com hat Lacey sogar an Nummer sechs der Shooting Guards auf einer Stufe mit Bradley Beal, Austin Rivers und Jabari Brown. Sicherlich sind diese Vergleiche etwas übertrieben, trotzdem zeigt es, dass er eine ernstzunehmende Verstärkung für die Tide ist. Der 1.92 Meter große Guard hat einen sehr sicheren Wurf, sowohl aus dem Catch-and-Shoot als auch aus dem Dribbling. Er wird für jeden Verteidiger eine Herausforderung darstellen, da man neben dem Distanz- und Midrange-Wurf auch den Drive beachten muss. Defensiv muss der zweimalige State Championship-Sieger noch an der Fußarbeit trainieren, um konstant vor seinem Mann bleiben zu können.

Vier-Sterne-Rekrut Nick Jacobs wird die Starter ein wenig entlasten können. Sein Spiel zeichnet sich durch ein gutes Post-up-Game aus. Immer wieder nutzt der Forward seine hervorragende Fußarbeit aus, um sich eine gute Position zu erarbeiten.

Freshman Rodney Cooper wird zwar nur begrenzt Spielzeit bekommen, allerdings überzeugt der Linkshänder mit einer ausgereifte Athletik und einem soliden Wurf. Seine Position ist zwar die Drei, in der Defense kann der 18-Jährige aber mehrere Positionen bekleiden. Vergangene Saison wurde Cooper mit mehreren Auszeichnungen für seine Leistungen als Senior prämiert, was seine Qualität untermauert. Die Rotation wird er wahrscheinlich knacken, dabei aber mehr dafür zuständig sein, seinen Teamkameraden wichtige Pausen zu verschaffen.

Wer bleibt?

Überragend war das Forward-Tandem JaMychal Green und Tony Mitchell. Zusammen waren sie für 30.7 Punkte und 14.6 Rebounds im Schnitt verantwortlich. Damit gingen ungefähr 44 Prozent der Punkte auf ihr Konto. Außerdem kamen sie auf eine Defensiv-Reboundrate von 17.9 bzw. 15.9 Prozent.

Die größte Hilfe für die beiden Big Men war Guard Trevor Releford. Auch wenn seine Quote von Downtown (27.9%) besorgniserregend ist, zeigen 11 Punkte, 3.3 Rebounds und 3.4 Assists seine Bedeutung für das Team. Die Assistrate von 26.75 unterstreicht dies noch einmal.

Dass die drei Stützen zurückkehren, macht Hoffnung für die Fans in Tuscaloosa. Mit noch mehr Erfahrung sollten insbesondere die beiden Forwards enorme Mismatches in den gegnerischen Reihen verursachen. Durch einen Distanzwurf, den man zumindest beachten sollte, kann Tony Mitchell auch von Außen eine Gefahr darstellen, was es deutlich schwieriger macht, den Forward aus Georgia zu verteidigen. Sein Partner JaMychal Green hingegen traf nur einen einzigen Dreier (bei einem Versuch) in der vergangenen Saison. Sein Aktionsradius ist somit relativ beschränkt. Dort überzeugte der Senior aber mit guten Quoten aus dem Feld, wobei er im Vergleich zu seinem Nebenmann deutlich mehr Freiwürfe zog.

Große Unterstützung auf der Center-Position ist nicht zu erwarten. Der schwedische Sophomore Carl Engstrom kommt zwar mit einer Größe von 2.16 Meter daher, spielte allerdings nur 5.3 Minuten und erzielte 0.4 Punkte. Ebenso fraglich ist, wie groß der Impact von Freshman Moussa Gueye sein wird. Auch er ist mit stattlichen 2.13 Meter gesegnet worden, dennoch ist der Senegalese noch sehr roh. Ein Sprung in die Rotation ist vorerst nicht zu erwarten.

Stärken/Schwächen

Im Backcourt sind diese Verstärkungen absolut relevant und sinnvoll. Zusammen mit Releford werden die beiden Neuzugänge Randolph und Lacey eine gute Figur abgeben. Der Sophomore sollte glücklich über die neuen Teamkameraden sein, da sein Perimeter-Spiel den Namen kaum verdient hat. Auch Green und Mitchell werden ihren Nutzen daraus ziehen können, da die Aufmerksamkeit der gegnerischen Defense nun nicht mehr vollkommen auf sie ausgerichtet werden kann.

Vergangene Saison trafen die Crimson Tide als Team keine 30 Prozent von Downtown. Das ist für eine Mannschaft mit solch einer Bilanz nicht akzeptabel. Voraussichtlich wird sich dies durch die Zugänge ändern, denn fast alle Freshman-Guards zählen den Distanzwurf zu ihrem Arsenal dazu. Die Spieler ergänzen sich auf dem Papier gut und die wichtigen Stützen stehen. Nun wird es daran liegen, ob Point Guard Releford sich steigern und die vielen Waffen in Szene setzen kann.

Einzig der Aspekt des Centers ist besorgniserregend. Keiner der richtigen Center hat das Talent, ein Starter zu sein. Die Größe ist vorhanden, das reicht in den meisten Fällen aber nicht alleine. Im Endeffekt wird Grant aber auf Engstrom und/oder Gueye zurückgreifen müssen. Wie sich das auf das Spiel auswirkt, muss abgewartet werden. Die Konstellation ist an dieser Stelle aber sicherlich alles andere als optimal.

Ausblick

Die Mischung aus Erfahrung und Talent stimmt. Auch die Qualitäten am Perimeter und in der Zone sind ausgeglichen besetzt. Nach einer erfolgreichen Saison müssen die Ansprüche nun deutlich höher angesetzt werden. Die Abgänge konnten mehr als nur ersetzt werden und Anthony Grant wird in seinem dritten Jahr deutlich besser mit den Gegebenheiten zurecht kommen. Nun kennt er die Bausteine und hat bereits Erfahrung mit seinen Führungsspielern. All das wird Alabama zu einer sehr erfolgreichen Saison verhelfen, in der man aber auch der ansteigenden Erwartungshaltung gerecht werden muss.

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