Draftprofile 2014

Joel Embiid

University of Kansas

Datenblatt

Name: Joel Embiid

Position: Big

[xrr rating=3/4]  (Allstar)

College: University of Kansas

College-Erfahrung: Freshman

Joel Embiid ist das Phänomen dieser Draftclass. Vor der Saison wurde der Kameruner als interessanter Spieler gesehen, der den Sidekick zu Andrew Wiggins bei Kansas bilden sollte, neun Monate später ist Embiid ein potentieller #1-Pick – noch vor seinem Teamkollegen.

Die Reise Embiids bis zum Draftday liest sich wie ein modernes Märchen. In den Zeiten, wo das Scouting der NBA Teams längst Europa erreicht hat und man nahezu weltweit versucht, alle möglichen Talente zu entdecken, spielte Joel Embiid unter dem Radar. Dies ist ausnahmsweise auch nicht verwunderlich, denn Embiid begann mit dem Basketball erst 2010. Vor 2010 spielte dieser noch Volleyball. Dass er sich jedoch für den richtigen Sport entschieden hatte, zeigte Embiid bereits in seinem Freshman-Jahr, als er in nur 23 Minuten 11 Punkte, 8 Rebounds und 2,6 Blocks auflegte.

Skills & Tools

Embiids Größe ist beeindruckend. Der Kameruner ist ein echter Seven-Footer mit langen Armen. Wer nun denkt, dass dies zu Lasten seiner Mobilität geht, der sieht sich getäuscht. Embiid ist für seine Größe sehr gelenkig und hat eine tolle Körperkontrolle.
Inwiefern Embiid nun Skills oder Tools besitzt, kommt auf die Interpretation dessen an, was man meint, innerhalb von 28 Spielen als gefestigte Skills erkannt haben möchte. Embiid hat eine unglaubliche steile Lernkurve an den Tag gelegt, dennoch ist klar, dass er aufgrund der geringen Erfahrung bisher wenig Automatismen ausbilden konnte, die er im Schlaf abrufen kann. Dennoch ist es beeindruckend, wie dieser anfangs rohe Spieler vor allem offensiv immense Fortschritte macht. Der Kameruner beherrscht einige Low Post Moves, Finten und kann so aufgrund seiner Agilität zu leichten Punkten kommen. Wichtiger für seine NBA-Karriere ist aber das Ballgefühl, das Embiid scheinbar innehat. Er traf bei den Jayhawks knapp 70% seiner Freiwürfe. Seine Wurfform konnte er auch in einige Mitteldistanzwürfe übertragen, sodass man zum jetzigen Zeitpunkt attestieren muss, dass Embiid nicht nur der klassische Low-Post-Center werden kann, sondern über seinen Wurf das Spiel für sein zukünftiges Team öffnen kann.
Aber auch defensiv hat Embiid große Fortschritte gemacht. Er reboundet exzellent und beschützt den Korb hervorragend. Durch seine Seitwärtsbewegungen, die sehr schnell und punktgenau eingesetzt werden können, blockt er nicht nur Würfe, sondern verändert weitere oder stopft Löcher in der Defense. Embiid setzte bisher seine Länge instinktiv gut und bestimmt ein, und konnte so bereits nach kurzer Zeit defensiven Impact auf das Spiel der Jayhawks haben.

Während man offensiv nur von Tools reden kann, sind die defensiven Fähigkeiten durchaus schon Skills. Embiid wird mit großer Wahrscheinlichkeit ein guter Ringbeschützer, der den Fastbreak mitrennen kann. Eine Karriere wie diese von Tyson Chandler wäre jetzt schon denkbar und sehr realistisch.

Natürlich ist Embiid eher ein Potential-Pick in dieser Draft. Doch die Kombination aus den physischen Anlagen und den bisher gezeigten Skills verspricht einen exzellenten NBA-Center, wenn dieser sich weiter so entwickelt. Gerade die bisherige Leistung muss hier mehr gewürdigt werden. Bei vielen Prospects hängt das Potential davon ab, ob sie weitere Facetten in ihr Spiel integrieren können (meistens der Wurf, sonst vor allem Ballhandling), um in der NBA Impact haben zu können. Bei Joel Embiid stellt sich eher die Frage, ob er seine bisher gezeigten Moves zu beherrschen lernt und weiß, wann er sie einsetzen muss. Die Tools und die Ausführung der Skills sind da, aber ob dies konstant abgerufen werden kann, ist noch fraglich.

Dementsprechend ist die fehlende Erfahrung die größte Schwäche Embiids. Dies gilt eigentlich für nahezu alle Rookies im Vergleich zu den gestandenen NBA-Profis, aber Embiids Handicap wiegt ungleich größer. Während die breite Maße der NBA-Talente trotz ihren jungen Alters bis zu zwölf Jahre Basketballerfahrung hat und in einem Basketballland aufwuchs, hat Joel Embiid drei Jahre vorzuweisen. Dieser Nachteil sollte auch keinesfalls unterschätzt werden. Erfahrung kann man nicht erlernen und sie beeinflusst jede Aktion auf dem Feld. Wer also von Embiid direkten Impact erwartet, sieht sich vermutlich getäuscht. Auch für die US-Talente, die seit Jahren nur auf den Schritt in die NBA hinarbeiten, ist der 82-Spiele-Plan eine unbekannte Belastung, sodass es einen Begriff wie die „Rookie Wall“ nicht umsonst im Sprachgebrauch gibt. Embiid wird hier tendenziell noch mehr Schwierigkeiten haben als der Rest der Neulinge.

Sorgen bereitet zudem Embiids Rücken, der so eine Mammutsaison tragen muss. Nach dem Ausfall zum Ende der regulären Saison konnte der Kameruner nicht mehr für das NCAA Tournament auflaufen. Die Rückenschmerzen hielten sich beharrlich, sollen zum Draftzeitpunkt aber abgeklungen sein. Eine Rückenverletzung ist bei einem Spieler seiner Länge immer mit besonderer Sorge zu beobachten.
Schlimmer wird es noch, wenn man hinzuzieht, dass beinahe jeder Scout sagt, dass Embiid Masse fehlt, um in der NBA zu bestehen. Wie fatal ein zu großer Muskelaufbau sein kann, haben nicht zuletzt Greg Oden und Andrew Bynum bewiesen. Beide Center hatten jedoch Knie- und nicht Rückenprobleme. Es stimmt natürlich, dass Embiid mehr Masse benötigt, um als Center seine Gegenspieler gut verteidigen zu können. Allerdings muss man bedenken, dass einige Stärken Embiids auch darauf basieren, dass er mit seinem jetzigen Körpergefühl Leistungen abrufen kann. Dies ist vor allem die Kontrolle über seinen Körper, dazu das Wurf- und Ballgefühl, das Embiid vorweisen kann. Sollte Embiid hier Einbußen hinnehmen müssen, um defensiv gegen NBA-Center verteidigen zu können und eine weitere Verletzung in Kauf nehmen, weil er nicht mehr so unglaublich mobil ist, sollte dies zumindest in Frage gestellt werden. Anthony Davis macht sich als talentierter Big ohne Masse bisher auch sehr gut in der NBA.

Stats innerhalb der Draftclass

Draft 2014_Stats_Bigs

Spielervergleich

Einen Vergleich für Joel Embiid zu finden, der zum einen sein voraussichtliches Skillset abdeckt, zum anderen aber auch die Bedenken dokumentiert, die er aufgrund seiner Unerfahrenheit hat, ist schwer. Er erinnert in manchen Momenten in der Tat an Hakeem Olajuwon, der vom Körperbau auch nie ein massiger Center wie David Robinson war, diesen aber an beiden Enden des Feldes dominieren konnte. Die augenscheinlichen Vergleiche zum Leben des Dreams (Olajuwon entschied sich auch erst mit 15 endgültig für den Basketball, kommt ebenfalls aus einem afrikanischen Staat und war ein Top-Pick im stärksten Draftjahrgang der Dekade) sind in der Tat verblüffend, aber Olajuwon konnte – im Gegensatz zu Embiid – drei Collegejahre vorweisen. Spätestens im letzten Jahr dominierte Olajuwon die Collegewelt nach Belieben. Er war kein Potentialpick.
Dennoch bleibt Olajuwon der naheliegendste Vergleich, wenn man nicht auf Anthony Davis hinweisen möchte, der aber selbst noch ein Projekt und (noch) kein Center ist. Schwierigkeiten für einen Vergleich bestehen vor allem darin, dass viele Centerprojekte aufgrund ihres Körperbaus als Lotterypicks beurteilt wurden (Andre Drummond, Greg Oden, Andrew Bogut und Dwight Howard sowie Kwame Brown und Andrew Bynum als High Schooler), nicht wegen ihrer Skills. Der letzte erfolgreiche Center mit Skills könnte Yao Ming gewesen sein, davor ist es schon Tim Duncan.

Draftaussichten

Joel Embiid ist ein Spieler mit ganz klassischem Low Post Center-Skillset im Körper von Davis/Noel/Olajuwon. Wenn Embiids Rücken zu 100% verheilt ist und ihm in der Karriere keine Beschwerden mehr macht, ist Embiid der klare erste Pick dieser Draft. Automatismen kann man erlernen, Moves hat er bereits gezeigt, dies zusammen zu bringen, sollte zwar noch zwei Jahre dauern, aber mit ziemlicher Sicherheit wäre Embiid am Ende seines Rookievertrags ein Impactplayer in der NBA.
Die Sorgen um die Verletzungsgefahr Embiids bleiben aber bestehen. Auch wenn es Embiid nicht so schlimm behindern würde wie Oden oder Bynum, die physisch auch ganz anders gebaut waren, ist die Kombination aus Unerfahrenheit und verminderte Leistung durch die Beeinträchtigung des Rückens auf jeden Fall zu beachten. Dennoch muss spätestens an Position 3 eine Franchise das Risiko eingehen, da die bereits gezeigten Leistungen auf dem College einen Top 3 Pick Embiids rechtfertigen.

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