Dallas Mavericks, Oklahoma City Thunder, Playoffs

Turning Point

Bis Donnerstag Nacht gewannen Dallas Mavericks sieben Playoffspiele in Folge. Nach dem wohl überraschenden Sieg der Oklahoma City Thunder ist diese beeindruckende Serie nun Geschichte und man fragt sich, in welche Richtung sich diese Serie entwickeln wird. Können die Thunder jetzt die Kontrolle über die Serie übernehmen oder war die erste Playoffheimniederlage der Dallas Mavericks nur ein böser Ausrutscher, der nicht wieder vorkommt? Um dies zu bewerten, schauen wir uns an, wie die Thunder es überhaupt geschafft haben, die Mavericks zu schlagen.

Die ersten zehn Minuten

In den ersten knapp zehn Minuten ging das Spiel so weiter wie Spiel 1 beendet wurde: Die Dallas Mavericks dominierten die Thunder. Sie trafen ihre 3er, Kidd glänzte als Vorbereiter, Dirk Nowitzki machte nebenbei seine 6 Punkte. Im Gegensatz dazu lief bei den Thunder (defensiv und offensiv) wenig zusammen. Schön zu sehen an der Tatsache, dass Coach Scott Brooks innerhalb von etwas mehr als einer Minute gleich zwei Auszeiten nahm, als die Thunder Jason Kidd zwei erfolgreiche Alley Oop-Anspiele auf Tyson Chandler schenkten. Nach einem erfolgreichen Dreipunktewurf von Peja Stojakovic führten die Mavericks mit neun Punkten, 26:17. Die Dallas Mavericks waren ohne Frage auf Kurs zum zweiten Sieg im zweiten Spiel. Scott Brooks  wechselte dann den keineswegs schlechten Russell Westbrook aus und brachte Backup-Pointguard Eric Maynor; ein eigentlich ganz normaler Wechsel, der bei den Thunder immer am Ende des ersten Viertels stattfindet.

Brooks’ Adjustments

Dieser Wechsel sollte sich jedoch schnell als exzellente Entscheidung von Scott Brooks herausstellen. Die Thunder kämpften sich zurück in die Partie und führten nach einem 23:9 Lauf wenige Minuten später plötzlich mit fünf Punkten. Diese Entscheidung von Scott Brooks sollte nicht die einzig richtige in dieser Partie bleiben. Gregg Doyel von CBSSports.com schrieb am Freitag, dass Scott Brooks der “MVP” der Thunder gewesen sei. Welche Adjustmens vom Coach der Thunder dafür sorgten, dass diese Ansicht richtig ist, wird im Folgenden besprochen:

1. Verteidigung gegen Dirk Nowitzki

48 Punkte aus nur 15 Würfen und 24 getroffenen Freiwürfen. Effizienter geht es kaum. Wenn ein Spieler eines gegnerischen Teams so ein unglaubliches Spiel hat, ist es wohl fast unmöglich, eine Partie für sich zu entscheiden. So auch für die Thunder. In Spiel 1 versuchten sie Dirk Nowitzki Eins gegen Eins zu verteidigen und das ging gründlich daneben. Dirk Nowitzki hatte keine Probleme, seine Sweetspots zu erreichen. Sie foulten Dirk viel zu häufig, auch weil sie versuchten, ihm den Ball aus der Hand zu schlagen. Bei einem so guten Freiwerfer und Ballhandler wie Nowitzki ist das ohne Frage tödlich. Einzig Nick Collison stellte sich gegen den großen Blonden besser an (dass er +7 in seiner Einsatzzeit war, überrascht dann nicht), und gerade dieser Collison nahm am Donnerstag eine Schlüsselrolle in der Verteidigung gegen Dirk Nowitzki ein.

Der von Scott Brooks ausgerufene Gameplan sah vor, dass man das Anspiel auf Dirk unter allen Umständen verhindern soll. Dies gelang am Donnerstag die ersten drei Viertel exzellent, denn Nowitzki nahm bis zum vierten Viertel nur sieben Würfe. Die Thunder schafften esm die Anspiele auf Dirk zu verhindern, indem man ihn gefronted hat oder er sogar gedoppelt wurde, bevor er den Ball überhaupt bekam. Nick Collison erkämpfte sich gegen Dirk einige Male günstige Verteidigungspositionen, um Dirk Nowitzkis “Sweet Spots” zu blockieren. Weniger Abschlüsse als in Spiel 1 waren die Folge, welches sich auch statistisch belegen lässt. Während in der ersten Partie Dirk Nowitzki 32.1% der Ballbesitze von Dallas direkt selbst abschloss, waren es in Spiel 2 “nur” noch 28.5%, obwohl er im letzten Viertel noch 16 Punkte machte und zehn Würfe nahm. Zwar agierte Nowitzki wieder gewohnt effizient (133 Punkte auf 100 Ballbesitze), doch waren die Werte nicht mehr so irreal wie in Spiel 1 (damals 185 Punkte pro 100 Ballbesitze). Ein Grund dafür ist auch, dass Dirk Nowitzki nicht so viele Freiwürfe zugesprochen bekam wie noch in Spiel 1. Die Thunder versuchten mehr, seine Würfe zu contesten und ihn weniger zu attackieren. Zehn Freiwürfe sind immernoch noch zu viel, aber eine positive Entwicklung ist sichtbar.

2. Smallball im vierten Viertel

Scott Brooks startete das letzte Viertel (Stand 77:76 für die Thunder) mit der Lineup Maynor/Cook/Harden/Durant/Collison und ließ diese bis kurz vor Schluss auf dem Feld. Das Schöne an dieser Formation ist, dass sie die Zone der Dallas Mavericks, die diese zwischendurch immer wieder auspackten, auseinandernehmen kann, weil so viele Shooter auf dem Feld sind. Die Thunder erzielten, angeführt von Eric Maynor und James Harden, 29 Punkte im letzten Viertel. Defensiv sah die Aufteilung so aus, dass zunächst Kevin Durant Dirk Nowitzki verteidigte (mit Hilfe in Form von Doppeln von Collison). Nachdem dieser jedoch von Barea sein viertes Foul angehängt bekam, ließ Coach Brooks Durant und Collison die Gegenspieler switchen. Durant sollte jetzt den offensiv limiterten Haywood verteidigen, während Collison Dirk Nowitzki versuchte zu verteidigen.

Selbst als Tyson Chandler von Rick Carlisle eingewechselt wurde, änderte Brooks die Zuteilungen nicht. Die Dallas Mavericks machten gar keine Versuche, Kapital aus diesen Mismatch Tyson Chadler / Kevin Durant zu schlagen. Vielleicht kommt OKC auch zu Gute, dass Chandler nachweislich keine Lowpost-Option ist. Als langer, athletischer Spieler macht er seine Punkte meist “nur” nach Alley Oop-Anspielen oder Offensivrebounds. Der Ball ging jedoch fast nur zu Dirk und bei Fehlwürfen schaffte es Durant, Tyson Chandler auszublocken. So konnte man das ganze Viertel über offensiv von Smallball profitieren ohne defensiv auf verlorenem Posten zu sein. Zwar drehte Dirk gegen Collison und Durant im vierten (endlich?) auf, jedoch kam vom Rest nur noch wenig. In Anbetracht der defensiven Probleme gegen die Lineup der Thunder reichte das dann nicht.

3. Eric Maynor für Westbrook

Wie ich oben bereits andeutete: Dies war der Schlüsselwechsel der Partie. Als Ende des dritten Viertels wieder der obligatorische Wechsel Maynor zu Westbrook stattfand, konnte wohl niemand damit rechnen, dass Russell Westbrook nicht wieder das Feld als Spieler betreten würde. Normalerweise kommt Westbrook irgendwann in den ersten sechs Minuten des Viertels zurück ins Spiel, doch Scott Brooks ließ weiterhin Maynor spielen. Warum? Die Lineup Maynor/Cook/Harden/Durant/Collison (siehe unter Punkt 2.) funktionierte einfach. Dabei sollte man beachten, dass Westbrook keineswegs so schlecht in der Partie war. Man könnte sagen, dass es keine Entscheidung gegen Russell Westbrook, sondern für Eric Maynor war. Coach Brooks bestätigte dies:

“The decision, really, was (because) Eric was playing well. It had nothing to do with Russell. Eric was playing good basketball, solid basketball for us. We were increasing the lead.”

Interessant ist diese Entscheidung auch, wenn man sich Teile der Halbzeitansprache von Scott Brooks anschaut (an dieser Stelle Danke an die Kollegen von dailythunder.com):

Er sagt am Ende ganz deutlich: “Every one of you guys has it in you. I would not put you on the floor if I didn’t think you could do the job.”

Er vertraute im letzten Spielabschnitt Eric Maynor, die gefordeten Aufgaben zu bewältigen, also ließ er ihn auf dem Feld. Es liegt wohl ziemlich nahe, dass dieser Schachzug auch die Dallas Mavericks ziemlich überraschte. Wäre es in die Hose gegangen, hätte die ganze Welt Scott Brooks kritisiert und zum Sündenbock gemacht, denn wer setzt einen All-NBA-2nd-Team-Spieler auf die Bank, wenn die Curnchtime anfängt? So aber überzeugte der 23-jährige Maynor auf ganzer Linie und Scott Brooks wurde für diesen Mut und dieses konsquente In-Game-Coaching belohnt.
Kommen wir zum nächsten Punkt:

4. Konsequentes Attackieren von JJ Barea

JJ Barea erwischte offensiv abermals einen guten Tag und erzielte am Donnerstag nach seinen 21 Punkten in Spiel 1 immerhin 11 Punkte (darunter 3-5 von Downtown). Dass der etwas “kleinwüchsige” Energizer der Mavericks heiß laufen kann, weiß mittlerweile jeder in der NBA.

Jedoch muss es das Ziel des gegnerischen Teams sein, dass er hinten mindestens so viel kassiert, wie er vorne macht – und das gelang den Thunder ziemlich gut, indem sie ihn immer wieder konsequent attackierten. Insgesamt 19 Punkte erzielten die Thunder, wenn Barea attackiert beziehunsweise ein Abschluss gegen ihn versucht wurde. Barea ist defensiv ein riesiges Mismatch zugunsten der Oklahoma City Thunder, das konnte man deutlich sehen. Sei es durch schlechte Pick & Roll Defense, schlechtes Ausblocken beim Rebound, den Shootern zu viel Platz lassen oder die Tatsache, dass Barea seinen Gegenspieler nicht vor sich halten kann. Diese 19 Punkte kamen übrigens durch 11 Angriffe zustande. Das bedeutet, Barea ließ selbst mehr als 171 Punkte pro 100 Possessions zu, wenn er attackiert wurde. Gerade Maynor spielte das ein oder andere Mal Katz und Maus mit den Puerto Ricaner (9 Punkte gegen Barea). Da überrascht es auch nicht, dass die Mavericks mit Barea auf dem Feld mit -12 im Hintertreffen waren (schlechtester Wert aller Spieler der Dallas Mavericks) und Eric Maynor auf Seiten der Thunder den besten Werte hatte (+18).

Gespannt darf man sein, wie es jetzt mit Barea weitergeht. Er wird nicht immer so tolle Quoten wie in Spiel 1 oder Spiel 2 auflegen. Falls es Brooks wie in Spiel 2 schafft, ihn defensiv konstant in Bedrängnis zu bringen, könnten die Thunder weiterhin Kapital aus diesem Mismatch schlagen.

Der Wendepunkt?

Was nimmt man aus Spiel 2 mit?  Die Thunder können Dirk Nowitzki jedenfalls nicht stoppen. Ein wenig limitieren (insbesondere weniger Touches forcieren), so dass auch seine Mitspieler mehr bringen müssen, ist jedoch durchaus möglich. OKC hat in Spiel 2 gemerkt, welche Adjustments gegen Dallas unter Umständen funktionieren können. Smallball scheint gegen einen Nowitzki/Chandler Frontcourt defensiv weniger Probleme zu haben als gedacht, während die Thunder offensiv von den Shootern profitieren können. Barea ist offensichtlich ein Mismatch zugunsten der Thunder, das ausgenutzt werden muss.

Zwei Dinge fallen noch besonders auf:

Erstens: Bis zur Thunderserie gewannen die Mavericks fast immer die letzten Viertel einer Partie. In beiden bisherigen Spielen entschieden jedoch die Thunder jeweils den letzten Spielabschnitt für sich. Ein Zeichen dafür, dass die Thunder gegen Ende der Partie doch besser agieren als bisher angenommen?

Zweitens: Aus Sicht der Mavs bereitet die Defense Sorgen. In beiden Partien ließ man jeweils über 124 Punkte pro 100 Possessions zu, ein miserabler Wert.  Die Thunder haben mit Westbrook, Maynor, Harden und Durant ihre Stärken am Perimeter. Kidd, Terry, Barea, Stevenson oder Marion schaffen es noch nicht, die gegnerischen Guards und Wings zu limiteren. Gerade von Shawn Marion wurde deutlich mehr erwartet, doch ist er momentan außerstande Durants Kreise in irgendeiner Form zu beschränken (Stevenson machte diesbezüglich noch den besten Job).

Spannend wird sicherlich, wie Russell Westbrook mit der (harten) Entscheidung umgehen wird. Ich erwarte heute Nacht jedenfalls ein großartiges Spiel von ihm.

War die Niederlage ein Ausrutscher? Ich denke nicht. Man verteidigt ähnlich schlecht wie in Spiel 1, machte offensiv zwar eine gute, jedoch keine überragende Partie. Der Schlüssel der Mavericks ist offensichtlich die Verteidigung. So lange die Mavericks diese Defensivprobleme nicht abstellen können, sehe ich die Thunder vorne. Rick Carlisle muss sich etwas einfallen lassen, sonst fährt man plötzlich mit einem 1-3 Rückstand nach Hause.

Zum Abschluss noch ein paar Worte zu Scott Brooks: Wie Go-to-Guys bereits berichtete, machte der junge Coach der Thunder in den diesjährigen Playoffs den ein oder anderen Fehler, gerade gegen die Memphis Grizzlies. Umso verdienter ist das Lob, wenn man solch eine riskante, aber richtige Entscheidung trifft, wie er es am Donnerstag mit Maynor und Westbrook getan hat. Große Coaches treffen große Entscheidungen – das war schon immer so. Scott Brooks mag noch kein großer Coach sein, aber dass er entwicklungsfähig ist, zeigte er am Donnerstag. Man darf gespannt sein, wie das Coaching-Duell zwischen Rick Carlisle und Scott Brooks heute Nacht ausgehen wird.

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