Dallas Mavericks, Gedanken, Miami Heat

NBA-Finals: Gedanken zu Spiel 4

We have a series. Dallas siegt mit drei, nachdem man zehn Minuten vor Ende des Spiels bereits mit neun Punkten hinten lag. Damit ist auch klar: Die Finals werden in Miami enden, unabhängig vom Ausgang des nächsten Spiels und unabhängig vom Sieger der Serie. Wie in den letzten drei Spielen zuvor, war Go-to-Guys-Redakteur Jan Karon auch dieses Mal live mit von der Partie. Warum Dallas gewann, erklärt er in seinen Gedanken zu Spiel 4:

• Supporting Cast! Endlich. Nachdem ich in meinem zuvorigen Gedanken zu den Finals Dallas’ Supporting Cast kritisiert habe und Nowitzki in meinen Augen lange Zeit alleine gegen die Heat ankämpfen musste, konnte Dallas heute als Team überzeugen und seinem Go-to-Guy Hilfe zur Seite stellen. An erster Stelle hervorzuheben: Tyson Chandler. Ein unfassbar energisches und physisches Spiel des Dallas-Centers. Das erste Mal in dieser Serie konnte Chandler auch offensiv zum Erfolg beitragen, war eine wichtige Anspielstation im Pick-and-Roll und zog Freiwürfe am Brett. Doch nicht nur das: Chandler zeigte sich auch als einziger Verteidiger, der Chris Bosh (16 Punkte, 8-12 FG in Halbzeit 1) unter Kontrolle hielt. Darüber hinaus waren seine Rebounds von großer Bedeutung. Obwohl Dallas das gesamte Spiel über mit Problemen am Brett zu kämpfen hatte (Miami mit zwischenzeitlich mehr als doppelt sovielen Offensivrebounds), war er der Anker einer funktionierenden Teamdefense, der gerade am Brett absolut von Nöten war. In der Crunchtime holte Chandler zwei immens wichtige Offensivrebounds, kreierte somit 48 Sekunden an „extra possessions“. Gold wert.

Aber auch der Rest der Mavericks, abstrahiert von Nowitzki, konnte überzeugen: Marion mit einem erneut bärenstarken Spiel auf beiden Seiten des Feldes, Terry, der immer wieder Lücken in die Defense der Heat riss, und gerade in Drangphasen der Heat für wichtiges Scoring sorgte, und auch DeShawn Stevenson, der mit elf Punkten zur Halbzeit einen maßgeblichen Teil dazu beisteuerte, dass das Spiel nicht bereits nach den ersten 24 Minuten vorentschieden war. So, und zwar nur so, kann Dallas gegen die Heat ankämpfen.
• Ein schwächeres Spiel von Nowitzki, wenn man auf seine Statline schaut, aber: Nowitzki ging mit knapp 40°C Fieber ins Spiel, litt noch an seiner Mittelfinger-Verletzung und wurde von Anthony/Haslem sicherlich nicht verschont. Trotz der Verletzung ist er am Ende der Begegnung Topscorer der Mavs, trifft den entscheidenden Lay-Up zur Dreipunkteführung Sekunden vor Ende und scort im vierten Viertel zehn Punkte. Hatte jemand irgendwann Zweifel an Nowitzkis Toughness? Dann ist es jetzt an der Zeit, diese entgültig abzulegen.
By the way: Jemand Nowitzki auf der Pressekonferenz gesehen? Puh, der Typ sah total fertig aus, Dauerhusten und gerötete Augen. Der Tank ist leer – es gilt sich bis Donnerstag soweit es geht zu regenerieren.
• LeBron James erneut mit einem extrem schwachen Spiel. In der Offensive völlig passiv, aber mit vielen unforcierten Fehlern und in der Defense das erste Mal erschreckend schwach. Terry konnte ihn gestern im vierten Viertel drei Mal mit anschließendem Korberfolg schlagen. Mir fällt es derzeit sehr schwer, eine Fehlerdiagnose oder Erklärung für das schwache Spiel James’ zu finden. Heute wirkte es für mich so, dass er es in der Offense nicht mal versuchte; dass er das (zweifellos harte) Duell gegen Stevenson, Marion und Kidd selten annahm. Ich weiß nicht, warum er nicht aggressiver spielt und öfter das 1-gegen-1 sucht. Phasenweise lässt er seine grandiose individuelle Klasse aufblitzen, beispielsweise beim Pass auf Wade übers ganze Feld oder dem Alley-Oop auf Wade, aber weitestgehend bleibt er blass.
Auch vielleicht um nochmal das Thema Wade-vs.-Lebron aufzunehmen, das in meinen Gedanken zu Spiel 3 von einigen Lesern kritisiert wurde: Ich wollte gar nicht anzweifeln, dass Wade im Falle, dass die Heat Champion werden, der Finals-MVP ist, denn das ist er ohne Zweifel. Alle Zahlen und auch alle Argumente sprechen für ihn, auch wenn der nicht gefangene Ball in der letzten Miami-Possession unglücklich war. Aber die erste Geige, der Leader, bleibt LeBron. Ohne ihn wären die Heat vielleicht nicht in den Finals, genauso wie sie ohne Wade wahrscheinlich keine zwei Spiele gegen die Mavs gewonnen hätten. Ich finde es lediglich extrem bedauernswert, dass er nun dafür kritisiert wird, dass er die Entscheidungsgewalt und Verantwortung nicht an sich reißt. Hey, LeBron wechselt, um einen Titel zu gewinnen: er wird kritisiert. LeBron übernimmt in Spiel 2, 3 und 4 keine Verantwortung, sondern gibt Wade den Ball, (um Erfolg so gut es geht sicherzustellen): er wird kritisiert. Würde er es selbt machen, würden Stimmen laut werden, er ist nicht mannschaftsdienlich und stellt sein eigenes Ego vor den Teamerfolg, ergo: er würde kritisiert werden. Connect the dots.
• Der Wechsel in der LineUp und Rotation Dallas’ schien mir nicht der ausschlaggebende Punkt zum Erfolg zur sein. Carlisle beförderte Juan José Barea in die Starting LineUp, brachte dafür Stevenson von der Bank; Stojakovic verschwand aus der Rotation, Brian Cardinal übernahm seine paar Minuten. Die Starting LineUp mit Barea, Kidd, Marion, Nowitzki und Chandler spielte bisher in der gesamten Regular Season 43 Minuten gemeinsam; in den Finals sechs Minuten, in denen sie Miami 15-4 outscorte. Der Schlüssel zum Erfolg waren die „Adjustments“ heute aber nicht. Barea spielte bis auf zwei, drei stärkere Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit erneut extrem schlecht und wirft in den gesamten Finals bisher 8-32 FG. Cardinals Einfluss war ebenfalls nicht der Rede wert, denn er hatte keinen.
• Umso länger die Serie geht, desto mehr entwickelt sich Mario Chalmers zum X-Faktor der Heat. Heute erneut mit einem extrem starken Spiel. Ich kann hier nochmals wiederholen: Chalmers profitiert extrem von seiner Kansas-Ausbildung und weiß, wie man in wichtigen Spielen zu spielen hat. Jeff van Gundy teilte heute mit, dass er mitbekam, dass Chalmers zu Spoelstra ging, und sagte, dass er bereit sei, wichtige Würfe zu nehmen. In Spiel 4 brachte Chalmers viele starke Defense-Sequenzen und starke Courtvision. 6 Assists sprechen eine deutliche Sprache – und einige von ihnen waren extrem starke sowie sehenswerte Pässe.
• Nachdem ich nach Spiel 1 auf die fehlende Effizienz der Dallas-Zone aufmerksam machte (zur Erinnerung: Die Heat erzielten in Spiel 1 im Durchschnitt 109 Punkte auf 100 Posessions – und 111 gegen die Zonenverteidigung), war diese heute wieder das, was sie in den Serien zuvor war: ein wirksames Mittel, den Gegner aus dem Konzept zu bringen. Dallas lag kurz nach Beginn des Schlussviertels mit neun Punkten hinten, Terry scorte, ab dann folgte eine 5.30 Minuten lange Sequenz, in der die Mavericks Zone spielten. Das Ergebnis: 17-4-Run, Heat mit mehr als fünf Minuten ohne einen einzigen Punkt, Dallas mit der Zurückeroberung der Führung.
• Erneut ein Spiel, das von Hektik, Aufregung und Runs auf beiden Seiten lebte. Man merkte heute förmlich, was auf dem Spiel stand; für Dallas war Spiel 4 „Do or Die“, für Miami die Möglichkeit eine Vorentscheidung zu schaffen. Die 24 Turnover spiegeln dabei den Spielverlauf wieder. Der twitter-Account von Hardwood bringt es mal wieder auf den Punkt:

Biggest adjustment in this series has been both teams getting used to each other enough to play passing lanes. It’s a gamble conversion game.

Alles, was mir nach diesem Spiel zu sagen bleibt: unfassbar geniale Serie, gute Besserung, Dirk, diese Finals sind Nervenkitzel pur, verlangen dem Zuschauer eine Menge an Nerven ab und sind alles, nur eines nicht: entschieden. Ich freu mich wie ein Honigkuchenpferd auf Spiel 5. Ihr auch?

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