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Bambergs Neuzugänge und ihre Verletzungsgeschichten

Die Achillessehnen im Team des Meisters?
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Die neue Saison ist mittlerweile ein paar Wochen alt und der deutsche Meister aus Bamberg absolvierte schon so manches Spiel. Als dieser Artikel begonnen wurde, sollte Quincy Miller eine wichtige Rolle in der neu zusammengestellten Mannschaft von Headcoach Trinchieri sein. Die Vorbereitung verlief für den US-Amerikaner eigentlich auch ganz ordentlich, doch wird der Neuzugang seit einigen Spielen nicht mehr berücksichtigt.

Dieser Beitrag soll ein klein wenig anders werden als die reinen Basketballanalysen, die der Basketballbegeisterte sonst von den Go-to-Guys gewohnt ist. Die taktischen Analysen werden sicherlich auch mit aufgenommen werden, doch in erster Linie soll es eher um die medizinischen Aspekte sowie die Chancen bzw. teils auch Gefahren für die Bamberger Mannschaft gehen.


Sportverletzungen gehören leider immer wieder ins tagtägliche Leben eines Profisportlers. Oftmals kann man von Glück reden, dass sich die meisten Verletzungen als eher „harmlos“ oder weniger gravierend herausstellen, die die Spieler nur für kurze Zeit zum Zuschauen ihres Teams zwingen. Die medizinische und vor allem auch physiotherapeutische Betreuung nimmt mittlerweile eine sehr hohe Qualität bei jedem professionell arbeitenden Verein ein und dennoch kommt es hin und wieder leider auch zu schwereren Verletzungen.

Bambergs Offseason war nach den zahlreichen Abgängen von Schlüsselspielern (Melli, Theis, Strelnieks, Miller und Causeur) schon zum heutigen Zeitpunkt eine der spannenderen in der jüngsten Vergangenheit. Der Verein konnte mit Daniel Hackett (ehemals Olympiacos Piräus), Quincy Miller (Maccabi Fox Tel Aviv) und Luka Mitrovic (Roter Stern Belgrad) qualitativ hochwertige Neuzugänge verpflichten. Doch alle haben abseits ihres basketballerischen Könnens auch noch eine andere Gemeinsamkeit in ihrer Vita stehen: größere Verletzungen in der jüngeren Vergangenheit.

Daniel Hackett fiel für seinen vorherigen Verein in der Spielzeit 16/17 monatelang mit einer schweren Oberschenkelverletzung aus; Quincy Miller und Luka Mitrovic fehlten ihrer Mannschaft aufgrund von Kreuzbandrissen. Bei Mitrovic muss aber angemerkt werden, dass dies in der Saison 15/16 war und er in der letzten Spielzeit bis auf Einzelfälle durchgehend zur Verfügung stand.

Was ist eigentlich ein Kreuzbandriss und welche Auswirkungen kann dies für einen Sportler auch nach überstandener Verletzung bedeuten?

Eine alte „Sportlerweisheit“ sagt: Kreuzbandriss – das Aus im Sport?

Wie die Beispiele Luka Mitrovic und Quincy Miller zeigen, sind Kreuzbandrisse im Sport eine sehr häufig vorkommende Verletzung. Pro Jahr liefert die Statistik (2015) in etwa eine Zahl von 80.000 Kreuzbandrissen in Deutschland, sodass alle 6,6 Minuten ein Kreuzband reißt. Es sei hier natürlich angemerkt, dass es sich um Zahlen aus allen Bereichen handelt; sie ist nicht allein auf Sportler und erst recht nicht auf Profisportler bezogen, denn dann wäre die Zahl mehr als nur bedenklich.

Trotzdem lohnt es sich hier ein wenig vom rein Basketballerischen abzuweichen und zu erklären, was Kreuzbänder eigentlich sind bzw. welche Funktion sie in unserem Körper haben. Welche Bewegungen sind risikobehaftet und was passiert, wenn es zum Riss kommt?

An dieser Stelle rückt nun der medizinische Aspekt in den Vordergrund: Im Folgenden wird öfters einmal der ein oder andere medizinische Fachbegriff verwendet werden. Es soll aber insgesamt keine Doktorarbeit-ähnliche Facharbeit werden und es wird versucht, dass alles auch verständlich und in deutscher Sprache gelesen und verstanden werden kann. Daher braucht niemand Angst vor diesem Abschnitt haben. Es soll vielmehr einen groben Überblick über das Trauma „Kreuzbandriss“ darstellen.

Das Kniegelenk setzt sich aus Femur (Oberschenkel), Tibia (Schienbein) und der Patella (Kniescheinbe) zusammen. Weiterhin zählen auch die Menisken zum Gelenk. Aufgrund seiner eher geringen Knochenführung und dem somit resultierendem hohen Grad der Bandführung gehört das Kniegelenk zu den komplexeren Gelenken des menschlichen Körpers. Neben einigen anderen Bändern spielen die Ligamenti collaterale tibiale und fibulare (Seitenbänder), sowie die besagten Kreuzbänder eine wichtige Rolle: Im Sportlerknie (natürlich auch in allen anderen) gibt es jeweils ein Ligamentum cruciatum anterior und posterior (vorderes und ein hinteres Kreuzband). Die Funktion der Kreuzbänder besteht darin, die Lage der Oberschenkelknöchel auf dem Schienbeinkopf zu sichern und einer Überstreckung des Kniegelenks entgegenzuwirken. Weiterhin verhindern sie eine zu starke Rotation zwischen Ober- und Unterschenkel.

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Das vordere Kreuzband beschränkt ein Vorschieben, das hintere Kreuzband ein Zurückgleiten des Schienbeins gegenüber dem Oberschenkel. Man kann aus den Aufgaben erkennen, dass es sich insgesamt um wichtige Strukturen handelt, die zur Stabilität des Kniegelenks beitragen müssen.

Basketball beinhaltet als Bewegungskomponente viele Sprünge, ob beim Rebound oder beim Wurf/Zug zum Korb und weiterhin viele plötzliche, schnelle Drehbewegungen und Richtungsänderungen. Führt man sich vor Augen, wie häufig Spieler zum Rebound in die Luft steigen oder aber, ob in der Offensive wie Defensive plötzlich richtungsändernde Bewegungen ausgeführt werden müssen, kann man sich vorstellen, dass gerade bei einer Sportart wie Basketball es vermehrt der Fall ist, dass das Verletzungsrisiko für die Kreuzbänder durchaus erhöht ist. Oftmals, jedoch nicht immer, gehen Kreuzbandrupturen auch noch mit weiteren Begleitverletzungen an Meniskus und/oder der Gelenkskapsel einher, worauf aber hier nicht näher eingegangen werden soll.

Ein Kreuzbandriss führt, wenn man sich die Funktion und Aufgaben, die eingangs beschrieben worden sind, nochmal überlegt, immer zu einer Instabilität im Kniegelenk, welche letztendlich von den nicht betroffenen Gelenkstrukturen im Knie kompensiert werden müssen. Hierbei würde sich durchaus eine Art Teufelskreis entwickeln können, wenn keine Therapie eingeleitet werden würde: Die nicht verletzten Strukturen werden quasi überlastet und könnten dabei zu weiteren Verletzungen führen. Das Resultat wäre eine weitere Verschärfung der Instabilität des Gelenks und würde mit erhöhtem Leistungsdefizit bis hin zu einem möglichen Gelenkverschleiß einhergehen.

Daher ist eine frühzeitige Therapie anzustreben: Im Bereich des Profisports ist dies aber aufgrund der guten Aufstellung im medizinischen Bereich in aller Regel mehr als gegeben. In vielen Fällen im Profibereich wird nach der Diagnostik mittels Magnet-Resonanz-Tomographie ein operativer, also invasiver Eingriff durchgeführt (Arthroskopie).

Natürlich ist es selbstredend, dass der Spieler danach für absehbare Zeit nicht einsatzfähig ist. Mit anschließender Reha kann an dieser Stelle auch gesagt werden, dass ein Kreuzbandriss keinesfalls mehr das „Karriere-Aus“ bedeutet. Die moderne Sportmedizin hat mittlerweile Möglichkeiten, sodass nach einem erfolgreichen Eingriff der Sport wieder ausgeübt werden kann. Für einen normalen aktiven Sportler rechnet man mit einer Ausfallzeit von knapp einem Jahr, bis man wieder seinen Körper und insbesondere das Kniegelenk voll im Sport belasten kann. Nun wurde zuvor aber erwähnt, dass die medizinische und physiotherapeutische Betreuung im Profisport natürlich anders ist. Es soll nicht von einer Art zwei-Klassen-Medizin geredet werden, aber bei einem Kassenpatienten hat man sich natürlich an gewisse Budgetvorgaben, was die Reha-Zeit betrifft, zu halten. Der Profi kommt da in den Genuss, einen genau auf ihn abgestimmten und täglichen Reha-Plan zurückgreifen zu können, was die Verletzungspause deutlich unter die 12 Monate drückt. Am Beispiel Quincy Miller kann man die Ausfallzeit etwas greifbarer betrachten: Miller verletzte sich Mitte Juli 2016 und riss sich bei einem Spielchen unter Freunden das hintere Kreuzband. Von den Ärzten wurde zuerst eine konservative Behandlung, also ohne operativen Eingriff, angedacht. Ende September 2016 musste sich der US-Amerikaner aber dann doch einem operativen Eingriff unterziehen. Er sollte weitere 3 Monate nach diesem Eingriff zum Zuschauen verdonnert sein. Sein Debüt nach seiner Knieverletzung feierte Miller in der Euroleague kurz vor Jahreswechsel am 29.12.2016. Insgesamt betrachtet fiel er in Summe also knapp ein halbes Jahr mit seiner Verletzung aus. Da er hierbei aber nicht vollständig fit war, waren es vereinzelte Spiele in Euroleague und der israelischen Winner League, die als Comeback-Versuch angesehen werden können.

Das lässt die Frage offen: Wie fit ist Quincy Miller? Und nicht nur das, Bamberg hat mit Daniel Hackett einen zweiten Spieler, der den Großteil der letzten Saison aufgrund eines Abrisses der Sehne des Musculus femoris biceps verpasst hatte. Dazu gesellen sich mit Luka Mitrovic und Ricky Hickman noch weitere Spieler, die eine gewisse Verletztengeschichte aufzuweisen haben. Aus dem letztjähigen Kader kommt mit Elias Harris ein weiterer langzeitverletzter Spieler hinzu. Daher stellt sich die Frage: Wie riskant ist die Verpflichtungspolitik von Brose Bamberg in der Offseason gewesen? Sind alle Spieler körperlich so fit, dass sie eine lange und anstrengende Saison mit 34 Bundesliga- und 30 Euroleague-Spielen erfolgreich absolvieren können?

Im anschließenden Abschnitt dieses Artikels soll nun versucht werden zu analysieren, ob sich bei den Spielern Anzeichen finden lassen, die darauf schließen lassen, dass ihre Spielweise sich aufgrund der schweren Verletzungen verändert haben.

Daniel Hackett – Hält der Oberschenkel?

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Daniel Hackett, der Neuzugang, der aus Griechenland von Olympiacos Piräus nach Bamberg wechselte, fällt zwar nicht unter die Kategorie „Kreuzbandriss“, seine Verletzung ist aber auch keine leichte gewesen. Am 11. Spieltag der Euroleague-Saison zog sich der US-Italiener im Spiel gegen Unics Kazan eine Oberschenkelverletzung zu, die sich nach eingehender Diagnostik als Riss der Sehne des M. biceps femoris heraustellte. Dieser Oberschenkelmuskel besteht eigentlich aus zwei Teilen, bzw. setzt sich medizinisch gesprochen aus zwei Köpfen zusammen: einem Caput longum (langer Kopf) und einem Caput breve (kurzer Kopf) und gehört mit anderen Muskeln zu der Beugerloge. Damit ist eigentlich auch seine Hauptfunktion genannt, er beugt das Kniegelenk; zeigt im Hüftgelenk aber eine gegenteilige Funktion, indem er dieses streckt. Wie man erahnen kann hat dieser Muskel eine Hauptaufgabe bei allerlei Bewegungsabläufen. Hackett musste sich nach dieser Diagnose einer OP unterziehen und fiel für die komplette restliche Spielzeit sowohl in der griechischen Liga, wie auch in der Euroleague aus. Sein Comeback feierte er mit der italienischen Nationalmannschaft, mit der er die Vorbereitung und die anschließende Europameisterschaft bestritt. Dort spielte er als Starting Point Guard der Italiener im Schnitt 25 Minuten pro Partie.

Daniel Hackett ist ein relativ großer Aufbauspieler, der sehr von seiner Physis und Robustheit im Spiel profitiert. Seine Oberschenkelverletzung, die bei Sportlern eher selten auftritt, ist für seine Spielweise natürlich ein Rückschlag gewesen. Der M. biceps femoris und hier sein langer Kopf sind für den Geschwindigkeitsaufbau mit von entscheidender Bedeutung. Nun ist natürlich nicht nachvollziehbar, welchen der beiden Sehnen des Muskels bei Hackett gerissen waren. Man kann aber anhand der Bedeutung erkennen, dass ein solcher Riss eigentlich in jedem Falle eine schwere Verletzung bedeuteten. Die Frage für Brose Bamberg bestand im Sommer nun darin, nicht nur einen geeigneten Ersatz für die Guards Strelnieks und Causeur zu finden, sondern natürlich auch ein Auge auf Hacketts Fitness zu werfen. Hat die Verletzung seine Spielweise beeinflusst? Hackett ist bekanntlich kein ausgesprochen guter Schütze. Seine Mechanik ist nicht die flüssigste; wie eingangs erwähnt, lebt er von seinem Körper und seiner Geschwindigkeit, wenn er selbst als abschließender Spieler zu Tage tritt. Er spielt hauptsächlich aus dem Pick and Roll heraus, bei dem er vor seiner Verletzung mit einem schnellen ersten Schritt seine Verteidiger überwinden und zudem mit seinem muskulären Körper eine sehr robuste Stabilität in der Luft behalten konnte. Nun kann man hierbei natürlich spekulieren, in wie weit es sich dabei um die taktische Vorgabe des Trainersteams handelte. Man kann aber davon ausgehen, dass ein Spieler mit der Erfahrung eines Hackett durchaus das Talent und die Freigabe seitens der Trainer hat, wenn der Weg zum Korb sprichwörtlich offen wie ein Scheunentor ist, den Drive zu initiieren und am Korb abzuschließen.

Mittlerweile ist die Bundesliga und Euroleague in die Saison gestartet, Hackett zeigte hierbei in der heimischen Liga meist solide Leistungen, aber seinen starken Drive zum Korb durfte man bisher selten bewundern, hier schließt er sich seinem Auftreten aus der italienischen Nationalmannschaft durchaus an. Der US-Italiener hat bisher ausnahmslos in seiner Karriere mehr Zwei-Punkt-Würfe als Dreier genommen. Nach drei Bundesligapartien sieht dies zur Zeit anders aus. Er nimmt fast 3x mehr Würfe jenseits der 6,75m Linie als aus der Nahdistanz. Trinchieris System ist natürlich auch dahingehend ausgelegt, den frei herausgespielten Dreier zu nehmen, untypisch ist es zum jetzigen Zeitpunkt allemal für ein Kraftpaket wie Daniel Hackett.

Ob dies mit der sicherlich noch fehlenden Integration ins Bamberger Spiel zu tun hat, welche sicherlich noch nicht vorhanden sein kann, nachdem er erst sehr spät zum Team gestoßen ist oder ob er aufgrund seiner schweren Oberschenkelverletzung sich hier zurückhält, wird die Saison zeigen müssen.

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Natürlich stellt dieses Video eine Zusammenfassung seiner Stärken dar, deshalb sollte es auch eher differenziert verstanden werden, um die Stärken hervorzuheben. In den Spielen der italienischen Nationalmannschaft startete Hackett. Die Mannschaftsstruktur sieht ihn aber nicht als den Go-to Guy der Italiener an. Hier sind Spieler wie Datome und vor allem Belinelli eindeutig eine Stufe höher in der Mannschaftshierachie. Es ist jedoch schon sehr auffällig, dass Hackett in manchen Situationen fast so wirkt, als ob er den Zug zum Korb verweigert und stattdessen den Pass um die Dreipunktelinie suchte.

Eine weitere Einschätzung lässt sich aufgrund seiner Verletzung der linken Wade (Muskelfaserriss) wohl aber wirklich erst im späteren Verlauf der Saison fassen. Der Point Guard der Bamberger fällt laut letzten Informationen für mindestens 4 Wochen aus.

Quincy Miller – Das vorzeitige Aus des Schlüsselspielers?

Zur Zeit gibt es viele Gerüchte um den „Königstransfer“ des Meisters. Bisher bestritt der Ex-Maccabi Spieler nur ein einziges Pflichtspiel für den deutschen EL Vertreter, dies bei der BBL Auftaktniederlage im fränkischen Duell in Würzburg. Zudem wurde mit Dorell Wright bereits ein Neuzugang in der erstes Doppelspieltagwoche in der EL vorgestellt und konnte in seinen ersten beiden Partien durchaus überzeugen.

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Für Quincy Miller scheint die Luft sehr dünn zu sein, wenn nicht sogar schon aufgebraucht. Sicherlich ist viel Spekulation mit von der Partie, warum er von Trainer Trinchieri nicht mehr berücksichtigt wird. Wie es im Bamberger Basketball-Kreisen üblich ist, kursieren hierzu auch so manche Gerüchte. Dieser Artikel wird und soll sich daran nicht beteiligen. Von offizieller Seite kam vermehrt die Aussage, dass Miller noch nicht soweit sei, um dem Team helfen zu können. Übertragen scheint man also mit seinen Leistungen nicht wirklich zufrieden zu sein. Sicherlich ist es auch vage, seine Leistungen mit seiner Verletzungsvorgeschichte in Zusammenhang zu bringen. Aber der Reihe nach:

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Das Video zeigt die vielen Highlights aus seiner EL Debut Saison bei Roter Stern Belgrad. Man kann erahnen, warum er hier als „Königstransfer“ für die Bamberger bezeichnet wird. Ein Spieler mit einer Größe zwischen 2,06m bis 2,08m, je nach Seite, der die Position des Small Forwards und Power Forwards einnehmen kann und dabei so agil und schnell auf den Beinen unterwegs ist, findet man in Europa nun wahrlich nicht so oft. Er hat die Athletik und vor allem das Ballhandling, seinen Verteidiger im 1 gegen 1 zu schlagen, besitzt einen guten Pull-Up-Jumper, sowie den Fade Away. Sein 3-Punktewurf ist sicherlich offensiv nicht die erste Wahl, frei an der Dreipunktelinie sollte man ihn aber dennoch nicht stehen lassen. Er fällt hier in die Kategorie „streaky“. An guten Tagen und Phasen im Spiel versenkt Miller gerne mal 3/4, 5/7 oder 4/5. Doch vermehrt sind es auch nur Quoten, die um die 30% bzw. jenseits dieser Marke sind. Von einem ausgewiesenen Schützen kann man jedenfalls nicht sprechen.

Diese Fähigkeiten haben Bamberg und das Trainerteam um Andrea Trinchieri dazu veranlasst, den US-Amerikaner im Sommer nach Bamberg zu lotsen. Die Vorsaison fiel Miller bekanntlich aufgrund eines Kreuzbandrisses aus. Miller unternahm mehrere Comebackversuche in seiner Saison beim israelischen Rekordmeister. Doch seine Fitness und Leistungskurve kam nie bei 100% an, weshalb er den Großteil der Saison nicht spielte. Auch soll erwähnt werden, dass es spekulativ ist, in wie weit dies mit seiner Verletzung in Verbindung stand. In Bamberg spielte Miller die Preseason, konnte dort zu Beginn auch überzeugen; so zeigte er gegen Crailsheim eine ansprechende Leistung. Von dieser Stelle an ging die Leistungskurve aber eher nach unten. Eine Ausnahme stellten die Spiele beim Expert Jacob Cup in Bayreuth dar. Miller war in beiden Spielen an diesem Wochenende Topscorer seines Teams. Bei der Niederlage seiner Mannschaft gegen den griechischen Erstligisten aus Thessaloniki verbuchte er 12 Punkte; am Folgetag im Spiel um Platz 3 gegen den Ligakonkurrenten aus Frankfurt zeigte Quincy Miller offensiv, was er zu leisten im Stande sein kann: Am Ende wies der Statistikbogen 25 Punkte auf. Man konnte aber auch live erleben, dass Miller den direkten Kontakt mit seinen Gegenspielern “gefühlt” vermied. Natürlich waren seine 14 Punkte im Schlussviertel auch ein Aspekt für den Sieg der Oberfranken.

Wie es mit Miller in den kommenden Wochen weitergeht, weiß zum derzeitigen Zeitpunkt wohl niemand. Offiziell ist er weiterhin ein Spieler von Brose Bamberg. 

Bambergs Neue – Die Achillessehne des deutschen Meisters?

Die bisherigen Partien lassen es schon erahnen: Die laufende Spielzeit wird für Bamberg alles andere als ein Selbstläufer. Man startete schwierig in die Saison, kassierte gleich zu Beginn die Niederlage im fränkischen Duell gegen Würzburg und auch die folgenden Partien waren nicht immer überzeugend. Sicherlich muss sich ein neu zusammen gestelltes Team erst einmal finden. Viele Spieler sind erst spät zum Team gestoßen, da sie noch bei der Europameisterschaft im Einsatz waren. In den letzten Spielen, sowohl in der Liga, vor allem aber in der Euroleague, konnte zuletzt eine kleine Siegesserie eingefahren werden. In wie weit man diese Siege aber in der frühen Phase einer Saison als Indikator einer mannschaftlichen Entwicklung erachten kann, bleibt abzuwarten. Ein jeder Euroleague-Sieg ist ein Erfolg, doch fallen die Teams aus Malaga, Vittoria und Belgrad aus verschiedensten Gründen zur Zeit nicht unter die Topteams des europäischen Kontinents. Ein leichtes “must-win”-Prädikat überschwebt diese Mannschaften und somit auch die Siege.

Es ist mitunter auf die Saison gesehen natürlich ein kleines Risiko, ein neues Team mit einigen Spielern aufzubauen, die eine gewisse Verletzungsvorgeschichte besitzen. Es kann durchaus auch die Entwicklung der Mannschaft beeinträchtigen, da gerade schwerere Verletzungen das „Spielverhalten“ eines Spielers beeinflussen können. Am Beispiel Hackett: der Zug zum Korb. War es quasi ein Markenzeichen des Italo-Amerikaners in seinen Spielzeiten in Italien und der ersten Saison in Griechenland bei Olympiacos Piräus, zeigte er dies in seinen Auftritten in der italienischen Nationalmannschaft bei der EM eher selten. Und auch in Bamberg zeigte er in seinen ersten Auftritten eher Würfe jenseits der 3-Punkte Linie, die sicherlich nicht zu seinen ausgesprochenen Stärken gezählt werden dürfen.

Gerade in dem System von Trinchieri, in dem der Zug zum Korb nach einem oder zwei gezielt gestellten Blöcken ein durchaus bedeutendes Mittel darstellt, wäre so eine Entwicklung natürlich kontraproduktiv. Vorerst muss diese Aufgabe aber aufgrund des Muskelfaserrisses von Daniel Hackett die weitere Bamberger Guard Riege übernehmen. Niko Zisis, Ali Nikolic und vor allem auch Maodo Lo stehen hier im Blickpunkt und müssen den Ausfall eines der Starspieler von Brose Bamberg auffangen. 

Bamberg besitzt trotz der kleinen Siegesserie manche Baustelle und es wird sicherlich interessant sein zu sehen, wie die Entwicklung weiter voranschreitet. Bamberg braucht hierfür in jedem Fall gesunde und voll leistungsfähige Spieler, gerade auch in Anbetracht der Anzahl der Spiele. Die EL hatte ihren ersten Doppelspieltag dieser Saison; weitere werden folgen. Ein weiterer Ausfall eines Leistungsträgers wird die eher schwierige Situation des Meisters durchaus beeinträchtigen. Hier steht der medizinische Stab (Ärzte, Fitnesstrainer und Physiotherapeuten) im Fokus. Die letzten Spielzeiten haben eigentlich bewiesen, dass in Bamberg hier gut gearbeitet wurde und Spieler in aller Regel auch nicht vorzeitig wieder aufs Basketballparkett geschickt wurden. 

Doch bei aller professioneller und umfangreicher Betreuung der Spieler, gilt immer noch der bekannte Satz: “Man steckt nicht immer drin im Körper.”

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