Draftprofile 2016

Caris LeVert

Michigan Wolverines

Datenblatt 

 

Name: Caris LeVert

Position: Wing

[xrr rating=1/4]  (Rollenspieler)

College: Michigan Wolverine

College-Erfahrung: Senior

 

 

Trey Burke (#9 in 2013), Tim Hardaway Jr. (#24 in 2013), Nik Stauskas (#8 in 2014), Mitch McGary (#21 in 2014), Glenn Robinson III (#40 in 2014) – das Wolverines-Team von 2012/13 war prall gefüllt mit NBA-Spielern. Nach dieser Draft werden die Michigan-Anhänger mit Caris LeVert ein weiteres Mitglied dieses Kaders auf dem nächsten Level begrüßen dürfen. Auch wenn das Toptalent nicht vergleichbar ist, überholt der Vize-Champ von 2013 damit quantitativ die legendären Fab Five-Final Four-Roster von 1992 und 1993, die Chris Webber (#1 in 1993), Eric Riley (#33 in 1993), Juwan Howard (#5 in 1994), Jalen Rose (#13 in 1994) und Jimmy King (#35 in 1995) als Prospects produzierten. Es spricht für LeVert, dass er mit seinem Talent die Chance hat, einer der besseren Spieler dieser Ansammlung von Draftees werden zu können.

Tools

Caris LeVert ist ein sehr beweglicher Flügelathlet mit guter Länge. Er vereint eine Körpergröße von 6‘7‘‘ mit einer netten Armspannweite von 6‘10‘‘. Auch wenn er sicherlich noch etwas mehr Muskelmasse vertragen könnte, wirkt er mit seinen 190 lbs. nur recht schlank, auf keinen Fall aber zu dünn. Eher scheint ihm sein Körper Marke „Leichtbau“ dabei zu helfen, sich sehr flink und geschmeidig über das Parkett zu bewegen und trotzdem genug Explosivität sowie Sprungkraft mitzubringen.

levert mock history

Schon allein wegen dieser Tools galt LeVert schon vor zwei Jahren als großes NBA-Talent. Durchaus mit Chancen für eine Auswahl als später Lottery-Pick ausgestattet, zog er sich allerdings eine Fußverletzung zu, die seinem Draftansehen schadete. Er kehrte zurück, um diese Sicht der NBA-Teams zu korrigieren und lieferte 2014/15 tolle Leistungen, die einen Platz in der Top 14 gerechtfertigt hätten. Doch er verletzte sich wieder. 2016 ereilte ihn nach erneutem fulminanten Comeback leider wieder eine Stressfraktur im Fuß. Eine traurige Geschichte, die sogar Kevin Durant dazu veranlasste, den 21-Jährigen zu kontaktieren und Mut zuzusprechen. Ein Lichtblick für den Flügel, der in den letzten zwei Jahren rund 50% seiner Spiele verpasste und eventuell auch ein gutes Omen. Durant hat gerade selbst eine sehr ähnliche Verletzung nach einer Operation beim gleichen Arzt überstanden und spielt wieder auf höchstem Level.

Scoring

Caris LeVert durchlebte in seinen vier Jahren College nahezu jede mögliche Offensiv-Rolle. Im Team um Burke und Hardaway 2013 gab er den Bankspieler, der vor allem Energie bringen musste, wenn die Starter vom Feld gingen. Aber schon als Sophomore stieg er hinter Stauskas und Robinson zur festen Offensiv-Option auf und lieferte sowohl als Ballhandler als auch als Scorer ab. Ab seinem Junior-Jahr war der Wing uneingeschränkter Mittelpunkt der Wolverines-Offensive und meisterte auch diese Art Verantwortung mit Bravour. Sein Spiel hatte sich analog zu seiner Bedeutung für das Team entwickelt.

Schon immer war der Wolverine ein sicherer Schütze von außen (Career: 1,3 3PM bei 40 3P%). Aus dem Catch’n’Shoot verwandelte LeVert seine Sprungwürfe in diesem Jahr mit schlafwandlerischer Sicherheit (1,41 PPP). Er behält besonders bei diesen stationären Würfen stets eine gute Balance und schließt mit einer flüssigen Bewegung sowie einem recht schnellen Release punktgenau ab:

War LeVert als Sophomore noch recht abhängig von seinen Mitspielern (2014: 85% aller 3PM assistiert), braucht er als Senior den vorangegangenen Assist nicht mehr unbedingt (2016: 65% aller 3PM assistiert), um einen freien, hochprozentigen Wurf loszuwerden. Er hat an seinem Pullup-Game gearbeitet und nutzte dieses im vergangenen Jahr immer erfolgreicher, um für sich selbst zu kreieren. Dass er aber auch auf NBA-Niveau den Pullup konstant nutzen können wird, deuteten seine Zahlen noch nicht an (0,66 PPP).               

Diese Wurfstärke hilft ihm sehr beim Zug zum Korb. Verteidiger müssen ihm auf den Füßen stehen, was ihm mit seinem schnellen ersten Schritt immer wieder Driving Lanes eröffnet. Headfake hier, Hesitation Dribble da – schon ist LeVert am Ring und kann abschließen:

Aber auch aus dem Pick’n’Roll heraus ist er als Driver sehr effektiv:

Ist der direkte Weg zum Ring verstellt, kann LeVert diese Situation neben seinem Pullup auch mit einem sehr gut entwickelten Floatergame lösen (Career: 45 FG% bei Floatern):

Gerade 2016 kann man LeVert für seine Slashingfähigkeiten und Wurfauswahl insgesamt loben. Er spielte trotz Rückkehr von einer schwereren Verletzung so aggressiv, wie noch nie. Rund ein Drittel seiner Würfe nahm er am Korb, schloss diese extrem erfolgreich ab (77 FG%@Rim) und erarbeitete sich zugleich die meisten Freiwürfe seiner Karriere (.42 FTr). Der Wolverine beendete das Jahr im sehr anspruchsvollen 50/45/80-Club, weil er schlechte Entscheidungen, wie diese hier, auf ein Minimum reduzieren konnte:

Playmaking

LeVert zeichnete sich am College in den letzten Jahren insbesondere durch seine Fortschritte als Spielgestalter und Passgeber aus. Im Vergleich zu seinem Freshman-Jahr verdreifachte er seine Assist-Percentage auf 33, ohne dabei entscheidend mehr Ballverluste zu begehen (11,4 TOV%). Seine knapp fünf direkten Korbvorlagen pro Spiel entstanden im schnellen System von Coach Beilein natürlich gern im Fastbreak oder Drive’n’Dish-Situationen:

Ihn aber nur auf solche einfachen Szenen reduzieren, würde dem Wing nicht gerecht werden. Der Senior zeigte bisweilen grandiose Court Vision und ein tolles Gefühl für die eigenen Mitspieler:

Genau deswegen installierte ihn sein Trainer im Laufe seiner Karriere auch als primären Ballhandler für Pick’n’Roll-Angriffe. LeVert ging mit seinem für seine Größe sehr ausgefeilten Handling und seinen guten Pass-Instinkten in dieser Rolle auf. Er überzeugt mit viel Geduld bei Hedges und tollem Timing bei seinen Anspielen. Ihm ist es dabei nicht nur möglich den Rollman anzuspielen, sondern findet auch offene Schützen, wenn ihm diese Option gegeben wird:

Auch in der NBA ist es durchaus vorstellbar, LeVert später einmal als sekundären Ballhandler für Pick’n’Roll-Situationen zu nutzen. Seine Kombination aus Handling, Passing, Drive und Wurf sollte ausreichen, um auch auf dem nächsten Level Druck auf Verteidigungen auszuüben.

Defense

In der Verteidigung ist LeVert ein frustrierender Spieler. Er hat durch seine Länge und Mobilität auch auf dieser Seite des Feldes gehöriges Potential, nutzt dieses aber zu wenig. Mit seiner Größe und Athletik sollte bspw. öfter für Ballverluste sorgen (Career: 2,3 STL%) und seinem Team Defensive-Playmaker helfen. Seine Schwierigkeiten setzen sich aus mehreren Umständen zusammen. Gegen schwerere Wings fehlt es ihm in vielen Situationen an Masse:

Teilweise sind schlechte Angewohnheiten, wie dieses opportunistische Play hier, nachdem er dann zusätzlich vergisst auszuboxen, für seine Schwächen verantwortlich:

Zum anderen zeigte sich LeVert in der Verteidigung auch nicht immer als Spieler, der zu jedem Zeitpunkt wach ist:

Allerdings besteht die Hoffnung, dass der Michigan-Alumni zumindest einmal ein durchschnittlicher NBA-Verteidiger werden könnte. Neben athletischen Voraussetzungen gehen ihm defensive Instinkte nicht komplett ab. Deswegen könnte er bei richtigem Coaching und etwas Massezuwachs ein solider Wing-Defender werden.

Spielervergleich

Dass größere Wings/Playmaker mit ausgeprägtem Passer-Gen nicht unbedingt sofort einschlagen müssen, zeigten zuletzt Spencer Dinwiddie und Kyle Anderson. Wie wichtig solche Spieler allerdings sein können, beweisen Spieler wie Greivis Vasquez oder Shaun Livingston. Allerdings ist LeVert in seinem Skill-Set auch nicht so festgefahren, sondern kann auch ohne den Ball effektiv sein, da er genug reines Shooting und Slashing mitbringt, um als klassischerer Wing mit nur etwas Playmaking a la Rudy Fernandez zu agieren.

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

StatsvergleichWings2016

Draftaussichten

Ohne seine Verletzung hätte LeVert statistisch gesehen zumindest den Anschluss an die beiden Senior-Superstars Buddy Hield und Denzel Valentine halten können und wäre wohl auch von NBA-Teams in der Region des Spartans (mittlerer Firstrounder) gehandelt worden. Durch die erneute Verletzung wird es ganz klar auf die Evaluierung seines Fußes ankommen. Einige Franchises werden ihn aus Prinzip nicht mehr auswählen, während andere ggf. auf Kevin Durant und dessen Genesung schauen und ihn doch auf reiner Talentlevel-Basis evaluieren. LeVert gehört allein von seinen Anlagen her in die erste Draftrunde, wird aber durch die Bedenken rund um seine Gesundheit höchstwahrscheinlich erst Anfang der zweiten Runde gezogen werden.

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