Draftprofile 2016

Petr Cornelie

Le Mans Sarthe Basket

Datenblatt

Petr Cornelie

Name: Petr Cornelie

Position: Big

[xrr rating=1/4]  (Rollenspieler)

College: Le Mans Sarthe Basket

Jahrgang: 1995

 

Diaw, Turiaf, Mahinmi, Noah, Ajinca, Seraphin, Gobert – die Liste französischer Bigmen, die im letzten Jahrzehnt gedraftet wurden und mindestens zu soliden Rollenspielern heranwuchsen, ist lang. In diesem Jahr könnte sich ein weiteres Talent diese Gruppe noch vergrößern. Petr Cornelie, der zwei Tage nach der Draft seinen 21. Geburtstag feiern wird, durchlief bisher eine Bilderbuchkarriere. Als Sohn zweier ehemaliger Basketball-Profis wurde er schon recht früh an den Sport herangeführt. Nach einer Grundausbildung in Straßburg wurde er mit 15 in das Leistungszentrum Le Mans’ aufgenommen. In der Folge durchlief Cornelie alle Jugend-Nationalmannschaften und feierte so einige internationale Erfolge. Aber auch auf Club-Ebene lief es gut: Profi-Debüt mit 18, Euro-Challenge-Minuten mit 19, erste Eurocup-Einsätze mit 20. Zudem errang der Bigman für seine Saison 2015/16 den “Rising Star-Award” der französischen Pro A. Durch die ehemaligen Gewinner Parker, Fournier, Batum oder Capela verspricht diese Auszeichnung einiges. Nach einer solchen Erfolgsgeschichte in naher Zukunft den Sprung in die NBA zu wagen scheint der einzig logische, nächste Schritt zu sein. Cornelie möchte diesen idealerweise schon 2016 gehen.

Tools

Petr Cornelie nahm nicht am NBA Combine teil. Deswegen lassen sich leider keine offiziellen Angaben für seine Maße finden. Doch schaut man sein Tape an, so glaubt man ihm gern die fast 7‘0‘‘ Körpergröße und 7‘1‘‘ Armspannweite, die er in einem Interview mit Draftexpress am Anfang des Jahres selbst anführte. Der Franzose ist definitiv ein sehr langer Spieler, der mit einem beeindruckenden Bewegungstalent gesegnet ist. Sehr flüssig und geschmeidig scheint der Fast-Sevenfooter nur so über das Parkett zu schweben, so dass er ohne Probleme lange Wege zurücklegen kann. Seine Mobilität erlaubt ihm sogar ein eher Perimeter-basiertes Spiel. So ist es auch zu verkraften, dass er nur 220 lbs. wiegt. Klar wird er in der NBA auf jeden Fall zulegen müssen. Es fehlen ihm aber nicht 30-40 Pfund bis zum basketballerischen Idealgewicht, sondern eher nur 10-15 Kilogramm Muskeln. Er muss nicht an Masse zulegen, um gegen die großen Center-Brocken bestehen zu können. Vielmehr wird er an der Core-Strength seines Körpers arbeiten wollen, ohne seine tolle Agilität einzubüßen.

Slashing

Zu diesem Zeitpunkt ist Cornelie ein starker Athlet, der sich viele seiner Abschlussmöglichkeiten über seine Geschwindigkeit und Sprungkraft erarbeitet. Dementsprechend fühlt er sich als „Above-the-Rim“-Spieler in Slashing-Situationen sehr wohl. Schnellangriffe läuft er sehr gern mit und hat ein gutes Gefühl dafür, welche Laufwege er dabei zu füllen hat:

Im Screen’n’Roll hat er gute Abroll-Fähigkeiten entwickelt und bietet dem Ballhandler mit seinen überdurchschnittlichen Händen eine recht sichere und effiziente Anspieloption in solchen Situationen (1,1 PPP):

Auch als Cutter tritt Cornelie öfter einmal in Erscheinung und beweist bei solchen Plays ein gutes Spielverständnis und Gefühl für Positioning:

Zudem stellt er als beweglicher Athlet mit gutem Motor stets eine Gefahr am offensiven Brett dar. Mit seinen guten 11 ORB% erarbeitet er nicht nur für weitere Possessions für sein Team, sondern kann auch via Putback für einfache Punkte sorgen:

Teilweise ist der 20-Jährige sogar als Driver zu gebrauchen, der mit zwei, drei harten Dribbles aus dem Faceup zum Korb geht oder Closeouts attackiert. Allerdings wartet er nicht mit tollen Moves auf, sondern ist zu diesem Zeitpunkt ein reiner „Straight Line Driver“:

Inside Scoring

Cornelie kann aus dem Postup heraus durchaus effektiv sein. Hat er einmal eine gute Position in der Zone eingenommen, kann er seine Schnelligkeit und guten Touch nutzen, um den Ball im Korb unterzubringen:

Allerdings ist er wegen seiner unterdurchschnittlichen „Upper Body Strength“ kein Spezialist für das Spiel mit dem Rücken zum Korb. Positionskämpfe gegen Center fallen ihm schwer. Abschlüsse mit der linken Hand gelingen eher selten:

Dazu stören ihn lange und kräftige Mitspieler bei Würfen in der Zone noch sehr. Es fehlt wieder an Masse und an etwas mehr Konsequenz in seinen Situationen am Korb. In der vergangenen Saison legt er wegen solcher Aktionen nur 50 FG%@Rim auf:

Shooting

Der Franzose verfügt über einen sauberen Sprungwurf, den er im letzten Jahr hervorragend traf. Als Spotup-Schütze kann er sehr flexibel eingesetzt werden, auch wenn er den Top of the Key-Dreier am liebsten zu nehmen scheint. In 2015/16 traf er 41 Prozent seiner 100 Dreierversuche und kann dadurch als waschechter Stretch-Big gelten, der seinem Team Spacing schenkt:

Von Zeit zu Zeit scheint Cornelie noch etwas „streaky“ zu sein. So traf er in seinen ersten fünf Eurocup-Spielen in dieser Spielzeit 8/14 3P inklusive einer 5/5 3P-Performance gegen Gran Canaria, um dann in den den folgenden fünf Partien nicht einen einzigen Wurf aus der Dreierdistanz verwandeln zu können. Allerdings bietet sein Wurf mit seiner guten Form und einem Blick auf solide Freiwurfquoten (69 FT%) enormes Potential, das Cornelie bspw. in Sachen Faceup-Game als Konter zum Postup oder Pick’n‘Pop gerade erst zu erschließen beginnt:

In seinen ersten NBA-Jahren wird er sich an die neue Dreierdistanz erst einmal gewöhnen müssen. Allerdings habe ich wenig Bedenken, dass er diese nicht meistert. Somit sollte er diese öffnende Komponente seines Spiels auch auf das nächste Level übertragen können. Als Nahezu-Sevenfooter mit Wurf, solidem Drive, Athletik und etwas Inside-Gefahr, kann man ihn schnell in Situationen bringen, in denen er zum Mismatch wird.

Defense

Als Verteidiger besitzt Cornelie ebenfalls riesiges Potential. Für die französische U20-Nationalmannschaft gab er im Sommer 2015 den klassischer Defensivanker in der Zone. Auf Club-Ebene agiert er zumeist eher weiter vom Korb entfernt, kann aber auch in vielen Situationen solide Ringbeschützer-Qualitäten andeuten. Er ist nicht der talentierteste Shotblocker (2,7 BLK%) oder Helpdefender, stellt mit seiner dennoch schon beeindruckenden Standing-Reach dennoch ein Hindernis dar, das teilweise Würfe verändert:

Cornelies größte, defensive Stärke liegt aber in seiner Mobilität, die ihn den Perimeter gut verteidigen lässt. An der Dreierlinie oder im Mid Post isoliert, ist er wegen seiner Länge und lateralen Geschwindigkeit gar nicht so leicht abzuschütteln und kann sich zumeist vor seinen Gegner halten, um deren Würfe zu beeinflussen:

Es ist teilweise wirklich beeindruckend, wieviele Meter der Franzose dabei zurücklegen kann, um in Transition noch zurückzusprinten oder aber im Halbfeld nach mehreren Rotationen den Closeout zum Schützen zu laufen:

All diese Fähigkeiten lassen Cornelie zu einem Bigman werden, der die Möglichkeit hat, das Pick’n’Roll auf sehr hohem Niveau zu verteidigen. Wegen seiner Beweglichkeit ließ ihn Le Mans recht viel anspruchsvolles Hedge&Recover laufen. Natürlich passte nicht immer jede Rotation. Dennoch bietet der 20-Jährige hier Fähigkeiten, die nicht jeder Bigman mitbringt:

Von Zeit zu Zeit kann Cornelie auch für Deflections und Steals sorgen, könnte seine Athletik in dieser Hinsicht in Zukunft gern noch mehr ausspielen (0,9 STL%). Dafür muss er aber an seiner Antizipationsfähigkeit noch etwas feilen.

Wie auf der offensiven Seite des Feldes hat der Bigman auch in der Defensive seine Defizite im Postup. Es fehlt auch hier an Masse, um bei Positionierungskämpfen öfter die Oberhand zu behalten oder etwas mehr Toughness gegen ihn abschließende Gegner zeigen zu können:

Der Franzose wird an seinem Gewicht und seiner Positionnierungs-Fähigkeit arbeiten müssen, um gegen massigere Vierer bestehen zu können. Das schließt Rebounding bzw. Boxouts mit ein. Zwar agierte Cornelie insgesamt am defensiven Brett sehr zufriedenstellend (22 DRB%). Allerdings deutet der Unterschied zwischen Pro A (23,4 DRB%) und Eurocup (18,4 DRB%) schon an, dass sich der Bigman für das neue Level NBA nochmal gesondert vorbereiten muss.

Fundamentals

Der Mann aus Le Mans gilt als harter Arbeiter, absolute Frohnatur im Lockerroom und hat in seiner jungen Karriere schon viele Fähigkeiten gemeistert, die anderen jungen Bigmen normalerweise abgehen. Dennoch ist nicht alles Gold was glänzt. Cornelie muss definitiv sein defensives Verständnis verbessern, um seine athletischen Fähigkeiten auf dieser Seite des Feldes bspw. durch konzentriertere Helpdefense weiter maximieren zu können. Zudem wäre es wichtig, an seiner Foulanfälligkeit zu arbeiten (5,7 PF/40). Teilweise sind es dumme Aktionen, wie schlechte Screens oder ungestümes Handeln beim Offensivrebound, die ihn in vielen Spielen schnell sitzen lassen.

Zuletzt ist sein Passing-Output noch nicht zufriedenstellend. Für 2015/16 stehen seinen 55 Ballverlusten nur 15 Assists gegenüber. Oft übersieht er Optionen oder schaltet zu spät:

Ganz talentfrei ist er aber als Passer nicht:

Spielervergleich

Petr Cornelie könnte ein wertvoller Spieler werden, wenn er sowohl offensiv durch seine Stretch-Fähigkeiten als auch defensiv durch seine Mobilität wertvollen Output bietet. Abseits des Passings bringt er ähnliche Anlagen wie Draftclass-Kollege Dragan Bender mit. In der NBA scheint seine Zukunft auf der Vier zu liegen. Er wird sich zunächst über seine Defensive Minuten erarbeiten müssen, während sich der Wurf langsam an die neue Umgebung anpasst. Mich lässt dies an ein Spieler-Duo aus Portland denken. Übersetzt sich sein Shooting nicht sonderlich gut, gleicht Cornelie eher Maurice Harkless. Fällt der Dreier könnte er zum 2015/16 Al-Farouq Aminu werden.

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

StatsvergleichBigs2016

Draftaussichten

Seine Anlagen machen Cornelie für mich zu einem klaren Firstround-Talent, das ab Mitte der ersten Runde auf Draftlisten stehen sollte. Allerdings ist noch nicht ganz klar, wann der Franzose den Sprung über den großen Teich wagen möchte. Dies schadet seinem Ansehen derzeit. Gibt er klare Signale, dass er schon im Sommer 2016 in die NBA kommen möchte, könnte ein Erstrundenplatz um 20 drin sein. Verschiebt er seine Pläne auf das kommende Jahr, wird er ein klassischer Draft&Stash-Guy werden, der auch in die zweite Runde rutschen könnte.

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