Dallas Mavericks, Gedanken, Los Angeles Lakers

Gedanken: Dallas Mavericks @ Los Angeles Lakers

Ein Knaller und ein „so lala“-Spiel zum Auftakt der neuen NBA-Saison – während alle Fans dem vermeintlich vorweggenommenen Eastern Conference Finale zwischen Miami und Boston entgegenfieberten, erwarteten Experten wie große Teile der Fans einen relativ deutlichen Sieg der Los Angeles Lakers um ihre Neuerwerbungen Steve Nash und Dwight Howard gegen verletzungsgeschwächte Dallas Mavericks. Diese mussten ihren einzigen verbliebenen All Star im Team, Dirk Nowitzki, sowie den einzigen echten Center im Team, Chris Kaman, ersetzen – und damit auch gleich mal einen großen Teil des offensiven Playbooks. Dennoch gelang die Überraschung. Fragt sich nur: Wieso? Und welchen Ansatz verfolgte Rick Carlisle, um seine individuell schlechter besetzte Mannschaft ins Spiel zu bringen?

Carlisles Geheimrezept?

Nun ist es sicherlich so, dass man dieses eine Spiel nicht überbewerten darf. Beide Mannschaften haben viele neue Gesichter in der Rotation und müssen sich dementsprechend einspielen, zudem handelte es sich „nur“ um eines von 82 Regular Season-Spielen. Da Dallas aber vermutlich noch bis Ende November auf Nowitzki verzichten muss und auch die Rückkehr von Chris Kaman alles andere als gesichert ist, lohnt sich hier ein Blick auf den Gameplan – gilt es doch, gerade in der Anfangsphase der Saison, nicht Boden gegenüber anderen Konkurrenten um die hinteren Playoff-Plätze im Westen zu verlieren.

Die Starting Lineup überraschte insofern, als dass Brendan Wright und nicht, wie vorher kolportiert, Eddy Curry als Center startete. Dieser Schachzug kann nur damit erklärt werden, dass Carlisles Respekt vor der Frontline der Lakers doch enorm war, weshalb er hier eine defensivere Ausrichtung anstrebte. Zudem erlaubte diese Aufstellung auch, defensiv eine etwas andere Rollenverteilung: Während Elton Brand eher am Korb (und damit bei Dwight Howard) blieb, konnte Wright eher die Rolle einer Free Safety spielen, d.h., er deckte quasi den gesamten Zonenraum ab. Dies war dadurch möglich, dass Pau Gasol sein Spiel eher aus der Mitteldistanz aufzieht, führte aber auch Anfangs zu einigen offenen Würfen Gasols bzw. einfachen Körben nach mehreren Pässen für die Lakers, da Wright nicht zur Stelle war und so die defensive Rotation kollabierte. Da die Lakers aber enorme Probleme hatten, ein ordentliches Spacing hinzukriegen – vor allem, da Gasol seine offenen Mitteldistanzwürfe nur sporadisch traf – war das aus Sicht der Mavericks verschmerzbar. Nicht zu verzeihen war hingegen, dass trotz dieser Taktik Los Angeles gerade am Korb immer wieder einfache Punkte machen konnte, was in einer astronomisch hohen FG% von 65 im ersten Viertel resultierte. Allerdings wusste sich auch hier Dallas bald zu helfen.

Offensiv setzte Dallas von Beginn an konsequent auf zwei Grundmuster: Zum einen wurde selbst nach erfolgreichen Körben der Lakers der Ball sofort gepusht, was das Spieltempo hoch hielt und den kleineren Mavericks eher entgegen kam. Daraus resultierend kreierte man auch immer wieder Mismatches durch Unordnung in der Defensive der Lila-Gelben. Der Mangel, keinen echten Spielgestalter im Team zu haben, konnte so ein Stück weit übertüncht werden. Zudem setzten die Mavericks bevorzugt Double-Screens und Picks am Perimeter ein, bei denen nicht selten der Forward als Block setzender Spieler hinterher den Ball in den Händen hatte (vor allem Brand und Marion fielen hier auf). Währenddessen zog gerade Collison nach der Ballübergabe um den Pick zum Korb und wurde dort wieder bedient. In der ersten Hälfte haben die Lakers diese Backdoor-Cuts kaum in den Griff bekommen und so Dallas immer wieder zu einfachen Punkten am Korb eingeladen. Seltsamerweise fiel in dieser Phase des Spiels die Präsenz von Howard kaum auf, obwohl er für genau solche Situationen als Stopper verpflichtet wurde. O.J. Mayo wurde ähnlich ins Spiel gebracht, aber eher über gleichzeitig laufende Off-Ball-Screens. Entweder stand als Resultat ein freier Sprungwurf aus der (Mittel-)Distanz oder ein Mismatch (Nash/Blake), das Mayo aufposten konnte.

Wirklich kreativ wurde Rick Carlisle im zweiten Viertel, als er seine Bank auf den Court schicken musste. Der Grundsatz des schnellen Ballvortrags wurde beibehalten, obwohl Eddy Curry essentieller Bestandteil der Bank war (wer hätte gedacht, dass wir das noch einmal schreiben könnten?) und exzessiv im Post gesucht wurde. Um ihn herum brachte Carlisle eine unkonventionelle Aufstellung um Crowder, Marion, Beaubois und Dahntay Jones, die offensiv für Spacing sorgen sollte. Interessanterweise wurde Crowder hier als einer von zwei Forwards (ohne erkennbaren Positionsunterschied) mit Shawn Marion eingesetzt. Diese Rollenverteilung irritierte sichtlich die Lakers und sorgte für Zuordnungsprobleme, die vor allem Crowder durch exzellente Bewegungen abseits des Balles bloß stellte. Allerdings sollte diese Aufstellung defensiv für gehörige Probleme sorgen – in der Theorie. Praktisch erkannten die Lakers zwar das Mismatch Crowder-Gasol sofort und suchten es auch immer wieder, allerdings war man nicht einmal annähernd in der Lage, das nötige Spacing zu liefern, um Gasol genügend Platz zu geben. Die Folge: Dallas konnte ungestraft immer wieder Gasol bei seinen Drives und Postmoves blitzen bzw. Hilfsverteidiger entsenden, um den scheinbar sicheren Korberfolg zu verhindern. Schafften es die Lakers trotzdem, direkt am Korb zum Abschluss zu kommen, bedienten sich die Mavericks ab dem zweiten Viertel einer Strategie, der sie bis zum Ende treu blieben: Sie foulten einfach. Gasol vergab zwei seiner ersten drei Freiwürfe, Jordan Hill fünf und Howard gar deren elf (!!!).

Derart aus dem Rhythmus, sollten die Lakers für den Rest des Abends nicht mehr wirklich einen offensiven Rhythmus finden. Dallas hingegen konnte seinen Gameplan völlig ungestört durchziehen, da die Lakers kaum Antworten hatten bzw. diese völlig verpufften. So versuchte Mike Brown in der zweiten Hälfte, die vermeintliche Stärke der Lakers zu betonen, indem er gegen die kleinere Bank der Mavericks einen Frontcourt mit Howard, Jamison und Hill stellte. Carlisle reagierte hier aber umgehend und agierte mit traditionelleren, etwas größeren Lineups, während man in der ersten Halbzeit sogar kurzzeitig Brand, Carter, Crowder, Jones und Beaubois auf dem Parkett bestaunen durfte. Obwohl Dallas auf dem Papier natürlich immer noch körperlich unterlegen war, kam dies real kaum zum Tragen, da Los Angeles weiterhin jegliches Spacing abging. Zudem wurde (im Vergleich zur ersten Halbzeit) deutlich seltener der Weg in den Lowpost gesucht, wo man noch am ehesten die Größenvorteile hätte ausspielen können.

Fazit

Schlussendlich lässt sich sagen, dass Dallas natürlich von Abstimmungsproblemen der Lakers und deren katastrophaler Freiwurfquote (12-31 – selbst Shaq hätte sich dafür geschämt!) profitiert hat. Dennoch hat in meinen Augen gerade Rick Carlisle einen perfekten Job gemacht, indem er einen kreativen, unkonventionellen Gameplan erstellte. Durch das schnelle Pushen und ständige Pässe wurde der Mangel eines echten Aufbaus kaschiert. Mismatches wurden blitzschnell erkannt und bis zum Ende gemolken (u.a. auch Curry-Gasol in der zweiten Halbzeit, als Gasol keine Hilfe seiner Kollegen sah), während durch das ständige Foulen – natürlich durch die Quote der Lakers an der Linie begünstigt – der offensive Rhythmus der Lakers vollends wegbrach. Gerade ab ca. der Hälfte des dritten Viertels gelang dem vermeintlichen Topfavoriten im Westen offensiv wenig bis nichts mehr. Man darf gespannt sein, ob Dallas heute Nacht gegen die Jazz, deren Big Men von der Linie etwas treffsicherer sind, ähnliches gelingt. Einen Bonussieg ohne Nowitzki hat man immerhin schon einmal eingefahren – und das völlig verdient.

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