Cleveland Cavaliers, Golden State Warriors, Playoffs 2017

NBA Finals 2017: Game 2

Golden State Warriors vs. Cleveland Cavaliers
Screenshot: NBA League Pass

Auch wenn die Punktedifferenz des zweiten Spiels der NBA Finals der des ersten sehr ähnelt (22 Punkte und 19 Punkte), konnte man einige Unterschiede in der Entstehung der Ergebnisse beobachten. Im Folgenden werden insbesondere einige Schlüsselaspekte betrachtet, durch welche die Serie doch noch enger gestaltet werden könnte und die auch in den bisherigen Analysen auf go-to-guys.de immer wieder besondere Erwähnung fanden – sei es im Preview-Podcast, in David Krouts Artikel zu Spiel 1 oder im Podcast zu Spiel 1 (dessen Aufnahme leider von einem schwarzen Loch aufgesogen wurde und somit nie an die Öffentlichkeit gelangte…).

Zuerst einmal muss festgehalten werden, dass die Cavaliers es im zweiten Anlauf immerhin schafften, das Spiel länger offen zu halten, was wohl hauptsächlich drei Faktoren geschuldet ist. Erstens haben sie von Anfang an aggressiver und fokussierter verteidigt und die Warriors vor allem zu Beginn des ersten Viertels zu einigen schweren Würfen und Ballverlusten gezwungen. Insgesamt konnten die Cavs die Diskrepanz an Punkten in der Zone gegenüber Spiel 1 (30-56) beinahe umdrehen (60-40) und vor allem die historisch große Marge an Ballverlusten (20 zu 4; höchster Wert der Finals aller Zeiten) ebenfalls beinahe umstülpen. Letzteres führte dann dazu, dass Cleveland zwar den Rückstand in Sachen Fastbreak-Punkten in Spiel 1 (9 zu 27) beinahe negieren konnte (30 zu 31), was aber zu großen Teilen auch weniger der Defense geschuldet war, als Unachtsamkeit der Warriors. Golden State hatte im ersten Spiel zwar noch uncharakteristisch selten den Ball verloren, doch diese Masse an Ballverlusten (allein acht im ersten Viertel) schien wiederum auch nicht von all zu langer Dauer sein können.

Speed Kills

Das größte Problem der Cavaliers ist ein strategisches und daher gewissermaßen hausgemacht: die Pace. In den siegreichen Finals 2016 hatten die Cavs es vor allem verstanden, das Spiel so langsam wie möglich zu machen und die Spielgeschwindigkeit so auf 92.0 Possessions pro Spiel zu drücken. Dies bringt mehrere Vorteile mit sich: 1. Es spart Kraft, was gerade bei Teams wichtig ist, deren Erfolg von 2-3 Spielern abhängt. Wenn LeBron James im dritten oder vierten Viertel die Luft ausgeht, hat Cleveland keine Chance mehr. 2. Es bevorteilt Teams, die ihre Stärken eher im Halbfeld als in der Transition haben. Kein Team rennt die Warriors vom Platz. Im Halbfeld hat es Cleveland vor allem offensiv leichter. 3. Favorisierte (weil bessere) Teams bekommen weniger Possessions. Bei kleinerer Samplesize können Underdogs darauf hoffen, dass Favoriten ihre Top-Performance nicht abrufen können (etwa beim Shooting oder der Ballkontrolle). Je mehr Possessions es gibt, desto eher gleicht sich die Performance wieder der Normalform an. Und die „Normalform“ der Warriors ist eben besser als die der Cavaliers.

Statt sich also auf diesen bewährten Pfad zu begeben, preschten die Cavs ihrerseits wie die Irren nach vorn, um einen Wurf hochzujagen oder den Ball ihrerseits zu vertändeln und so im ersten Viertel von Spiel 2 zu einer der höchsten gemessenen Paces überhaupt beizutragen (31 Possessions pro Team). Das erklärt dann auch, wie die Warriors trotz acht Ballverlusten noch auf 40 Punkte kommen konnten (und somit 6 mehr als die Cavs). Noch schlimmer dabei ist: Die Cavs scheinen dies nicht im Affekt zu tun, etwa bedingt durch einige Steals, sondern da es für die korrekte Strategie gehalten wird. Spieler und Coach lassen verlauten, dass das „ihr Spiel sei“ und man damit bislang ja auch gut gefahren wäre. Memo: Die Golden State Warriors sind ein paar Klassen besser als die Teams aus Indiana, Toronto und Boston. Bei einer Pace von über 106 wie in Spiel 2 dürfte es quasi unmöglich sein, den Warriors über 48 Minuten gefährlich zu werden (zum Vergleich: Nur drei Teams knackten in der regulären Saison überhaupt die 100).

Defend the Land

Wie erwähnt, war die Verteidigung der Cavaliers streckenweise recht ordentlich (was angesichts der 132 Punkte bei einem ORtg von 124.0 natürlich aberwitzig klingt) und man sollte einige der Ansätze aus Spiel 2 auch für Spiel 3 in Betracht ziehen. Gleichzeitig ist nach zwei Spielen auch klar, was – oder wer – defensiv gegen diese Warriors überhaupt nicht funktioniert. Grundsätzlich müsste den Cavs erst einmal klar werden, dass man ein Spiel (geschweige denn die Serie) nur gewinnen kann, wenn man über die Defense und Körperlichkeit kommt. Niemand wird Golden State in einem Shootout bezwingen. Folgerichtig müssen die wenigen ordentlichen Verteidiger auch Minuten bekommen.

In erster Linie wäre hier Tristan Thompson zu nennen, der bereits letztes Jahr zum X-Faktor der Finals wurde. Sicher hat er sich in seinen jeweils gut 20 Minuten in den ersten beiden Spielen nicht gerade von seiner besten Seite gezeigt (insgesamt je 8 Punkte und Rebounds), doch war Spiel 2 bereits besser als Spiel 1. Er muss einen Vertrauensvorschuss von Coach Lue bekommen, damit er seine Vorteile in Sachen Rebounding, Härte und Defense überhaupt ausspielen kann. Ohne ihn konnte man bislang auch keinen Vorteil an den Brettern sichern. Seine Minuten gingen in Spiel 2 an Channing Frye, der zwar Spacing liefert, aber sonst eben weiter nichts.

Iman Shumpert wäre ein weiterer Kandidat, der lediglich für defensive Zwecke eingesetzt werden kann und vor allem deshalb in Spiel 2 wichtig war, weil man ihn gegen Durant stellen kann, ohne dass dieser direkt heiß läuft. Das wiederum erlaubt es James, gegen einen Non-Shooter wie in Spiel 2 Shaun Livingston zu verteidigen, von dem James bei Bedarf weghelfen und so besser als Roamer agieren kann. Dieses Adjustment dürfte großen Anteil am Eindämmen der Punkte in der Zone gehabt haben, da LeBron James nun einmal der einzige Rim Protector der Cavs ist, wenn Thompson sitzt. So konnten die Cavs im dritten Viertel den Rückstand auch noch einmal auf 82-86 verkürzen. Blöderweise trafen die Warriors ihre Dreier in diesem Spiel (im Gegensatz zu Spiel 1) außerordentlich gut (41.9%) und stellten so mit 18 Treffern sogar einen neuen Rekord für die Finals auf, während die Cavs wieder untypisch schlecht waren (8 Treffer bei 27.6%).

Auch Richard Jefferson wäre nach wie vor (s. Davids Artikel) ein weiterer Kandidat, der eher als Deron Williams oder – in seiner derzeitigen Verfassung (0 Punkte, 4 Fouls) – Smith Minuten erhalten sollte. Jedenfalls sollten Lineups wie Irving – D. Williams – Shumpert – Korver – Frye, so gesehen im zweiten Viertel und direkt mit einem 1-10 Run bestraft, in einem NBA Finale gegen die Warriors keine Option mehr sein. Korver ist zwar aufgrund seiner Gravity ein relativ wichtiger Bestandteil der Offense, aber wenn er defensiv gegen Klay Thompson gestellt werden muss und dieser dann anfängt alles zu treffen, ist auch er leider nicht mehr spielbar und muss in andere Lineups eingebaut werden.

Step it up

Bislang konzentriert sich die Kritik an den Stars der Cavs hauptsächlich auf Kyrie Irving, der nicht nur defensiv oftmals verloren aussieht, sondern auch offensiv viel zu viele Possessions für seine (oft spektakulären) Körbe braucht (Game 2: 19 Punkte bei ORtg 82). Kevin Love spielt im Rahmen seiner Möglichkeiten ordentlich. LeBron legt abermals beinahe unmenschliche Statistiken auf (Game 2: 29/11/14 bei Ortg 131) – hat aber in keinem der beiden Spiele die 30 Punkte geknackt. Gerade in Spiel 2 konnte man fast ein wenig den Eindruck gewinnen, dass er wie Chris Paul „in Schönheit stirbt“, also sehr effizient wahnsinnig smart spielt, aber er noch etwas mehr den eigenen Abschluss suchen könnte, um mehr Impact zu haben. Sicherlich ist LeBron nicht nur offensiv, sondern gerade in dieser Serie auch defensiv extrem gefordert. Gegen Kevin Durant zu verteidigen, die Würfe eines beweglichen 7-foot-Wings perfekt zu contesten, nur um dann zu sehen, wie der Ball durch das Netz rauscht, kann nicht nur physisch ermüdend sein. Dennoch: James kommt auch gegen diese Warriors noch unglaublich viel zum Korb. Auch wenn er dort nicht immer erfolgreich abschließen kann oder denn Pfiff bekommt, muss er über vier Viertel attackieren. Es gibt insgesamt zu viele Angriffe, in denen James nicht mal den Ball berührt (I’m looking at you, Kyrie and Iman!). Auch seinen mittlerweile sehr sicheren Jumpshot hat er bislang kaum gezeigt. In den Siegen der Finals 2016 hat James im Schnitt 35 Punkte gemacht. Es war also bereits damals mehr Output nötig. Wenn nun noch ein überragender Kevin Durant für den Gegner spielt, ist erst recht mehr gefragt. Für die Cavaliers wäre Spiel 2 ein Must-Win gewesen, um nicht wieder in dieselbe Bredouille wie im Vorjahr zu gelangen. Hierfür hatten sie sich die schwarzen Jerseys laut eigener Aussage eigentlich aufgespart. Im Vorjahr lieferte James zweimal 41 Punkte ab (und Irving zusätzlich auch einmal), als Cleveland mit dem Rücken zur Wand stand. Nicht weniger sollte man in Spiel 3 erwarten.

Fazit

Trotz der bitteren Niederlage lassen sich für die Cavaliers positive Aspekte für Spiel 3 mitnehmen – wenn sie es denn selbst auch so sehen und überhaupt umdenken wollen. Die Warriors haben sich verwundbar gezeigt, denn auch wenn etwa Green und Thompson im Vergleich zu Spiel 1 besser trafen und Curry und Durant ohnehin quasi nicht zu stoppen sind, so waren sie über weite Strecken unachtsam (Curry allein 8 Turnovers) und erst durch den Dreierregen nicht mehr zu verteidigen. Draymond Green konnte aufgrund seiner 5 Fouls keine 25 Minuten spielen und auch Durant war einige Zeit mit 4 Fouls sehr gefährdet, vom Feld genommen werden zu müssen. Gerade diese beiden Defender sollten James und Irving weiter attackieren, auch wenn beide es sehr gut verstehen, auch ohne Foul den Ring zu beschützen. Zudem sollten die Cavs die Spielgeschwindigkeit verlangsamen und sich auf mehr auf Defense konzentrieren, anstatt die Warriors aus der Arena ballern zu wollen, während Kyrie Irving und vor allem LeBron James das Team offensiv weiter tragen müssen.

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