Golden State Warriors, Oklahoma City Thunder

Der maximierte Impact der Warriors

Wie verteilt man die Minuten in einer Rotation richtig?

Vor einigen Wochen hatte Sebastian Hansen sich mit den Oklahoma City Thunder und ihrem Starduo beschäftigt, das dafür sorgt, dass die Thunder sehr abhängig von beiden sind. Generell ist diese Beobachtung bei vielen Teams anzutreffen. Dies folgt der Logik, dass der beste Spieler Dreh- und Angelpunkt des Teams ist und man ein Team so zusammengestellt hat, dass es neben bspw. LeBron James am besten funktionieren soll. Sitzt dann der Franchise Player, hat das Team Probleme, den besten Spieler zu ersetzen. Bei den Thunder wird das deutlich, wenn man sich anschaut, wie sie agieren, wenn Kevin Durant (NetRating von -0,5), Russell Westbrook (-1,0) oder beide Stars (-9.0) auf der Bank Platz nehmen.

Als Gegenentwurf werden landläufig die  San Antonio Spurs gehandelt, wo man zunächst überlegen müsste, wer der eigentliche Franchise Player ist, ehe man sich auf Kawhi Leonard einigen würde. Sitzt Leonard, scoren die Spurs trotzdem um sieben Punkte besser als der Gegner. Spielt er, sind es 16 Punkte mehr. Kein einziger Rotationsspieler hinterlässt so eine große Lücke, wenn er auf der Bank sitzt, dass die Spurs ein negatives NetRating hätten. Niemand in San Antonio ist unersetzbar, weil Popovich gut mischt und rotiert.

Die Last auf mehrere Schultern zu verteilen, scheint also sinnvoll zu sein, schließlich sind die Spurs in dieser Saison den eher inkonstanten Thunder überlegen. Doch wie abhängig ist der Meister aus Golden State eigentlich von seinen Starspielern?

Currys Einfluss auf die Warriors

Offensichtlich ist, dass ein sehr guter Spieler mehr Einfluss auf ein Team hat als ein guter oder durchschnittlicher Spieler. Das ist evident und bedarf auch keiner Erklärung. Dass die Warriors mit Stephen Curry besser als ohne ihn performen, ist keine Erkenntnis, die irgendjemanden verwundern sollte. Tatsächlich erzielt Golden State mit Curry auf dem Feld 1,2 Punkte pro Angriff. Das wäre mit Abstand der beste Wert in der Liga. Zugleich lässt man nur 100,9 Punkte auf 100 Possessions zu, was insgesamt dazu führt, dass die Warriors mit Curry – wie erwartet – eines der dominantesten Teams der letzten Jahre stellen (+18,1).
Verwunderlich ist aber, was passiert, wenn Curry auf der Bank Platz nimmt: die Warriors – das Team, was bisher erst sieben Spiele in dieser Saison verloren hat – werden zu einem Team, das insgesamt auf Platz 26 einlaufen würden. Sie verlieren auf 100 Possessions ein Spiel durchschnittlich mit 105:110. Die Abhängigkeit von Curry scheint demnach stärker ausgeprägt zu sein, als das Abhängigkeitsverhältnis von den Thunder zu einem ihrer Superstars. Bei OKC kann das Team ohne einen Star auf dem Feld das Spiel zumindest ausgeglichen halten – von der Performance läge OKC zwischen den Pistons und den Rockets -, die Warriors brechen allerdings total ein. Woran kann dies liegen?

Zunächst sollte man sich vergegenwärtigen, dass die Zeit, die Curry auf der Bank sitzt (oder verletzungsbedingt aussetzte) tatsächlich ein Drittel der gesamten Warriors-Saison ausmacht – 1100 Minuten Curry-lose Minuten haben sich bisher angesammelt. Natürlich sind darunter auch Garbage Time-Minuten zu finden, wenn nach drei Vierteln das Spiel schon entschieden war. Dementsprechend sind die Zahlen nicht als so verheerend zu verstehen und gehören etwas abgeschwächt. Dass der amtierende Meister, das Team, das vielleicht die beste Bilanz der regulären Saison aller Zeiten aufstellen wird, jedoch so abhängig von einem einzigen Spieler scheint, ist erstaunlich. Verwunderlicher wird es nur noch dadurch, dass wir uns einig darüber sind, dass der Supporting Cast in Golden State harmonischer und komplementärer zusammengestellt ist als in OKC. Warum bricht Golden State ohne Curry denn dann so ein?

Zum einen fehlt es bei den Warriors an einem zweiten, wirklichen Spielmacher, der den Ball über die Mittellinie schleppt, Plays initiiert und eine Gefahr für den Gegner ausstrahlt, um Currys Rolle zumindest in Teilen zu reproduzieren. Den Großteil dieser Bürde muss Shaun Livingston übernehmen.

Klay Thompson ist im Vergleich zur Vorsaison wieder weiter in die Spot-Up-Rolle zurückgefallen. Über 60% seiner Würfe kommen aus dem Catch-and-Shoot, wo er kein einziges Dribbling vorher vollführt. Im letzten Jahr waren dies nur 46%. Entlastung kommt für Livingston von Thompson jedenfalls nicht – der sich mit seinem recht eindimensionalen Verhalten auch gleichzeitig aus der Diskussion des besten Two-Way-players auf dem Flügel verabschiedet haben dürfte. Für einen Two-Way-Player wäre es nötig, dass er sich seine Offense auch selbst kreieren könnte, was nicht der Fall ist.

Andre Iguodala hält den Ball noch weniger in der Hand als Livingston, auch wenn die Touch-Anzahl größer bei ihm ist – er übernimmt also auch weniger Playmaking-Aufgaben. Livingston ist zudem der Anti-Curry in diesem Team, weil er in dieser Saison bisher genau zwei Dreier erfolgreich verwandelt hat; Iguodala kommt immerhin auf etwas mehr als 50 – auch kein Wert, den man unbedingt fürchten müsste. Das bringt die Warriors-Offense ohne Curry in solche Situationen:

GSWohneCurry1

Sacramento kann sich einen Switch von Rudy Gay leisten, als Belinelli Livingston übergibt. Dieses Mismatch wollen die Warriors dann nutzen, nachdem man erfolglos und ineffektiv am Perimeter von Iguodala, zu Barbosa, zu Livingston und wieder zurück herumgepasst hat:

GSWohneCurry2

Harrison Barnes soll hier als Post-Up-Option genutzt werden, was er durchschnittlich ein Mal pro Spiel macht – und damit die zweite Post-Up-Option nach Livingston für die Warriors darstellt. Insgesamt generiert Barnes nur zu 13% seine Offense aus einem Post-Up. Der Warriors-Offense bleibt aber auch nichts anderes übrig. Exemplarisch sieht man hier, wie Sacramento komplett zum Post-Up kollabiert, weil Barnes aus dieser Situation nur den Abschluss suchen kann. Draußen werden Barbosa (33% Dreier ohne Volumen) und Iguodala völlig frei stehen gelassen – auch weil der Pass von Barnes in dieser Situation nicht mehr kommen wird, da das Post-Up zu vorhersehbar ist.

In einem zweiten Beispiel teilen sich Barbosa und Iguodala den Spielaufbau:

GSWohneCurry3

Livingston bewegt sich hier schon in die Dreierecke, um sie zu besetzen, während Iguodala den Hand-off von Barbosa annimmt und dann Richtung Mitte penetriert.

GSWohneCurry4

Denver verteidigt hier recht clever: Während Harrison Barnes als Volumenschütze respektiert wird, steht Livingston vollkommen frei und erhält von Iguodala den Pass. Den nachfolgenden Dreier wird er nicht versenken können. Sehr gut ist in dem zweiten Standbild zu sehen, dass Denver die Zone vollstellt, obwohl die Warriors hier Spacing erzeugen wollen: Barnes und Livingston in den Ecken, Barbosa auf dem Flügel, nur Ezeli, der gedoppelt wird, ist direkt unter dem Korb positioniert.

Der Second-Unit der Warriors fehlen einfach weitere Schützen. Einzig Brandon Rush strahlt noch genügend Gefahr aus, ansonsten kommen von der Bank mit Iguodala, Barbosa, Ezeli, Varejao, Speights und Livingston Spieler, die nicht von außen respektiert werden.

Der eigentliche Grund für das schlechte Abschneiden des Teams ohne Curry liegt allerdings nicht an den Spielern, sondern an der Coachingentscheidung von Walton und Kerr: Dem aufmerksamen Leser sollte nicht entgangen sein, dass bisher ein Spieler ausgeklammert wurde, der zumindest Teile des Passings und des Spacings bedienen könnte, das ohne Curry verlustig gegangen ist: Draymond Green.

Draymond Green und Stephen Curry haben in dieser Saison bisher 2100 Minuten zusammen auf dem Feld verbracht. Das sind 31 Minuten pro Spiel – zusammen! Curry kommt auf ungefähr 250 Minuten ohne Green, dieser spielt ohne Curry knapp 350 Minuten. Das ist verschwindend gering. Curry und Green sind dazu gerade für Statistikexperten, die durch das erzielte Plus-Minus herausfinden wollen, wie gut ein einzelner Spieler ist, ein Schrecken, weil beide so viel zusammen auf dem Feld stehen und man nicht zuordnen kann, wer nun zu größeren Teilen für das hervorragende Ergebnis der Warriors verantwortlich ist. Den Spielern selbst soll es egal sein. Stehen Curry und Green zusammen auf dem Feld, erspielen sie sich pro Spiel einen Vorsprung von 13,4 Punkten gegenüber den Gegnern. Dass dies dann in der Mehrheit der Spiele zum Sieg reicht, sollte einleuchtend sein.

Doch ist das wirklich so klug? Die Warriors verlieren in über 1000 Minuten ihrer Spiele weiterhin deutlich. Wäre es nicht besser, wenn man die Minuten von Curry und Green splitten würde, um nicht ein Drittel pro Spiel zu verlieren?

Maximiertes Potenzial

Die Kaderzusammenstellung zwischen den Warriors und Thunder unterscheiden sich in einem Punkt wesentlich – und dieser ist nicht zuvorderst, dass OKC schlicht zu viele Bigs in ihrem Kader hat. Wichtiger ist hier die Kompatibilität der wichtigsten Spieler.

Russell Westbrook und Kevin Durant haben ähnlichere Spielanlagen als Green und Curry. Natürlich funktioniert Durant auch off-ball gut, das ist keine Frage. Trotzdem wollen beide eigentlich den Ball in der Hand halten. Kevin Durant hat nur jeden zehnten Wurf per Spot-Up genommen(10%), geht öfter in die Isolation (15%) oder agiert als Pick’n’Roll-Ballhandler (20%). Bei Westbrook ist das Verhältnis von Ballhandling zu Spot-Up noch viel eklatanter (7% der Würfe kommen per Spot-Up, 35% der Abschlüsse kommen als Ballhandler nach einem Pick’n’Roll). Trotz der Parallelen, die Durant und Westbrook aufweisen, hat Coach Donovan sie oft zusammen auf das Feld geschickt – und das ist natürlich auch absolut legitim und hilft dem Team: Scheitert der erste Angriff des einen Stars, kann ein Pass zum Perimeter den anderen Star ins Spiel bringen. Die Thunder outperformen den Gegner mit Durant und Westbrook auf dem Feld (NetRating von +11).

In den 400 Minuten, wo nur Durant auf dem Feld steht, kommen die Thunder jedoch auf ein noch klein wenig besseres NetRating; steht nur Westbrook auf dem Parkett (566 Minuten), sind es immerhin noch +7. Das liegt auch daran, dass OKC dann nur einen klaren Handler auf dem Feld hat und es so eine klare Hackordnung gibt, sodass gewährleistet wird, dass entweder Durant oder Westbrook den Ball in den Händen halten kann.

Deswegen ist es für Oklahoma City so wichtig, dass man die Spielzeit von Westbrook und Durant splittet, um beiden den größtmöglichen Entfaltungsspielraum einräumt und gleichzeitig das Team vor Einbrüchen schützt. Normalerweise sollte OKC zu keinem Zeitpunkt der 48 Minuten beide Stars benchen, sondern ihre Minuten so aufteilen, dass beide Stars ihr Potenzial maximieren können.

Gänzlich anders sieht dies bei den Golden State Warriors aus. Sie funktionieren deshalb so gut, weil sie komplementäre Spieler sind und ihre Fähigkeiten ineinander greifen. Stephen Curry ist mit Abstand der beste Ballhandler des Teams und soll auch klar den Ball in der Hand halten. Er ist der einzige Spieler der Warriors, der das Pick’n’Roll in aller Regelmäßigkeit initiiert und daraus abschließt; nur er schließt öfter als ein Mal pro Spiel eine Isolation ab.

Deshalb haben Kerr und Walton sich dazu entschlossen, dass man die Zeit mit Curry maximieren sollte, wenn das andere Personal nicht unbedingt den Ball benötigt. Neben Draymond Green kommt ebenfalls so gut wie immer Klay Thompson aufs Feld, wenn Curry schon dort zu finden ist. Das Trio hat über 1700 Minuten zusammen bestritten. Die bewusste Entscheidung, die drei zusammen zu benchen, liegt auch daran, dass Green und Thompson ihr Potenzial ohne Curry nicht voll entfalten können. Sie sind klare Transition/Spot-Up-Schützen, die darauf angewiesen sind, dass ein Spieler die Offense initiiert. Das klingt gerade bei Green zuerst ungewöhnlich, weil Green die meisten Assists der Warriors spielt. Green verharrt zumeist an der Stelle, sondiert die Lage und findet die offenen Schützen. Daher ist Green kein Ballhandler im herkömmlichen Sinne, sondern ein sehr guter Passing-Big, der das Spiel lesen kann und die oft nominelle Überzahl durch ein Curry-Double-Team konsequent bestrafen kann. Trotzdem geht er bspw. kaum ins Pick’n’Roll, um eine Offense aufzuziehen. Dafür ist Curry unerlässlich:GSWAstDray1

Hier bindet Curry alleine durch seine Präsenz zwei Gegenspieler, auch weil Green scheinbar zu weit vom Korb entfernt steht. Speights bietet das Pick’n’Roll an, aber Curry entscheidet sich dazu, zur anderen Seite zu dribblen, um den Gegenspieler Greens zu binden:

GSWAstDray2

Sobald Curry Favors auf die andere Seite gelockt hat und Raul Neto als Pick nutzt, sodass Favors nicht mehr zu Green rotieren kann, erfolgt der Pass zu Draymond Green, der nun die Offense übernehmen kann:

GSWAstDray3

 

Green penetriert einfach durch die Mitte zum Korb. Dadurch, dass Favors out-of-position ist und erst recovern muss, wird Speights frei, da Green die Hilfe zieht. Greens Passing-Skills und gutes Decision-making sorgen dafür, dass er Speights offen bedienen und drei Punkte erzielen kann.

Ausgangspunkt ist aber in dem überwiegenden Teil der Possessions Curry, ohne den Green auch zu einem gewissen Grad Probleme hat, sein Passspiel so zu nutzen, wie er es mit Curry kann. Klay Thompson als perfekter Spacing-Guard profitiert von der Kombination mit zwei exzellenten Passern zum einen davon, dass er einfache, offene Würfe serviert bekommt, zum anderen aber auch davon, dass er selbst keine Offense initiieren muss.

Würde man das Trio sprengen und die Minuten so verteilen, dass man möglichst ausgeglichene Lineups erhalten würde, wären die Warriors nicht so stark wie sie momentan performen. Die ausgebildeten Automatismen von Curry, Thompson und Green sind wertvoller als das Trio zu trennen. Dafür ergänzen sich ihre Skills zu gut. Kerr und Walton verzichten deswegen darauf, ausgeglichene Lineups über das ganze Spiel aufs Feld zu bekommen, sondern setzen darauf, dass Curry-Thompson-Green den Gegner überrollen und das Spiel vorzeitig entscheiden.

Fazit

Es gibt – wie so oft im Basketball – keine eindeutige Lösung für die Minutenverteilung eines Teams, sondern dies bedarf einer individuellen Entscheidung. Entscheidend sind die Komplementarität  der Skills der Spieler. Während Oklahoma City zwingend darauf angewiesen ist, Durant und Westbrook zu trennen, um das Ergebnis zu maximieren, ist es für Golden State viel wichtiger, die sich ergänzenden Skillsets von Curry, Thompson und Green zu nutzen, um den Gegner frühzeitig zu besiegen.

Beide Lösungen sind richtig und zeigen eindrucksvoll, wie komplex das Minutenmanagement sein kann, um erfolgreich zu sein. Es gibt keine Blaupause, um die Minuten richtig zu verteilen, sondern es bedarf einer Abwägung, ob das Potenzial seines Teams dadurch maximiert wird, dass man gute Spieler so oft wie möglich trennt oder ihre Stärken kombiniert aufs Feld schickt.

 

Statistiken via basketball-reference.com, nbasavant.com, nbawowy.com & nba.com/stats – Stand 26.03.2016
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8 comments

  1. Sebastian Seidel

    Alles in allem ein sehr guter Artikel. Hab aber eine Stelle, bei der ich deutlich anderer Meinung bin.

    Klay Thompson ist im Vergleich zur Vorsaison wieder weiter in die Spot-Up-Rolle zurückgefallen. Über 60% seiner Würfe kommen aus dem Catch-and-Shoot, wo er kein einziges Dribbling vorher vollführt. Im letzten Jahr waren dies nur 46%. Entlastung kommt für Livingston von Thompson jedenfalls nicht – der sich mit seinem recht eindimensionalen Verhalten auch gleichzeitig aus der Diskussion des besten Two-Way-players auf dem Flügel verabschiedet haben dürfte

    60% Catch and Shoot mag stimmen. Thompson schließt allerdings auch 31% seiner Abschlüsse aus Offball-Screens ab, also keineswegs lediglich einfache Spot-up-Würfe. Die 450 Possessions sind knapp 80 mehr als der zweite Redick und fast 150 mehr als der dritte Paul George. Um es noch krasser zu sagen: Thompson schließt häufiger aus Offball-Screens ab als 18 NBA-Teams. Im Gegensatz zum Spot-up läuft in diesen Situationen also auch wirklich die Offense über Thompson.
    Der wirkliche Spot-up-Anteil ist bei Thompson mit 16.8% für Warriors-Verhältnisse sogar sehr gering, nur Curry und der angesprochene Livingston schließen prozentual seltener aus dem Spotup ab.

    Kann Thompson sich Offense selber kreieren? Er schließt vglw. selten in Isolations ab, was jedoch auch sehr systembedingt ist. Selbst Curry schließt nur jeden zehnten Abschluss aus einer Isolation ab. Ein vglw. sehr niedriger Wert für so einen dominierenden Offensivspieler.
    Die Warriors spielen gar nicht wirklich viel weniger starlastig als die Thunder (siehe USG-Vergleich). Der Isolation-Anteil der Top-Spieler ist einfach nur geringer, weil diese ihre Abschlüsse aus der Set-Offense bekommen…
    Die Warriors schaffen es einfach ihren beiden besten Spielern unfassbar viele effiziente Würfe zu verschaffen…
    Klays Fähigkeit aus offball-Screens zu scoren wie kein zweiter Spieler in der Liga (1.08PPP/450 Possessions), ist eine davon.

    In den 522 Minuten in denen Thompson auf dem Feld steht und Curry nicht, haben die Warriors immernoch ein Offensivrating (nba.com) von 109.7. Das wäre hinter den Thunder knapp der zweite Rang im ORTG und ist 5.6 Punkte besser als die normale Warriors-Offense ohne Curry.

    => Klay kann in meinen Augen sehr wohl eine Offense tragen

  2. Dennis Spillmann

    |Author

    Ich würde keinen deiner Punkte abstreiten, nur komme ich zu einer ganz anderen Schlussfolgerung:
    Klay Thompsons Treffer sind zu 81% assistiert. 81%! Ja, er curlt brav um Blöcke und Gegner, aber das ist doch kein Playmaking oder eine Verantwortung im Sinne von Ballhandling übernehmen. Thompson profitiert vom Handling Currys doch ungleich viel mehr als Curry von Thompson.
    Die Warriors sind so stark, weil sie eben erkannt haben, dass Thompson den Ball zeitlich so wenig wie möglich in der Hand haben sollte. Er sollte ihn per Spot-Up oder Hand-off bekommen und dann direkt Richtung Korb loswerden. Es gibt mit Curry, Green, Livingston und Iguodala mindestens vier bessere Ballhandler als Thompson im Team. Von denen sind die Aktionen Thompsons abhängig. Thompson hat zu 73% in unter zwei Sekunden Ballbesitz abgeschlossen. Er braucht zwingend einen Playmaker neben sich, damit er eingesetzt werden kann. Es ist ja auch nicht verwunderlich, dass er auf nur knapp zwei Assists pro Spiel kommt – es ist nicht sein Job, großartig zu passen.

    Zudem verwies ich auch darauf, dass Thompson sich im Vergleich zur Vorsaison zurückentwickelt hat, weil er dort noch mehr Offense für sich alleine kreierte. 2015/16 gab es 12 Spiele, in denen er ausschließlich ohne Dribbling beim Abschluss auskam! Und genau das kam im letzten Jahr nicht so häufig vor. Ich will gar nicht sagen, dass Thompson zum Vorjahr zurück muss, auf keinen Fall, aber er hat mit der Initiierung von Offense nun mal rein gar nichts zu tun. Er ist eben eher JJ Redick. Das ist toll und super – und passt perfekt zu den Warriors. Aber er wird auch so oft zusammen mit Curry und Green eingesetzt, weil er dort am stärksten sein kann: als off-ball-Wing.

    Ich hatte zudem ja auch ausgeführt, dass Thompson sich eben so gut mit Curry ergänzt, weil er ihm im Ballhandling nicht in die Quere kommt. Thompson schließt nur 7% seiner Würfe aus dem Pick ‘n’ Roll ab – das ist teamintern Nummer 5. Er erzielt Punkte – effizient udn mit Volumen – aber er startet keine Offense und ist abhängig von seinen Mitspielern.

    Übrigens: In den 522 Minuten bekommen die Warriors auch ein D-Rating von 109 eingeschenkt. Das ist die zweitschlechteste Defense hinter den Lakers. ;)

  3. Sebastian Seidel

    Ich würde keinen deiner Punkte abstreiten, nur komme ich zu einer ganz anderen Schlussfolgerung:
    Klay Thompsons Treffer sind zu 81% assistiert. 81%! Ja, er curlt brav um Blöcke und Gegner, aber das ist doch kein Playmaking oder eine Verantwortung im Sinne von Ballhandling übernehmen. Thompson profitiert vom Handling Currys doch ungleich viel mehr als Curry von Thompson.

    Doch das ist eine Verantwortung. Die Warriors laufen einen Spielzug für Thompson, in dem Thompson genauso die Hauptverantwortung trägt, wie wenn Curry ein stinknormales Pick&Roll läuft. Meiner Meinung nach hängst du dich zu sehr an dem “assistiert” auf. Natürlich sind die alle assistiert und er drückt innerhalb von 2 Sekunden ab, trotzdem kreiert er ja den Wurf, durch seine Fähigkeit um Blöcke zu laufen.

    Die Warriors sind so stark, weil sie eben erkannt haben, dass Thompson den Ball zeitlich so wenig wie möglich in der Hand haben sollte. Er sollte ihn per Spot-Up oder Hand-off bekommen und dann direkt Richtung Korb loswerden. Es gibt mit Curry, Green, Livingston und Iguodala mindestens vier bessere Ballhandler als Thompson im Team. Von denen sind die Aktionen Thompsons abhängig. Thompson hat zu 73% in unter zwei Sekunden Ballbesitz abgeschlossen. Er braucht zwingend einen Playmaker neben sich, damit er eingesetzt werden kann. Es ist ja auch nicht verwunderlich, dass er auf nur knapp zwei Assists pro Spiel kommt – es ist nicht sein Job, großartig zu passen.

    Er braucht keinen Spieler mit außergewöhnlichen Playmaking-Fähigkeiten. Er braucht einen Spieler, der den Ball bringen kann und ein Play callen kann, die gibt es wie Sand am Meer, es ist keine außergewöhnliche Fähigkeit wie ein Stretch-Big-Rimprotector. Jemand wie Livingston reicht ja auch vollkommen…

    Wenn Livingston den Ball bringt, den Spielzug callt, Thompson aus zwei Blöcken hoch kommt, den Ball bekommt und abdrückt, dann ist der Anteil den Thompson an dieser Sequenz hatte, bedeutend größer, als der den Livingston hatte…
    Livingston hatte zwar den Ball in der Hand, aber das sagt absolut nix darüber aus wer die Verantwortung für den Spielzug getragen hat.

    Bei Anthony Davis würde ja auch keiner auf die Idee kommen zu behaupten, dass er extrem abhängig von seinen Mitspielern sei, weil er nicht selber den Ball bringt. Sondern ihn im Pick&Roll oder Post von seinem Mitspieler zugespielt bekommt.

    Zudem verwies ich auch darauf, dass Thompson sich im Vergleich zur Vorsaison zurückentwickelt hat, weil er dort noch mehr Offense für sich alleine kreierte. 2015/16 gab es 12 Spiele, in denen er ausschließlich ohne Dribbling beim Abschluss auskam! Und genau das kam im letzten Jahr nicht so häufig vor. Ich will gar nicht sagen, dass Thompson zum Vorjahr zurück muss, auf keinen Fall, aber er hat mit der Initiierung von Offense nun mal rein gar nichts zu tun. Er ist eben eher JJ Redick. Das ist toll und super – und passt perfekt zu den Warriors. Aber er wird auch so oft zusammen mit Curry und Green eingesetzt, weil er dort am stärksten sein kann: als off-ball-Wing.
    Ich hatte zudem ja auch ausgeführt, dass Thompson sich eben so gut mit Curry ergänzt, weil er ihm im Ballhandling nicht in die Quere kommt. Thompson schließt nur 7% seiner Würfe aus dem Pick ‘n’ Roll ab – das ist teamintern Nummer 5. Er erzielt Punkte – effizient udn mit Volumen – aber er startet keine Offense und ist abhängig von seinen Mitspielern.

    Jeder Spieler in der NBA ist abhängig von seinen Mitspielern. Bei einem Pick&Roll ist der PG davon abhängig inwiefern die drei anderen Spieler Spacing liefern, der Big Man sich zum Korb abrollen kann und dort finishen kann (DeAndre Jordan), der Big Man Passing Skills mitbringt (Draymond Green), der Big Man zum Wurf rausgehen kann (Nowitzki), der durch harte Screens viel Platz schafft (Bogut). Gutes Beispiel dafür ist zum Beispiel auch Monta Ellis im Vergleich Mavs-Pacers.
    Bei Isolation und Post-ups ist man noch viel extremer Spacing abhängig, weil es eine erwartbare Situation ist. Die Defensive also viel Zeit hat um zu doppeln, sich zu sortieren, den Spieler der helfenden Person aufzunehmen.
    Wenn ich aus Offball-Screens komme bin ich davon abhängig, einen PG zu haben der einigermaßen Passen kann (gibt es wie Sand am mehr) und ein paar Spieler die gute Blöcke setzen können. Die Abhängigkeit vom Spacing ist dabei, zumindest wenn man sie wie Thompson nutzt, dafür zum Beispiel lange nicht so groß, wie bei nahezu allen anderen Playtypes…
    Theoretisch könnten sich die Spieler auf der Weakside auf den Füßen rumstehen oder unterm Korb zu zweit stehen. Gutes Beispiel ist dafür Middleton bei den Bucks ;)

    Übrigens: In den 522 Minuten bekommen die Warriors auch ein D-Rating von 109 eingeschenkt. Das ist die zweitschlechteste Defense hinter den Lakers. ;)

    Das ist völlig unrelevant dafür, ob Thompson eine Offensive tragen kann..
    Könnte aber auch damit zusammen hängen, dass Green in der Zeit verm. wenig spielt.

    => Zusammendes Fazit: Wir werden auf ein Agree zu Disagree hinauslaufen. Für dich kann ein Spieler nur wirklich offensive Verantwortung tragen, wenn er aus dem Dribbling viel für sich kreieren kann. Für mich ist die Fähigkeit aus Offball-Screens zu kommen und daraus direkt abdrücken zu können, nicht weniger Wert als die eines Pick&Roll-Ballhandlers oder Iso-Scorer. Auch wenn dann natürlich ein hoher Anteil seiner Abschlüsse “assisted” ist.

    Natürlich passen Curry und Thompson auch gut gemeinsam aufs Feld, sie schaffen sich gegenseitig Platz, profitieren bei Spielzügen wie Floppy extrem voneinander, weil die Defensive sich auf beide Seiten konzentrieren muss und es dadurch extrem schwer wird auszuhelfen. Dennoch glaube ich, dass es kein Problem wäre, eine Offensive über Thompson laufen zu lassen.

  4. Matthias Holtermann

    Gerade bei Thompson sieht man eig. das seine Scoring-Effizienz in den 520 Minuten ohne Curry trotz 5% mehr Usage nicht wirklich geringer ist (TS% 60.3 < 60.4).
    http://stats.nba.com/vs/#!/advanced?PlayerID=202691&VsPlayerID=201939

    Zwar ist seine Self-Creation nur 4% (unassisted shots) höher als ohne Curry, aber ich würde schon sagen das man die Offense mit 27 Pts/36 Min (ohne Curry) “trägt”, auch wenn es hauptsächlich nur durchs Scoring der Fall ist.
    Aber bei Korver hat man ja auch teilweise von einem Offball-Playmaker gesprochen (Arthur hatte dazu mal ein Video gemacht), weil er durch sein Offball-Movement nicht nur großen Anteil an dem Platz der eigenen Würfe hat, sondern sogar seinen Teammates Vorteile verschaffen kann wenn er gar nicht den Ball bekommt, indem er durch sein Offball-Movement Rotationen in der Defense herbeiführt, die andere nutzen können. Auf ähnliche Weise kann Thompson sicherlich auch Plays herbeiführen, ohne das er großartig das Ballhandling übernehmen müsste.

    Wenn man sich mal einige ORTGs der Warriors anschaut:

    mit Curry + THompson = 118
    Curry ohne Thompson = 113.5
    Thompson ohne Curry = 108.5
    Ohne THompson und Curry = 100 (eig. Barbosa ohne Curry (spielt kaum mit Thompson))

    Dann sieht man, dass Curry ohne Thompson (-5) offensiv das geringere Übel ist als eine 2nd Unit ohne Thompson (-8.5).

    In den letztjährigen Playoffs war es auch schon so, dass man kaum ohne Curry oder THompson gespielt hat:

    Curry + Thompson 30 min
    Curry ohne Thompson 9 min
    Thompson ohne Curry 6 min
    ohne beide 3 min

    Das man jetzt in der Regular Season vergleichweise mehr ohne die beiden spielt (26 zusammen, 7 curry allein, 6 klay allein, 9 ohne beide), liegt denke ich daran, dass man die Garbage Time maximieren will und das auch ziemlich gut schafft, dadurch die Spielzeit der Starter möglichst klein hält und sie so gut wie möglich schont.

    Das Curry, Thompson und Green zusammen ihr individuelles Potential am besten ausnutzen können, kann trotzdem gut sein, weil sie sich ziemlich gut ergänzen, wie Dennis schon aufgeführt hat.
    Nur ist die 2nd Unit ohne einen der Topscorer offensiv vergleichweise so schwach, dass die Warriors über 48 Minuten am effektivsten wären, wenn sie möglichst wenig ohne einen der Splash Brothers spielen, was in den Playoffs sicherlich auch wieder zum Großteil angestrebt werden wird.

  5. Dennis Spillmann

    |Author

    @Sebastian: Ja, ist agree to disagree. Ich respektiere deine Meinung, sehe aber die Verantwortung mit dem Ball in den Händen ungleich höher.

    Thompson kann – bis auf einen Fehlwurf – gar keine Fehler machen. Er curlt. Kommt er nicht frei, muss der Ballhandler sehen, was er nun macht. Thompson parkt in der Ecke oder versucht es erneut, aber die Verantwortung für die Offense hat er nicht. Wie viel Kyle Korver in den Playoffs wert war, haben wir ja auch gesehen.
    Ich will die Leistung Thompsons gar nicht schmälern, ich sehe nur beim jeweiligen Ballhandler mehr Verantwortung – in jedem Play. Er muss zumindest eine decoy-action antäuschen, in ein PnR oder eine Isolation gehen, Aufmerksamkeit auf sich binden, damit Thompson sich in Position bringen kann.

    Klays Effizienz sinkt nicht, weil sich sein Spiel nicht ändert, egal, wer auf dem Feld steht.Das soll alles nicht bedeuten, dass er einen schlechten Job macht. Aber er ist eben eindimensionaler und braucht eben zwingend einen Spieler, der das Ballhandling übernimmt. Nochmals. ich finde das nicht schlimm, sondern sehr gut von ihm und dem Coaching Staff, dass er genau die Rolle ausfüllt, die er am besten beherrscht. Entlastung im Spielaufbau sehe ich aber nicht – genau das war meine These im Artikel.

  6. OKCFan

    Ganz starker Artikel! Danke dafür!

    Eine Frage habe ich: Dray und Curry spielen fast nur gemeinsam auf dem Feld. Weiß Kerr, dass Dray ohne Curry einfach nicht so stark ist? Wie Curry das Spiel der Warriors Alleinschon aufgrund seiner Präsenz erleichtert, ist ja bekannt.

  7. Sebastian Seidel

    Ganz starker Artikel! Danke dafür!

    Eine Frage habe ich: Dray und Curry spielen fast nur gemeinsam auf dem Feld. Weiß Kerr, dass Dray ohne Curry einfach nicht so stark ist? Wie Curry das Spiel der Warriors Alleinschon aufgrund seiner Präsenz erleichtert, ist ja bekannt.

    Curry und Draymond passen als Pick&Roll-Kombo einfach perfekt zueinander.
    Curry muss man ja im Pick&Roll eigentlich konsequent doppeln, Draymond der perfekte Big um das 4-3 als Roll-Man auszuspielen. Denke schon, dass der Impact von beiden am größten ist, wenn sie gemeinsam auf dem Feld stehen

  8. Dennis Spillmann

    |Author

    Ganz starker Artikel! Danke dafür!

    Eine Frage habe ich: Dray und Curry spielen fast nur gemeinsam auf dem Feld. Weiß Kerr, dass Dray ohne Curry einfach nicht so stark ist? Wie Curry das Spiel der Warriors Alleinschon aufgrund seiner Präsenz erleichtert, ist ja bekannt.

    Wie Sebastian schon sagte: Ja, Kerr ist sich ziemlich bewusst, wie gut beide zusammen harmonieren. Er hat sich dafür entschieden, die beiden praktisch nur noch auf dem Feld zusammen agieren zu lassen, weil es beiden hilft, nicht nur Green.


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