Draftprofile 2015

Kevon Looney

University of California, Los Angeles

Datenblatt

Name: Kevon Looney

Position: Wing / Big

[xrr rating=1/4]  (Rollenspieler)

College: University of California, Los Angeles

College-Erfahrung: Freshman

 

 

 

Basketball in Wisconsin boomt in diesen Tagen. Den Bucks und ihrem jungen Kader wird endlich einmal wieder eine rosige Zukunft prognostiziert. Die Badgers konnten zuletzt zweimal in Folge das Final Four erreichen. Marquette scheint in Coach Ks ehemaligem Assistent Steve Wojciechowski endlich guten Übungsleiter gefunden zu haben. Dieser Hype könnte sich noch weiter verstärken, wenn mit Forward Kevon Looney der Mr. Basketball 2014 des Staates in der diesjährigen Draft in der Lottery gezogen wird. In seinem letzten HS-Jahr zog der McDonalds All American mit seinen Leistungen ganz Wisconsin in seinen Bann, wie z.B. mit diesem 43/27/6/13B-Spiel. Als Senior führte er seine Hamilton High aus Milwaukee mit herausragenden Zahlen (28/12,5/7/8B) zum State-Titel und gab dabei trotz seiner Größe zumeist den primären Ballhandler. Vorher nur von kleineren Unis rekrutiert, konnte sich Looney nach seiner grandiosen Abschlusssaison sein Traumcollege nahezu frei aussuchen. Der langjährige Lakers/Kobe-Fan entschied sich als #10 Recruit seines Jahrgangs für UCLA, um auch einmal in der Nähe seines Idols an der Westküste gelebt zu haben. Schon zwölf Monate später steht er als One-and-Done-Spieler vor dem Wechsel in die NBA.

Tools&Skills

Rein vom Körperbau her erinnert Kevon Looney sicherlich viele Beobachter an Kevin Durant. Der etwas schlaksig wirkende 6‘9‘‘-Forward verfügt mit einer Armspannweite von 7‘3‘‘ und einer Standing Reach von 9‘1‘‘ über eine ähnliche Länge, wie der Thunder-Superstar. Ebenso wirkt sein Frame durch seine nur 220lbs. eher drahtig als muskelbepackt. Diese Kombination an Tools packt Looney besonders in Abhängigkeit von seinem Gewicht in eine recht interessante Spielerkategorie:

looneylength

Der Bruin weiß genau diese Länge sehr gut einzusetzen. Als sehr tougher Spieler mit überdurchschnittlicher Koordinationsfähigkeit und starkem zweiten Sprung muss er als guter Athlet gelten, obwohl er wegen nur durchschnittlicher Explosivität und Sprungkraft wohl nie einen Slam-Dunk-Wettbewerb gewinnen wird. Durch seine tollen physischen Voraussetzungen und seine Hustler-Mentalität ist Looney vor allem in den Feldern des Spiels erfolgreich, in denen er von seinen körperlichen Gegebenheiten recht einfach profitieren kann.

So ist der 19 Jährige ein guter Verteidiger mit enormen Potential. Seine Tools erlauben es ihm auf dieser Seite des Feldes sehr viel Raums abzudecken und ungemein vielseitig zu agieren. Für UCLA spielte er sowohl in der vorderen Reihe ihrer 3-2-Zone als auch als Mann-Mann-Verteidiger gegen Flügel und Bigs. Looney präsentierte sich in allen genannten Situationen als effektiver Verteidiger. Flinke Fußarbeit, ein gutes Gefühl für Stellungsspiel und seine langen Arme machen ihn zu einem schwer zu umschiffenden Hindernis. Gegen ihn zum Korb zu kommen oder sich einen freien Wurf zu erarbeiten ist nicht einfach. Aber auch als Balldieb (2,5 S / 100 P) und Gelegenheits-Shotblocker (1,7 B / 100 P) besitzt der Forward einiges Talent:

looneydefense

looneyperimeterblock

Einziger Kritikpunkt am defensiven Ende ist derzeit wohl die fehlende Masse, die sich bemerkbar macht, wenn der Bruin im die Zone verteidigen soll. Gegen physische Bigs würde etwas mehr Oberkörperstärke guttun, um im Postup noch besser gegenhalten zu können. Aber auch extremen Muskelzuwachs besitzt Looney schon heute ein beachtliches Defensivpotential, weil er einer dieser agilen Spieler ist, die am Perimeter viel Swiching erlauben ohne oft Mismatches hinnehmen zu müssen. Gleichzeitig sollte er durch seine Länge auch in der NBA über größere Strecken als Verteidiger von echten Bigs funktionieren können, was ihm ermöglicht, eine Vielzahl von Line-Ups in der Defensive positiv beeinflussen zu können.

In diesen Punkt spielt sicherlich auch sein herausragendes Rebounding mit hinein. Smallball mit Looney als Big sollte angesichts seiner starken Werte unter den Brettern durchaus funktionieren (12,2 OREB%, 21 DREB%). Auch in diesem Bereich weiß der junge Mann aus Milwaukee seine Länge seinen Körper sehr gut einzusetzen. Die langen Arme, seine Toughness, aber auch gute Ausbildung in Sachen Boxout ermöglichen ihm eine Vielzahl von Out-Of-Area-Boards oder Rebounds trotz vieler Gegenspieler um ihn herum. Seine 17,7 R / 100 P stellen einen Topwert dar.

Offensiv profitiert er, als noch extrem roh wirkender Spieler, sehr von diesem Skill. Putbacks nach nicht getroffenen Schüssen der Kollegen oder eigenen Fehlversuchen zeigt Looney in nahezu jedem Spiel. Böse Zungen könnten diese gar als seinen Go-to-Move bezeichnen, da alle anderen Skills bisher eher mäßig ausgebildet sind:

Ihn aber als reinen Tools-Spieler abzuhaken, der abgesehen von seinen Physis-Plays über kein Potential in der Offense verfügt, wäre nicht richtig. Sein Wurf entwickelte sich über die Saison hinweg sehr vielversprechend. Diese Ansätze könnten Looney auch im Angriff zu einem ernsthaften Faktor werden lassen. Im Pick’n’Pop erwies er sich als solide Option (1,05 PPP). Off-ball erarbeitete sich der Bruin immer öfter freie Würfe und traf diese Catch’n’Shoot-Shots auch (1,11PPP). Zudem war seine Wurfauswahl bei Dreiern extrem gut (41 3P%! aber nur 2,8 3PA / 100 P). Sein Wurf scheint also auf einer recht guten Basis zu stehen, auch wenn seine Freiwurfquote (63 FT%) signalisiert, dass noch ein längerer Weg zu beschreiten ist. Dennoch könnte eine Zukunft als Stretch-Big oder gar Vollzeit-Wing bestehen.

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looneyscreen catchandshoot

Erlaubt der Schuss einmal eine feste Rolle als Perimeter-Spieler, wird Looney zusätzlich von seiner Vergangenheit als HS-Aufbau profitieren. Diese hat dafür gesorgt, dass der Forward für seine Größe noch immer ein überdurchschnittliches Handling verfügt, das ihm beispielsweise erlaubt, nach dem eigenen Rebound den Fastbreak zu leiten oder gar Coast-to-Coast zu gehen:

Auch seine Courtvision ist durch die Pointguard-Zeiten noch immer geschärft. So gelingt es dem guten und vor allem auch willigen Passer Looney noch immer ohne viele Fehler die eigenen Mitspieler einzusetzen, wenn seine Position dies anbietet (2,7 A / 100 P, 2,4 A / 100 P).

Leider blitzen diese angesprochenen Offensivaspekte nicht in jedem Spiel auf, weswegen die angesprochenen Stärken eher als Potentiale zu sehen sind, die ihn mittelfristig zu einem kompetenten Angriffsspieler machen könnten. Der Forward verfügt einfach nicht über das vielzitierte Scorergen. Er hat Schwierigkeiten, sich eigene Würfe zu kreieren, weil sein erster Schritt nicht schnell genug und sein Release eher langsam ist.

Durch seine Rolle als HS-Ballhandler scheint sein Postup-Game nie entwickelt worden zu sein (0,73 PPP). Er hat in der Zone keine festen Moves, auf die er zurückgreifen kann. Zudem zeigt er immer wieder einen eher mangelhaften Touch in Korbnähe. Dieser lässt sich sicher mit der fehlenden Erfahrung als echter Postspieler erklären. Zudem bereitet ihm sein geringes Gewicht noch immer Probleme beim Abschluss gegen lange, stärkere Gegenspieler. Aus Scheu vor Körperkontakt lässt sich Looney lieber auf überhastete Floater ein, als für klarere Situationen direkt in Brettnähe zu sorgen. Dies wirkt sich sowohl negativ auf seine Quoten (62 FG%@rim) als auch die Anzahl seiner erarbeiteten Freiwürfe aus (7,8 FTA / 100 P). Mehr Muskeln im Oberkörper und dadurch entstehendes Selbstvertrauen könnten Wunder wirken.

Den abschließenden Punkt zu Looney bildet die Konstanz. Wenn der Bruin einen guten Tag hat, ist er ein unglaublich interessanter Spieler, der auf beiden Seiten des Feldes dominieren kann. An schlechten Tagen ist er leider der typische, etwas überforderte Tweener, der ohne klare Position einfach nur über das Parkett schwebt, ohne sich großartig einzubringen. Sicherlich ist es ihm bei seiner Jugend noch zu verzeihen, dass sich Top-Spiele mit grottigen Partien öfter einmal abwechseln. Trotzdem wird Looney in der NBA beständiger abliefern müssen, um für Teams als wirklich wertvoll gelten zu können. Eventuell kann er in der Hinsicht von seiner neuen, zu erwartenden Rolle profitieren. Für UCLA, in einem Kader ohne fähige Bankspieler, sollte er direkt einer der Führungsspieler sein. Für ihn, der sich noch in seiner basketballerischen Identitätsfindung befindet, erwies sich diese Rolle als zu groß. Es wird ihm deswegen wohl helfen, in der NBA erstmal keine Scoringoption sein zu müssen, um fokussierter auftreten zu können.

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

Draft2015StatsWings

Spielervergleich

Looney ist ein junger, roher, aber auch durchaus sehr talentierter Spieler, der auf dem nächsten Level etwas Zeit benötigen wird, um seine Position und Rolle zu finden. Nach etwas Eingewöhnungszeit könnte er sich aber ähnlich wie Thad Young zu einem sehr vielseitig einsetzbaren Frontcourtspieler entwickelt. Auch eine Entwicklung in Richtung Draymond Green wäre denkbar, wenn sich der Wurf stark verbessert. Ist dies nicht der Fall, sollte Looney trotzdem seinen Platz in der Liga finden und ein Rollenspieler-Dasein wie beispielsweise Al-Farouq Aminu fristen. Stagniert er komplett, endet er wahrscheinlich auf dem Level eines Earl Clarks.

Draftaussichten

GMs müssen sich Looneys Wurf ganz genau ansehen. Halten sie diesen für recht einfach ausbaubar, muss der Bruin als mittlerer Lotterypick gezogen werden. Zu stark ist seine Kombo aus Defense, Rebounding und ein bisschen Handling/Passing, die ihn mit funktionierendem Schuss direkt zum vielversprechenden Starter machen würde. Mit Wurfproblemen ist Looney allerdings leider als Tweener zu einer Bankrolle als Energizer/Hustler verdammt. Dann ist er eher ein Talent für Mitte/Ende Erste Runde.

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