Dallas Mavericks, Salary Cap / CBA

Lamar Oh-done

Wie ESPN New York berichtet, wollen die Dallas Mavericks Lamar Odom spätestens bis zum 29. Juni getradet haben. Der Forward der Mavericks hatte sich von seiner Franchise freistellen lassen, nachdem es unüberbrückbare Differenzen gab. Odom wurde daraufhin von den Bonuszahlungen der Playoffs durch das Team ausgeschlossen. Dass die Zeichen auf Trennung stehen, ist bekannt, aber wie entkommen die Mavericks am besten aus diesem Dilemma?

Die Fakten

Lamar Odom hat einen gültigen Vertrag bis 2012/2013. Sein letztes Vertragsjahr ist aber zu Teilen ungarantiert, sodass man Odom entlassen könnte, um einen größeren Teil des Gehalts einzusparen. Konkret würde Odom 12/13 8,2 Millionen Dollar erhalten. Wird er vorzeitig gecuttet, müssen die Texaner Odom 2,4 Millionen Abfindung zahlen, die auch auf ihrem Salary Cap verbleibt, wären aber 6,8 Millionen Dollar unterm Cap leichter.

Entscheidend ist hierbei der Zeitpunkt, zu dem Odom spätestens entlassen werden muss, damit sein Vertrag nicht voll garantiert wird: Dies ist der 29.06.2012. Deshalb arbeitet das Front Office der Mavericks auch schon jetzt mit Hochdruck an einer Lösung. Bis zu diesem Stichtag muss Odom bei einer anderen Franchise unter Vertrag sein. Da für die Mavericks und 24 andere Franchises bereits Offseason ist – die Offseason beginnt mit dem Ausscheiden aus der Postseason -, kann ein Trade mit einer der 24 Franchises theoretisch sofort durchgeführt werden. Genügend Tradepartner stünden also zur Verfügung. Doch was wollen die Mavericks für Lamar Odom zurückerhalten?

Der erhoffte Gegenwert

Wenn wir alle unrealistischen Szenarien ausblenden, die einen Superstar nach Dallas bringen (dies wäre bspw. ein Trade von Odom und Haywood gegen Dwight Howard), wollen die Mavericks nur eines: Cap Space. Spätestens hier beginnt nun das Dilemma, in dem Dallas steckt. Da sich fünf Franchises noch in der Post-Season befinden, gilt für diese die Tradesperre, für die 25 anderen ist Off-Season. Dieser Umstand bedeutet, dass diese Teams keine Trades mehr mit Spielern durchführen dürfen, deren Vertrag offiziell am 30.06.2012 endet. Für die Mavericks heißt das: Man kann Lamar Odom nicht gegen auslaufende Verträge traden. Die Erkenntnis ist dahingehend wichtig, weil sich nun nur noch drei Wege aufzeichnen, wie man Odom komplett vom Cap bekommt: durch einen Trade mit einer Franchise, die über genügend Cap Space verfügt, um Odom komplett aufnehmen zu können; ein Team besitzt eine Trade Exception, die mindestens so groß ist wie der Vertrag Odoms; im Tausch gegen einen Spieler, dessen Vertrag im Folgejahr komplett ungarantiert ist. Jede dieser Möglichkeiten ist mit Risiken oder geringer Wahrscheinlichkeit belastet.

1. Ein Trade gegen Cap Space vor dem 29.06.2012

Eine Franchise müsste momentan noch so weit unter dem Cap sein, damit diese problemlos Lamar Odoms Kontrakt aufnehmen kann. Dies beschränkt sich auf lediglich zwei Teams, die mehr als 8,9 Mio. Dollar unter dem Salary Cap sind: Die Toronto Raptors und die Sacramento Kings stehen beide bei ungefähr 46,5 Mio. $, haben also noch 11,5 Mio. Spielraum. Theoretisch wäre ein Deal möglich, praktisch scheitert er – vor allem an Lamar Odom selbst. Keine Franchise wird für einen Spieler traden, der nicht für sie spielen will. Das ist jedoch genau das, was Lamar Odom beiden Lottery-Teams sagen wird. Bliebe also für Toronto und Sacramento nur die Möglichkeit, dass man Odom ebenfalls cuttet. Damit verbaut man sich 2,4 Mio wertvollen Cap Space. Eine Möglichkeit, dies auszugleichen, wäre die Maximalzahlung von 3 Mio. Dollar Cash von Mark Cuban an die aufnehmende Franchise. Theoretisch würde man 600k Gewinn mit dem Move machen. Es ist jedoch zu bedenken, dass 2,4 Mio. Dollar Cap wertvoller sein können als 3 Mio Dollar Cash, weil Lottery Franchises tendenziell mehr für einen Spieler zahlen müssen, um ihn zu bekommen. Diese 2,4 Mio. könnten fehlen. Realistisch ist ein Trade gegen Cap Space bis zum 29.6. also nicht.

2. Lamar Odom gegen eine Trade Exception

Eine Trade Exception (TE) wird generiert, wenn ein Team einen Spieler gegen Cap Space tauscht, so auch geschehen beim Trade von Lamar Odom zu Beginn der Saison. Eine Trade Exception hat aber einige wichtige Eigenschaften. Die wichtigste ist, dass sie nicht kombinierbar ist. Nicht mit Spielern oder anderen Trade Exceptions. Wenn ein Team also Odom über eine Trade Exception aufnehmen will, dann muss diese mindestens 8,9 Mio. Dollar betragen. In der Liga existieren momentan drei Trade Exceptions von dieser Größe. Die Lakers halten die TE vom Odom-Deal, dürfen Odom in dieser Saison aber nicht wieder erwerben. Es verbleiben die Denver Nuggets, die beim Nene-Deal eine 13 Mio-TE kreierten, und die Utah Jazz, die Mehmet Okur für Cap nach New Jersey schickten.

Denver hat den Nene-Move vorrangig gemacht, um Wilson Chandler einen langfristigen Vertrag anbieten zu können. In der Offseason steht die Verlängerung von JaVale McGee und evtl. Andre Miller und Rudy Fernandez an, im Jahr darauf muss Ty Lawson bezahlt werden. Der Trade von Nene nach Washington war vor allem finanziell motiviert, um flexibel zu sein. Dass man Odom nun aufnimmt, ist äußerst unwahrscheinlich.

Die Utah Jazz suchen vor allem nach potenten Flügeln, ihr sonstiger Frontcourt ist sehr gut besetzt. Das Team dürfte ebenfalls kein Interesse an Odom haben. Für beide Franchises gilt: Odom hat im Prinzip auch kein Interesse an ihnen.

3. Trade gegen einen Spieler mit komplett ungarantiertem Vertrag 2012/2013

Die Idee hinter so einem Trade wäre die Möglichkeit, den oder die aufgenommenen Spieler komplett vom Capspace zu entfernen. Im Gegensatz zu Odoms Vertrag müssen die Verträge komplett ungarantiert sein, sonst würde man sich mit dem Trade nicht verbessern. Es gibt in der NBA momentan einige Verträge, die ins Anforderungsprofil passen, Odoms Vertrag ist jedoch der größte. Möglich sind im Prinzip nur 2 Varianten: Man erwirbt in einem Trade mit den Chicago Bulls Kyle Korver und Ronnie Brewer. Korver hat zwar eine Garantiesumme von 500k, dies wäre aber immer noch eine 1,9 Mio-Verbesserung zur jetzigen Situation. Eine zweite Möglichkeit wäre ein Trade für JJ Redick und Von Wafer von den Orlando Magic.

Die Bulls könnten Odom eventuell gebrauchen, sollte man sich ernsthaft damit beschäftigen, Carlos Boozer per Amnesty zu entlassen, aber würde man den besten Shooter des Teams, das für Derrick Rose immer nach Spacing sucht, dafür abgeben? Und könnte man sich auf Lamar Odom verlassen? Der Tradewert Odoms dürfte im Keller sein. Wahrscheinlich würden die Bulls eher nicht traden.

Bei Orlando ist die Ausgangslage eine andere. Redick und Wafer sind auch beides Shooting Guards, aber diesem Team könnte Lamar Odom mit seiner Toughness und Vielseitigkeit vielleicht helfen. Orlando wäre zumindest eine Option, wenn man auf Redick verzichten kann und will. Wafer wäre nur im Trade, um diesen durch das CBA zu bekommen. Einigt man sich also auf einen Trade, könnte man den kompletten Salary von Redick und Wafer vom Cap nehmen, indem man sie entlässt. Ihre Verträge sind komplett ungarantiert. Man hätte das Ziel erreicht. Wie aber vorher aufgezeigt, ist dies die momentan einzige Möglichkeit der Mavericks, um Odoms Vertrag ohne Folgen loszuwerden. Planen die Magic jedoch mit JJ Redick, zerbricht auch diese. Und was tut man dann?

Möglichkeiten, wenn kein Trade gelingt

Wenn sich der 29.6. bedrohlich nähern sollte, ist guter Rat teuer. Natürlich ist die Verhandlungsposition der Mavericks nicht gut, weil die gesamte Liga weiß, dass sie Odom abstoßen wollen. Demnach muss man sich entscheiden, was man spätestens am 28.6. tut. Zunächst wäre es eine Möglichkeit, Odom einfach zu cutten, die 2,4 Mio. Capbelastung aufzunehmen, und das Kapitel endlich zu schließen.

Daneben gäbe es aber auch noch die Möglichkeit, den Vertrag garantiert werden zu lassen, den Markt zu sondieren und dann für Cap Space zu traden. Dieser ist in der Offseason dahingehend vorhanden, als dass hier die ganzen Verträge ausgelaufen sind und mehrere Teams unterm Cap sind. Hier würden sich dann eventuell mehr Optionen eröffnen, vor allem, wenn die eigentlich angestrebten Free Agents sich nicht für die Franchise entscheidet, sodass man Odom als Plan B (oder C) anstreben könnte.

Zuletzt wäre eine Möglichkeit aber auch, dass man seine Strategie anpasst. Das könnte passieren, wenn schon früh ersichtlich ist, dass Deron Williams nicht nach Dallas kommt. Dann benötigt man eventuell gar keinen Cap Space, sondern versucht, die alten Leistungsträger zu halten. Hierbei könnte man dann Odom in der Liga anbieten und will einen Rollenspieler zurück, der für die Mavericks Leistung bringen könnte.

Fazit

Letztlich müssen die Mavericks sich entscheiden, ob sie Odom cutten oder volles Risko gehen und seinen Vertrag garantiert werden lassen, um ihn dann zu traden. Vor dem 29.6. würde ein Trade, der Cap Space schafft, sehr überraschen, weil die Möglichkeiten arg begrenzt sind. Winkt Orlando ab, dürften die Chancen auf Null sinken, aber auch der Trade mit den Magic ist prozentual nicht viel höher anzusetzen.

Die Mavericks sollten im Hinblick auf ihre Jagd nach Deron Williams Odom cutten, weil Williams – sollte er kommen – nicht der einzige Free Agent sein wird, den die Mavericks signen wollen und müssen (dazu ausführlich der Artikel: Facebox – Dallas Mavericks). Die vielversprechendsten Kandidaten werden dann bereits gute Angebote anderer Franchises vorgelegt bekommen haben, während die Mavericks noch immer versuchen, Odom doch noch zu dealen. Ein Cut vor dem 29.6. würde klare Verhältnisse schaffen, auch wenn ein Restbetrag weiterhin den Cap Space blockieren würde.

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