Dallas Mavericks, Los Angeles Lakers, New York Knicks

Knicks für Odom?

Die Fans der Los Angeles Lakers sind so langsam aus der Schockstarre erwacht, seitdem die Franchise gleich von zwei maßgeblichen Off-Season-Entscheidungen gebeutelt wurde. Zuerst verhinderte die NBA als Besitzer den Trade zwischen den New Orleans Hornets, Houston Rockets und eben jenen Lakers. Daraufhin fühlte sich Lamar Odom so getroffen, dass er in die Franchise aus Kalifornien kein Vertrauen mehr hatte und einen Trade forderte. Ein bereitwilliger Abnehmer waren die Dallas Mavericks.

Soweit die bekannte Geschichte, die im Netz schon millionenfach kursierte und die es auch nicht erwähnenswert machen würde, zu diesem Zeitpunkt veröffentlicht zu werden. Aber jede Geschichte hat auch eine Vorgeschichte. Die Vorgeschichte Odoms ist zudem eine Besondere, denn sie enthält eine altbekannte Konstante: mieses Management der New York Knicks. Ob Isiah Thomas seine Finger dabei im Spiel hatte, ist unwahrscheinlich, aber dies schützt ja nicht davor, schlechte Entscheidungen zu treffen. Aber der Reihe nach. Rollen wir zuerst mal die Entscheidungen der Knicks auf, die dafür sorgten, dass sie in die Position kamen, um Tyson Chandler überhaupt einen Vertrag anbieten zu können.

Die Ausgangslage

Die Knicks gingen in die Offseason mit voll garantierten Verträgen. Im Kader befanden sich Amar’e Stoudemire, Carmelo Anthony, Chauncey Billups, Ronny Turiaf, Renaldo Balkman, Toney Douglas und Bill Walker. Für den Salary Cap sah dies so aus:


Zu beachten sind folgende Formalitäten: Derrick Brown war Restricted Free Agent, zählte also erst mal nur gegen den Cap, ohne wirklich im Kader zu stehen. Es gab noch einen Cap Hold für Erstrundenpick Iman Shumpert, der ebenfalls zu Lasten der Payroll zählt, bis Shumpert bei den Knicks oder einem anderen Nicht-NBA-Team unterzeichnet oder die Knicks die Rechte an Shumpert verwerfen. Die letztjährigen Second Round Picks besaßen ungarantierte Verträge, die bis zum 15.7.2011 (Fields) oder 30.7.2011 (Rautins) entlassen werden mussten, um nicht garantiert zu werden. Da es aber ab dem 01.07. den Lockout gab und demzufolge kein operatives Geschäft möglich war, müssten die Knicks die Möglichkeit haben, mit dem Aufheben des Lockouts noch immer über die Entscheidung verfügen zu dürfen, ob man den Spieler entlässt und er damit ohne Bezahlung von der Payroll verschwindet.
Das prominenteste Beispiel für so einen Vorgang war in dieser Offseason Vince Carter, der einen nur teilweise garantierten Vertrag für sein letztes Jahr hatte. Carters Vertrag wurde auf 18,3 Mio. Dollar dotiert, die Suns hatten aber die Möglichkeit, ihn bis zum 30.06.2011 zu entlassen, wodurch der entlassenen Carter nur mit vier Mio. Dollar gegen den Cap gerechnet würde, nicht mit 18,3. Die Suns wandten sich in Folge des Lockouts an die NBA und beantragten eine Verlängerung der Frist, um unter dem neuen Collective Bargaining Agreement eine Entscheidung treffen zu können. Als der Lockout aufgehoben wurde, konnte das Management der Suns die veränderten Strukturen anschauen und entscheiden, ob man Carter halten wolle. Man entschied sich dagegen.

Zurück zu den Knicks. Derrick Brown unterschrieb relativ schnell bei den Charlotte Bobcats und die Knicks sondierten den Free Agent-Markt nach einem Free Agent Center. Nachdem schnell klar war, dass man mit der vollen Mid-Level-Exception keine akzeptable Verstärkung dem Kader hinzufügen könnte, wuchs wohl das Gedankenspiel heran, so viel Cap Space zu generieren, damit man mehr als die MLE (mit einem Startgehalt von 5 Mio. Dollar im ersten Jahr) zur Verfügung hatte. Das neue CBA erlaubte es mit der Amnesty Clause, einen Vertrag komplett vom Salary Capm zu entfernen. Man entschied sich dann dafür, Chauncey Billups zu amnestieren. Durch den Cap Hold von Iman Shumpert und durch so genannte „empty roster spot“-Cap Holds (ein Team muss über mindestens 12 Kaderplätze verfügen. Ist dies innerhalb der Offseason nicht gegeben, werden Cap Holds in der Höhe eines Rookie-Minimumvertrags festgesetzt, die gegen den Cap zählen.) war jedoch noch immer nicht genug Platz auf der Payroll, um Tyson Chandler bezahlen zu können. Man suchte also nach einem Team mit Cap Space, das Ronny Turiaf aufnehmen kann, ohne dass man Spieler zurückbekam, da man ja Gehaltsspielraum benötigte. Man fand zu diesem Deal die Washington Wizards. Diese nahmen Ronny Turiaf auf, bekamen dafür drei Mio. Dollar Cash und einen Zweitrundenpick der Knicks. Die Knicks standen mittlerweile also so da:

Die Salary Cap-Grenze liegt momentan bei exakt $58.044.000. Das heißt, dass die Knicks zu diesem Zeitpunkt  12,7 Mio. Dollar  Cap Space hatten und Chandlers 58/4 Vertrag wie folgt aussehen sollte: 13,6 / 14,2 / 14,8 / 15,2. Es fehlten also noch knapp 900.000 Dollar, um Chandler den angestrebten Vertrag anbieten zu können.

Das Mismanagement der New York Knicks

Was für Optionen hatten die Knicks nun? Zunächst könnte man Chandler einfach mit dem vorhandenen Cap Space einen Vertrag anbieten. 12,75 / 13,3 / 13,9 / 14,47 ergeben einen 54,4/4 Vertrag für Chandler. Grundsätzlich ist das auch schon mal ein akzeptables Angebot für den Center des Meisterteams aus dem letzten Jahr. Chandler hätte hier pro Jahr aber gut 900.000 an Einnahmen verloren.

Wir erinnern uns jetzt an die ungarantierten Verträge von Rautins und Fields. Entweder sind die Verträge weiterhin ungarantiert. Das hieße, man hätte Andy Rautins einfach cutten können und käme genau auf die Summe, die Chandler letztlich gezahlt bekam. Ohne Trade. Ohne Pick.

Oder man hat die Minimumverträge der Zweitrundenpicks über den Lockout garantiert werden lassen, was so einfach zu vermeiden gewesen wäre. Es gab viele Franchises, die Verlängerungen für die Entscheidung beantragt haben. Die Chicago Bulls haben beispielsweise Keith Bogans‘ Vertragsentscheidung aufgeschoben und ihn erst entlassen, als man sich mit Richard Hamilton einig war.

Entscheidung und Konsequenzen

Man entscheidet sich aber für einen Sign-and-trade mit den Dallas Mavericks, lädt dort Andy Rautins ab, bezahlt den Trade auch noch mit einem First Rounder und generiert den Mavericks eine große Traded Player Exception in Höhe von 13,6 Mio- Dollar.

Dazu muss man wissen, dass Sign-and-trades sich bisher immer für den Spieler ausgezahlt haben. LeBron James wurde auch mit einem Sign-and-trade von Cleveland nach Miami getradet, weil im alten CBA das bedeutete, dass James‘ Vertrag mit Steigungsraten von 10,5% pro Jahr versehen werden konnte. Hätte James einfach bei den Heat unterschrieben, hätte er nur 8% erhalten können. Der finanzielle Gewinn für den Spieler macht den Sign-and-trade sinnvoll. Im neuen CBA ist dies aber anders. Da diese Praxis wohl den Besitzern nicht gefiel, wurde diese Klausel überarbeitet. Wer einen Sign-and-trade-Vertrag unterschreibt, hat nur Anspruch auf 4,5% Gehaltssteigerung pro Jahr. Das ist derselbe neue Satz für Spieler ohne Bird Rights. Also selbst Tyson Chandler hat nichts davon gehabt, dass es einen Sign-and-trade gab.

Das Schicksal nimmt also seinen Lauf. Die Mavericks erhalten eine Traded Player Exception, die sie mit gutem Knicks-Management nie erhalten hätten. Zudem sind sie eines der ganz wenigen Tradeziele von Lamar Odom. Odom, der durch die Tradegerüchte um Paul schnellstmöglich aus Los Angeles raus will, hat natürlich auch Wünsche, wo er in der nächsten Spielzeit auflaufen will. Hätten die Mavericks nicht die TPE erhalten, hätte es überhaupt diesen Trade gegeben? Man hatte zu diesem Zeitpunkt kaum Spieler unter Vertrag, für einen Deal für Odom hätte definitiv ein Rotationsspieler (Kidd? Terry? Marion? Haywood?) das Team verlassen müssen. Die Mavericks hätten mit großer Wahrscheinlichkeit abgelehnt. Lamar Odom würde vor der Entscheidung stehen, entweder zu einem Cap Space Team verschifft zu werden, wo er vielleicht nicht mal Playoff-Basketball spielen würde und es keinen Strand gäbe. Oder man hätt Odom auch beruhigen können, ihm erklären, wie wichtig er – trotz des geplatzten Deals für Paul – für dieses Team wäre.

Hätten die New York Knicks ihre Management-Hausaufgaben gemacht, Lamar Odom würde in dieser Saison keinesfalls für die Dallas Mavericks spielen, vielleicht noch immer für die Los Angeles Lakers.

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