Oklahoma City Thunder

Oklahoma City Thunder – Rise together? (3/3)

Nun kommen wir also zum dritten und somit letzten Teil der großen Oklahoma City Thunder-Story. Im Folgenden findet nicht nur eine Zusammenfassung der letzten Saison statt, sondern es soll insbesondere auch darum gehen, die zukünftigen Erfolgschancen der Thunder einzuordnen.

(3) The Turnaround-Season (2009-2010)

Die Schwachpunkte hatte ich im vorigen Teil bereits aufgezählt, also legen wir sofort los.

Die Offseason 2009

Anfang Juli wurde PG Earl Watson entlassen. Russell Westbrook hatte sich als Starting-PG empfohlen und die mehr als 6 Mio $ p.a. waren für einen Backup schon arg viel. Die Verträge von Mason & Co. ließ man auslaufen.

Photo: Eric Richardson (Lizenz )

Und schon stand die Draft 2009 vor der Tür. Die Thunder hatten vorher ein wenig Glück in der Lottery und bekamen den dritten Pick zugelost. Wen sollten die Thunder picken? Forward Blake Griffin war der glasklare Nr. 1 Pick. Dahinter war es ein recht offenes Rennen. Hasheem Thabeet wäre als vermeintlich defensivstarker Center eine gute Wahl gewesen, wenn es nach manchen sogenannten Experten gegangen wäre. Einige andere – so wie ich – haben das Flop-Potenzial bei Thabeet sehr hoch eingestuft, zumal er noch nicht ansatzweise bereit für eine wichtige Rolle in einem NBA-Team gewesen ist. Er könnte – wenn überhaupt – den Thunder erst in ein paar Jahren helfen. Letztendlich stellte sich die Frage bezüglich Thabeet nicht mehr, weil sich die Grizzlies dazu entschlossen, ihn gar an Position 2 zu picken.

Photo: aaronisnotcool (Lizenz )

Der Jahrgang 2009 zeichnete sich durch eine Fülle an talentierten Guards, insbesondere Point Guards, aus. Da die Thunder auf der 1 mit Westbrook planten, blieb nur noch die Möglichkeit, die Lücke auf der 2 mit dem dritten Pick zu lösen. Im Prinzip lief es auf einen Zweikampf zwischen James Harden und Tyreke Evans hinaus. Wenn man mit dem Wissen aus 2010 den damaligen Draft bewertet, sollte klar sein, dass Evans (noch) der klar bessere Spieler ist. Er wurde schließlich Rookie des Jahres. Die Thunder entschieden sich trotzdem für Harden, doch warum? Sam Presti war überzeugt davon, dass Harden besser zu den Thunder passen würde, weil er einen besseren Schuss hat. Ein Backcourt Westbrook/Thabo/Evans ist relativ leicht ausrechenbar. Keiner von den Dreien hat einen soliden Distanzwurf; alle lieben den Zug zum Korb. Presti hatte sich also dafür entschieden, nach ‘team-need’ zu draften, nicht nach dem reinen Talent. Eine Vorgehensweise, die dem eigentlichen Draft-Credo (Talent ist wichtiger als Teamneed) widerspricht. Andererseits hätte Evans ein anderes Teamneed befriedigen können; denn nach der Entlassung von Watson gab es auf der 1 nur noch Westbrook und den verletzungsanfälligen Livingston. Außerdem hatte Harden ein schlechtes NCAA-Tournament gespielt. Wäre also Evans die richtige Wahl gewesen? Für beide Spieler gab/gibt es Argumente. In der Summe sprach vielleicht ein Tick mehr für Evans. Fakt ist, dass Presti sich für Harden entschied. Eine grundlegend falsche Entscheidung war es sicherlich nicht.

An Position 24 wählten die Mavericks BJ Mullens. Warum war das wichtig für die Thunder? OKC war ganz heiß auf Mullens, weil er trotz seiner total enttäuschenden Freshman-Saison am College ein Talent auf der 5 ist. Im Gegenzug wählten die Thunder den Franzosen Rodrigue Beaubois, den wiederum die Mavericks ganz toll fanden. Da überrascht es nicht, dass ein Tausch der beiden die Folge war. Auch hier kann man die Frage aufwerfen, ob das ein guter Deal für die Thunder war. Natürlich brauchte man im Frontcourt mehr Klasse, doch würde Mullens sie bringen? Und vor allem: Wann würde er sie bringen? Ein Spieler, der vor seiner Freshman-Saison als einer der besten Nachwuchskräfte seines Jahrgangs gefeiert wurde und dann dermaßen abstürtzte, braucht Zeit, viel Zeit. Wie gut der Trade wirklich war, wird sich erst in ein paar Jahren herausstellen.

Zwei Tage nach der Draft tradeten die Thunder Atkins und Wilkins gegen Veteran Etan Thomas und zwei 2nd rounder (2010) nach Minnesota. Damit schaffte man Platz im Roster sowie zwei 2nd rounder für ein Minimum an zusätzlichen Gehaltskosten. Ein größerer auslaufender Vertrag kann im Zweifel auch mal wertvoller sein als zwei Kleinere. Vor der Saison wurde dann noch Veteran Kevin Ollie mit einem Ein-Jahres-Vertrag ausgestattet. Er sollte vorläufig den Backupposten von Westbrook oder Livingston übernehmen. Mit dieser Transaktion wurde die Offseason beendet.

Der Verlauf der Saison

Die Thunder starteten erheblich besser als 2008/2009 in die Saison und standen nach 27 Spielen mit einer 13:14 Bilanz ganz solide da. Am 22.12.2009 fädelte Sam Presti einen kleinen Deal ein, der sich bald als die Initialzündung für die restliche Saison herausstellen sollte. Die Thunder hatten ziemlich Platz unterm Salary Cap, was hieß, dass man man Verträge von anderen Franchises aufnehmen konnte, ohne einen großartigen Ausgleich zu schaffen. So ertradeten die Thunder Rookie-PG Eric Maynor und Veteran Matt Harping von den Jazz gegen die Rechte von Peter Fehse. Der ein oder andere wird jetzt fragen, wer denn bitteschön Peter Fehse ist. Fehse ist ein Deutscher, an dem die Thunder noch die Draftrechte besaßen. Da man laut NBA-Statuten keinen Trade ohne Gegenwert abzuschließen darf, gaben die Thunder den Jazz diese Rechte (im Prinzip also doch ohne Gegenwert). Maynor war ein grundsolider Guard, der vier Jahre am College verbracht hat. Er bekleidete auf Anhieb sehr zufriedenstellend den Posten hinter Westbrook. Harping war schwer verletzt und brachte den Thunder nichts. Warum stimmten die Jazz einem solchen Deal zu? Sie wollten Geld sparen (Harpings Vertrag), und Maynor war Mittel zum Zweck.

Die Thunder steigerten sich immer mehr, die Bilanz der restlichen Saison lautete 37:18, insgesamt also die besagten 50 Siege (also mehr als eine Verdopplung der Siegesanzahl der Vorsaison) und das spannende Erstrundenaus gegen die Lakers.

Wer überzeugte vor allem noch? Serge Ibaka, der mit seinen Rebounds, Blocks und Dunks im Laufe der Saison eine immer größere Rolle übernahm. James Harden spielte keine überragende, jedoch zufriedenstellende Rookie-Saison. Westbrook etablierte sich als solider Spielgestalter (8 Assists per Game) und Durant wurde der jüngste Topscorer aller Zeiten. Veteran Nick Collison stellte Blöcke für seine Mitspieler und zog Offensivfouls am laufenden Band. Allein Jeff Green wollte nicht überzeugen. Er verschlechterte sich bei den Punkten und Rebounds. In den Playoffs warf er gerade einmal 33% aus dem Feld, obwohl sich die Lakers – angeführt von Ron Artest – hauptsächlich auf KD stürzten, was die Frage aufwirft, ob man mit einem Jeff Green auf der 4 überhaupt Erfolg haben kann.

Offseason 2010

Photo: Keith Allison (Lizenz )

Zunächst angelte sich Sam Presti Daequan Cook sowie einen Firstrounder der Heat (auf Kosten eines eigenen 2nd rounders), der Eric Bledsoe wurde. Dieser wurde zu den Clippers für einen geschützten Firstrounder geschickt. Aufgrund der erfolglosen Franchisehistorie der Clippers könnte sich mit der Zeit dieser 1st rounder als wahres Geschenk herausstellen. Des Weiteren tradeten die Thunder Center Cole Aldrich (Pick #11) und Veteran Morris Peterson von den Hornets für ihre beiden Picks an Position 21 und 26. Aldrich könnte ein defensivstarker Center werden, der aufgrund seiner langjährigen College-Zeit als relativ “fertiger” Spieler in die NBA kommt. Die Thunder hatten weiter Probleme beim Defensivrebound und suchten eine defensive Präsenz in der Zone (auch weil Serge Ibaka noch sehr foulanfällig ist). Presti erhofft sich, dass Cole Aldrich solch ein Spieler werden könnte. Aus demselben Grund erkauften sich die Thunder von den Hawks noch die Rechte am deutschen Center Tibor Pleiß. Der Zwanzigjährige wird  jedoch vorerst in Europa geparkt und stellt ein langfristiges Projekt dar, weil er noch ziemlich roh und vom Körper her noch nicht für die NBA bereit ist.

In der Summe war das wohl ein guter Draft. Aldrich hat man für Geld (Kosten von Peterson) und zwei niedrige Picks bekommen. Der Bledsoe-Deal war genial. Was aus Tibor Pleiß wird, muss man abwarten, doch er kostete den Thunder nur ein wenig Cash. Risiko also gleich Null, also ebenso ein guter Deal.

Ansonsten fädelte Sam Presti noch den möglicherweise wichtigsten Deal der Thunder in der diesjährigen Offseason ein – die Verlängerung des Vertrages von Superstar Kevin Durant um gleich fünf Jahre ohne Ausstiegsmöglichkeit seinerseits, was in der heutigen Zeit alles andere als die Regel ist, wenn junge Superstars ihren Vertrag zum ersten Mal verlängern (siehe Bosh, James, Wade oder Anthony). Durant fühlt sich der Franchise extrem verbunden. Dagegen scheiterten die Gespräche zwischen Jeff Green und den Thunder, er wird also im kommenden Sommer Restricted Free Agent, womit fraglich wird, ob er überhaupt bei den Thunder bleibt. Die sonstige Offseason verlief sehr ruhig.

(4) Ein Blick in die Zukunft

Damit ist der Moment gekommen, einen Blick in die Zukunft zu wagen. So vielversprechend die Zukunft im ersten Moment erscheint, sollte man dennoch versuchen, ganz nüchtern einzuschätzen, wie die Chancen dafür stehen, dass die Thunder langfristig eine Championship nach Oklahoma City bringen können. Was fehlt OKC zum großen Wurf?

Erfahrung

Zum einen wäre da die fehlende Erfahrung nennen. Letztes Jahr erreichten die Thunder die 50 Siege-Marke mit einem Durchschnittsalter der Rotationsspieler (9 an der Zahl) von gerade mal 23 (!) Jahren. Die Thunder sind kommende Saison also immer noch blutjung und auch in 5 Jahren wird der Stamm um Kevin Durant, Jeff Green oder Russell Westbrook erst 27 bis 29 Jahre alt sein. Es sollte unerlässlich sein, dass man das Team nach und nach mit ein paar zusätzlichen Veteranen anreichert. Spieler, die schon mehrere (Playoff-) Schlachten geschlagen haben. Die Blazers hatten vor zwei Jahren eine ähnlich junge Truppe und verpflichteten letztes Jahr Andre Miller und Marcus Camby. Das ist der richtige Ansatz. Nur mit jugendlicher Unbekümmertheit geht es nicht. Es werden Spieler benötigt, die wenig Fehler machen und in brenzligen Situationen die Ruhe bewahren. Solche Spieler wachsen selbstverständlich nicht auf den Bäumen. Damit geht einher, dass die Thunder attraktiver für Free Agents werden, auch wenn sie aufgrund des kleines Marktes bzw. Standortes diesbezüglich einige Nachteile haben.

Photo: Lorianne DiSabato (Lizenz )

Die San Antonio Spurs gelten als Parade-Beispiel dafür, was man durch kluges Management alles erreichen kann, wobei das auch an die Anziehungskraft eines Tim Duncan liegt. Die Thunder haben heute in Person von Kevin Durant “nur” einen jungen Superstar, der zwar alles Talent der Welt mitbringt, die NBA in Zukunft zu dominieren, aber der weiter an seinem Spiel arbeiten muss (Defense, Ballverluste, Playmaking), um überhaupt die Chance zu kreieren, dass die Thunder ähnlich interessant für Veteranen werden wie die Spurs 2003-2007.

Gefragt ist in diesem Punkt auch Sam Presti. Die vorrangige Aufgabe bei einem Rebuild, nämlich das Team mit Talent anzureichern und von schlechten Verträgen zu befreien, hat Presti fast vorbildlich umgesetzt. Doch die Entwicklung vom Lottery-Team zum Contender ist ungleich schwieriger.

Post-Option

Zum anderen hat keine Mannschaft in den letzten 20 Jahren eine Mannschaft ohne verlässliche Postoption gewonnen. Die Lakers hatten Bryant, Gasol, Bynum oder O’Neal. Die Pistons hatten Rasheed Wallace, die Celtics Garnett, die Heat O’Neal, die 1996-1998 Bulls hatten Jordan (das reichte), die Rockets Olajuwon und so weiter. Was haben die Thunder? Green, Ibaka, Krstic, Mullens, Collison. Die letzten drei sind und werden niemals konstante Scorer aus dem Post sein. Ibaka besitzt zwar einen ganz netten Jumper, bisher lebt er aber leider zum größten Teil von seiner Athletik. Es bleibt fraglich, inwieweit er sich sich ein verlässliches Postgame aneignen kann. Bleibt Jeff Green. Als gelernter Small Forward kreierte er seit seiner Ankunft in Seattle bzw. OKC Mismatches pro Gegner. Er ist kein guter Rebounder und nicht so kräftig wie die meisten Power Forwards. In der Offense besticht er durch seinen Schuss (der seit seinem zweiten Jahr aber schlechter geworden ist) und seinen wirklich guten Zug zum Korb. Wenn er überhaupt mal aufpostet, macht er dies über den linken Flügel und schließt wahlweise per Fadeaway oder Hook Shot ab, den er ganz solide beherrscht. Sonst ist da nicht viel. Interessant wird jetzt die Tatsache, dass die Vertragsverhandlungen mit ihm vorläufig gescheitert sind. Es könnte durchaus so enden, dass es das letzte Jahr von Jeff Green in Oklahoma City ist, falls eine andere Franchise sich in der kommenden Offseason dafür entscheiden sollte, ihm einen großen Vertrag anzubieten, mit dem die Thunder nicht mitziehen wollen (was sie theoretisch können). Was also tun mit Jeff Green? Ich werfe einfach mal die Frage in den Raum, ob man möglicherweise die Chance verpasst hat, Jeff Green durch einen Power Forward oder Center von Format zu ersetzen. Im Sommer gaben beispielsweise die Timberwolves Al Jefferson ab. Jefferson hätte den Thunder durch seine Offense wirklich helfen können. In der Defense hat er zwar auch seine Schwächen, doch sieht es doch mit Green hinten nicht viel besser aus. Warum tradeten die Thunder nicht für Jefferson (Carlos Boozer wäre auch ein Kandidat gewesen)? Augenscheinlich, weil sie weiterhin Vertrauen in die Fähigkeiten von Jeff Green haben. Darüber hinaus ist er einer der absoluten Führungspersönlichkeiten des Teams und war von Anfang an Teil des Neuaufbaus. Ein funktionierendes Kollektiv wirft man ungern auseinander, was grundsätzlich nachvollziehbar ist. Trotzdem sind Wechsel oder sonstige Veränderungen in einem Team ein natürlicher Bestandteil des Profi-Daseins. Vielleicht schreckte die Thunder auch Jeffersons großer Vertrag ab (42 Mio für die nächsten drei Jahre).  Insbesondere in Anbetracht der Extension von Kevin Durant, der Problematik um den auslaufenden Vertrag von Jeff Green und den Vertragsgsesprächen, die im kommenden Sommer mit Russell Westbrook und Serge Ibaka geführt werden können. Sei es, wie es ist. Die Thunder ließen diese Chance verstreichen und hatte dafür auch möglicherweise gute Gründe. Es steht jedoch außer Frage, dass ohne Post-Option dieses Team nichts erreichen wird, unabhängig davon, inwieweit Kevin Durant sein unglaubliches Potenzial ausschöpft. Dass man per Trade die Möglichkeit bekommt, eine solche Option zu ergattern, ist sehr selten. Es scheint so, dass es den Thunder nur aus sich selbst heraus gelingen könnte.

Clutchness

Wohin geht der Ball, wenn ein Spiel auf der Kippe steht und nur noch wenige Minuten zu spielen sind? Ohne Frage in die Hände des Go-to-Guys. Dieser Spieler soll das Spiel dann für die eigene Mannschaft closen. Bei den Thunder soll dies selbstredend Kevin Durant übernehmen. Leider war er diesbezüglich in der Regel alles andere als erfolgreich, was die folgende Tabelle – eine Auswertung von Stats-Experten von 82games.com bezogen auf die zurückliegende Saison – ganz gut zeigt:

Team PlayerFG%Points
CLEJames.48866.1
LALBryant.44451.2
DALNowitzki.44947.2
DENAnthony.42747.0
PHONash.45743.6
DETHamilton.45839.9
ORLCarter.40039.8
ATLJohnson.46339.5
NOHPaul.50739.2
PORRoy.45837.7
DENBillups.47037.7
PHIWilliams.54536.8
SACEvans.40936.0
OKCDurant.35636

Zur Erklärung: Es wurde nur die Leistung berücksichtigt, die die Spieler in den fünf Minuten vor Ende einer Partie (ob viertes Viertel oder Verlängerung) vollbracht haben (auf 48 Minuten hochgerechnet, um die Spielzeit zu normieren). Außerdem durfte das Spiel noch nicht entscheiden sein, soll heißen, die Grenze legte man auf eine Punktedifferenz von maximal fünf Punkten.

Nach dieser Statistik gibt es zahlreiche Spieler, die in der Crunchtime nicht nur mehr Punkte als Durant erzielt haben, sondern dies auch sehr viel effizienter getan haben (siehe seine Quote von nicht mal 36%). Zur Verteidigung von Kevin Durant sollte man beachten, dass KD erst 22 Jahre alt ist. James, Bryant, Nowitzki & Co. haben bereits unzählige Playoffspiele auf dem Buckel. Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, wann Durant in dieser Statistik aufschließen wird. Er muss es sogar, denn ohne ‘closer’ wird es nichts mit einem nachhaltigen Erfolg, das sollte klar sein.

Fazit

Wie schaut also das Gesamturteil aus? Enden die Thunder wie die New Orleans Hornets, die nach ihrer Coming-out-Saison 2007/2008 ein Jahr darauf ziemlich kläglich in den Playoffs scheiterten und es fraglich ist, ob sie noch einmal das Niveau der Saison 2007/2008 erreichen können (auch wenn es momentan aufgrund eines perfekten Starts in die neue Saison besser ausschaut)? Einige Leute sehen zahlreiche Parallelen zwischen beiden Franchises. Beides sind Teams aus kleinen Märkten. Chris Paul war vor drei Jahren der alles überragende Mann bei den Hornets, im Alter von 22 Jahren. Für Durant gilt dasselbe heute. Sowohl bei den Hornets als auch bei den Thunder absolvierten die sechs wichtigsten Rotationsspieler mindestens 76 Partien, Verletzungen waren also nicht zu beklagen. Bei den Thunder ging es sogar so weit, dass gleich vier Starter sämtliche 82 Saisonspiele machen konnten. Gewisse Gemeinsamkeiten sind nicht von der Hand zu weisen. Einer der Gründe, warum die Hornets in der Saison darauf eingebrochen sind, war die Verletzung von  Center Tyson Chandler (dieser machte keine 50 Spiele). Die Thunder haben den Vorteil, dass sie im Frontcourt nicht ganz so krass von einem einzigen Spieler abhängig sind. OKC ist generell in der Breite besser aufgestellt als die damaligen Hornets, so dass Verletzungen besser aufgefangen werden könnten. Daher schätze ich die Gefahr für einen ähnlichen Stillstand als relativ gering ein. Gänzlich ausschließen lässt sich so etwas sicherlich trotzdem nicht. Aber selbst wenn; manchmal muss man einen Schritt nach hinten machen, um vielleicht zwei nach vorn machen zu können.

Wenn man sich die oben aufgeführten Schwächen anschaut, sieht es – zumindest “thunder-intern” – gar nicht so düster aus. Durant wird mit weiterer Entwicklung ein besserer Clutchperformer werden. Das Team wird mit jedem weiteren Jahr erfahrener sein und falls sich das auch in der Bilanz und der Endplatzierung bemerkbar macht, auch attraktiver für erfahrene Free Agents sein. Das ist alles nur eine Frage der Zeit. Schwieriger sieht es mit der Postoption aus. Green wird es nie werden. Bei Ibaka ist es fraglich, Mullens muss sich erstmal überhaupt ins Team kämpfen und Pleiß muss es erstmal in die NBA schaffen. Der Rest der Big Men kann es erst recht nicht. Über die Free Agency oder via Trade eine solche Option zu erhalten, gestaltet sich, wie gesagt, meist sehr schwierig. Bliebe noch die Hoffnung, dass Durant mit der Zeit häufiger mit dem Rücken zum Korb agiert, aber auch das halte ich für eher unwahrscheinlich.

Summa summarum lässt sich sagen, dass das ganze Projekt an diesem einen Punkt scheitern kann. Die Zeit spricht noch für die Thunder, aber das dachten die Mavericks Anfang der 2000er mit einem jungen Nowitzki auch. Die Mavericks fanden nie eine Postoption neben Dirk Nowitzki, was wohl auch eines der Gründe ist, warum sie nie einen Titel gewonnen haben. Ganz zu schweigen davon, inwieweit der Zusammenschluss der Superstars LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh die NBA nachhaltig verändern könnte. Vielleicht bilden die Big 3 eine Dynastie wie die Boston Celtics in den 60ern und räumen alles ab, was geht. Dann wäre die Diskussion über das Überwinden der thundereigenen Schwächen zum Zwecke einer Championship wohl überholt. Andererseits liegt es wohl nicht im Sinne Sports, wenn alle anderen Franchises den Spielbetrieb “einstellen” und nur noch um Platz 2 kämpfen. Unvorhersehbares kann immer passieren. Es sollte also das Ziel eines jeden Sportlers sein, jedes Spiel zu gewinnen, auch wenn der Gegner ein noch so haushoher Favorit darstellt.

Also, Heat, eine Gewitterfront ist unterwegs. Zieht euch bloß warm an!

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

7 comments

    Schreibe einen Kommentar