Oklahoma City Thunder, Salary Cap / CBA

Quo Vadis, Oklahoma City Thunder?

Nachdem die Oklahoma City Thunder vor ein paar Tagen verkündet haben, dass sie mit Serge Ibaka eine längerfristige Vertragsverlängerung ausgehandelt haben, fragt sich die Basketballwelt, was nun mit James Harden passiert. Schließlich sind die knapp 50 Millionen, die ‘Air Congo’ während der Vertragslaufzeit verdienen wird, für eine kleinere Franchise wie die Thunder eine Menge Holz und James Harden gilt zurecht als Spieler, der ein noch höheres Jahresgehalt erzielen könnte. Dass GM Sam Presti den Spieler aus qualitativer Sicht langfristig binden möchte und der Spieler selbst seinen Willen zur Verlängerung bereits verkündet hat, steht außer Frage. Doch ist James Harden aus finanzieller Sicht zu halten?

Die Gehaltsausgaben der Thunder

Um eine Antwort auf die oben gestellte Frage zu finden, ist es zweckmäßig, sich zunächst mit der Salary-Cap-Situation der Thunder zu beschäftigen. Mithin ist ein Blick auf die mittelfristige ‘Payroll’ der Thunder sinnvoll.

[Quelle: basketball-reference.com]

Wie man sehen kann, geht basketball-reference.com bei der Vertragsverlängerung von Serge Ibaka von einem Vertrag ohne jährliche Steigerung aus und ein Jahreseinkommen von 12.25 Millionen $. Das wären dann insgesamt 49 Millionen $ (und nicht die bisher im Raum stehenden 48 Millionen). Die Basketballplattform Hoopshype geht von derselben vertraglichen Konstruktion des Deals aus, insofern werden diese Zahlen als Grundlage genutzt.

Zunächst lässt sich festhalten, dass die kommende Saison 2012/2013 aus finanzieller Sicht kein Problem für die Thunder darstellt; ganz im Gegenteil: Die etwas mehr als 65 Millionen $ sind nur geringfügig mehr als die Ausgaben der letzten Saison (ca. 61 Millionen). Der neue Vertrag von Serge Ibaka (und der von James Harden, falls die Verlängerung kommen sollte) wird erst ab der Saison 2013/2014 in die Payroll hineingerechnet. Dementsprechend erwarten OKC erst ab dem nächsten Sommer größere finanzielle Herausforderungen. Dies könnte jedoch ein echter Kraftakt für die Franchise werden. Denn die Ausgaben für 2013/2014 betragen momentan ohne James Harden bereits 68.6 Millionen $; Rollenspieler wie Daequan Cook oder Eric Maynor ebenfalls nicht eingerechnet.

Die Gehaltsgrenze, ab der eine Franchise Luxury Tax zahlen muss, wird ungefähr bei 70 Millionen $ liegen. Wenn man davon ausgeht, dass sich die Thunder mit James Harden auf eine Verlängerung einigen und Cook und Maynor auslaufen lassen, werden GM Sam Presti und die Eigner der Thunder mit deutlich mehr als 70 Millionen $ Gehaltsausgaben kämpfen müssen. Wenn das Startgehalt von James Harden bei 13 Millionen liegen sollte, was nicht unwahrscheinlich ist, würden die Thunder für 2013/2014 bei 81.6 Millionen $ stehen.

Die Folge: Die Oklahoma City Thunder können das Zahlen einer Luxury Tax ab der Saison 2013/2014 nicht verhindern, wenn sie den Kern behalten wollen. Es bleibt nur eine Frage: Mit wieviel Luxury Tax muss Sam Presti rechnen?

Die Luxury Tax

Dass Franchises mit mehr als 70 Millionen $ Gehaltsausgaben die Luxury Tax bezahlen müssen, wurde bereits erwähnt. Mit dem neuen Tarifsystem hat sich jedoch das Berechnungsmodell erheblich verändert. Eine Stufenberechnung wurde eingeführt, die Tax-Berechnung verläuft nicht linear. Soll heißen: Je mehr eine Franchise über die Grenze liegt, desto mehr Luxury Tax muss sie im Verhältnis zahlen. Der Berechnungsschlüssel sieht folgendermaßen aus:

Wie zu sehen ist, vergrößert sich der Tax-Faktor je nach Höhe der Ausgaben erheblich. Während eine Franchise für die ersten fünf Millionen $ über der Grenze “nur” das 1.5-fache als Luxury Tax verrichten muss, kann dies bis auf das 3.25-fache anwachsen. Die nochmal größeren Faktoren in der Spalte “Repeat offender tax” kommen erst dann zur Anwendung, wenn eine Franchise in vier der letzten fünf Jahr Luxury Tax zahlen musste. Glücklicherweise müssen sich die Thunder damit noch nicht beschäftigen. Wichtig wäre noch zu erwähnen, dass sich die einzelnen Faktoren ausschließlich auf das jeweilige Intervall beziehen. Für die Thunder bedeutet das für die Saison 2013/2014 folgendes:

Unter der Annahme, dass das Startgehalt von James Harden 13 Millionen $ beträgt, ständen die Thunder bei 81.6 Millionen $. Wir runden das einfach mal auf 82 Millionen $ auf. Daraus resuliert folgende Rechnung:

Für die ersten fünf Millionen müssten die Thunder das 1.5-fache als Tax bezahlen (7.5 Mio), für die zweiten fünf Millionen wären es das 1.75-fache (8.75 Mio) und für die letzten zwei Millionen das 2.5-fache (5 Mio). Also müssten die Thunder für die Saison 2013/2014 eine Luxussteuer von insgesamt 21.25 Millionen $ verrichten. Können die Thunder dies bezahlen?

Wie groß ist die Geldbörse der Thunder?

Ja, sie können es, zumindest für eine Saison. Das wird deutlich, wenn man sich die wirtschaftlichen Rahmendaten der Thunder der letzten Jahre vergegenwärtigt.

Die renommierte Wirschafts-Plattform forbes.com hilft dabei. Laut Forbes haben die Thunder die letzten drei Jahre ihren jährlichen Gewinn erheblich gesteigert. Während sie im ersten Jahr in Oklahoma City (2009) noch einen Verlust einfuhren (- 9.4 Mio), betrug der Gewinn der beiden letzten Jahre insgesamt fast 50 Millionen $. Der Wert der Franchise steigerte sich von 269 Millionen $ (2008) auf geschätzte 348 Millionen $ im Jahr 2012. Da die Gehaltsausgaben in der kommenden Saison 2012/2013 nur marginal größer werden, ist mit einem weiteren Gewinn von 20 Millionen $ zu rechnen.

2013/2014 sieht die Welt dann schon anders aus. Wie bereits gesehen, steigen die Gehaltsausgaben ohne Tax auf über 81 Millionen $. Hinzu kommt die Luxury Tax in einer momentan zu erwartenen Höhe von mehr als 20 Mio $. Die Folge ist, dass die Thunder in der Saison 2013/2014 voraussichtlich nicht in der Lage sein werden, einen Gewinn einzufahren. Selbst eine schwarze Null ist unwahrscheinlich, ein (deutlicher) Verlust zu erwarten. Aufgrund der sehr guten finanziellen Lage in den Jahren zuvor können die Thunder die Saison 2013/2014 finanzieren. Spätestens ab der Offseason 2014 wird das Front Office um Sam Presti jedoch gezwungen sein, Wege zu finden, um Geld zu sparen und mit der Franchise wieder Gewinne (oder zumindest eine schwarze Null) einzufahren. Anderenfalls müssten absolute Leistungsträger wie Serge Ibaka oder James Harden abgeben werden.

Lösungsmöglichkeiten

Als Anhänger der Thunder sollte man jedoch trotz dieser finanziellen Herausforderungen nicht pessimistisch in die Zukunft blicken. Schließlich gibt es mehrere Möglichkeiten, Geld zu sparen, ohne dass die Qualität des Rosters wesentliche Einbußen muss.

Zunächst könnte man nicht die Rookie-Option für den Flügelspieler Lazar Hayward ziehen, der 2013/2014 immerhin 2.1 Millionen $ verdienen würde. Hayward spielte bislang keine Rolle in der Rotation. Insofern wäre das Ziehen der Option herausgeworfenes Geld. Dieses Geld könnte man eher in einen Backup-Pointguard (Rolle von Eric Maynor) stecken, der nur einen Minimum-Vertrag erhalten würde. Möglicherweise entwickelt sich bis dahin der junge Reggie Jackson noch zu einem Rotationsspieler, so dass man noch etwas günstiger wegkommen könnte.

Eine weitere Option sollte es sein, den Vertrag von Kendrick Perkins ab der nächsten Offseason (2013) loszuwerden. Perkins konnte die Erwartungen bislang nicht erfüllen. Auch wenn er in der Zukunft noch einen Wert gegen ein Team wie den Los Angeles Lakers haben würde, belasten die 17.5 Millionen $, die er zwischen 2013 und 2015 kassiert, den Salary Cap zu sehr. Hier kommen zwei Lösungen in Frage: Perfekt wäre es, wenn Sam Presti einen Abnehmer unter den Teams mit Salary Cap bzw. sog. “Traded Player Exception” finden würde. Der Millionenvertrag von Perkins würde einfach verschwinden. Diese Lösung ist sehr unwahrscheinlich. Als ‘ultima ratio’ bliebe noch die Amnesty Clause eine sinnvolle Option. Zwar würden die Thunder die Restsumme des Vertrages, je nach Angebote der anderen Franchises, bezahlen müssen, doch der Vertrag würde vom Cap gänzlich verschwinden, wodurch er nicht negativ in die Luxury Tax eingerechnet werden würde. Für 2013/2014 würde die AC dazu führen, dass die Thunder nicht 12 Millionen über die Luxury-Tax-Grenze wären, sondern nur 3.5 Millionen. Mithin müssten sie nicht mehr als 20 Millionen als Tax zahlen, sondern nur etwas mehr als 5 Millionen.

Wenn wir davon ausgehen, dass die Thunder 2013/2014 die hohe Tax (siehe oben) doch bezahlen wollen und den Vertrag von Perkins für die darauffolgende Saison loswerden, würden die Thunder für die Saison 2014/2015 aktuell “nur” bei 54 Millionen $ stehen, ohne James Harden. Mit James Harden wären es wohl knapp 68 Millionen – für dann neun Spieler und folgende Depth-Chart:

Russell Westbrook/Reggie Jackson
James Harden/
Kevin Durant/Hollis Thompson
Serge Ibaka/Nick Collison/Perry Jones
Hasheem Thabeet

Dies ist zwar ein löchriges Roster, doch Lösungen sind in Reichweite. Im Backcourt könnte durch eine Verlängerung von Thabo Sefolosha (vier Millionen) und ein Minimum-PG (eine Million) wieder eine erstklassige Rotation stehen. Dann würden die Thunder bei 73 Millionen stehen und elf Rosterspots wären besetzt. Problematischer ist der Frontcourt, doch auch hier gäbe es Optionen: Serge Ibaka könnte mehr in die Rolle eines Centers hineinwachsen. Möglicherweise wird auch Cole Aldrich eine echte Option für diese Position. Kevin Durants Spielzeit auf der Powerforward-Position könnte anwachsen. Ferner könnte sich Perry Jones könnte zu einer echten Alternative im Frontcourt entwickeln, das Potenzial hat er ohne Frage. Mit einem soliden Center (Gehalt < fünf Millionen) und dann Gehaltsausgaben von ungefähr 78 Millionen würden die Thunder weiterhin zu den Contendern zählen. Bei 78 Millionen für 2014/2015 würden die Thunder “nur” 12.75 Millionen als Luxury Taxt bezahlen müssen. Das wäre unter Umständen zu finanzieren.

Ab der Saison 2015/2016 wird es jedoch für die Thunder kaum noch möglich sein, die komplette Big Four um Kevin Durant, Russell Westbrook, James Harden und Serge Ibaka zu halten. Alle vier verdienen ab 2015/2016 insgesamt ca. 64 Millionen $, doch mindestens acht, eher neun Rosterplätze müssten noch besetzt werden. Dies wäre aus objektiver Sicht nicht zu stemmen. Die Thunder müssten hoffen, dass bis dahin die Grenze, ab der man Luxury Taxt bezahlen müsste, gestiegen ist.

Die wahrscheinlichere Prognose ist jedoch, dass GM Sam Presti spätestens ab 2015 auf die Suche nach kostengünstigeren Alternativen zu James Harden oder Serge Ibaka gehen wird. Mit einem dann verbesserten bzw. erfahreneren Russell Westbrook und Kevin Durant würden die Oklahoma City Thunder zwar immer noch zu den besseren Teams gehören, doch zu den drei Topfavoriten würden sie – wie es jetzt noch der Fall ist – eher nicht mehr zählen.

Ein Fluch für die kleinen Franchises?

Anhand dieser geschilderten Problematik werden möglicherweise auch die Nachteile der Luxury Tax deutlich. Eingesetzt wurde sie eigentlich, um den kleineren Teams eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit zu ermöglichen, doch scheinen nur die großen Teams in der Lage zu sein, ein erfolgreiches Team zu halten. Denn: In einem kleinen Markt bauen die Thunder mit Hilfe von sehr gut ausgearbeitenen Trades und Draftentscheidungen einen Contender auf, doch die Luxury Tax – die eigentlich kleine Teams schützen soll – kommt ihnen in die Quere und behindert die Thunder. Teams wie wie Lakers brauchen sich darüber deutlich weniger Gedanken zu machen. Umso mehr sollte man darüber freuen, dass es ein kleines Team wie die Thunder schafft, die Großen ein wenig zu ärgern.

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