Oklahoma City Thunder, Video

Russell Westbrooks offensiver Impact

Hilft oder schadet der Guard den Thunder?

Russell Westbrook. Unfassbarer Athlet. Energiemonster. Bescheidener Werfer. Kein Superstar in der NBA polarisiert in dieser Saison so sehr wie der Playmaker der Oklahoma City Thunder, wenn es um die Bewertung seiner Leistung geht.
Seine Bipolarität zeigt sich in seinem Spiel: katastrophale Wurfquoten, gepaart mit einem Triple Double im Schnitt, die zweitmeisten Turnover der Liga, aber auch die meisten Assists.
Uns interessiert eigentlich immer nur der Einfluss eines Spielers auf sein Team. Wir suchen hierbei danach, ob der Spieler dem Team hilft, dem Team schadet oder wir uns unsicher sind, weil wir noch weitere Faktoren hinzuziehen. Und nicht nur in dieser Saison benötigt Russell Westbrook ein Level Up.

Das Spiel gegen die Warriors aus dieser Woche zeigt die grundsätzlichen Schwächen auf, die Westbrook besitzt. Zudem sieht man hier einen exzellenten Gameplan gegen den dynamischen Guard, der das grundliegende Problem Westbrooks aufzeigt: Decision Making.

Es mag unfair sein, dass ich mich im Folgenden vor allem auf das grausige Spiel gegen die Golden State Warriors von Westbrook beziehe, vor allem, weil Westbrook sich nach dem All-Star Break stabilisiert hatte. Aber wenn wir einen Spieler bewerten, gehen wir nicht vom aktuellen Leistungsvermögen aus, sondern kommen zu einem weit verlässlicheren Ergebnis, wenn wir die gesamte Saison hinzuziehen. Kevin Pelton hatte dies zuletzt herausgestellt.

Das Ziel der Warriors war es nicht, Westbrook aus dem Spiel zu nehmen. Im Gegenteil: Sie wollten, dass Westbrook sich selbst aus dem Spiel nimmt. Wie? Indem die Verteidigung klare Regeln vereinbarte, um Westbrook bloßzustellen. Sie wetten gegen den Wurf des Guards.
Wie man an seiner Shot Chart erkennt, hat sich das Team hervorragend eingestellt, um Westbrook seien Stärken zu nehmen: Nur einen Wurf seiner 16 Versuche konnte Westbrook am Ring abgeben. Golden State zwang den Lead Guard dazu, Sprungwürfe zu nehmen – obwohl die Formulierung „sie luden ihn dazu ein“, sehr viel treffender ist. Wir schauen uns exemplarisch mal an, wie desinteressiert die Verteidiger sind, wenn Westbrook den Ball direkt am Perimeter erhält oder dorthin dribbelt: Klay Thompsons Blick spricht Bände. Es gab eine kalte taktische Vorgabe und Godlen State setzt diese um. Genau so ist dies hier zu sehen. Westbrook erhält den Ball und der Verteidiger sinkt ab.
Wenn Westbrook dann die Hälfte seiner Fehlversuche auch noch aus dem Dribbling abschließt, hat die Defense sofort gewonnen. Westbrooks effective Field Goal% beträgt 35% in dieser Saison, wenn er aus dem Dribbling abschließt. Und – er nimmt die Hälfte aller seiner Abschlüsse auf diese Art.
Wie kann Westbrook hier ausbrechen? Zum einen, dass er den entstandenen Platz nutzt und kompromisslos zum Korb zieht. Das hat er gegen Golden State kaum gemacht. Das schwierige Spacing in Oklahoma verschlechtert die Aussichten auf Erfolg zudem.

Jetzt war die Performance Westbrooks gegen Golden State nicht exemplarisch. Um eine objektive Betrachtungsweise ermitteln zu können, ist es wichtig, dass wir die offensiven Leistungen Westbrooks zusammenziehen. Wir sollten nicht eigens gewichten und vielleicht Assists oder Triple Double überbewerten, sondern eine verlässliche Zahl finden, die dies zusammenfasst. Bisher würde ich hier immer auf das Offensive Rating verweisen, was diesen Zweck erfüllt. Wir arbeiten momentan aber auch an eigenen Metriken, die dieselbe Richtung einschlagen, aber kreierte Punkte pro Possession ausgeben wollen. Zuerst haben wir nur auf die Possessions geschaut, die Westbrook selbst abschließt: Hierzu gehören getroffenen und verworfene Zweier oder Dreier, Freiwürfe, Turnover und offensive Rebounds, die immerhin die Possession erhalten. Beendet Westbrook eine Possession, stehen am Ende nur 0,86 Punkte pro Possession zu Buche. Der Ligaschnitt pendelt sich zwischen bei 1,00 Punkt pro Possession ein. Unter den Spielern, die mindestens 1500 Possessions in dieser Saison genutzt haben (das waren etwas mehr als 50), belegt Westbrook den letzten Platz.
Jetzt könnte man natürlich einwenden, dass Westbrook eben auch viele Assists spielt und diese auch in die Statistik gehören. Wir haben dafür den offensiven Impact ermittelt. Hier fließen noch alle Assists ein, aber wir haben die potentiellen Assists, die keine Treffer geworden sind, abgezogen. Wir müssen einfach bedenken, dass ein Spieler für besonders viele Assists belohnt wird, also muss auch darauf geschaut werden, welche Pässe eben nicht zu Treffern führten. Nehmen wir alles zusammen, führt eine von Westbrook kreierte Possession zu 1,04 Punkte. Ligaschnitt sind 1,10 Punkte. Spieler, die schlechter sind und 1500 Possessions genutzt haben: Collin Sexton als Rookie und in einem der schlechtesten Teams der NBA – und Dennis Schröder.
Man kann es nun drehen und wenden, wie man will: Westbrook hilft seinem Team in dieser Verfassung nicht und benötigt ein Level Up. Er muss erkennen, wann ein Wurf gut ist und wann er seinem Wurf nicht vertrauen sollte.
Westbrook sah nach dem All-Star Break verbessert aus, aber das überdeckt seine katastrophalen Leistungen davor nur kurzzeitig. Oklahoma City kämpft momentan um das Heimrecht in Runde 1 und benötigt einen Führungsspieler, der zwar in sich vertraut, aber auch seine Limitationen erkennt und reflektieren kann. Ansonsten könnte es für die Thunder kein allzu weiter Ritt in den Playoffs werden.
Was für ein Gefühl habt ihr? Schafft es Oklahoma doch noch, den Schalter umzulegen und einige Runden in den Playoffs zu gewinnen? 

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