Los Angeles Clippers

Die Clippers brauchten Playoff P

Seitdem sich Paul George vor einigen Jahren selbst den Spitznamen „Playoff P“ verpasst hat, ist ihm regelmäßig nach schwächeren Playoff-Spielen Hohn und Spott der Internet-Gemeinde sicher. Und das oftmals nicht zu Unrecht, sind doch viele der Playoff-Auftritte Georges in den vergangenen Jahren eher enttäuschend verlaufen. Vor allem in den letzten beiden Jahren in OKC waren sowohl seine persönlichen Leistungen als auch die des Teams weit unter dem, was sich Fans erhofft hatten. Und auch in diesem Jahr mit den Clippers war nur wenig berauschend, was die Nummer 13 des Teams aus LA auf dem Feld zeigen konnte. 20.2 Punkte pro Spiel, ein True Shooting von 53.6% und ein Offensivrating von 104 sind nicht das, was man von George als Nummer Zwei eines Contenders erwarten kann. Er trug so sicherlich zu dem enttäuschenden Aus der Clippers gegen die Nuggets in der zweiten Runde bei. Woran also hat es seinem Spiel in diesen Playoffs gemangelt und was hätte das Team mehr von ihm gebraucht?

Entlastung für Kawhi am offensiven Ende

Der Grund, warum Georges Formschwäche sich zu Beginn der Playoffs noch nicht zu stark auf den Erfolg der Clippers ausgewirkt hatte, hieß zu großen Teilen Kawhi Leonard. Wieder einmal brillierte der Superstar der Clippers, bevor auch er in Game 7 gegen die Nuggets eher enttäuschte. Selbst ein Kawhi in Playoff-Form konnte nicht die gesamte Creation des Teams allein übernehmen. Zu oft stockte die Offense der Clippers in diesen Playoffs, weil niemand sonst in der Starting Lineup in der Lage ist, Vorteile für sich selbst zu kreieren. Der Rest der Starter sind entweder gute Rollenspieler wie Ivica Zubac oder Spieler, die in der Selbst-Creation viel zu ineffizient sind wie Patrick Beverley oder Marcus Morris. Weder die Nuggets noch die Mavericks in Runde Eins zählen zu den besten defensiven Teams der Liga und doch stellten auch sie die Offense der Clippers teilweise schon vor unlösbare Aufgaben.

Hier war es an Paul George, gelegentlich selbst zu kreieren oder wenigstens die Vorteile, die Kawhi kreiert, effektiver zu nutzen. Größtes Problem Georges in dieser Hinsicht ist es in dieser Postseason sicherlich, dass der Wurf des 30-Jährigen nicht fiel. Nur 37 seiner 111 Dreier (33%) in den Playoffs fanden das erhoffte Ziel. Es handelt sich dabei jedoch mehr um ein Shooting Slump zur absolut falschen Zeit als um ein Symptom eines spielerischen Mangels. So traf George beispielsweise in den Seeding Games in der Bubble 50% seiner Dreier. Es wäre zu erwarten gewesen, dass dieser Wert sich im Laufe der Zeit wieder nach oben verändert hätte und seine Shooting-Gravity, mit der er viel Platz für Kawhi schafft, blieb davon stets unberührt.

Es ist allerdings ein bezeichnendes Beispiel eines größeren spielerischen Problems, wie abhängig das Spiel Georges von seinem Distanzwurf ist. Es mangelt an den effizienten Alternativen, um Würfe abzuschließen. George nimmt schon seit Jahren nie wirklich viele Würfe am Ring und das zeigt sich auch in diesen Playoffs. Zu oft versucht George Kontakt mit seinem Gegenspieler um jeden Preis zu vermeiden und schließt stattdessen mit Floatern oder ähnlichen Würfen aus der kurzen Midrange ab, um den Contest am Ring zu vermeiden.

Nur die perfekte zweite Option

Er stellt so das diametrale Gegenbeispiel zu seinem Flügelkollegen Kawhi dar, den jeglicher Kontakt zu seinem Gegenspieler nicht zu stören scheint. Leonard ist meisterhaft darin, seinen eigenen Körper zu nutzen, um sich Separation von seinem Gegenspieler zu schaffen und gut abschließen zu können. George hingegen weist hier eine entscheidende Schwäche auf. Versucht er seinen Körper zu nutzen, ist das Ergebnis zumeist nur ein Offensiv-Foul und er muss stattdessen auf Dribbling-Moves zurückgreifen, die auch nicht zu seinen allergrößten Stärken zählen. Die Fähigkeit, Druck auf den Ring auszuüben ist jedoch von enormer Bedeutung für eine erste Option in der NBA, wie diese Playoffs wieder einmal mehr als deutlich zeigen. Sie ist oftmals der Unterschied zwischen Spielern, die fähig sind in großem Volumen effiziente Würfe selbst zu kreieren, sei es aus dem Pick&Roll oder der Isolation und jenen Spielern, die nur die von anderen generierten Würfe verwerten können. Am Ende ist George deswegen doch nur die perfekte zweite Option und keine erste Option eines Contenders.

Paul Georges Stats nach Play Type in den Playoffs 19/20 (Quelle: Synergy)

Georges Schwächen in diesem Bereich werden vor allem dann zum Problem, wenn Kawhi nicht auf dem Feld steht. Seit Beginn der Playoff staggerte Doc Rivers seine beiden Stars und sorgte so dafür, dass stets einer der beiden auf dem Feld steht, um den Großteil der offensiven Last zu übernehmen.  Diese Strategie zahlte sich bisher aus und das Team aus LA war ohne Kawhi auf dem Feld offensiv sogar besser als mit ihm (Offensivrating 115.4). Das liegt allerdings ebenso sehr an Lou Williams, der offensiv in diesen Minuten Creation-Last übernimmt, wie an den Leistungen Paul Georges. Das ist allerdings ein wichtiger Punkt, der die offensive Belastung auf George weiter deutlich reduziert hat. Auch in den Minuten ohne Kawhi stand stets noch ein anderer Creator auf dem Feld, der die gegnerische Defense im initialen Pick&Roll attackieren kann. Es reichte daher völlig, wenn George offensiv die Rolle der zweiten Geige übernehmen kann. Insbesondere in den Closing Lineups wäre es jedoch extrem wichtig gewesen, dass er zumindest diese Rolle perfekt ausfüllen kann, damit eben jener Lou Williams nicht auf dem Feld stehen muss, da seine Anwesenheit gewisse defensive Einschränkungen für das Team mit sich bringt. Ob Doc Rivers die dementsprechende Lineup-Entscheidung auch getroffen hätte, ist bestenfalls fraglich, aber ein besserer Auftritt Georges hätte ihm sicherlich mehr Möglichkeiten gegeben. Insgesamt gestaltete sich Georges schwache offensive Performance für die Clippers jedoch als bei weitem nicht so großes Problem, wie es teilweise beschrieben wird. Es ist hingegen viel mehr am defensiven Ende, wo Top-Leistungen von George gefordert sind und er diese viel zu selten bringen konnte.

Der Mangel an Help Defense

In Serie gegen die Denver Nuggets wurde Paul George zuletzt vermehrt als on-ball Verteidiger für Jamal Murray eingesetzt und der Wing macht dabei einen sehr soliden Job gegen den Guard der Nuggets. Mit seiner Länge war er in der Lage, die Jump Shots Murrays zu contesten, von denen dessen Spiel so abhängig ist. Ähnlich wie Kawhi, der zu Beginn der Serie mehr Zeit im direkten Matchup mit Murray verbracht hat, ist George gegen die meisten elitären Guards der Liga lateral nicht schnell genug, um sie zu verteidigen. Gegen Murray, dessen Explosivität nicht zur absoluten Spitze zählt, war das hingegen abgesehen von Spiel 7 weniger ein Problem. Das ist jedoch nicht die defensive Aufgabe, die die Clippers am dringendsten gebraucht hätte. Das Team verfügt über zahlreiche gute on-ball Verteidiger am Perimeter.

Woran es dem Team hingegen mangelte, ist Help-Defense und Rimprotection, insbesondere in den kleineren Lineups, wenn Ivica Zubac auf der Bank Platz nahm. Montrezl Harrell, der die meisten Back-up-Minuten hinter Zubac spielt, war in diesen Playoffs absolut nicht in Form und sowohl in der Pick&Roll-Defense als auch bei jeder Art von Help-Defense maßlos überfordert. Es wurden zuletzt nicht wenige Stimmen laut, die den Ausschluss Harrells aus der Rotation forderten. Eine solche Änderung der Lineups allein wäre jedoch nicht die Lösung für die defensiven Probleme der Clippers gewesen. Der potenzielle Ersatz für Harrell in diesen Lineups hieß JaMychal Green, der offensiv ein Stretch-Element mitbringt, defensiv sehr solide ist und auch mit einigen Help-Plays zu punkten weiß. Aber auch er ist beileibe jedoch kein Spieler, der auf sich gestellt für eine auseichende Rimprotection sorgen kann, um einfache Layups wie diesen von Jamal Murray in der Crunchtime von Game 6 zu verhindern:

Stattdessen benötigten die Clippers dringend mehr Help-Rotationen ihrer Perimeter-Spieler, um Driving Lanes zu blockieren oder Würfe zu contesten. Bei allen defensiven Stärken, die Kawhi und Beverley haben (beide sind immerhin Mitglieder eines All-Defensive Team), zählt diese Art von Rotation eher nicht dazu. Auch von Marcus Morris ist eine solche Help-Defense definitiv nicht zu erwarten. Eine dementsprechend große Last in diesem Bereich lag auf den Schultern von Paul George. Mag es in den Lineups mit Zubac als hinterste Linie der Verteidigung durchaus Sinn gemacht haben, George mehr als on-ball Verteidiger zu nutzen, um Kawhi in dieser Hinsicht zu entlasten, hätte er in den Lineups ohne Zubac definitiv mehr in der Rolle des Help-Defenders schlüpfen müssen. Eine Rolle, die er in diesen Playoffs teils mit Licht und teils mit viel Schatten ausfüllte. Man konnte Rotationen wie unten gezeigte, um die Driving Lane des Angreifers zum Korb zu blockieren, durchaus immer wieder sehen, konstant ist es jedoch nicht. Vor allem, wenn das Team Jokic im Post gedoppelt hat oder Murray im Pick&Roll trappt wie verstärkt in Game 7 zu sehn oder den Ballhandler trappt, war diese Hilfe immer dringend nötig und kam zu selten von George.

War PG das größte Problem der Clippers?

Diese Frage würde ich definitiv verneinen, zu oft stießen die Lineup-Entscheidungen  von Doc Rivers bei mir auf Unverständnis, um nicht ihm einen größeren Teil der Schuld als Paul George zu geben. Die vielen Verletzungen und anderen Auszeiten vieler Clipper-Spieler während der Saison und zuletzt in der Bubble, taten der Kondition der Spieler sicherlich ebenso wenig einen Gefallen und trugen ihren Teil zu vielen schlechten zweiten Halbzeiten bei. Man muss leider jedoch auch festhalten, dass die von mir stets als Toplösung betrachteten Idee der kleinen Lineups mit Green oder Morris als größtem Spieler gescheitert sind. Offensiv haben diese Lineups dank mehr Spacing und Playmaking durchaus ihre Daseinsberechtigung, defensiv verstärken sie jedoch den Mangel an Help-Defense enorm und auch Paul George war hier nicht die erhoffte Hilfe. Ob es den Clippers in der Offseason gelingt, diese Lücke zu schließen, wird interessant sein zu beobachten und könnte schlussendlich entscheiden, ob im kommenden Jahr der große Wurf gelingt.

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