3-on-1 Fastbreak

3-on-1 Fastbreak: Breakout-Kandidaten

Wer sind unsere Breakout-Kandidaten für die kommende Saison?

Wenn Spieler wie Victor Oladipo oder Pascal Siakam einen enormen Entwicklungssprung machen, haben sie das Potenzial, die Zukunft ihrer Franchise oder, wie im Falle von Siakam, sogar die Kräfteverteilung der gesamten Liga entscheidend zu verändern. Solche Sprünge wirken zuerst zufällig verteilt. Untersucht man diese Einzelfälle jedoch genauer, erkennt man oftmals ein Muster aus vorteilhafter Situation und einer bestimmten Skill-Entwicklung. Daher wagen wir uns heute an eine Prognose, welche Spieler die Breakout-Player der kommenden Saison sein könnten.

Tobias Bühner: Bam Adebayo

Meine Wahl für den Breakout-Player der Saison 2019/20 fällt auf Bam Adebayo. Nach dem Abgang von Hassan Whiteside ist der 22-jährige Center der unangefochtene Starter auf der Fünf für die Miami Heat. Die Verantwortlichen der Heat hegen große Stücke auf den jungen Big Man. So war er in den Trade-Gesprächen für einen zweiten Star neben Jimmy Butler Insidern zufolge der einzige junge Spieler, der für absolut unantastbar erklärt wurde. Dieses Vertrauen des Front Office und des Coaches sollte sich in einem drastischen Wachstum seiner Minutenanzahl vom letzten Jahr (23.3 Min pro Spiel) auswirken.

Und Adebayo befindet sich in der perfekten Position, um dieses Vertrauen zurückzuzahlen. Schon im letzten Jahr konnte er sich als hocheffizienter Play-Finisher auszeichnen und legte so ein Offensivrating von 120 und ein True Shooting von 62.3% auf. Wie vielen klassischen Bigs mangelt es ihm an der Fähigkeit, Würfe für sich selbst zu kreieren. Allerdings wird das im neuen Team der Heat auch nicht mehr so dringend benötig werden. Mit Jimmy Butler steht nun der elitäre Pick-and-Roll-Ballhandler im Kader, den man in Miami lange vermisst hat. Mit Goran Dragic, der im letzten Jahr aufgrund von Verletzungen lange ausfiel und so nur in 386 von Adebayos 1913 Minuten gemeinsam mit diesem auf dem Feld stand, steht zudem ein weiterer guter Creator zur Verfügung, der Adebayo mit Anspielen unterstützen kann.

Dieser Umstand sollte dazu führen, dass Adebayo seine Stärken noch besser in das offensive System der Heat einbringen kann. Er kann so hauptsächlich als guter Screener eingesetzt werden und dann seine Fähigkeiten als Rim Roller voll zur Geltung bringen. Im Vergleich zu den meisten Big Men verfügt er über ein gutes Dribbling und kann so im Pick&Roll den Ball in der Short-Roll übernehmen. Er trifft in den meisten solcher Situationen die richtigen Entscheidungen und lässt auch gelegentlich Ansätze als Passer aufblitzen. Seine Qualitäten im Dribble-Handoff geben ihm noch eine weitere offensive Facette, mit der er vermehrt in das Spiel eingebunden werden kann. Somit ist zur erwarten, dass der junge Center trotz des voraussichtlich steigenden Volumens, seine hohe Effizienz beibehalten können sollte.

Seinen größten Wert für sein Team sollte Adebayo allerdings am anderen Ende des Feldes entfalten. Wenn die Heat diese Saison erfolgreich sein wollen, gelingt das mit ihrem Kader nur, indem sie eine starke Defense stellen. Das Kernstück dieser defensiven Bemühungen ist nicht nur aufgrund seiner Rolle als Starting Center unzweifelhaft Adebayo. Der junge Big Man hat das Potenzial, einer Verteidigung seinen Stempel aufzudrücken und ermöglicht es den Heat, multiple defensive Systeme zu spielen.

Er kann sehr gut im Raum verteidigen und im Zweifel auch auf kleinere Gegenspieler geswitcht werden. Er ist sehr gut darin, sich lateral schnell und gezielt zu bewegen und ist so ideal als Kernstück eines Switching-Systems. Auch viele der anderen Spieler der Heat wie Jimmy Butler oder Justice Winslow mit ihrer hohen funktionalen Stärke und Beweglichkeiten passen sehr gut in ein solches System. Insbesondere in Lineups ohne Dragic sollten die Heat defensiv so extrem stark sein können. Mit seinem sehr robusten Körper und seinem hohen Einsatz kann sich Adebayo auch gegen physisch starke Center behaupten. Er ist so das Sinnbild eines modernen Bigs, um den herum Championship-Coach Erik Spoelstra sicherlich Mittel und Wege finden wird, ihn defensiv ideal in Szene zu setzen, um Lösungen für jedes Matchup zu finden. Aufgrund dieses Two-Way-Upsides halte ich Adebayo für den wahrscheinlichsten Breakout-Kandidaten für die kommende Saison.

 

Tom Schneider: Caris LeVert

Mit Caris LeVert stellen die Brooklyn Nets ebenfalls einen aufstrebenden Spieler, der in der Saison 19/20 seinen Breakout vollziehen könnte. Der 6-7 Wing dürfte auch dank des bedauerlichen Ausfalls von Durant einige Spielanteile bekommen und eine zentrale Rolle für die Playoff-Ambitionen des Teams einnehmen. LeVert ist zwar mit 25 Jahren schon relativ alt für einen klassischen Breakout-Kandidaten, könnte jedoch in seiner vierten Saison den Sprung zum (Borderline-)Star schaffen. In der letzten Saison hat er besonders nach seiner schwerwiegenden Verletzung, welche ihn die halbe Saison verpassen ließ, äußerst vielversprechende Ansätze gezeigt und war in den Playoffs beim Ausscheiden in der ersten Runde mutmaßlich der beste Spieler des Teams mit 21 Punkten pro Spiel, sowie 4 Assists bei einem 118er ORtg. Diese bestechenden Eindrücke gilt es nun zu bestätigen und von Seiten der Nets wird zu hoffen sein, dass er sein Talent in der Saison 19/20 Nacht für Nacht in konstante Leistungen ummünzen kann.

Seine Fähigkeiten sind insbesondere in der Offense zweifellos vorhanden, auch wenn er bisher noch nicht in der Lage war, über eine gesamte Spielzeit überdurchschnittlich effizient zu agieren. Sein ORtg aus den ersten drei Saisons liegt im Schnitt bei 104 und ist somit noch klar entfernt von einem positiven Impact für das eigene Team. LeVert kommt bisher vor allem über einen explosiven Antritt und dynamische Dribblings zu seinen Punkten und ist bereits ein sehr starker Finisher am Korb mit 63,5% FG über die Karriere. Außerdem lässt er bei seinen Drives zum Korb immer wieder ein gutes Spielverständnis aufblitzen und findet mit Kickout-Pässen sowie Durchsteckern die freien Mitspieler. Wenn er es in der kommenden Saison schafft noch öfter die richtige Entscheidung zu treffen, wird seine Creation für sich und andere noch effizienter sein. Sein Wurf war bisher noch ausbaufähig und könnte den Knackpunkt für seine Kandidatur als Breakout-Spieler darstellen. Bisher war LeVert noch nicht in der Lage, seinen Dreier über eine Saison hinweg überdurchschnittlich gut zu treffen. In den Playoffs letztes Jahr lief er zwar heiß mit über 45%, allerdings ist die Sample Size von 26 Versuchen noch zu gering um daraus zuverlässige Schlüsse ziehen zu können. Die offensive Qualität seiner Mitspieler ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen und es bleibt abzuwarten, welche Vorteile und Synergien sich aus diesen Veränderungen ergeben werden.

Defensiv hat LeVert ebenfalls sehr gute Anlagen und kann dank guter Länge sowie hervorragender Athletik ein Problem für seine Matchups darstellen. LeVert ist in der Lage, durch gute Fußarbeit und schnelle Reaktionsfähigkeit Fehler seiner Mitspieler auszubügeln und macht sowohl on ball als auch im Teamverbund eine solide Figur. Er kann passing lanes lesen und Druck auf den Gegner ausüben, was ihm eine respektable Menge an Ballgewinnen verschafft. Allerdings lässt er auch am defensiven Ende gelegentlich die Konstanz vermissen und leistet sich Momente der Unaufmerksamkeit. Er verlässt sich gelegentlich zu sehr auf seine athletischen Fähigkeiten und verteidigt unsauber beziehungsweise nicht bis zum Ende der Shotclock. Dennoch war er im letzten Jahr Teil einer soliden Defense und kann im Vollbesitz seiner Kräfte ein Plus-Verteidiger für das Team sein.

LeVert hat in seiner bisherigen Karriere vor allem Ansätze aufblitzen lassen, die Hoffnungen auf einen Spieler mit positivem Impact auf beiden Seiten des Feldes wecken. Offensiv sollte er nach ausreichend Zeit der Genesung aus dem Vollen schöpfen können und seine Leistungen in größerer Rolle weiter steigern. Defensiv könnte sich die zunehmende Erfahrung und ein gut passendes Teamkonzept zunehmend positiv bemerkbar machen. Sollte LeVert in der Lage sein, die größere Rolle und somit steigenden Counting Stats in verbesserter Effizienz zu präsentieren, dürfte er eine ernstzunehmende Option für einen solchen Breakout-Titel darstellen. Am oberen Ende des Spektrums stehen hierbei sogar durchaus Szenarien im Raum, bei denen LeVert sich zur Saisonmitte Hoffnungen auf einen All Star Spot machen darf. Sollte LeVert die Qualität seines selbst kreierten Scorings weiter verbessern können, dürfte er in dieser Hinsicht einen Skill aufweisen, der in der modernen NBA von absolut zentraler Bedeutung ist und ihn von anderen potenziellen Konkurrenten im Breakout-Segment abhebt.

 

Patrick Preis: Jonathan Isaac

Während sowohl Bam Adebayo, als auch Caris LeVert gerade in der Offensive klare Verbesserungen aufweisen könnten, habe ich mir mit Jonathan Isaac einen Spieler ausgesucht, dessen Stärken ganz klar auf der anderen Seite des Feldes liegen. Mit seiner Größe (mindestens 6’11) und Wingspan, sowie dem im Sommer antrainierten Körperbau, ist der Drittjahresprofi einer der spannendsten Spieler und sollte seinem Coach Steve Clifford einige Möglichkeiten geben, um den guten achten Platz im Defensivrating zu bestätigen oder nochmal zu verbessern.

Schon letztes Jahr konnte Isaac mit variabler und starker Defense punkten. Auch in der Preseason konnte er diese Eindrücke bestätigen, mittlerweile zeigt er nicht nur starke Fußarbeit bei Switches, nach einer veränderten Diät wird er mit seinem kräftigeren Frame auch physische Big Men noch besser verteidigen können. In der letzten Saison war seine schmalere Statur gegen Bigs noch ein Hindernis.

Zusammen mit Aaron Gordon und einem verbesserten Mohammed Bamba, können die Magic eine extrem starke Defensive aufbieten, alle drei Spieler können switchen und sind vor allem gegen Big Men unangenehme Defender. Am offensiven Ende sieht es für ein derartiges “Jugend-forscht”-Lineup eher schlecht aus, aber mit der Verpflichtung von Al-Farouq Aminu konnten die Magic einen weiteren Flügelspieler verpflichten, der es ihnen ermöglicht Isaac auch ab und an als Center aufzubieten. Diese Möglichkiet gab letzte Saison weder der Kader der Orlando Magic, noch die Physis Isaacs her.

Während das defensive Skillset und das Ceiling Jonathan Isaacs wie die eines Defensive Player of the Year aussehen, ist es um seine offensiven Fähigkeiten leider anders bestellt. Er ist offensiv, wie auch von einigen Scouts vor der Draft befürchtet, bisher ein reiner Komplementärspieler. Mit einer Usage von 16.3% liegt er im Team aus Florida gerade einmal auf dem achten Platz und auch ein Blick in seine häufigsten Abschlussarten bestätigt den Eindruck. Mit 41.92% seiner Abschlüsse nimmt der 22-jährige einen enormen Anteil seiner Würfe aus Spot-Up Situationen. Auch die 13.75% in Transition, 10.28% nach Cuts und 9.61% nach Offensivrebounds verweisen auf ein ähnliches Bild. Er zeigt hier bisher kaum die Fähigkeiten, sich selbst einen Wurf zu kreieren, fast 80% seiner Würfe geht ein Assist voraus. Auch in der anstehenden Saison wird Jonathan Isaac kein Creator, allerdings  sollte er mit einem verbesserten Distanzwurf, den er in Teilen der letzten Saison andeuten konnte (gesteigertes Volumen und bessere Quote), noch besser in die Offensive der Orlando Magic passen. Mit Nikola Vucevic, Terrence Ross, DJ Augustin und mit Abstrichen Aaron Gordon hat das Team auch abseits von Isaac genug Creation. Die Rolle als Komplementärspieler und Floorspacer sollte den Magic somit helfen ihr schwaches Offensivrating zu verbessern (22.), in der Preseason deutete Isaac auch an, bei Closeouts durchaus gegnerische Defensiven bestrafen zu können. Natürlich sind Preseason-Einrücke mit Vorsicht zu genießen, allerdings macht auch die Verbesserung von seiner verletzungsgeplagten Rookie-Saison zu seiner Sophomore-Saison Hoffnung auf mehr. War Isaac in seinem ersten Jahr mit einem Offensivrating von 87 noch einer der ineffizientesten Spieler der Liga, konnte er sich letzte Saison mit einem 107er Ortg dem Ligaschnitt (110.4) deutlich annähern.

Jonathan Isaac ist kein typischer Most Improved Player-Kandidat, seine Minuten, Wurfversuche oder Points per Game werden nicht auf einmal in die Höhe schnellen, allerdings kann sein defensiver Impact diese Nachteile ausgleichen. Er kann in einer der zehn besten Defensiven der NBA der Spieler sein, der regelmäßig den Unterschied ausmacht und Nacht für Nacht einen der stärksten Spieler des Gegenübers verteidigt, von Guards bis hin zu Bigs. Isaacs Defensive wäre in diesem Falle auch ein Skill, der ihn von so gut wie allen anderen Kandidaten abgrenzt und in der modernen NBA gerade auf der Big Man Position enorm gefragt ist; ein Umstand, der auch bei den Votern immer mehr bekannt ist. 

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