Draftprofile 2014

Andrew Wiggins

University of Kansas

Datenblatt

andrewwigginswideName: Andrew Wiggins

Position: Wing

[xrr rating=3/4]  (Allstar)

College: University of Kansas

College-Erfahrung: Freshman

Andrew Wiggins ging mit ungeheuren Vorschusslorbeeren in seine erste und einzige Collegesaison. So sagte ein General Manager über den Kanadier, indem er ihn vor der Saison mit der Draftclass 2013 verglich:

„Noel is a really good NBA prospect. He’s just not a franchise-changing player. Wiggins is one of the three or four best prospects in the last decade. He has the ability.“

Mehr Hype kann einem damals 18-Jährigem nicht mit auf den Weg gegeben werden. Die dann folgende Collegesaison war jedoch nicht so dominant, wie die – vielleicht übersteigerten – Erwartungen der Medien dies erhoffen ließen. Wiggins lieferte gut ab, aber dies weder mit herausragenden Skills, sondern eher mit der athletischen Dominanz, die ihm sein Körper erlaubte. Er war im letzten Jahr wohl keiner der zehn besten Spieler der Collegewelt, obwohl 17 Punkte pro Spiel ordentlich waren. Jedoch agierte Wiggins nicht so effizient, wie man sich dies wohl im Optimalfall gewünscht hätte; auch sein Distanzwurf kann bisher nicht als außergewöhnlich beschrieben werden.
Aufmerksam machte Wiggins vor allem durch sein 41 Punkte-Spiel auf sich, das die Versinnbildlichung dessen war, was Andrew Wiggins sein könnte: ein dominanter Superstar.

Tools & Skills

Andrew Wiggins ist das Paradebeispiel dafür, weshalb diese Rubrik den Namen Tools & Skills trägt. Wiggins selbst hat eigentlich recht wenig elitäre Skills. Er ist ein Überathlet und kann diese in Form von Reaktionsgeschwindigkeit auch konstant abrufen: Er ist sowohl  explosiv als auch so schnell, dass er mit seitlichen Bewegungen hervorragend in das Geschehen eingreifen kann.

In vielen anderen Bereichen hat er die körperlichen Anlagen oder die mechanischen Grundvoraussetzungen, aber konnte diese noch nicht adäquat aufs Parkett bringen. Dies trifft zum Beispiel auf seinen Wurf zu, der jedoch in der zweiten Saisonhälfte klar besser aussah und Wiggins hier auch Fortschritte vorweisen konnte. Es ist zu erkennen, dass die Wurfmechanik besser geworden ist – dies sollte auch auf dem NBA-Level ausbaufähig sein. Bei Kansas konnte Wiggins zudem schon einen Facettenreichtum an Moves vorweisen, um für sich selbst einen Wurf zu kreieren. Auch hier liegen die Tools bereit, wichtig ist nun, dass er erkennt, wann er auf welches Werkzeug zurückgreifen muss, um effizient zu scoren.

shotchartwiggins
Wiggins konnte in seiner Collegesaison auch unter Beweis stellen, dass er – auf Collegelevel – sehr gut verteidigen kann. Wenn er dies auch in der NBA abrufen kann, wird Wiggins ein sehr begehrter Two-Way-Player, der Impact auf beiden Enden des Feldes haben kann.
Wiggins‘ Anlagen werden viele Coaches zu schätzen wissen, wenn sie nach Lineups suchen, die besonders gut harmonieren. Er wird mit seinen 6’8” und einer Armspannweite von 7’0” vom Two-Guard bis zum nominellen Power Forward-Spot alle Positionen bekleiden können. Gerade in der NBA wird es verlockend sein, Smallball-Lineups zu laufen, wo Wiggins als Vierer für Platz auf dem Feld sorgt, wie dies Harrison Barnes auch in den letzten Playoffs für die Warriors erfolgreich praktizierte.

Warum Andrew Wiggins trotz aller Tools bei uns weder als Superstar noch als bester Spieler seiner Klasse gehandelt wird? Zum einen haben wir bei vielen seiner Fähigkeiten noch ein Fragezeichen bezüglich des Abrufens des Potentials stehen. Wird Wiggins einen wirklich sehr guten Wurf haben und diesen aufs NBA-Level übertragen können? Die zweite Saisonhälfte deutete dies zumindest an. Kann Wiggins seine erstaunliche Athletik so einsetzen, dass er seinem Team auch wirklich auf dem höchsten Niveau helfen kann? Lässt sich seine Defensive auf die NBA übertragen und kann er hier alle Tools mitsamt Basketball-IQ vereinen, um ein Lockdowndefender zu werden?
Natürlich gelten diese oder ähnliche Fragen nicht nur für Wiggins, sondern generell für alle Prospects. Aber diese Bedenken definieren Wiggins‘ Karriere.
Zum anderen gibt es nicht nur Bedenken, sondern auch einige Lücken im Spiel von Wiggins. Die größte wird – wenn wir von einem Superstar reden – das Passing oder generell die Einbindung seiner Mitspieler sein. Wiggins wird auch bei optimaler Entwicklung der anderen Skills Probleme haben, einer der besten Spieler der Liga zu werden, wenn er nur auf sein Scoring reduziert wird. Dasselbe Problem hatte Kevin Durant vor der letzten Saison ebenfalls. Die Kritik am MVP ging zum einen in die Richtung, dass er zu passiv wäre – etwas, was Wiggins auch attestiert wird – und Westbrook zu viele Abschlüsse nehmen würde, zum anderen aber auch, dass er keine Plays für seine Mitspieler kreieren konnte und damit nie den Einfluss eines LeBron James auf das Spiel haben könne. Andrew Wiggins wird vor demselben Problem stehen. Durant löste es, als er in den letzten Playoffs ohne Russell Westbrook auskommen musste und sein Spiel in der Offseason gerade in dieser Dimension entwickelte. Nur ist Durant der klar talentiertere Schütze und ergänzte sein Skillset. Wiggins wird vielleicht nie dieser extrem effiziente Scorer werden – und selbst wenn, fehlt ihm bisher die Fähigkeit, Plays für seine Mitspieler zu machen.

Ebenso wie Durant werden Wiggins alle Experten anraten, dass er Muskeln zulegen muss, um robuster durch die Saison zu kommen. Durant hat dies bisher immer vermieden, profitiert aber auch von einer Tatsache, die Wiggins nicht vorweisen kann: Durant kann durch seine unglaubliche Länge mit Leichtigkeit über Gegenspieler werfen, dies wird Wiggins nicht möglich sein. Wiggins wird also zwangsläufig auch an seinem Körper arbeiten müssen, denn trotz all der unglaublichen Vertikalität, erkennt man auf dem Bild den bisher nicht austrainierten Körper des Kanadiers.

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

Draft 2014_Stats_Wings

Spielervergleich

Wenn man an einen superathletischen Scorer auf dem Flügel mit sehr guten defensiven Tools denkt, kommt einem vielleicht ein Vergleich mit Indianas Paul George in den Sinn. Der Pacer hat sich bisher nahezu optimal entwickelt und sein Potential, das ihm beim Draftday schon zugeschrieben wurde, in NBA-Skills ummünzen können. Dabei war bei George auch lange nicht klar, was er aus seiner Athletik machen kann. George ist mittlerweile aber ein fast kompletter Spieler. Die Reduzierung auf einen Athleten wäre eine klare Untertreibung. Im Gegensatz zu Wiggins hat George aber auch sein Ballhandling entwickelt, was bei Wiggins noch nicht erkennbar ist. George zeigt aber auch beispielhaft, wie man zugeschriebenes Potential in Leistung umsetzen kann. Wiggins muss genau dies aber erst verwirklichen.

Draftaussichten

Wiggins ist zu diesem Zeitpunkt ein klarer Top 3 Pick. Sein immenses athletisches Potential wird die GMs der Franchises ins Schwitzen bringen, denn Wiggins hat – auf hohem Level – die größte Bustgefahr, wenn man es mit den an ihn gerichteten Erwartungen vergleicht. Wiggins wird zweifellos ein toller NBA-Spieler, aber wenn er nur ein besserer Harrison Barnes wird, der auch vor dem Collegejahr als #1-Pick gehandelt wurde und in Golden State bisher eher enttäuscht, ist das sicherlich schon als Bust anzusehen. Wiggins wird als absoluter Franchise Player gesehen und muss diese Erwartungen erfüllen. Dies gründet sich nicht darauf, dass Wiggins am College so dominiert hat (man könnte gar diskutieren, ob er überhaupt der beste Spieler seines Teams war), sondern daran, was er werden könnte.  Bei normaler Entwicklung ist die Draftposition absolut gerechtfertigt. Bei optimaler Entwicklung müssten wir nochmal überlegen, ob wir ihn nicht doch zu schlecht gerankt hätten.

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