Draftprofile 2019

RJ Barrett

Duke Blue Devils

Datenblatt

Name: Rowan Alexander Barrett Jr.

Geburtsdatum: 14.06.2000

Größe: 6’6”

Gewicht: 200 lbs

Spannweite: 6’10’

Position: Wing

Team: Duke Blue Devils

 

Wrap-Up – 12.06.2019

Für RJ Barrett dürfte sich diese Saison bittersüß angefühlt haben. Auf der einen Seite konnte der Flügel auf einer extremen Duke-Hypewelle schwimmen, durfte sich im System von Coach K jeden nur erdenklichen Wurf nehmen und  kann sich mit einer Elite Eight-Teilnahme auch in Sachen Teamerfolg kaum beschweren. Andererseits galt der Freshman noch im vergangenen Sommer als klarer Frontrunner für den #1-Pick 2019 – ein Status, den Barrett spätestens zur Jahreswende an den Teamkollegen Zion Williamson verloren hatte. Zwar stand RJ durch viele Würfe in Clutch-Situationen weiter im Rampenlicht. Allerdings hatte er für die Medien nur noch eine Supporting-Rolle inne.

In der zweiten Saison-Hälfte hat sich unser Bild zu Barrett kaum verändert, sondern eher nur noch gefestigt. Barrett ist ein talentierter Flügelspieler mit vielen Stärken. Sein allgemeiner Output hat sich auch im Conference-Play konstant gestaltet und ist, wenn man die reinen Zahlen betrachtet, schon beachtlich für einen 19-Jährigen. Am meisten schätzen wir seine Fähigkeit als geduldiger PnR-Ballhandler aufzutreten. Aus diesem Setting heraus, kann der Blue Devil durch seine Vision und sein Passing sehr gut für sich und seine Mitspieler kreieren. Als Downhill- und Transition-Driver ist er mit seiner guten Fußarbeit, seiner Aggressivität und seinem Gespür dafür Kontakt herzustellen, um an die Linie zu kommen, stets gefährlich. Sein Wurffundament scheint zu stimmen, auch wenn seine Quoten noch nicht zu überzeugend waren. Dazu hat er als recht langer Wing mit solidem Spielverständnis die Chance ein solider Teamverteidiger zu werden.  

Andererseits konnte Barrett in den letzten Monaten auch keine klaren Antworten zu den Fragen geben, die sich uns noch zu seinem Spiel stellten. Sein unsicherer Wurf, das noch verbesserungswürdige Handling und vor allem seine noch fehlenden Fähigkeiten mit der (rechten) Offhand könnten dazu führen, dass sich sein Übergang zu einer NBA-Onball-Rolle etwas holprig gestalten könnte. Allerdings scheint eine Schonzeit als Offball-Spieler für ihn kaum vorstellbar, da er mit seinem Skillset kaum Wert abseits des Balles generiert. Sein neues Team wird deshalb wohl viel Geduld und Schmerztoleranz für seine Entwicklung als wenigstens sekundärer Initiator mitbringen müssen.

Barrett besitzt ohne Frage das Potential mittelfristig eine Rolle als Wing mit (viel) Ballhandling-Verantwortung erfolgreich ausfüllen zu können. Sein Basis aus Frame, Feel und Arbeitseinstellung ist NBA-würdig. Um aber ein effizienter Onball-Spieler auf dem nächsten Level werden zu können, müssen wenigstens sein Wurf sowie sein Decisionmaking konstanter und besser werden. Da RJ noch einen längeren Weg zu einer guten #2-Option als Ceiling vor sich hat, haben wir ihn “nur” als Starter geführt. In einer talentarmen Klasse ist sein Paket an Tools und Skills aber für uns ebenso klar über vielen anderen Spielern zu sehen. In dem Sinne hat der Blue Devil ggf. Glück in dieser Klasse gelandet zu sein. Er ist einer der wenigen Spieler, denen in dieser Draft etwas Star-Upside unterstellt werden kann.

Weitere Überlegungen zu Barrett sind in unserem Wings-Podcast zu finden:

https://go-to-guys.de/2019/05/29/drafttalk-die-wings-des-2019er-jahrgangs/

Dazu empfehlen wir:

 

Basisnotizen – 21.01.2018

Stärken

OFFENSE:

+ Barrett ist ein aggressiver Driver mit toller Fußarbeit, solidem Touch und einem überdurchschnittlichen Gefühl dafür Kontakt zu generieren, um an die Linie zu kommen.

+ Hat sehr viele Möglichkeiten den eigenen Abschluss aus der Isolation vorzubereiten, da sowohl Geschwindigkeit-, Richtungswechsel als auch seine Fußarbeit sehr gut sind. Profitiert zusätzlich von seinen exzellenten Abstoppfähigkeiten, die es ihm ermöglichen, Drives jederzeit abzubrechen und zu einer anderen Art Abschluss zu kommen.

+ Nutzt Elbow-Screens sehr gut, um danach als Downhill-Driver eine Reaktion der Defense zu forcieren. Der Flügel hat in diesen Situationen als solider Finisher und überdurchschnittlicher Passer konstant gute Optionen und weiß diese zu nutzen. Besitzt gute Gravity in dieser Art von Setup.

+ Verfügt oder ein effektives In-Between-Game mit viel Touch bei Floatern, die er durch seine gute Fußarbeit sich selbst sehr einfach vorbereiten und über größere Verteidiger finishen kann.

+ Bringt überdurchschnittliche Vision und gute Passing-Fundamentals mit. Barrett findet viele Advanced-Passes nach Drives, wenn die Defense über ihm kollabiert. Er weiß generell immer was in der Offense um ihn herum passiert und nutzt dies gut, um sich selbst oder Teamkollegen Vorteile zu generieren.

+ Selbstbewusst als PnR-Ballhandler. Er lässt besonders in diesen Situationen die schon angesprochene gute Vision und seine soliden Passfähigkeiten aufblitzen. Agiert mit viel Geduld, um auf die richtigen, sich aus der Action ergebenden Fenster zu warten.

+ Kann eine ziemlich große Minuten- und Offensivlast schultern. Spielte zu Beginn des ACC-Plays als Duke Reddish und Jones fehlten 38 MpG mit 30 USG% und 114 ORtg.

INTANGIBLES:

+ Wuchs mit sehr professioneller Basketballhintergrund auf. Vater Rowan Sr. Barrett blickt selbst auf eine lange Profikarriere in Europa und einige Erfolgen mit der  kanadischen Basketball-Nationalmannschaft zurück. RJ lebte im Zuge dessen schon auf mehreren Kontinenten und durfte professionellen Basketball in unterschiedlichen Kulturen erleben.

+ Hat einen Multisport-Hintergrund, der auch schon anderen NBA-Spielern geholfen hat. Kommt, wie z.B. Mike Conley, aus einem Leichtathletik-Haushalt und spielte als Jugendlicher Fußball, wie bspw. Joel Embiid oder Hakeem Olajuwon.

+ Steve Nash ist sein Patenonkel und unterstützt ihn schon seit Jahren auf seinem Weg zu einer NBA-Karriere.

+ Sehr erfolgreich als Jugendnationalspieler. Führte das kanadische U17-Team 2017 im Alleingang zum Weltmeisterschaftstitel in Kairo und wurde MVP des Turniers.

 

Neutral

OFFENSE

* Hat keine Angst vor großen Momenten und jede Menge Selbstvertrauen in seine offensiven Fähigkeiten. Überschätzt diese aber teilweise, wie in der verworfenen Gamewinner-Situation gegen Gonzaga zu sehen war.

* Hat noch einige Effizienz-Potentiale in seinem Spiel. Seine grundsätzliche Wurfverteilung entspricht tendenziell schon dem Moreyball-Ideal. Barrett könnte aber sicher noch Quoten steigern, wenn er weniger selbstkreierte Abschlüsse forcieren und mehr Würfe in der Teamoffense auf sich zukommen lassen würde. Ebenso müsste er bei seinen Skills noch öfter den Weg an die Linie finden. Diesen Gang sollte er bei seinem Basketball-Verständnis aber durchaus besitzen.

* Sein Sprungwurf sieht technisch sauber aus, wenn er seine Füße gut setzt. Der verhältnismäßig schnelle Release ermöglicht ihm seinen Schuss in vielen Situationen loszubekommen. Die Wurfbewegung bietet deshalb Potential, welches Barrett mit seinen inkonstanten Shootingerfolgen allerdings klar noch nicht umsetzen kann (4-17 3P !! gegen die Syracuse-Zone). Das Fundament könnte aber Basis für Verbesserungen bieten, wenn er noch mehr Training auf seinen Wurf fokussieren kann.

ATHLETIK

* Mit seiner Armspannweite von nur 6’10” bringt Barrett für einen NBA-Wing eine nur durchschnittliche Länge mit. Gleichzeitig kann seine Statur nicht als außergewöhnlich muskulös beschrieben werden. Er ist deshalb bei Weitem keine sonderlich beeindruckende, physische Erscheinung nach NBA-Standards.

* Bringt aber mit seinen Be- und Entschleunigungsfähigkeiten, seiner Fußarbeit auch ohne viel Platz und seine allgemeine Agilität unterbewertete Athletik-Komponenten mit.

 

DEFENSE:

* Barrett ist ein solider Teamverteidiger. Er switcht zwar sehr viel im Duke-Defensiv-System und geht so vielen direkten Matchups gegen schnellere Spieler aus dem Weg und deckt lieber Bigs im Post. Er beweist aber ein gutes Verständnis für die sich aus diesen Situationen ergebenden Aktionen und sieht als Defender in der Zone oft ziemlich gut aus.

 

Schwächen

OFFENSE:

– Zeigt bisher wenig Offball-Value. Er bring kaum Cutting, wenn er mal nicht den Ball dominiert. Sein wackliger Wurf bietet außerdem bisher noch wenig Spacing-Wert für das eigene Team. Offball-Screens nutzt er größtenteils nur, um eigene Downhill-Drives vorzubereiten. So kommt er kaum in Spotup-Situationen.

– Der Flügel muss sein Handle verbessern. Er dribbelt den Ball teilweise recht hoch, was Verteidigern eine größere Angriffsfläche für Steals oder Deflections gibt. Für sein auf dem Drive basierendes Spiel ist dies nicht ideal.

– Dribbelt sich regelmäßig in unnötig risikoreiche Situationen und verliert den Ball durch kopflose Drives in mehrere Verteidiger. Kann deshalb in Spielen, in denen er auf diese Weise überdreht die Tendenz zum Turnover-Prone haben.

 

DEFENSE:

– Seine Offball-Defense ist an mancher Stelle ein Problem, weil er nicht den Willen zeigt, in jeder Situation an seinem Mann zu bleiben. Diese Einstellung scheint sich aber zu bessern.

– Er zeigt wenig Playmaking-Fähigkeiten auf der defensiven Seite des Courts. Produziert kaum Steals, Blocks oder Deflections. Könnte gern etwas physischer verteidigen. Es fehlt ihm in dieser Facette des Spiels ultimativ an Länge und besseren körperlichen Voraussetzungen. 

 

INTANGIBLES:

– Sein Decisionmaking kann insgesamt fragwürdig sein. Barrett zieht gern in wenig aussichtsreichen Situationen oder nimmt teilweise ineffiziente Würfe schon früh in der Shotclock. In diesen Settings ist dem Freshman übermäßiges Selbstvertrauen und ein Überschätzen der eigenen Fähigkeiten zu unterstellen.

– Kann oft etwas egoistisch sein. Nimmt sich „Superstar-Heat Checks“ heraus (Spitzname „Maple Mamba“ ist manchmal Programm) oder spielt im Fastbreak nicht immer den Pass auf den aussichtsreichsten Mitspieler, sondern schließt lieber selbst ab. Diese Mentalität ist besonders mit Blick auf seine talentierten Mitspieler definitiv zu hinterfragen.

 

Overall

RJ Barrett kam als Consensus #1-Recruit noch vor Zion Williamson nach Durham und wird auch entsprechend eingesetzt. Als offensives Allround-Talent wurde der Kanadier von Coach K als erste Option der Blue Devils installiert und mit allen nur erdenklichen Freiheiten ausgestattet. Diese Rolle füllt Barrett mit Blick auf sein Alter hervorragend aus, wird er doch im Juni einer der jüngsten Draftees dieses Jahrgangs sein. Sein Spiel entspricht dem eines modernen Flügel-Playmakers, wie wir sie sehr oft in der Top 15 der besten NBA-Spieler antreffen. Allerdings stellt sich bei ihm die Frage, wie gut er auf dem nächsten Level sein kann. In den TV-Übertragungen wird er oft mit der elitärsten Riege (bspw. Harden und Bryant)  dieses Spielertyps verglichen. Sein oft zu hinterfragendes Decisionmaking und sein (noch) wackliger Wurf lassen aber daran zweifeln, dass er ohne größeren, realistischen Entwicklungssprung auch in der NBA ein primärer Ballhandler für ein erfolgreiches Team sein kann. Vielmehr ist Barrett zu diesem Zeitpunkt eher als wohl ziemlich sicherer Spieler mit hohem Floor einzuordnen, dessen “Medium-Realistic-Case” irgendwo bei einer spannenden zweiten oder dritten Option wie DeRozan oder Beal liegt, die Scoring und sekundäres Playmaking liefert, sein Team aber in den Playoffs nicht allein tragen kann. Es ist aber  vorstellbar, dass sein Skillset in der NBA-Übersetzung gerade wegen dieser potentiellen Rollenanpassung etwas Zeit benötigen könnte, da Barrett aktuell nur mit dem Ball in der Hand Wert für sein Team generiert.

Synergy-Stats

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