Draftprofile 2019

Jarrett Culver

Texas Tech Red Raiders

Datenblatt

Name: Jarrett Culver

Geburtsdatum: 20.02.1999

Größe: 6’6”

Gewicht: 200 lbs

Spannweite: 7’0”+?

Position: Wing

Team: Texas Tech Red Raiders

Basisnotizen – 11.02.2018

Stärken

ATHLETIK / INTANGIBLES

+ Wird mit 6‘6‘‘ angegeben, ist aber sicher ein oder zwei Inches größer. Wirkte im Duke-Spiel nicht viel kleiner als Cam Reddish (6‘8‘‘). Bringt ungewöhnlich lange Beine mit. Wingspan sieht ebenfalls beeindruckend aus, auch wenn kein offizieller Wert auffindbar ist. 

+ Bewegt sich mit seiner guten Größe für einen Flügel wie ein kleiner Guard. Bringt den Ball mit Leichtigkeit über die Mittellinie, kann sich in der Offense geschmeidig um Screens schieben und überzeugt mit guter Agilität wenn schnelle Richtungswechsel nötig sind.

+ Ist für einen Sophomore verhältnismäßig jung. Freshman Cam Reddish und ihn trennen beispielsweise nur sechs Monate.

OFFENSE

+ Culver erhält die Möglichkeit als Ballhandler für eine facettenreiche Halfcourt-Offense zu agieren und trifft gute Entscheidungen. Wird sowohl als Transition- als auch als PnR-Ballhandler eingesetzt. Sein Dribbling-Fundament sieht gerade für seine Größe tief und recht sicher aus.

+ Ist als Sophomore mittlerweile Wing-Initiator in einer der komplizierteren Offenses der NCAA. Wird gleichzeitig als Ballhandler, High Post-Passstation, Decoy oder aber als Offball-Rollenspieler genutzt. Wirkt in allen Rollen sehr sicher und gut vertraut mit dem Red Raiders-Playbook. Es spricht für seinen Basketball-IQ und sein allgemeines Gefühl für den Sport, dass er zumeist alle Optionen aller Plays zu kennen scheint.

+ Hat als PnR-Ballhandler viel Geduld sowie eine gute Balance zwischen Pässen zum Screener und eigenem Attackieren des Korbs.

+ Zeigt gute Ansätze als Pullup-Schütze. Kann sich mit Geschwindigkeitswechseln und Crossovern gegen viele Verteidiger den nötigen Raum für Würfe aus dem Dribbling erarbeiten und trifft diese Abschlüsse aus der Midrange passabel.

+ Der Sophomore hat das grüne Licht in Mismatch-Situationen kleinere Guards aufzuposten. Sieht dabei sehr gut aus. Hat einige flinke Moves, um an seinem Gegner vorbeizukommen oder kann genauso gut durch seine Länge über seinen Verteidiger abschließen. 

+ Culver stemmt in seiner zweiten Saison für Texas Tech (30 USG%) viel mehr Verantwortung als in seiner Freshman-Spielzeit (22 USG%) ohne an Effizienz eingebüßt zu haben. Sticht innerhalb der größeren Rolle vor allem als verbesserter Playmaker hervor.

+ Es sollte für ihn einen Vorteil darstellen, in so vielen Rollen agiert zu haben. In dieser Saison klare erste Option zu sein sollte seiner Entwicklung helfen. Dennoch sollte er nach der Freshman-Erfahrung als Rollenspieler weniger Probleme damit haben auf dem nächsten Level etwas weniger offensive Verantwortung zu tragen.

DEFENSE

+ Bringt mit seiner Größe eine gute Switchability mit. Ist durchaus in der Lage auch Bigs zu verteidigen. Culver ist trotz seiner fehlenden Masse verhältnismäßig schwer zu bewegen und durch seine Armspannweite ein nicht so einfach zu überwindendes Hindernis. Sollte auch in der NBA nahezu jeden Flügelspielertypen decken können.

+ Wirkt als Offball-Verteidiger zumeist sehr aufmerksam und versucht nicht nur zu schauen was der Ballführer macht, sondern auch zu erkennen, wohin sich das Play bewegen könnte. Rotiert als Team-Defender deshalb zumeist passabel und deckt mit seinem durch seine Armspannweite und Wendigkeit bedingten Radius jede Menge Raum ab. Ist Teil einer der besten CBB-Defenses der Saison.

Neutral

ATHLETIK

* Ist ein eher drahtiger Athlet, der von seiner eher dünnen Statur durch tolle Agilität, Geschwindigkeit und Leichtigkeit für seine Größe profitiert. Kann allerdings durch seine nur 200 Pfund Körpergewicht von stärkeren Flügeln angegangen werden. Seine eher schmalen Schulter bieten selbst unter NBA-Conditioning-Bedingungen nicht unendlich Platz für Muskelaufbau im Oberkörper.

OFFENSE

* Culvers Handle ist für seine Größe spannend, lässt bisher aber keine verlässliche Self-Creation zu, die sich auf das nächste Level projizieren lässt. Kommt gegen CBB-Verteidiger fast immer zum Korb bzw. kann sich Shooting-Fenster erarbeiten. Aber sein „Dribbling-Shake“ ist noch nicht gut genug, als dass ihm dies auch konstant gegen NBA-Defender zuzutrauen wäre.

* Der letzte Passing-Touch scheint zu fehlen. Seine Zuspiele kommen nicht immer im richtigen Moment bzw. landen nicht exakt in der Shooting-Pocket. Diese letzten Genauigkeitsnuancen unterscheiden ihn als überdurchschnittlichen von elitären Passern. Nichtsdestotrotz sollte Culver auch in der NBA mindestens als überqualifizierter Ballmover und ggf. sogar als erweiterter Playmaker mit smarten Zuspielen klaren Mehrwert bringen.

* Seine Wurfbewegung wirkt sehr mechanisch und mehrteilig. Der Release ist verhältnismäßig langsam. Andererseits hat der Ball eine gute Höhe und etwas Rotation, wenn er Culvers Hand verlässt. Der Wurf des Sophomores wirkt aus der Midrange (besonders aus dem Pullup) viel sicherer als aus der Dreierdistanz. Bisher scheint sich seine Range nur knapp bis zur Corner-Three-Entfernung zu erstrecken.

DEFENSE

* Hat als Sophomore weniger Impact als defensiver Playmaker. Als Freshman tat er sich aber noch mit sehr guten Steal- und Block-Raten hervor. Eventuell fehlt es ihm mit der vergrößerten offensiven Last etwas an Energie, um für solche klaren Ballgewinne oder Deflections zu sorgen. In der NBA sollte er bei kleinerer Rolle wieder mehr Fokus auf die Defense legen können.

Schwächen

OFFENSE

– Hat Finishing-Probleme in Traffic und mit der linken Hand. Culver hat durch diese Schwäche leider auch die schlechte Angewohnheit, Drives über die linke Seite eher mit seiner rechten Hand abzuschließen, was der Verteidigung bessere Möglichkeiten gibt, seinen Wurf zu beeinträchtigen.

– Seine 3PA-Rate ist im Vergleich zu seiner Freshman-Saison stark zurückgegangen. Natürlich ist dies teilweise durch die neue, prominentere Rolle und die sich dadurch ergebenden Würfe zu erklären. Dennoch ist es bei einem wackligen Shooter zu hinterfragen, wenn er sein Volumen aus der Distanz zurückfährt und diese nun ausgewählteren Würfe gar noch schlechter trifft. Die leichte Steigerung in der Freiwurfquote macht etwas Mut. Trotz dieser Verbesserung sollte Culver zu diesem Zeitpunkt maximal als durchschnittlicher NBA-Spacer gesehen werden.

– Dass eine Rollenvergrößerung mit mehr Ballverlusten einhergeht, ist mehr oder minder normal. Der reine Anstieg seiner TOV% von 13,3 auf 16,0 ist deshalb eher zu vernachlässigen. Allerdings sollte hinterfragt werden, wie die Ballverluste passieren. Oft verliert der Sophomore das Leder zu leichtfertig, wenn er dumme Dribblefehler begeht oder aber kopflos in viele Verteidiger dribbelt. Solche einfachen Ballverluste gilt es besonders als NBA-Spieler abzustellen.

DEFENSE

– Verteidigt als Onball-Defender nicht mit letzter Konsequenz. Hätte die Tools ein Kettenhund zu sein, bekommt diese potentiellen Fähigkeiten als Individual-Verteidiger aber nur selten auf das Parkett. Sein defensiver Stance ist nicht immer da und er ist oft nicht so eng am Gegenspieler wie er es sein könnte. Vermutlich spart er Energie für die Offense.

Overall

Jarrett Culver ist neben dem Sophomore-Kollegen Ja Morant wohl der Rückkehrer, der aktuell zu den größten Aufsteigern und den heißesten Namen der Draftklasse gehört. Vor der Saison wurde er im erweiterten Lottery-Kreis gesehen. Mittlerweile bringen ihn einige Experten sogar für den #2-Pick hinter Zion Williamson ins Gespräch – ein kometenhafter Aufstieg. Für Culver läuft in diesem Jahr viel zusammen. Er darf offensiv in einer viel größeren Rolle agieren und ist der uneingeschränkte Anführer seiner Red Raiders. Seine Mannschaft ist besonders wegen ihrer Defense ein nationales Powerhouse und bekommt so mehr Aufmerksamkeit als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Zudem steht Texas Tech wohl wegen Sixers-Draftee Zhaire Smith noch auf einigen Scouting-Listen ganz oben.

Diese günstigen Umstände sollen allerdings die Leistungen des Flügelspielers keinesfalls schmälern. Culver beweist als erste Option, dass er als vielseitiger Offensivspieler über gehöriges Talent verfügt und in einer sekundären Playmaker-Rolle sehr gut aufgehoben ist. Sein Gefühl für das Spiel ist außergewöhnlich. Gleichzeitig bringt er tolle körperliche Voraussetzungen und Verständnis mit, um auch in der Defensive ein wertvoller Teil eines guten Teams sein zu können. Diese Kombination aus Two-Way-Potential in einem größeren Wing ist selten. Doch es ist bis zur Draft noch etwas Vorsicht geboten. Es wäre noch verfrüht den jungen Red Raider als zweiten Paul George oder Kawhi Leonard abzufeiern – zwei große Flügelprospects, die auch erst in ihrem zweiten Jahr am College ihren entscheidenden Entwicklungsschritt nahmen. Culvers Shooting wird wohl wie für so viele Talente sein Ceiling ultimativ bestimmten. In der NBA, in der Spacing wohl die entscheidende Facette des Spiels ist, legt selbst für extrem vielseitige Spieler die Qualität des Wurfs den späteren Impact zu großen Teilen fest. So ist es aktuell wahrscheinlicher, dass seine Entwicklung eher in Richtung Kyle Anderson oder Justise Winslow geht.

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4 comments

  1. Coach K

    toller Bericht und dazu sehr interessant etwas über einen Spieler zu erfahren der nicht so Fokus steht aktuell noch.
    Ich kann mir auch gut das ein oder andere Team vorstellen wo er mal spielen könnte bzw. er seine Fähigkeiten voll zur Entfaltung bringen kann.

  2. Simon

    Mit seinem Profil passt er ja eigtl. neben jeden, der werfen kann, oder?

    Ich könnte ihn mir z.B. sehr gut neben Young, Collins und Huerter in Atlanta vorstellen. Aber das Duo Culver/Jackson in Memphis würde auch passen, gerade defensiv wäre das spannend. Und der perfekte Fit wären vielleicht sogar die Mavs. Wie seht ihr das?

    Edit: Ganz vergessen: Danke für den tollen Artikel :tup: Ich wusste über Culver auch noch so gut wie nichts.

  3. Coach K

    Falls Fultz wieder komplett gesund wird, könnte ich Ihn mir vorstellen in Orlando neben genannten.

    Mavs, Grizzlies, Hawks, Bulls finde ich auch noch sehr interessant.


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