Draftprofile 2014

Jabari Parker

University of Duke

Datenblatt

jabariparkerwideName: Jabari Parker

Position: Wing/Big

[xrr rating=3/4]  (Allstar)

College: University of Duke

College-Erfahrung: Freshman

„The Best High School Basketball Player Since LeBron James“ verlässt nach einem Jahr die Duke University und hat sich für die NBA Draft 2014 angemeldet. Dabei ist Jabari Parker kein so großer Redner und ließ lieber Leistung sprechen. Für Duke erzielte er als Top Scorer etwas mehr als 19 Punkte und griff sich 8,7 Rebounds pro Spiel. Parker wuchs relativ schnell in die Rolle des Go-to-Guy hinein und nahm diese an. Er selbst beschrieb es als große Ehre, von Coach K trainiert zu werden. Der Mormone äußerte sich generell respektvoll und aufgeschlossen gegenüber den Medien und ließ keine Anzeichen von Arroganz erkennen.
Warum er wohl trotzdem nicht an LeBron James heranreichen wird, liegt nicht an seinem Skillset, sondern seinen körperliche Limitationen.

Skills & Tools

Jabari Parker ist mit 6‘8‘‘ und einem Wingspan von fast 7‘0‘‘ ein typischer Tweener zwischen beiden Forward-Positionen. Atypisch ist jedoch sein Ballhandling, das das eines Guards ist. Parker kann dadurch auch als nomineller Vierer nach einem Rebound den Fastbreak einleiten und coast-to-coast vollenden. Parker hat gute Reboundinstinkte und positioniert sich gut zum Brett. Gerade der Fastbreak kombiniert seine Stärken: Rebounding, Ballhandling, Decisionmaking sowie die Fähigkeit, sich seinen eigenen Wurf zu erarbeiten.

Parkers Wurfmechanik ist sehr gut ausgeprägt und er hat einen hohen Releasepunkt, was es schwierig macht, den Wurf zu blocken. Seine Wurfkurve ist noch etwas zu flach, er hat jedoch bisher in der NCAA damit Erfolg gehabt. Wichtig für die NBA Scouts ist es sicherlich, dass Parker starke 58% aus dem Catch-and-shoot trifft. Damit macht er deutlich, dass er nicht den Ball braucht, um effektiv zu sein, sondern auch off-ball Impact aufs Spiel haben kann. Parker findet viele Möglichkeiten, seinen Wurf auch aus dem Dribble loszuwerden oder kreiert sich aus schwierigen in-traffic-Situationen eine gute Abschlussmöglichkeit. Er behält zumeist die Ruhe und sucht solange nach einer Schwachstelle, die er attackieren kann, bis sich diese auftut.
Zudem findet er auch durch Postups immer wieder einen Weg zum Korb und nutzte bereits am College diese Möglichkeit, um effizient zu scoren. Er kann durch sein relativ großes Arsenal an Moves von nahezu jedem Punkt des Halbfeldes scoren.

Generell ist Parker der Spieler im Draftpool, der von Tag eins produzieren kann und wird. Er ist bereits ein nahezu kompletter Basketballer, kein bloßer Athlet, der das Spiel noch lernen muss. Parker beweist dies durch Beidhändigkeit und durch die Fähigkeit, wie er ein Spiel bereits jetzt lesen kann. Gepaart mit der Motivation, dass er coachable wirkt und offen für Kritik an sich und seinem Spiel ist, stellt Parker eine Konstante dar, die sonst nicht so hoch innerhalb einer Draftclass zu finden ist.
Mit Hilfe von Coach K hat er innerhalb seiner Freshman-Saison sein Spiel umgestellt, um sich zu verbessern. Krzyzewski zeigte Parker fehlende Basics, die der Mormone dankend annahm und im Laufe der Saison besser umsetzen konnte.

Die größten Schwächen Parkers wurden schon die gesamte Saison über gut dokumentiert: er ist kein guter Athlet und damit einhergehend kein besonders guter Verteidiger. Durch seine körperlichen Anlagen wird er auch nie ein Lockdown-Defender werden können. Parker muss in den ersten Jahren sicherlich defensiv versteckt werden, hat allerdings den Basketball-IQ, um zumindest ein guter Teamverteidiger zu werden, richtig zu rotieren und generell nicht so viele Fehler zu begehen. Wie viel Arbeit jedoch noch vor Parker defensiv steht, machte Coach K deutlich, als er nach dieser Szene Parker für die Crunchtime benchte:

Sorgen bereiten zudem aber noch zwei weitere Aspekte: Zum einen ist dies das Conditioning. Parker wurde nachgesagt, dass er zum jetzigen Zeitpunkt bis zu 20 Pfund Übergewicht haben soll. Dies ist – isoliert betrachtet – eigentlich kein Grund zur Besorgnis, da man das überflüssige Gewicht in der Offseason problemlos verlieren kann. Besorgniserregend ist vielmehr die generelle Arbeitseinstellung, die in Zweifel gezogen werden muss. Parker ist zum vorläufig wichtigsten Zeitpunkt seiner Karriere nicht austrainiert und während andere Prospects durch überragende Werte beim Draft Combine ihren Draftstock erhöhen, lässt sich Parker gehen. Dies ist das falsche Signal für die Scouts, da hiermit assoziiert werden kann, dass Parker nicht hart genug an sich und seinem Spiel arbeiten will.
Zum anderen bleiben noch immer Bedenken bei der Wahl der Position Jabari Parkers. Gerade in der immer mehr auf Spacing ausgelegten NBA muss Parker seinen Platz finden. Die hochklassig gehandelten Tweener-Forwards der letzten Jahre scheiterten bisher alle in der NBA. Sowohl Michael Beasley als auch Derrick Williams oder ein (durch seien Verletzung) etwas übergewichtiger Anthony Bennett standen vor der Wahl zwischen der Small und Power Forward-Position und konnten zu keinem Zeitpunkt ihrer Karriere die Erwartungen erfüllen. Alle haben am College auf der Vier gespielt und die Collegewelt dominiert, weil sie am Perimeter agiert haben und so für Platz sorgten, den sie meistens per Drive nutzten; defensiv stand kaum jemand vor der Aufgabe, einen richtigen NBA-Level-Power Forward zu verteidigen. Probleme taten sich also erst in der NBA auf, wo man defensiv bloßgestellt wurde und offensiv zum Wurf gezwungen wurde. Glücklicherweise unterscheidet sich Parker von den gescheiterten Prospects darin, dass er bisher sehr gut von der Dreierlinie trifft, gute Wurfmechaniken hat und sich so Respekt erarbeiten kann, der auch mal Raum für Drives bedeuten kann.

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

Draft 2014_Stats_Wings

Spielervergleich

Während der populäre Vergleich zu Carmelo Anthony seine Berechtigung hat und zwei Facetten abdeckt, die Parker gut beschreiben (Scoring und defensive Probleme), kann Parker jedoch sehr viel besser für seine Mitspieler kreieren und wird in einem besseren Team, wo er nicht klar die erste Scoringoption ist, immer wieder versuchen seine Mitspieler einzubinden. Von daher ist auch eine größere Version von Tracy McGrady denkbar, der in Orlando eine pure Scoringmaschine war, aber in Houston immer mehr als Facilitator der Offense genutzt wurde, weil sein Ballhandling, Decisionmaking und Passing für seine Position überdurchschnittlich sind. Dies konnte er bei Duke nur nicht über die gesamte Saison zeigen, weil von Parker Punkte erwartet wurden. Ansonsten wäre auch Paul Pierce eine legitime Vergleichsoption, weil Pierce‘ Stil nun auch im hohen Alter gut auf die Vier in der NBA passt und Parker größer als der ehemalige Celtic ist.
Läuft es bei Parker nicht so gut, könnten die oben genannten erfolglosen Tweener Beasley und Derrick Williams Vergleiche sein, die zutreffen könnten. Ineffizientes Scoring, gepaart mit defensiven Problemen und das Problem, seine NBA-Position zu finden, stehen sinnbildlich für Beasley und Williams.

Draftaussichten

Parker ist ein potentieller Top 3 Pick. Er ist der mit Abstand weiteste Freshman der Class, hat schon einen NBA-Körper und voll entwickelte Skills. Dies bedeutet gleichzeitig, dass sein Upside nicht mehr so hoch ist wie bei anderen Top-Prospects, generell ist sein Potential aber auch nicht so groß wie bei den Überathleten des Drafts, weil seine körperlichen Limitationen zu groß sind.
Parker ist dadurch aber auch einer der sichersten Picks des Jahrgangs. Bei ihm weiß man, dass bei normaler Entwicklung ein (sehr) guter NBA-Spieler zur Franchise stoßen würde. Parker ist nicht „boom or bust“, sondern bereits jetzt ein NBA-Spieler und eben kein Athlet, der das Spiel noch lernen muss. Fragezeichen stehen nur hinter seiner Arbeitseinstellung und seiner genauen NBA-Position.

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4 comments

  1. Jonathan Hansen

    Die Bust-Vergleiche finde ich nicht gut gewählt. Beasley, Williams und Co wurden vor allem wegen ihres athletischen Potentials abgefeiert. Dies ist aber wie beschrieben bei Parker nicht der Fall, da er schon quasi ein fertiger Basketballer ist. Solche Spieler hatten wir in den letzten Jahren eher selten ein etwas passenderen rassenderen

  2. Beasley hat am College so dominiert wie schon länger kein Spieler mehr. Ihn nur als Athleten zu bezeichnen, ist einfach falsch. Vor der Draft hat Draftexpress ein Interview mit Beasley udn Rose gemacht:

    “Reporter: Who is better, you or Michael Beasley?

    Derrick Rose: He’s way better than me.

    Reporter: Why do you say that?

    Derrick Rose: He’s versatile, he’s a great player.

    From DraftExpress.com http://www.draftexpress.com#ixzz34KpVxRcA
    http://www.draftexpress.com

    Beasley war im Gespräch zum Naismith Player of the Year, ebenso wie Derrick Williams. Von beiden hat man niemals erwartet, dass sie busten. Sie hatten Skills, nicht nur Athletik. Williams hat sich im letzten Collegejahr den Dreier antrainiert und das NCAA-Turnier dominiert.
    Beide wurden abgefeiert, weil sie produziert haben. Andrew Wiggins wird wegen seines athletischen Potenzials abgefeiert. Der hat nie am College so dominiert wie Beasley, auch Williams war weit besser.

    Beasley und Williams sind wegen zwei gemeinsamen Gründen in der NBA gescheitert: Sie haben keinen Wurf, können nicht off-ball spielen, aber sehen sich als Flügel (am College waren beide Vierer); beide können defensiv nichts. Bei Beasley kommt dann noch der Charakter hinzu.
    Parker steht vor demselben Problem: Perimeter oder Post? Defensiv wird er nie ein überdurchschnittlicher Verteidiger. Wie im Artikel herausgestellt hat er jedoch zwei enorme Vorteile: er ist sehr coachable und hat einen guten Wurf. Er wird im Normalfall besser als Beasley/Williams abschneiden. Wenn er scheitert, liegt es an denselben Problemen wie bei Beasley/Williams.

  3. Sebastian Hansen

    Parker wäre doch der ideale zweite Pick, wenn man die Reihe “einer der ersten beiden Picks bustet” fortsetzen möchte (oder der ideale erste, Cleveland, hust). 😛

  4. Ich denke eher, dass Parker der sicherste Pick ist, weil er eben keine extreme Fallhöhe, aber auch kein riesiges Upside hat. Sowohl Embiid als auch Wiggins können viel tiefer fallen, aber eben auch viel besser werden.

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