Video

Die verborgenen Talente von James Harden und Joe Ingles

Skill-Maestros #1

Heute sollen zwei Spieler Thema sein, die den meisten Leuten ein Begriff sein dürften. Ich möchte jedoch eine Facette ihres Spiels herausgreifen und betonen, die in der allgemeinen Wahrnehmung vielleicht noch nicht die Anerkennung bekommt, die sie verdient. Wenn man so will, sind sie in dieser Hinsicht „underrated“. Die Beispiele sollen zudem verdeutlichen, wie vielseitig der Sport Basketball als solcher ist und wie detailliert man sich in die Analyse einzelner Spieler vertiefen kann. Hier nun also zwei Spieler, die einen bestimmten Bereich des Spiels gemeistert haben und dafür in meinen Augen zu wenig Credit bekommen:

Den Anfang macht Joe Ingles. Bekannt als 3-n-D Veteran ist er fester Bestandteil der Utah Jazz. Seine pestige Defense und sein exzellentes Shooting von draußen dürften den meisten NBA Fans geläufig sein. Immerhin trifft „Jingles“ über die Karriere 41% seiner Dreier (letzte Saison: 39% bei 6 Versuchen/g) und gehört somit zu den effizientesten Dreierschützen der Liga. Doch nicht nur seine Shooting Qualitäten haben den Jazz in der Vergangenheit sehr geholfen sondern auch sein Playmaking hat einen beträchtlichen Einfluss auf die Offense. Ingles spielte in der letzten Saison unter dem Radar fast 6 Assists pro Spiel und brachte es auf eine Assist-Percentage von 26%. Damit liegt er im 97er Percentile unter den Wings und erzielte einen vergleichbaren Wert wie Draymond Green bei den Warriors. Wie kommen seine Assists zustande?

Ingles ist exzellent darin im Pick-n-Roll kluge Entscheidungen zu treffen und das richtige Play zu machen. Dabei agiert er sehr geduldig und wartet auf den perfekten Moment um den Pass anzubringen Er ist ein Meister darin, den eigenen Gegenspieler an der Hüfte aufzunehmen und genau in dem Moment den Pass zu spielen, wenn sich der Help Defender committet. Die folgende Szene bietet dafür ein hervorragendes Beispiel. Ingles spielt einen schwierigen einhändigen Alley Oop auf Gobert, den allerdings niemand außer diesem erreichen kann:

Außerdem ist er sehr gut darin nach dem Zug zum Korb die freien Schützen des Teams zu finden. Und er ist sich nie zu schade um mit einem Extra Pass den besser postierten Mitspieler in Szene zu setzen. In der kreativen Offense der Jazz kommen seine Fähigkeiten gut zur Geltung und durch die viele Bewegung werden gegnerische Defensiven regelmäßig zum Einsturz gebracht.

Der zweite Spieler scheint eigentlich schon hinlänglich bekannt zu sein für das was er gut kann. Und zwar handelt es sich um beinahe MVP James Harden. Dessen 36 Punkte/g in der abgelaufenen Saison dürften den wenigsten Leuten entgangen sein. Auch dass er den Großteil seiner Punkteausbeute aus Dreiern und Freiwürfen erzielt, ist nichts neues. Ich möchte zwar nochmal betonen, dass er in der letzten Saison mit 13 Dreiern/g, von denen 84% aus dem Dribbling waren, ein absurdes Volumen geschultert hat und diese schwierigen Würfe mit immerhin 37% verwandeln konnte. Jedoch möchte ich an dieser Stelle vor allem auf seinen exzellenten, in meinen Augen oftmals übersehenen Drive zum Korb hinweisen.

Harden ist ein überragender Ballhandler, der auch dank seiner Wurfgefahr seine Matchups meist mühelos aus dem Dribbling heraus schlägt. Auf dem Weg zum Korb sondiert er das Feld und ist wie kein Zweiter in der Lage blitzschnelle Entscheidungen zu treffen. Hierbei bieten sich ihm zumeist drei Möglichkeiten. Wenn sich der gegnerische Big commited, fackelt er keine Sekunde und spielt einen präzisen Pass zum bereit stehenden Capela. Wenn der Big unter dem Korb bleibt, ist er in dieser Saison dazu übergegangen sein stark verbessertes Floater Game (+10% FG aus 4-8 Fuß) anzubringen und diesen zu überwerfen. Bleibt der Big bei seinem Mann, zieht Harden mit Leichtigkeit zum Korb. Sollte wider Erwarten keine dieser Optionen verfügbar sein, beispielsweise weil der Gegner Hilfe aus den Ecken schickt, so spielt Harden den Kickout auf seine Rollenspieler und Tucker oder House danken es ihm mit verwandelten Dreiern.Harden ist unfassbar gut darin aus diesen Situationen Punkte zu kreieren und lässt es dabei spielerisch leicht aussehen. Er ist zudem absolut brilliant darin im Drive kurz abzustoppen, die Defense gewissermaßen einzufrieren und dann plötzlich wieder zu explodieren. Auch die ständige Angst ein Foul angehängt zu bekommen, verunsichert die Verteidiger, ein Umstand der Harden sehr in die Karten spielt.Im Pick and Roll liebt er es entweder den frühen Bounce Pass zu spielen oder den gegnerischen Big zu attackieren und damit an die Linie zu kommen.

Harden spielt mit seinen Gegenspielern Katz und Maus und pickt sich gerne die angeboteten Optionen, da es unmöglich ist, ihm alle diese Möglichkeiten zugleich wegzunehmen. Das unkonventionelle und letzten Endes gescheiterte Defensiv Experiment der Jazz in den Playoffs, darf gewissermaßen als Verzweiflungstat interpretiert werden und wurde von Harden letztendlich mühelos entblößt. Erst gegen das defensive Mastermind Draymond Green konnte er etwas eingedämmt werden und erzielte dennoch 35 Punkte bei einem Ortg von 119. Es wird spannend zu sehen sein wie Harden sein Spiel neben einem Drive First Guard wie Russell Westbrook umstellt, dem schlichtweg die Alternativen beim Scoring fehlen. Aber wie und ob dieses spannende Experiment funktioniert nächstes Jahr, sollte Thema für einen anderen Artikel sein …

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Schreibe einen Kommentar