NBA, Portland Trail Blazers

Mehr Firepower für die Blazers

Eine Season Preview für die Portland Trail Blazers

Spricht man von den potenziellen Strategien eines Teams in der Offseason dominieren in der öffentlichen Wahrnehmung oftmals die Extrema. „Blow it up“ oder „Run it Back“ sind die einzigen Alternativen. Die Portland Trail Blazers haben sich im vergangenen Sommer jedoch für einen Mittelweg entschieden. Eine Entscheidung, die den Verlauf der letzten Saison wiederspiegelt, in der das Team sich zwar einen Einzug in Conference Finals erkämpfen konnte, dort jedoch den Golden State Warriors chancenlos unterlegen war. Und so hielten die Blazers einerseits an ihren zentralen Stützen rund um den Backcourt aus Damian Lillard und CJ McCollum fest und tauschten andererseits große Teile ihrer restlichen Rotation aus. Kann diese neue Version des Teams seine Erfolge vom letzten Jahr wiederholen? Welche neuen Stärken und Schwächen weist der Kader auf und vor welchen Herausforderungen steht Terry Stotts in seiner achten Saison als Head Coach der Trail Blazers?

Extensions für den Star-Backcourt

Nur einen Tag nach dem Playoff-Aus gegen die Warriors konnte sich jener Terry Stotts über eine Verlängerung seines Vertrags bis nach der Saison 2021/22 inklusive deutlicher Aufbesserung seines Gehalts freuen. Es sollte der Startpunkt sein für eine Reihe lukrativer Vertragsverlängerungen in diesem Sommer. Der nächste in der Reihe war Point Guard und Allstar Dame Lillard. Durch das Erreichen des Second-All-NBA-Team stand dem Franchiseplayer die Möglichkeit zur Verfügung, eine Super-Max-Extension seines Vertrags abzuschließen. Sie startet mit Beginn der Saison 21/22 und garantiert ihm dann über die vier folgenden Jahren mit einer Player Option im letzten Jahr insgesamt 196 Millionen Dollar. Somit verdient Lillard nun insgesamt über die nächsten sechs Jahre 257 Millionen Dollar. Eine stattliche Summe, die große Teile des Salary Caps der Zukunft für Portland einnimmt. In der Vergangenheit haben Beispiele wie John Wall oder Russell Westbrook gezeigt, dass solche Verträge oftmals zu Albatros-Verträgen werden können, die die zukünftigen Handlungsmöglichkeiten eines Teams stark einschränken. Und doch war es für die Trail Blazers absolut alternativlos, Lillard diese Verlängerung anzubieten. Er ist nicht nur das sportliche Gesicht der Franchise, sondern auch der beliebte Leader des Locker Rooms und Culture-Setter für das gesamte Team.

Die zweite große Verlängerung ging an den kongenialen Backcourt-Kollegen Lillards, CJ McCollum. Auch er unterzeichnet damit seine Verlängerung bereits zwei Jahre bevor sein aktueller Vertrag ausläuft. Beginnend mit der Saison 21/22 erhält er über die drei darauffolgenden Jahre 100 Millionen Dollar. Für einen Spieler, der in seiner bisherigen Karriere noch nicht ins Allstar-Team berufen wurde, scheint das im ersten Moment eine zu hohe Summe zu sein. Und doch passt sie zur kulturellen Idee, die sich Portland in den letzten Jahren rund um Lillard aufgebaut hat. Indem sie ihre beiden besten Spieler nun mindestens bis zum Sommer 2024 an die Franchise gebunden haben, setzt das Team auf Stabilität und Wachstum ihres bestehenden Kerns.

Gemeinsam mit Jusuf Nurkic, der noch für drei weitere Jahre und insgesamt 40.6 Millionen bei den Blazers unter Vertrag steht, bilden die beiden Backcourt-Spieler ein Gerüst, um das das Front Office ein erfolgreiches Team aufbauen möchte. Mit den Vertragsverlängerungen haben die Verantwortlicher der Franchise bewusst einen großen Flexibilitätsverlust in Kauf genommen. So nimmt das Trio aus Lillard, McCollum und Nurkic im letzten Jahr von Nurkics Vertrag knapp über 70% des bis dahin prognostizierten Salary Caps in Anspruch:

Verträge für Lillard, McCollum und Nurkic als Prozentsatz des geschätzten Salary Caps bis 2024/25

Die Möglichkeiten des Teams in Free Agency neues Startalent an Land ziehen zu können, sind damit extrem eingeschränkt. Als Small Market Team ist den Trail Blazers jedoch bewusst, dass sie auch in Zukunft höchstwahrscheinlich niemals wirklich attraktiv für Free Agents werden können. Die Opportunitätskosten für die Verlängerungen ihrer eigenen Starspieler zu üppigen Gehältern sind daher eher gering. Stattdessen bauen sie auf das Potenzial ihres Star-Trios, das nun die Chance hat, langfristig gemeinsam zu wachsen.

Und die Statistiken des vergangenen Jahres machen in dieser Hinsicht durchaus Hoffnung. In den 1654 Minuten, in denen alle drei Spieler gemeinsam auf dem Feld standen in der vergangenen Saison, weist das Team ein Netrating von plus 10.6 auf. Aufgrund der Schwächen der drei und der relativen Stärke durchschnittlicher Championship-Level-Teams würden Kritiker dem Trio allerdings trotzdem ein Ceiling unterstellen, das für den ganz großen Wurf nicht ausreicht. Leider ergab sich die Chance, diese Annahme in den Playoffs zu evaluieren, aufgrund von Nurkics Verletzung in diesem Jahr nicht. Und doch führt das deutliche Ausscheiden gegen ein dezimiertes Warriors-Team deutlich vor Augen, dass ohne weiteres Star Talent oder große Fortschritte des Trios ein Titelgewinn mehr als unwahrscheinlich ist. Von Nurkic sind weitere große Sprünge wie im letzten Jahr vorerst nicht zu erwarten, da er mit seiner Verletzung lange ausfällt. Portlands Team Verantwortliche rechnen mit einem Comeback des Centers frühestens im Februar. Ein Ausfall, der das Team vor große Herausforderungen stellt.

Wer ersetzt Nurkic?

Das ist die größte Frage, die aktuell über dieser neuen Version des Teams aus Portland schwebt. Der per Trade für Maurice Harkless und Meyers Leonard aus Miami gekommene Hassan Whiteside scheint dabei zu Beginn der Saison als Starter gesetzt zu sein. An dem 30-jährigen Center scheiden sich schon seit jeher die Geister und doch schlägt die Waage bei der Beurteilung seiner Leistungen in den letzten Jahren zunehmend zur negativen Seite aus. In der letzten Saison startete er für die Heat immerhin noch 53 seiner 72 gespielten Spiele und konnte dabei in 23.3 Minuten pro Spiel 12.3 Punkte und 11.3 Rebounds erreichen. Mit einem True Shooting von 56.4% und einem Offensivrating von 112 war er in seiner Rolle sogar durchschnittlich effizient. Und doch geriet er im Lauf der letzten Saison zunehmend in die Kritik. Das lag weniger daran, dass er keinen Wurf hat (2/16 Dreier über die Saison) oder über keinerlei Playmaking-Fähigkeiten verfügt (was er nicht tut), sondern viel mehr an seinem Verhalten abseits des Feldes. Whiteside war offensichtlich unzufrieden damit, einen zunehmend größeren Anteil seiner Minuten an den Sophomore Bam Adebayo abgeben zu müssen und äußerte diese Unzufriedenheit mehrfach öffentlich und intern.

In Portland trifft er auf eine Kultur aufgebaut rund um Locker-Room-Leader Lillard, in der es solche Unstimmigkeiten in der Vergangenheit de facto nie gab. Es ist daher durchaus möglich, dass er sich problemfrei in das funktionierende Teamgefüge einfügt, insbesondere in der Zeitspanne, in der Nurkic ausfällt und er der unangefochtene Starter auf seiner Position ist. Wie sich diese Dynamik entwickelt, wenn der Bosnier zurückkommt, dürfte allerdings mit Spannung zu betrachten sein. Es bleiben noch die sportlichen Fragen, die Whiteside in Miami begleitet zuletzt haben. Er hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er in Position ein guter Rim Protector sein kann, oftmals allerdings nicht in der richtigen Position ist. Zum Teil ist dieses Problem selbstverschuldet, da er zu oft auf Blocks spekuliert und dabei eine gute Verteidigungsposition aufgibt, teilweise ist es aber auch eine Frage der Umstände. Whiteside mangelt es an der Beweglichkeit und dem Spielverständnis, um ein guter Verteidiger im Raum zu sein, sodass er als Verteidiger völlig unbrauchbar wird, wenn seine Gegenspieler fernab vom Korb einen Screen stellen und er sich in der Pick-and-Roll-Verteidigung kleineren, schnelleren  Spielern gegenüber sieht. In diesem Aspekt sollte Whiteside die Verteidigungsstrategie der Blazers aus vergangenen Jahren sehr entgegen kommen. Terry Stotts setzt bei der Pick-and-Roll-Verteidigung oftmals auf eine Drop Coverage, bei der der Big Man absinkt und somit nicht der Gefahr ausgesetzt ist, im Raum verteidigen zu müssen. Eine Taktik, die in der Vergangenheit selbst Enes Kanter in der Defense halbwegs brauchbar gemacht hat, den Gegner allerdings oftmals zu offenen Würfen einlädt wie in den Conference Finals gegen die Warriors.

Die Warriors Offense gegen die Blazers

Diese Taktik sollte es Whiteside erlauben, seine Stärken als Rim Protector besser zur Geltung zu bringen als zuletzt in Miami, sofern er nicht zu oft unnötige Risiken eingeht. Sein starkes defensives Rebounding (35.6% DRB% im letzten Jahr, Ligabestwert) gibt der Defensive der Blazers eine weitere Facette, die sie aufgrund der mangelnden Größe auf dem Flügel (dazu später mehr) dringend benötigen kann. Seine mangelnden Playmaking-Fähigkeiten als Short-Roll-Spieler würden auf dem höchsten Niveau der Playoffs zu einem Problem werden, sollten in der Regular Season aber zu verschmerzen sein.

Ein Vorteil für Whiteside ist der absolute Mangel an Alternativen im Kader der Trail Blazers. In Pau Gasol hat man im Sommer zum Minimum zwar noch einen weiteren Center verpflichten können, die besten Tage des Spaniers liegen allerdings lange hinter ihm. Auch wenn ihm das defensive System der Blazers ebenfalls entgegenkommen könnte, ist seine ideale Rolle trotzdem eher die des Mentors der jüngeren Spieler und guten Locker Room Guys, der gelegentlich ein paar Minuten spielt. Ebenfalls eine Option könnte Skal Labissiere werden. Der 23-Jähriger wurde Mitte der letzten Saison von Sacramento nach Portland getradet und hat zuvor in seiner Karriere hauptsächlich die Center-Position bekleidet. Nach seinem Trade wurde er in Portland allerdings ausschließlich als Power Forward eingesetzt und kam auch trotz der Verletzung Nurkics nur in insgesamt 63 Minuten in 9 Spielen zum Einsatz. Es ist eher unwahrscheinlich, dass er in diesem Sommer genügend große Fortschritte machen konnte, um sich für eine deutlich größere Rolle als dauerhafter Back-up-Center zu empfehlen.

Depth Chart der Portland Trail Blazers für die kommende Saison

Daher die dürfte die Rolle des zweiten Centers wohl vornehmlich von Zach Collins ausgefüllt werden. Auf dem 21-jährigen First Round Pick von 2017 ruhen große Hoffnungen innerhalb der Portland-Organisation und alle Experten sind sich einig, dass langfristig seine ideale Rolle die des Centers ist. Eine Rolle, die er in Portland allerdings nicht Vollzeit bekleiden kann, da er große Teile seiner Zeit auf dem Feld neben einem weiteren Big Man verbringen muss, um die extrem dünne Flügelrotation der Blazers aufzufangen. Es ist zu erwarten, dass er im nächsten Jahr in die Rolle des Starters auf der Vier schlüpft und zusätzlich viele der Back-up-Minuten hinter Whiteside auffüllt. Eine große Aufgabe für den jungen Spieler, der bisher noch den Beweis schuldig ist, eine so große Last schultern zu können. 

Die runderneuerte Flügelrotation

Collins muss in diese neue Rolle als Starter schlüpfen, weil der etatmäßige Starter der letzten Saison Al-Farouq Aminu das Team im Sommer als Free Agent in Richtung der Orlando Magic verlassen hat. Er ist damit neben Maurice Harkless (per Trade über Miami zu den Clippers) der zweite Starter auf den Forward-Positionen, der zur neuen Saison nicht mehr zur Verfügung steht. Beide Spieler standen zuvor seit vier Jahren im Kader der Trail Blazers und haben mit 28.3 (Aminu), bzw. 23.6 (Harkless) Minuten pro Spiel eine tragende Rolle für das Team gespielt. Umso erstaunlicher scheint, dass Portland wohl keinerlei Versuch unternahm, mit dem moderaten Vertrag, den Aminu bei den Magic unterschrieben hat, gleichzuziehen.

Sowohl Aminu als auch Harkless sind hauptsächlich für ihre defensiven Fähigkeiten bekannt. Als Combo Forwards verfügen sie über die nötige Größe, Masse und Schnelligkeit, um selbst elitäre Gegenspieler auf dieser Position zu verteidigen. Probleme haben beide dagegen in der Offensive, insbesondere beim Distanzwurf. Die schwachen Quoten von 27.5% bei 4.1 Versuchen pro 100 Possessions von Harkless und 34.3% bei 5.9 Versuchen für Aminu führen dazu, dass Gegenspieler die beiden am Perimeter nicht respektieren und damit das Spacing der Trail Blazers stark negativ beeinflusst wird. Insbesondere in den Playoffs trat dieses Phänomen mit vermehrter Häufigkeit auf und führte dazu, dass die Rolle der beiden in Spielen gegen die besten Teams deutlich reduziert werden musste. So stand Aminu in den vier Spielen gegen die Warriors in den Conference Finals im Schnitt nur noch 15.5 Minuten pro Spiel auf dem Feld.

Ebenfalls nicht mehr im Kader ist Evan Turner. Der hochbezahlte Forward wurde oftmals als Back-up der beiden Starting Forwards eingesetzt, im Sommer aber im Tausch gegen Kent Bazemore nach Atlanta getradet. Turner ist ebenfalls ein überdurchschnittlicher Verteidiger, ist allerdings offensiv noch deutlich limitierter als die zuvor genannten Spieler. Er bringt zwar gewisse Playmaking-Fähigkeiten mit, diese sind allerdings nicht derart ausgeprägt, dass man ihm die Zügel der Offense in die Hand geben möchte. Seine 21.2% Dreier-Quote bei extrem niedriger Volumen von nur 1.6 Würfen pro 100 Possession ist dagegen absolut katastrophal und führt dazu, dass er off-ball kaum zu gebrauchen ist.

Zu- und Abgänge der Portland Trail Blazers in der Offseason 2019

Stattdessen neu im Kader ist der angesprochene Kent Bazemore. Der 30-jährige Flügelspieler hatte lange Jahre bei den Atlanta Hawks den Ruf als einer der besseren 3&D-Spieler in der Liga. Im letzten Jahr haben seine Leistungen allerdings stark abgebaut. Seine Defense war nur noch unterdurchschnittlich und seine Dreier-Quote sank auf schwache 32.0%. Immerhin weist er jedoch nach wie vor ein größeres Volumen auf mit 8.4 Würfen pro 100 Possessions und hat unter anderem deshalb und wegen seines vergangenen Rufs eher die Gravity eines Shooters. Welchen Anteil die geringe Kompetivität Atlantas über große Teile der Saison an seinen schwachen Leistungen hatte, lässt sich von außen nicht abschätzen. Es ist jedoch mehr als fragwürdig, ob er noch der Starter eines Playoff-Teams mit Ambitionen sein sollte.

Der erste Neuzugang des Sommers war Nasir Little, am Draft-Abend als 25. Pick von den Blazers ausgewählt. Der 6-7 große Wing von North Carolina kam als Nr.3-Recruit seiner High-School Class ans College, erlebte dann jedoch eine sehr durchwachsene Saison für die Tar Heels.

Nassir Little

Dank seiner Athletik und seines Körpers sollte er eigentlich auch auf dem NBA-Niveau eine hohe defensive Upside haben, davon war bisher jedoch nur wenig zu sehen. Sein schwacher Auftritt bei der Summer League macht jedenfalls wenig Hoffnung darauf, dass er bereits zu Beginn seiner Karriere bereit für die NBA sein könnte. Da es den Blazers auf dem Flügel extrem an Alternativen fehlt, scheint es jedoch trotzdem nicht unwahrscheinlich, dass er von Beginn an einige Rotationsminuten sieht. Seine ideale Rolle sollte er in Lineups mit Lillard und McCollum finden, in denen seine Schwächen im Shooting und im Playmaking nicht so stark auffallen und er die Chance bekommt, in einer kleinen Rollen an diesen Schwächen zu arbeiten.

Am entgegengesetzte Ende seine Karriere als Little befindet sich der andere Neuzugang der Blazers, Anthony Tolliver. Der 34-Jährige kennt seine Rolle in der modernen NBA nur zu genau und spielt schon seit Jahren erfolgreich als Stretch Four in der Liga. In der letzten Saison enttäuschte er bei den Timberwolves allerdings und bekam nur wenig Spielzeit. Seine Dreier-Quote fiel von extrem starken 43.6% im Jahr zuvor auf immer noch überdurchschnittliche 37.7% bei 9.3 Versuchen pro 100 Possession. Als veritabler Floor Spacer spielt er auf jeden Fall eine feste Rolle in der Rotation von Terry Stotts. Seine Probleme sind eher am defensiven Ende des Feldes zu finden, an dem er nur unterdurchschnittlich ist und deswegen im letzten Jahr neben Karl-Anthony Towns deutlich weniger gut funktionierte, als es sich die Verantwortlichen Minnesotas erhofft hatten. Deshalb und weil ausschließlich auf die Rolle des Power Forwards limitiert ist (auf der wie zu Beginn erläutert Collins starten soll), wird sich Tolliver auch in Portland vorerst mit einer Rolle von der Bank begnügen müssen.

Ein ganz ähnliches Problem weist Mario Hezonja auf. Nach einer Up-and-Down-Saison bei den Knicks hat sich das einstmals hochgelobte Talent in diesem Sommer dazu entschlossen zum Minimum bei den Blazers zu unterschreiben. Hezonja kam als einer der Prospects mit der höchsten Erwartungen 2015 in die NBA, ist seitdem allerdings dauerhaft mehr oder weniger enttäuschend und sicherlich ebenfalls kein Starter-Material.

Es fehlt also weiterhin der Starter auf der zweiten Flügelposition. Per Default aufgrund der fehlenden Alternativen fällt diese Rolle demnach an Rodney Hood. Der im letzten Jahr zur Trade Deadline aus Utah gekommene Flügelspieler unterschrieb in diesem Sommer einen neuen Vertrag bei den Blazers für 11.7 Millionen Dollar über die nächsten zwei Jahre mit einer Player Option im zweiten Jahr. Nach seinem Trade im Februar zeigte der 26-Jährige für die Blazers durchaus einige ansprechende Offensivleistungen. Er ist mit einer Dreier-Quote von 34.5% bei 6.2 Versuchen pro 100 Possessions zwar auch kein verlässlicher Shooter, aber ist durchaus in der Lage, für sich selbst durchschnittlich effizient Würfe zu kreieren. Er war deshalb sowohl als Entlastung für Lillard und McCollum, aber vor allem auch als Creator in den Minuten ohne die beiden Stars auf dem Feld sehr gefragt und bekommt aufgrund dieser Leistungen den Vorzug gegenüber den anderen erwähnten Optionen.

Potenzielle Lückenfüller für Minuten auf dem Flügel könnten die beiden Youngsters Gary Trent Jr. und Anfernee Simons werden. Trent Jr., der ungedraftete Rookie vom letztem Jahr, bringt mit einer Größe von 6-6 und einer Wingspan von 6-9 zu mindestens die körperlichen Attribute dafür mit. Der 20-Jährige spielte in seiner Rookie-Season für die Blazers allerdings nur 111 Minuten in 15 Spielen und wird, vorausgesetzt er zeigt keine riesigen Fortschritte, auch in diesem Jahr für keine tragende Rolle eingeplant sein. Von Simons dagegen erwarten sich die Verantwortlichen der Blazers, dass er in seiner Sophomore-Season eine deutlich größere Rolle einnehmen soll. Simons stach unter anderem mit guten Leistungen in der Summer League heraus und zeigte bei seiner 37-Punkte-Performance im letzten Spiel der vergangenen Regular Season (das Portland eigentlich unerklärlicherweise verlieren wollte, aber es dank ihm dann doch nicht tat, was ihnen den Platz in der besseren Hälfte des Playoff-Brackets und damit den Einzug in die Conference Finals einbrachte), dass er ein wertvoller NBA-Spieler sein kann. Die Blazers sehen ihn allerdings weniger als Flügelspieler, sondern viel mehr als ihren Back-up Point Guard. Sollte Stotts Lillard und McCollum nicht wieder vermehrt staggern, ist Simons daher keine Option für Minuten auf dem Flügel.

 Wie also könnte die Rotation der Blazers aussehen?

Mit Hilfe des genialen neuen Tools von earlybirdrights.com habe ich mich im Anschluss an diese Analyse an den Versuch gemacht, eine sinnvolle Rotation für das Team aus Portland aufzustellen:

Eine potenzielle Rotation der Portland Trail Blazers – erstellt mit Hilfe von earlybirdrights.com/rotations/

Der Aufbau dieser Rotation war mit größeren Schwierigkeiten verbunden, als ich zuerst erwartet hätte. Mit Collins und Whiteside im Starting und Closing Lineup jeder Halbzeit war es ohne zu viele Minuten für einen der beiden beinahe unmöglich keine Lineups auf das Feld zu schicken, in denen Gasol mit einer der defensiv schwachen PF-Optionen den Front Court bildet. Solche Lineups wären allerdings defensiv enorm anfällig, sodass es mehr Sinn macht, Whiteside zu Beginn der zweiten Hälfte auf die Bank zu setzen. In der Realität könnte ich mir vorstellen, dass Stotts stattdessen eher Spiele mit Collins auf der Fünf und Whiteside auf der Bank beendet.

Auf dem Flügel habe ich mich für eine relativ egalitäre Verteilung der Minuten unter den oben besprochenen Optionen entschieden, bei der Hezonja und Hood mit ihrer Creation auf dem Feld sein sollten, wenn Lillard und McCollum auf der Bank sind. Dies führt dazu, dass auch Little relativ viele Minuten bekommt. In der Realität werden vermutlich zwei bis drei der Optionen, die gut funktionieren, deutlich mehr Minuten bekommen und die weniger gut spielenden deutlich weniger.

Ist Portland besser als im letzten Jahr?

Die Verantwortlichen der Trail Blazers haben in der Offseason einige ihrer defensiv solideren Spieler mit offensiven Schwächen gegen Spieler getauscht, die ihnen offensiv mehr Feuerkraft geben sollten, aber die defensiv deutlich mehr Fragen aufwerfen. Mit einem Offensive Rating von 114.8 war man in der Regular Season nach den Statistiken cleaningtheglass allerdings bereits die viertbeste Offense der gesamten Liga. Mit einem defensiven Rating von 110.4 belegt man in diesem Ranking jedoch nur den 16. Platz und angesichts Teilen des Personals wurde das von vielen schon als sehr gute Leistung eingestuft. Nachdem man sich zuvor schon nur im Mittelmaß der defensiven Leistungen bewegt hat, scheint es ein sehr riskantes Spiel zu sein, noch mehr davon abzugeben.

Viele der neuen Spieler des Teams haben ein oder sogar mehrere enttäuschende Jahre hinter sich und müssen erst oder wieder nachweisen, dass sie solide NBA Rollenspieler sein können. Die Blazers vertrauen darauf, dass Stotts defensives System weiterhin für eine halbwegs solide Defense ausreicht und das neue und verbesserte offensive Personal das Ceiling des Teams in den Playoffs drastisch erhöhen kann. Im hochkompetitiven Westen muss sich das Team allerdings zuerst für diese Playoffs qualifizieren, insbesondere durch den Ausfall Nurkics für große Teile der Saison ist das alles andere als ein Selbstläufer.

Durch die Vertragsverlängerungen für Lillard, McCollum und Stotts hat man sich langfristig an den aktuellen Kern des Teams gebunden. Ein Kern, der dem Team auf Jahre hinweg, überdurchschnittliche Ergebnisse garantiert sollte, aber vermutlich nie mehr erreichen kann als im vergangenen Jahr, sollte keiner der jungen Spieler um Collins oder Simons einen entscheidenden Schritt nach vorne machen. Für ein Small-Market-Team sind das nicht die schlechtesten Voraussichten und viele Franchises würden sicher gerne mit den Blazers tauschen. Und doch muss das Team Risiken eingehen, sollte man über das aktuelle Ceiling hinauswachsen wollen. Das aktuelle Jahr mit der Verletzung Nurkics scheint so gut geeignet wie jedes andere, um zu testen, was Lillard und McCollum mit mehr offensiver Unterstützung erreichen können.

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3 comments

  1. kdurant35

    :tup:

    Für mich gehören die Blazers- mal wieder- zu den größeren Fragezeichen. Eigentlich sieht im Kader alles nach Kampf um die PO-Qualifikion aus. Doch das war auch schon die letzten Jahre ähnlich und Portland übertraf meistens meine Erwartungen zumindest in der RS.
    Mir fällt es grundsätzlich schwer den Verlust zweier wichtiger Flügelspieler sowie die Whiteside statt Nurkic Situation positiv zu sehen, doch Portland hat in der Vergangenheit viel aus zuvor fragwürdigen Verpflichtungen rausgeholt. Mit Aminu, Harkless, Napier, Hood, Kanter oder no-names a la Layman fand ich die Blazers hier recht erfolgreich.
    Daher bin ich sehr gespannt, was die aus jemandem wie Hezonja rausholen. Wäre keine Sensation, wenn Mario in Portland doch noch ein sportliches Comeback gelingt.

    Eigentlich würde ich 6 oder 7 tippen. Doch wenn eines der vermeindlich hinteren PO-Teams HC holt, dann vermutlich Portland.

  2. TobiBuehner

    |Author

    Ja, so ähnlich sieht das bei mir auch aus. In den letzten Jahren habe ich sie eigentlich schon zu oft unterschätzt, um dann eines besseren belehrt zu werden.
    Aber der Ausfall von Nurkic wiegt für mich sehr schwer. Und warum man Aminu einfach ziehen lässt, wenn man ihm über Bird Rights dasselbe hätte zahlen können und eine Option mehr hätte, verstehe ich einfach nicht.
    Meine aktuelle Prognose wäre der 8. Seed mit gutem Abstand zu den non Playoff Teams. Aber ich sehe die Gefahr, dass man abstürzt doch relativ groß im Gegensatz zu den meisten anderen Teams da oben, wo man einfach weiß, was man bekommt

  3. kdurant35

    Ja, so ähnlich sieht das bei mir auch aus. In den letzten Jahren habe ich sie eigentlich schon zu oft unterschätzt, um dann eines besseren belehrt zu werden.
    Aber der Ausfall von Nurkic wiegt für mich sehr schwer. Und warum man Aminu einfach ziehen lässt, wenn man ihm über Bird Rights dasselbe hätte zahlen können und eine Option mehr hätte, verstehe ich einfach nicht.
    Meine aktuelle Prognose wäre der 8. Seed mit gutem Abstand zu den non Playoff Teams. Aber ich sehe die Gefahr, dass man abstürzt doch relativ groß im Gegensatz zu den meisten anderen Teams da oben, wo man einfach weiß, was man bekommt

    Ich hab sie derzeit auf 7. Wetten würde ich auf Portland jedoch auf keinen Fall. Könnten mich in beide Richtungen überraschen.
    Aminu kann ich irgendwie schon nachvollziehen. Auch wenn ich mir unsicher bin, ob ich es auch so gemacht hätte (vorrausgesetzt Aminu wäre überhaupt für ähnliches Gehalt geblieben). Portland hat 2020 abgesehen von Lillard/McCollum und Nurkic kaum Gehalt. Ab 2021 sieht’s böse aus, wenn die Extensions des BC startet. Finde es schon nachvollziehbar, dass man sich die Flexibilität mit Aminu nicht verbauen will. Dazu kommt die Unsicherheit auf der Owner Seite. Ist Allens Schwester auf bereit so tief in die Tasche zu greifen oder könnte hier sogar ein Verkauf anstehen.


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