3-on-1 Fastbreak

Wer holt sich den Westen?

3-on-1 Fastbreak zur Western Conference

Die Regular Season der NBA 2019/20 wird von vielen Basketball Fans mit Spannung erwartet. Insbesondere die Western Conference sieht aktuell hart umkämpft aus und zum ersten Mal seit Jahren gibt es diverse Teams, die sich legitime Hoffnungen auf den ersten Platz im Westen machen können. NBA-Fans müssen noch mehr als sieben Wochen auf tatsächlichen Basketball warten – Wir wollen heute schon einen Blick darauf werfen, wer unsere Favoriten auf den Sieg der Western Conference in der Regular Season sind.

Julian Lage: Denver Nuggets

Zum ersten Mal seit Jahren ist es nicht schon vor der Saison scheinbar klar, wer am Ende im Westen an der Spitze steht. Die Warriors haben nicht nur Kevin Durant verloren, sondern müssen auch Klay Thompsons Ausfall hinnehmen. Trotzdem scheint der zweite des letzten Jahres nicht als Topfavorit auf den Nachfolger zu gelten. Weder für die Regular Season noch für die Playoffs sind die Nuggets die erste Wahl von Wettbüros oder statistischen Modellen. Dabei spricht relativ viel dafür, dass sie zumindest über 82 Spiele die besten Aussichten haben. So ist die Bilanz des letzten Jahres trotz erheblicher Verletzungsprobleme zustande gekommen. Als junges Team besteht sowohl die Chance auf ein relativ fittes Jahr als auch auf noch Luft nach oben. Die wichtigsten Argumente sind allerdings zwei Punkte, in denen sie sich von praktisch allen Konkurrenten abheben: Die Konstanz im Team und die Tiefe.

Der Roster der Nuggets 2019/20 sieht weitgehend identisch aus wie der des Vorjahres. Der wohl prominenteste Abgang ist Isaiah Thomas, der allerdings immer nur dritte Option hinter Jamal Murray und Monte Morris geblieben war. Die einzige wichtige Verstärkung stellt der von den Thunder ertradete Jerami Grant dar. Der sollte sich aber als Rollenspieler mit geringer Usage ohne größere Probleme in das System des Teams einfinden können. Insbesondere die offensiven Schlüsselspieler der Nuggets kennen sich aber schon seit Jahren: Die Verantwortung wird erneut vor allem auf Nikola Jokic und Jamal Murray liegen, auch Gary Harris, Paul Millsap, Monte Morris, Malik Beasley, Will Barton, Torey Craig und Mason Plumlee kennen ihre jeweiligen Rollen genau. Jüngere Spieler wie Juancho Hernangomez und vor allem die beiden High Risk, High Reward-Picks der letzten Jahre in Michael Porter Jr. und Bol Bol dürften nur dann relevante Minuten erhalten, wenn sie sich wirklich anbieten.

Diese Konstanz im Kader dürfte vor allem in den ersten Wochen der Saison für Siege sorgen, wenn sich andere Teams noch finden müssen. Zum Vergleich: Die Lakers haben nicht einmal den halben Kader der letzten Saison behalten, die meisten anderen West-Teams tauschten zumindest eine der ersten beiden Optionen aus. Bei den Clippers kamen in Kawhi Leonard und Paul George zwei Stars dazu, bei den Jazz Mike Conley, bei den Rockets Russell Westbrook, bei den Warriors D’Angelo Russell. Lediglich die Blazers hielten ihre Stars, verloren aber alle anderen Starter des letzten Jahres durch Free Agency (Al Farouq Aminu), Trade (Moe Harkless) oder Verletzung (Jusuf Nurkic). Hier müssen die Coaches also Anpassungen vornehmen, um die Spieler in die Systeme einzubauen. Michael Malone hat diese Sorge aktuell nicht.

Der zweite Vorteil hängt mit dem ersten zusammen: Weil die Nuggets auf größere Trades zur Konsolidierung verzichtet haben, stehen neben den Startern noch weitere sehr brauchbare Spieler zur Verfügung. Vier Starter stehen in Murray, Harris, Millsap und Jokic fest. Nimmt man Craig als 5. Starter an, bleiben für die Bank Morris, Beasley, Barton, Grant und Plumlee. Jeder dieser Spieler käme für eine größere Rolle in Frage, wenn man für Barton eine gewisse Erholung nach der verletzungsbedingt schwachen letzten Saison einberechnet.

Besonders in der Regular Season ist Tiefe enorm vorteilhaft. Gerade nach den Erfahrungen der letzten Saison mit zahlreichen DNPs für den späteren Finals-MVP werden alle Teams versucht sein, ihren Stars Pausen zu verschaffen. Zudem sind kleinere Verletzungen praktisch unvermeidlich. Welche Bilanz nach 82 Spielen zu Buche steht, hängt immer auch davon ab, welche Teams in den DNP-Rest-Games trotzdem Lottery-Teams schlagen und ob man mit dem Ausfall eines Schlüsselspielers immer noch gegen die direkten Rivalen mithalten kann. Die West-Konkurrenz der Nuggets wird sich für ihre Bank-Lineups deutlich stärker auf Minimum-Spieler und In-Season-Pickups verlassen müssen. Allenfalls die Clippers können mit ihrer exzellenten Bank um Lou Williams und Montrezl Harrell in dieser Hinsicht noch stärker punkten. Das wird durch den Ausfall von Paul George und Kawhi Leonards Pausen allerdings auch von Anfang an notwendig sein.

Beide dieser Faktoren sind nicht unbedingt vielversprechend für die Playoffs – alle Teams werden sich bis dahin eingespielt haben, und Tiefe spielt bei mehr Minuten für die Starter eine kleinere Rolle. Aber davor steht die Regular Season, in der die Nuggets aller Wahrscheinlichkeit nach sehr gut abschneiden und beste Chancen auf den Top-Seed haben.

Patrick Preis: Utah Jazz

Für mich sind die Utah Jazz ein heißer Tipp auf den ersten Platz in der Regular Season. Nachdem das Team aus Salt Lake City letzte Saison den Projected Win-Loss Record von 54 zu 28 um ganze vier Siege verpasste, hat das Front Office um Genral Manager Justin Zanik und Vice President of Basektball Operations Dennis Lindsey an einigen Stellschrauben gedreht, um dem Team die nächste Saison ein höheres Ceiling zu ermöglichen.

Zum einen konnte vor dem Start der Free Agency der Trade von Mike Conley eingetütet werden. Den Lead Guard der Memphis Grizzlies konnten sich die Jazz für ein Paket aus einigen Picks (First Round Pick 2019 und 2020), einem Talent (Grayson Allen) und zwei Veteranen (Jae Crowder und Kyle Korver) ertauschen. Zusätzlich wurde in der Free Agency Bojan Bogdanovic verpflichtet. Der 30-jährige Wing konnte nach einem Career Year 2018/19 (18/4.1/2 bei 61.3ts%, 22.4 usg% und 114er Ortg) einen vier Jahresdeal in Höhe von 73.1 Mio$ unterzeichnen. Gerade nach der Verletzung von Victor Oladipo konnte Bogdanovic dem Team bei der fehlenden creation helfen und das kopflose Team der Pacers mit seinem Scoring enorm entlasten.

Die beiden Verpflichtungen sollten vor allem Donovan Mitchell die gewünschte Entlastung bringen. Während er in seiner Sophomore-Season etwas enttäuschte, konnte er doch noch nach dem All-Star Break überzeugen (26.7 Punkte, 45.1 3Pt% bei 6.7 Versuchen, Ts% 58.1 und 112er Ortg). Somit gibt es begründete Hoffnung, dass er sich in einigen Bereichen verbessern kann. Letzte Saison hatte Mitchell mit Ricky Rubio als Backcourtpartner kaum Entlastung neben sich und musste vor allem in engen Spielen zu viele Entscheidungen treffen, beziehungsweise zu viel Verantwortung übernehmen für einen Sophomore-Spieler. Mike Conley wird mit seiner Erfahrung und Qualität für Entlastung sorgen, beziehungsweise ein wichtiger Fixpunkt für die eigene Offensive sein.

Bojan Bogdanovic sollte nach seinem Career Year auch als sekundärer oder tertiärer Playmaker zu gebrauchen sein. Er kann sowohl in Banklineups als Creator und Scorer als auch in der Starting 5 als Komplementärspieler funktionieren. Seine wichtigste Eigenschaft für das Team aus Utah dürfte allerdings die Verstärkung auf der gefragten Wing-Position sein. Damit ermöglicht er Quinn Snyder flexiblere Lineups auf das Parkett zu bringen, die durch viel Switching in der Defensive und Flexibilität in der Offensive zu gefallen wissen. Ein Lineup aus Conley, Mitchell, Ingles, Bogdanovic und Gobert dürfte eines der besten Lineups der nächsten Saison sein. Gerade wenn man bedenkt, wie stark die letztjährigen Jazz-Lineups mit Mitchell, Gobert und Crowder waren (+8.9 in 2322 Possessions) liegt diese Schlussfolgerung nahe. Die zwei Lineups Rubio, Mitchell, Ingles, Crowder, Gobert beziehungsweise Mitchell, O’Neale, Ingles, Crowder, Gobert betsachen sogar mit Werten von +14.2 respektive +23.9. Zwar gilt bei solchen Lineup Daten selbstverständlich Vorsicht, allerdings sind diese Daten ein Indiz dafür, dass auch bei den traditionell mit zwei Big spielenden Utah Jazz der moderne Basketball Einzug gehalten hat und das Team mit mehreren Wings einfach besser ist, als mit den eben angesprochenen Twin Towers.

Auch der Heim- und Höhenvorteil spricht für das Team aus Salt Lake City. Die Jazz haben (nach den Denver Nuggets) den besten Heimvorteil der Liga und erringen so circa 2.5 Siege pro Saison mehr als das Team mit dem schlechtesten Heimvorteil (Brooklyn Nets). Dieser Umstand könnte im Kampf um die Krone der Western Conference ein entscheidender Faktor sein, den es für das Team rund um Jungstar Donovan Mitchell zu nutzen gilt.

Tobias Bühner: LA Clippers

Mein Favorit auf den Gewinn der Western Conference in der Regular Season sind die Los Angeles Clippers. Das Team aus LA konnte sich in der vergangenen Offseason nicht nur per Trade die Dienste des Dritten der MVP-Wahl der abgelaufenen Saison Paul George sichern, sondern zudem noch Finals MVP und Free Agent Kawhi Leonard unter Vertrag nehmen. Die beiden bilden im nächsten Jahr eines der qualitativ hochwertigsten Duos der Liga und ergänzen sich zusätzlich auch in ihren Skillsets nahezu ideal. Beide Spieler können on-ball oder off-ball funktionieren und sind defensiv auf ihrem Peak DPoY-Kandidaten.

Aufgrund der Schulteroperationen Georges und dem weithin bekannten Load Management Kawhis ist nicht zu erwarten, dass beide Spieler mehr als 65 Spiele absolvieren. Allerdings ist das aus Sicht der Clippers auch nicht unbedingt nötig. Als Ersatz für einen der beiden Forwards stehen in JaMychal Green und Maurice Harkless Alternativen zur Verfügung, die in der vergangenen Saison oftmals Starter bei Playoff-Teams waren. Mit ihrer guten Defense sollten beide in der Lage sein, als Rollenspieler den Platz der Stars im Starting Lineup auszufüllen und perfekt neben anderen Playmakern zu funktionieren. Neben demjenigen der Stars, der nicht aussetzt, sollte diese Rolle vor allem von „Sixth Man of the Year“ Lou Williams ausgefüllt werden können.

Generell verfügt das Team der Clippers über eine hohe Kadertiefe. Neben den bereits angesprochenen Green, Harkless und Williams kommen auch Montrezl Harrell, der ebenfalls unter den finalen Drei des Sixth Man-Awards war, und der versatil einsetzbare Rodney McGruder von der Bank. Mit Patrick Beverley startet einer der besten Point-of-Attact-Verteidiger der gesamten Liga auf der Eins, dessen Schwächen im Playmaking von den anderen Stars des Teams mehr als aufgefangen werden. Gemeinsam mit Sophomore und Shooting-Spezialist Landry Shamet stellt er den perfekten Supporting Cast für ein gutes Team dar. Die große Bandbreite an versatilen Spielern und Optionen mit guten Rollenspieler-Skillsets erlauben es den Coaches, viele verschiedene Lineups zu bauen, die gut miteinander harmonieren. Mit den beiden Championship-Coaches Doc Rivers und Tyronn Lue auf der Bank sollte sichergestellt sein, dass dieses Potenzial voll ausgeschöpft wird.

Der einzige bisher noch nicht erwähnte Starter ist Center Ivica Zubac. Er, beziehungsweise seine Position, stellen die Schwachstelle des Clippers-Kaders dar. Allerdings verfügt das Team über große Flexibilität, um diese Schwäche auszugleichen, falls im Laufe der Saison augenscheinlich wird, dass Zubac alleine die Lücke nicht schließen kann. Mit dem eigenen Firstround-Pick des 2020er Drafts, dem Lottery Pick vom letzten Jahr Jerome Robinson und geeignetem Filler Salary stehen den Clippers alle Möglichkeiten offen, sich per Trade den nötigen Rim Protector zu sichern. Als analog kann hier die Verpflichtung Marc Gasols durch die Raptors zu letztjährigen Trade Deadline dienen, ohne den diese vermutlich nicht Champion geworden wären.

Die LA Clippers haben das beste Startalent aller in Frage kommenden Kandidaten, viele Rollenspieler, die diese perfekt ergänzen und die Möglichkeit, sich im Laufe der Saison noch weiter zu verstärken. All diese Punkte machen das Team aus Kalifornien zum Favoriten auf den Gewinn des Westens.

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3 comments


  1. Avatar

    Nobody

    Wird in der Tat spannend. Alle genannten Teams haben durchaus Chancen auf den besten Record im Westen, ich würde aber auch die Rockets noch im Rennen sehen. Kann die Skepsis bzgl. des neue Guard-Duos Harden/Westbrook auch nicht in Gänze nachvollziehen. Beide kennen und mögen sich nicht nur seit Jahren, sie haben auch bereits weit über 200 Spiele gemeinsam auf dem Feld gestanden, da wird es zumindest im direkten Zusammenspiel der beiden keine großen Anpassungsprobleme geben, wenn sie den Sommer gemeinsam nutzen. Sicherlich wird es interessant sein zu sehen, wessen Usage stärker zurück geht im Vergleich zu den Vorjahren, aber beide werden schlau genug sein, dem jeweils anderen seine Touches zu gönnen. Wenn Russ zudem begreifen sollte, dass der Ball in der Crunch zur #13 muss, sind ohne langwierige Verletzungen sowohl der Stars aber vor allem auch der Rollenspieler 60+ Siege möglich.

  2. kdurant35

    >

    Hab die Rockets als weiteren Kandidaten auch auf einer Liste. Gemeinsam mit Denver und den Clippers eigentlich meine drei Kandidaten auf Platz 1.
    Utah hat sich mMn für die Playoffs klar gesteigert, seh in der RS aber nicht den riesigen Sprung. Dafür mussten sie zu viel Tiefe aufgeben und bei jemandem mit Conley Verletzungshistorie (Exum ganz zu Schweigen) wäre ich sehr vorsichtig, was die Minuten angeht.

    Die Problematik RWes/Harden seh ich im Gegensatz zu dir jedoch schon. Wird aber womöglich in der RS nicht so schwerwiegend sein wie in den POs. In der Saison seh ich halt die Vorteile von Westbrooks availibility im Vergleich zu CP3 als sehr groß an. Der Fit ist vermutlich nicht ganz so entscheidend.
    Ich tue mich ehrlich gesagt schwer, die Zeit in OKC als GROßEN Vorteil zu sehen, da beide sich doch ehrheblich verändert haben. Mein größtes Fragezeichen ist nicht einmal die Offense (und schon da könnte das Spacing ein Problem sein, wenn Harden ähnlich häufig der primäre Ballhandler ist und Rus sein Offballspiel nicht verändert) sondern in der Verteidigung. Hier musste Houston das System schon auf Hardens Schwächen anpassen, da der nicht gut über Screens kommt. Zwei solch große negative Teamverteidiger sind für mich schon problematisch, wenn Teams in den POs die Schwächen rauspicken und auch das Personal haben, diese zu nutzen. Das trifft in der RS auf die Mehrzahl der Gegner jedoch nicht zu. Daher beziehen sich meine Bedenken eher in Richtung Mai/Juni.
    Gegen die RS der Rockets spricht mMn eher die fehlende Tiefe und die Möglichkeit Harden dank RWes jetzt etwas mehr zu schönen. In Richtung POs würde ich das klar befürworten. Im Kampf um Platz 1 der WC könnte dies jedoch entscheidende Siege kosten.

  3. Patrick96

    >

    Der Westen wird nächste Saison eh witzig.
    Habe Utah als ersten aktuell vor einem Cluster aus 4 Teams, die bei mir alle 52 Siege holen. Clippers, Warriors, Nuggets und Rockets.
    Wenn es bei einem der Teams besser läuft (z.B. Kawhi und PG über 70 Spiele) kann ich mir schon vorstellen, dass sie vor den anderen landen und 55+ Siege holen. Auch bei den Rockets seh ich da das Potenzial, da hab ich dann erst in den Playoffs ernsthafte Bedenken.

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