3-on-1 Fastbreak, Oklahoma City Thunder

Die vorzeitigen Vertragsverlängerungen bei den Thunder

3-on-1 Fastbreak #13

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Bis zum 31. Oktober hatten die Franchises Zeit, die Verträge der Rookies vorzeitig zu verlängern, die im kommenden Sommer zum ersten Mal in Ihrer Karriere Free Agent geworden wären. Sam Presti, der General Manager der Oklahoma City Thunder, machte gleich zwei Mal Nägel mit Köpfen und verlängerte die Verträge von Guard Victor Oladipo und Center Steven Adams vorzeitig. Während Oladipo, der in der vergangenen Offseason von den Orlando Magic zu den Thunder wechselte, ab der Saison 2017-18 84 Millionen USD für die dann folgenden vier Jahre bekommen wird, wird sein Bigman aus Neuseeland in der gleichen Zeit 100 Millionen USD erhalten.

Haben die Thunder mit diesen vorzeitigen Verlängerungen den richtigen Weg eingeschlagen oder hätte man besser bis zum nächsten Sommer abwarten sollen? Sind die zukünftigen Gehälter überhaupt angemessen? Unsere Redakteure Sebastian Hansen, Sebastian Seidel und Marc Petri haben sich mit diesen Fragen beschäftigt.

Sebastian Hansen: 184 Millionen $ – eine stolze Summe, die sich Thunder-GM Sam Presti die Dienste von Victor Oladipo und Steven Adams für die Jahr 2017-2021 kosten lässt. 100 Millionen bekommt Steven Adams, seit 2014 Starting-Center der Thunder, 84 Millionen Guard Victor Oladipo, der im Juni im Zuge des Ibaka-Trades von Orlando nach Oklahoma wechselte. Beide Spieler wären im nächsten Sommer Restricted Free Agents geworden; die Thunder hätten also bei jedem Angebot eines anderen Teams mitziehen und somit die Spieler halten können.

Im Vorfeld, besonders nach dem Abgang Kevin Durants und der Verlängerung Russell Westbrooks, war eher erwartet worden, dass die Thunder die Verträge ihrer drei Restricted-Free-Agents-in-Spe – neben Oladipo und Adams ist das noch Andre Roberson, der noch keinen neuen Vertrag erhielt – eher nicht vorzeitig verlängern würden. Zu sehr spekulierte man darauf, dass die Thunder im Sommer 2017 versuchen würden, einen dicken Fisch in der Free Agency zu landen; Blake Grifffin und Gordon Hayward wurden immer wieder genannt. Doch Sam Presti bewies einmal mehr, dass er gewillt ist, seinen eigenen Weg zu gehen – und er hat dafür gute Gründe.

Für Presti war es schon immer wichtig, Spieler langfristig an die Franchise zu binden, gerade wenn es um Core-Spieler wie Adams und Oladipo geht. Auf einen Bieterwettstreit um die Dienste der beiden begehrten Youngsters wollte er sich verständlicherweise nicht einlassen, zumal er in Vergangenheit mit der Restricted Free Agency im Fall Enes Kanter schon schlechte Erfahrungen gesammelt hatte. Und auch wenn es angesichts der riesigen Summen komisch erscheint: beide Spieler haben einen Paycut genommen. Sowohl bei Oladipo und Adams war man im Sommer davon ausgegangen, dass sie jeweils einen Maximalvertrag bekommen würden, der je nach tatsächlichem Salary-Cap bei jeweils ca. 106 Millionen $ gelegen hätte. Diese Prognose wäre im nächsten Sommer mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch eingetreten, wenn man bedenkt, was für Verträge Spieler wie Allen Crabbe oder Tyler Johnson in diesem Sommer bekommen haben. Der neue Fernsehvertrag macht es möglich. Presti spart durch die Verlängerungen also insgesamt rund 28 Millionen $ – Geld, das er für andere Spieler ausgeben kann – und bindet zwei seiner wichtigsten Spieler über lange Zeit.

Der einzige Nachteil der Verlängerungen: die Thunder verlieren fast jede Möglichkeit, im nächsten Sommer einen Max-Vertrag anbieten zu können. Dabei geht es um die Verlängerung von Steven Adams. Dessen Cap Hold hätte nach den im neuen CBA wahrscheinlich implementierten Regeln (Cap Hold = 300% des Rookie-Salaries für Spieler nach dem vierten Jahr) ca. 10 Millionen Dollar betragen. Die Thunder hätten somit über 10 Millionen Dollar mehr Cap Space gehabt, den sie vor einer Verlängerung von Adams hätten ausgeben können. Victor Oladipos Cap Hold dagegen wäre mit gut 19 Millionen Dollar höher gewesen als sein neuer Vertrag im ersten Jahr wert ist. Diesen Nachteil geht Presti jedoch ein. Zu unattraktiv ist Oklahoma City für Free Agents in den letzten Jahren gewesen, fast nie konnte Presti einen seiner Wunschspieler (bspw. Pau Gasol, Shane Battier oder CJ Miles) davon überzeugen, bei den Thunder zu unterschreiben. Die Sicherheit, Schlüsselspieler langfristig zu binden, ist für ihn wichtiger als die vage Aussicht auf einen Free Agent. Presti wählt den Spatz in der Hand anstatt der Taube auf dem Dach.

Bleibt die Frage, ob die Verträge sportlich gerechtfertigt sind. Beide Spieler haben unbestritten enorm hohes Talent und vor allem Adams hat in den letzten Playoffs bewiesen, dass er einer der drei besten Defensivcenter der Liga werden kann. Adams zeichnete sich in der Offensive zudem als kongenialer Pick-and-Roll-Partner von Superstar Russell Westbrook aus. Oladipo hat dagegen sein Talent bisher lediglich aufblitzen lassen können, beispielsweise gegen Ende der letzten Saison. Doch er gilt jetzt schon als Two-Way-Wing mit riesigem Verbesserungspotential. Auch wenn die Sample-Size für Top-Leistungen der beiden Spieler bisher nicht riesig ist: das Investment in ihre Zukunft und ihr Potential ist absolut richtig, auch in dieser Höhe. Beispiel Adams: der Center ist jetzt schon nicht so viel schlechter als DeAndre Jordan – und der Clippers-Big erhält seit 2015 ca. 20 Millionen Dollar pro Jahr. Mit dem damaligen Salary Cap ist das prozentual ca. das, was Adams jetzt in OKC verdient. Natürlich, die Gehälter sehen zurzeit astronomisch aus, die Fans sind sie noch nicht gewöhnt. Aber die Preise sind jetzt nun mal so – irgendwer hätte beiden Spielern im nächsten Sommer sicher einen Maximalvertrag angeboten. So spart Presti Geld und sichert sich beide Spieler für einen langen Zeitraum. Nachteil ist die aufgegebene Flexibilität, doch die fällt aufgrund der Eigenschaft OKCs als Small Market nicht so sehr ins Gewicht. In der Gesamtabwägung deshalb: alles richtig gemacht.

 

Sebastian Seidel: Durch den astronomischen Fernsehvertrag und dem daraus resultierenden enormen Anstieg des Caps, schossen die Gehälter im letzten Sommer scheinbar unbremsbar in die Höhe. Die Bewertung eines Vertrages gestaltet sich schwierig, da es kaum Maßstäbe gibt. Auch der Querverweis zu anderen Spielern, muss immer mit Vorsicht betrachtet werden. Denn ein schlechter Vertrag kann nicht einen anderen Vertrag rechtfertigen.

Wird der Blick auf den kommenden Sommer geworfen, so fällt auf, dass den Teams verhältnismäßig deutlich weniger Geld unter dem Cap zur Verfügung stehen wird. Dies liegt zum einen daran, dass der Anstieg des Salary Caps vermutlich nur sehr moderat sein wird (von 94 Millionen auf 102 Millionen) und zum anderen daran, dass nahezu jedes Team im letzten Sommer kräftig investiert hat. Nach aktuellem Stand wären nur 7 Teams in der Lage überhaupt einen 25%-Max-Contract anzubieten und das auch nur sollten sie alle Capholds fallen lassen. Auch wenn sich die Payrolls der Teams bis zum nächsten Sommer durch Trades und Optionen mit großer Wahrscheinlichkeit noch ändern werden, deutet dies doch an, dass der Markt an potentiellen Konkurrenten und die absolute Menge an verfügbaren Capspace deutlich kleiner sein wird. Dies ist also der genaue Gegensatz zur letzten Offseason, wo es viel Capspace und viele verschiedene Bieter gab. Dies könnte dazu führen, dass die Verträge im kommenden Sommer etwas moderater sein werden. Das Team mit den Birdrechten kann aufgrund des langfristigen Cap-Anstiegs zwar deutlich über den Cap gehen, wird dies bei einer schwachen Angebotslage in vielen Fällen jedoch nicht müssen.

Vor allem die vorzeitige Vertragsverlängerung von Steven Adams ist für mich deshalb kritisch zu betrachten. Selbst wenn ein Team im Sommer Adams einen Max-Contract angeboten hätte, könnten die Thunder das Offer Sheet matchen und Adams würde über die vier Vertragsjahre insgesamt nur sechs Millionen Dollar mehr verdienen. Die Thunder wären also wenig Risiko eingegangen, wenn sie den Wert von Adams im nächsten Sommer auf dem freien Markt getestet hätten. Zudem schätze ich die spielerische Qualität und das Upside-Potential von Steven Adams auch deutlich geringer ein als Sebastian Hansen. Adams hat sich in den letzten Jahren zu einem absolut soliden Starting Center entwickelt. Vor allem in der Defensive bringt er sehr brauchbare Qualitäten mit sich. Adams bewegt sich solide im Pick&Roll und ist auch nach Switches gegen kleinere Gegenspieler nicht völlig aufgeflogen. Zusätzlich kann er den ein oder anderen Abschluss am Ring verändern, auch wenn seine Ringbeschützerqualitäten noch deutlich von einem wirklich elitären Niveau entfernt sind. In der Offensive hat Adams seine Qualitäten als Offensivrebounder, Blocksteller und Roll-Man und wird durch den Abgang von Ibaka sicherlich noch häufiger im Pick&Roll mit Westbrook eingesetzt. In meinen Augen wird Adams mit diesem Skillset aber auch immer ein klassischer Rollenspieler bleiben. Eine Entwicklung zu einem der besten drei Defensivcenter finde ich ebenfalls relativ unwahrscheinlich. Zusammenfassend halte ich weder den Zeitpunkt noch die Höhe des Vertrages von Adams für richtig.

Das Vorgehen des Managements bei Victor Oladipo finde ich deutlich nachvollziehbarer. Wie Sebastian Hansen schon richtig darstellt, hätte ein Abwarten auf die Free Agency 2017 den Thunder keine zusätzliche Flexibilität gegeben. Zudem ist der Vertrag deutlich weiter von einem Max-Contract entfernt. Sollte im Sommer also ein Team tatsächlich auf die Idee kommen Oladipo einen Maximalvertrag anzubieten, dann müssten die Thunder, über die vier Vertragsjahre, Oladipo 22 Millionen Dollar mehr auszahlen. Aus den oben genannten Gründen empfinde ich dieses Szenario auch hier unwahrscheinlich, die finanziellen Folgen wären jedoch deutlich fataler als bei Adams.
Zudem glaube ich, dass Oladipo noch ein größeres Upside in seinem Spiel hat. Sein Wurf hat definitiv noch Potential und auch sein Playmaking und seine Wurfauswahl sollten sich noch verbessern.

Abschließend möchte ich noch festhalten, dass ich es auch richtig finde einen jungen Spieler wie Adams langfristig an sich zu binden, notfalls auch zum Maximalvertrag. Nur denke ich, dass der Preis auf dem freien Markt im nächsten Sommer deutlich billiger geworden wäre.

Marc Petri: Die Intention auch in Zukunft auf Steven Adams und Victor Oladipo zu setzen ist richtig, hier dürfte es eigentlich keine zweite Meinung geben. Beide sind schon jetzt absolute Leistungsträger, bieten zudem aber noch genügend Upside, um in Zukunft noch größeren, positiven Impact zu generieren. Gerade Steven Adams machte in der vergangenen Saison einen großen Schritt nach vorne und gilt als ein Center, der in den kommenden Jahren einen großen, positiven Einfluss auf beiden Seiten des Courts haben wird. Offensiv harmoniert er sehr gut im Pick and Roll mit Russell Westbrook, zudem stellt er offensichtlich gute Screens, die es den Ballhandlern der Thunder immer wieder erlaubt entweder selbst zum Korb zu ziehen oder freie Spot-up-Schützen zu finden. Defensiv beschützt er den Korb und ist zudem mobil genug, um im Pick and Roll auf den Ballhandler zu switchen. Seine positive Entwicklung war einer der Hauptgründe dafür, dass man sich in der vergangen Offseason von Serge Ibaka trennte um Victor Oladipo zu verpflichten. Hier wurde – auch wegen dem genannten Gegenwert – früh deutlich, dass man langfristig mit Oladipo planen wird.

Im Gegensatz zu einer vorzeitigen Vertragsverlängerung hätte man im kommenden Sommer beiden Spielern ein Arbeitspapier über fünf Jahre ausstellen können und da gerade bei Steven Adams die Frage ist, wie viele Teams im kommenden Sommer auf der Suche nach einem Center sein werden, hätte man hier durch eine Streckung des Vertragszeitraums eine Verminderung des Einstiegsgehalts bewirken können. Hätte es für Adams, der sich offensichtlich auch sehr stark mit den Thunder identifiziert, eine Alternative zu einem Vertrag gegeben, der ihm 110 Millionen über fünf Jahre einbringt? Vermutlich nicht. Sein Einstiegsgehalt in einem solchen Szenario hätte bei knapp 19 Mio. USD gelegen. Aktuell wird vermutet, dass der Caphold für auslaufende Rookie-Verträge bei 300 Prozent des letzten Gehalts liegen wird, im Fall von Steven Adams würde er somit bis zum Vertragsabschluss knapp unter 10 Mio. USD blockieren. Es wird deutlich: Diese vorzeitige Vertragsverlängerung nimmt den Thunder einiges an Flexibilität im kommenden Sommer. Gerade weil sein nun neu-verhandeltes Einstiegsgehalt für 2017-18 nicht weit von einem Max-Angebot entfernt ist, hätte man hier meiner Meinung nach aktuell noch nicht handeln sollen.

Im Fall von Oladipo schließe ich mich der Meinung meiner Kollegen an. Da sich in seinem Fall der prognostizierte Caphold und der neue Vertrag die Waage halten und zudem davon auszugehen ist, dass es in der kommenden Saison einen größeren Markt für Ballhandler und Wings geben wird, scheint der hier von Presti gegangene Weg logisch.

Abschließend stelle ich fest, dass sowohl Victor Oladipo als auch Steven Adams so gut bzw. talentiert sind, dass es sich verbietet von einer schlechten Entscheidung zu sprechen, Sam Presti setzt sich mit der verminderten Flexibilität in der kommenden Free Agency  jedoch selbst unter Druck und muss das Team nun auf anderem Wege verstärken. Denn trotz dem guten Start in die neue Saison gibt es im Team der Thunder (gerade offensiv) noch zu viele Fragezeichen um, sowohl in dieser Saison als auch mittelfristig, eine übergeordnete Rolle im Westen zu spielen.

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